Die Kamera unterstützt den Stil

Jacques Katharina Kekse 2000

Größenunterschiede: Katharina Thalbach und Jacques Breuer in „Liebe, Leben, Tod“ (Regie: Mathias Allary)

 

Der Stil eines Filmes, seine örtliche und zeitliche Zuordnung ist ganz häufig verbunden mit technischen und gestalterischen Vorgaben von Kamera, Licht und Ausstattung. Die Filterung, das Aufnahmematerial, zitierte Stilmittel bestimmter Länder oder Epochen geben Filmen eine ganz bestimmte Anmutung, einen „Look“. Dabei sollte der Look nie frei und unabhängig von der Filmgeschichte gewählt sein, sondern diese im Idealfall unterstützen.

 

Ob man den Zuschauer mitten in die Farb- und Bilderwelt der 70er Jahre hineinwerfen will, a la „Austin Powers“, oder in die 20er-Jahre-New-Orleans-Stimmung in „Pretty Baby“, der Kamera-Look prägt entscheidend die Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichte. Darüber hinaus können bestimmte Milieus oder Wertesysteme, edle, fremdartige, armselige, futuristische, amateurhafte oder beispielsweise dokumentarische durch Faktoren, die mit der Kameraarbeit zusammenhängen, transportiert werden.

 

Auf diese Weise können bewusst Künstlichkeit, der Eindruck einer Soap, von Werbung, einer glaubwürdigen Reportage, von privat gedrehten Schmalfilmen, Live-Übertragungen etc. erzeugt werden. Manche Filme spielen sogar mit verschiedenen Stilmitteln gleichzeitig, wie etwa Woody Allens „Zelig“, in dem pseudo-historische Aufnahmen verschiedenster Epochen nachgestellt wurden.

 

Look-Design setzt immer auf mehreren Ebenen an. Da sind das Licht, die Wahl der Objektive, die Ausstattung, das Kostümbild und das Color-Grading, die Hand in Hand zusammenwirken sollten um eine perfekte Gesamtwirkung zu erzeugen. Für diese Gesamtleistung braucht es in der Regel eine gute Koordination. Wichtige Schnittstellen sind hier in Europa die Regie und in den USA der/die Production-Designer-in. Hier laufen alle Fäden zusammen und hier liegt auch die Verantwortung für ein stimmiges visuelles Endergebnis.

 

Die Abbildung durch die Kamera

Neben dem Look gibt es auch Phänomene, die unabhängig vom kreativen Gestalten, die Wiedergabe durch die Kamera beeinflussen. Die Kamera bzw. die Optiken verändern nämlich die Realität auf vielfältige Weise. Sauber/Schmutzig – Groß/Klein – Dick/Dünn – Nichts ist, wie es wirklich ist...

Eine technische Erklärung für alle Veränderungen gibt es nicht, aber sicher ist:
Die Kamera manipuliert so manches. Eines der Phänomene ist, dass es sehr schwierig ist, durch die Kamera etwas ärmlich, schäbig oder heruntergekommen aussehen zu lassen. Entweder es sieht künstlich aus, zu gewollt, oder aber sogar interessant, hübscher und freundlicher als real. Um etwas auf der Leinwand elend aussehen zu lassen, muss man manchmal die Ausstattung überhöhen, damit es richtig wirkt.

 

Relative Maße

LLT Set Paul Mischke 2000

 

Sehr viele internationale Filmstars (Belmondo, Delon, Cruise etc.) sind relativ klein. Warum fällt uns das in den Filmen nicht auf? Die Kamera wird meistens in Augenhöhe der Schauspieler oder sogar mit leichter Untersicht aufgestellt.

 

Wenn diese Schauspieler Szenen mit großgewachsenen Schauspielern haben, werden manchmal am ganzen Boden erhöhte Laufstege errichtet, damit der Größenunterschied nicht auffällt.

 

Viele Schauspieler sind sehr, sehr schlank. Man möchte ihnen fast etwas zu essen reichen, wenn sie leibhaftig vor einem stehen. Im Film sehen sie aber völlig wohl genährt aus und man würde nie auf die Idee kommen, sie seien extrem mager. Im Gegenteil: Jemand mit einer im allgemeinen Sinn „normalen Figur“ sieht im Film bereits füllig aus. Die Kamera verfremdet die Wahrnehmung. Es ist wichtig, diese Phänomene zu berücksichtigen, sonst kann es sein, dass man völlig andere Wirkungen erzielt, als beabsichtigt.

 

Schmuddel-Look ] [ Überbelichtung ]
 
 

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