MC18 NOV17x2

Social Media Icons Shop 55

Ken Adam

Ken Adam bei der Vorstellung seiner Biographie

 

Visionen

Ausstattung hat immer auch mit Visionen zu tun, mit Räumen, Gebäuden und Landschaften, die es so nicht mehr gibt oder vielleicht auch nie geben wird. Einer, der sich einen Namen gemacht hat im Kino mit irrealen Welten, ist der Set-Designer Ken Adam, der vor allem den James-Bond-Filmen seine Handschrift aufgeprägt hat.

Von "Dr. No" bis zu "Moonraker" versorgte Adam die Agentenfilme mit spektakulären Locations und ungewöhnlichen Accessoires, wie kugelschreiberförmigen Pistolen oder Autos mit Raketenwerfern und Schleudersitz. Doch obwohl in seinen Sets sehr häufig Computer zu sehen waren, standen bei Ken Adam eigentlich immer Zeichnungen am Anfang seiner Entwürfe. Kein Wunder, schließlich studierte er Architektur und begann nach dem Krieg als Bauzeichner.

Durch eine Zufallsbegegnung mit dem Art Director Andy Massey begann er bei den Riverside Studios in Hammersmith. Noch vor den Bond-Filmen machte er mit der Ausstattung für "In 80 Tagen um die Welt" auf sich aufmerksam und wurde für den Oscar nominiert.

 

Da mussten Raketen rausfliegen können

Ken Adam im Gespräch

Ken Adam schildert seine Erfahrungen an den Filmsets

Anfang der 60er Jahre wurde er für den James-Bond-Film "Dr. No" verpflichtet und prägte sieben Filme lang die Geheimwaffen Bonds, Schauplätze seiner Abenteuer und abstrusen Kommandozentren der Bösewichte. Dabei spielten laut Adam die Drehbücher eine untergeordnete Rolle, ja, sie wurden sogar für ihn geschrieben, seinen Entwürfen angepasst. Auf diese Weise konnte er das James-Bond-Genre förmlich selbst erfinden. Da es keine Compositing-Computer gab, musste man die Raumschiffbasis unter einem Vulkantrichter mit 40 Metern Höhe schlichtweg bauen. "Das ging nicht anders", meint Adam, "da mussten Hubschrauber rein und Raketen rausfliegen können." Selbst die exotischsten Waffen und Fahrzeuge waren zu 80 % tatsächlich funktionstüchtig.

Mit welchen Budgets damals gearbeitet wurde, klingt für heutige Low-Budget-Produktionen sehr ermutigend. So hat die Produktion von "Dr. No" insgesamt nur eine Million Dollar gekostet, der Etat für die Ausstattung lag bei etwa 40.000 Dollar. Dabei sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren, wie viel ein Dollar 1961 wert war. Doch das Prinzip, fehlendes Budget durch Fantasie auszugleichen, ist nachahmenswürdig. Ein Zylinder mit messerscharfer Hutkrempe etwa gehörte zu den preiswertesten Extras. Dass Adam für spätere Bond-Filme auf deutliche höhere, millionenschwere Etats zurückgreifen konnte, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Schließlich wurden auch die Ansprüche an die technischen Finessen und Sets immer höher.

 

Zeichnen war wichtig

Damals musste man noch zeichnen können.

Ins Kabinett des Dr. Caligari

Geboren wurde er am 5. Februar 1921 als Klaus Hugo Adam in Berlin. 1934 musste der damals Dreizehnjährige mit seiner Familie vor den Nazis nach London flüchten. Sein großes Vorbild waren die expressionistischen Filme der 20er Jahre, "Caligari" oder zum Beispiel "Metropolis". Seine Entwürfe erinnern mit den Schrägen, den gigantischen Raummaßen und Stilisierungen tatsächlich ein wenig daran. Eigentlich findet er die Wirklichkeit recht langweilig und bedauert, dass der größte Teil heutiger Filme lediglich die Realität abbildet.

Doch auch ganz andere Filme trugen seine Handschrift. "Dr. Seltsam" von Stanley Kubrik etwa, für den er auch "Barry Lyndon" ausstattete. Aber auch für 70 weitere Filme, darunter "The Madness of King George", "The Freshman", "Addams Family", "Die Eule und das Kätzchen" oder "Der letzte Kaiser" zeichnete er als Filmarchitekt verantwortlich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Skizzenblock hat all seine Vorhaben begleitet. In ihm beweist sich einmal mehr, dass Kreativität mit Skizzen und Umrissen beginnt, die man im Gespräch mit der Regie leicht verändern kann. Träge Zeichen-, CAD- oder 3D-Programme müssen längst nicht immer als Visualisierungshilfen bemüht werden.

Noch als über 90jähriger arbeitete Ken Adam nicht mehr an Filmen. Seine letzte filmische Arbeit "Der Fall Furtwängler" (Regie: István Szabó) wurde in Berlin gedreht, jene Metropole über die er gerne noch einen Film machen wollte, wie sie in den 20er Jahren aussah. Ken Adam starb mit 95 Jahren.

 

Kameraworkshop Banner 8 23 4000

Weitere neue Artikel

Sie kommen daher im Deckmäntelchen des Dokumentarischen, sind aber schlichte Werbefilme für ihre Protagonisten

Früchte sind nicht nur ein beliebter Lieferant für Vitamine, sondern auch für Filmtitel. Wir haben zugebissen...

Warum die kleinen Plastiksteinchen aus Skandinavien so viele Stop-Motion Filme hervorgebracht haben...

Wie man vor CGI und Computeranimationen mit Modelltricks und Einzelbildern Fantasiewelten erschuf

Historische Verbrechen und deren Aufklärung sind zentraler Plot in einigen spannenden Kinofilmen und Serien

Weshalb Kunsträuber im KIno schon immer eine wichtige Rolle eingenommen haben

Wer im Web nach bestimmten Themen sucht, kann höchst unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Die besten  Rechercheprompts...

In den 50er und 60er Jahren stürzte sich das US-Kino geradezu auf Italien, das Sehnsuchtsland nicht nur der Amerikaner...

Eigentlich überrascht es uns kaum noch, dass auch die Flatscreen Fernseher unser Verhalten präzise überwachen...

Warum nur hat die generative KI so große Probleme bei der Darstellung von Händen und Füßen? Ein Versuch, das zu verstehen...

Wie rasant sich die Technik rund um die Unterdrückung unerwünschter Tonsignale entwickelt hat, ist kaum zu glauben...

Wie die Slapstick-Komödien zu den erfolgreichsten frühen Genres der Stummfilmzeit wurden und bis heute nachwirken

So wie einst die Nagra den Filmton revolutionierte, hatten die britischen Mischpulte die Arbeit an Filmsets radikal verändert.

Es ist schon etwas besonderes, wenn der Titel eines Films aus seiner Handlung oder seinen Dialogen entspringt...

Grauzonen, Schwarzkopien, Bootlegs – Wir blicken auf die Geschichte der „dunklen“ Seite des Films.

Unsere Welt, das Leben um uns herum bietet unzählige spannende Geschichten, die geradezu danach rufen, verfilmt zu werden...

Streaming und Filmkultur: Wie legale Streaming-Seiten die Film,- und Medienwelt verändert haben

Krise oder Transformation? Ein Plädoyer für neue Formen des Dokumentarischen