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Seitliches Gegenlicht und aufsteigender Nebel sind perfekte Zutaten für atmende, lebendige Naturaufnahmen

 

Beeindruckende Aufnahmen an ganz besonderen Orten einfangen- die besten Tipps für Natur,- Filmer und Fotografen. Wer in die Natur hinaus geht, um möglichst spannende, visuell anmutende Aufnahmen von Pflanzen und Tieren einzufangen, bringt meistens ein tiefes Naturverständnis mit und liebt es, oft genug auch ganz allein, durch mehr oder weniger naturbelassene Landschaften zu gehen. Was gibt es dabei zu bedenken, welches Equipment ist zu empfehlen und welche gestalterischen Tipps gibt es, um die Aufnahmen möglichst hochwertig und interessant aussehen zu lassen? Soviel vorab,- wer Naturaufnahmen machen will, darf es sich nicht zu gemütlich machen. Frühes Aufstehen, lange Wege mit schwerem Equipment und viel Geduld gehören einfach dazu. Außerdem darf man nicht unterschätzen, dass einem in der Natur auch Wild,- und Raubtiere sowie Schlangen begegnen können. Festes Schuhwerk und geeignete Kleidung sind verpflichtend und gewisse Verhaltensmaßregeln, was zu tun ist, wenn einem beispielsweise Hirsche, Rentiere oder Wildschweine mit Jungen begegnen, sollte man sich aneignen.

 

Das Equipment

Es gibt ein paar Vorgaben oder Gegebenheiten, die man bei der Auswahl des Equipments beachten sollte. Da wir es bei den allermeisten Landschaftsaufnahmen mit sehr vielen Details zu tun haben, sollte man auf eine hohe Auflösung achten. Hier ist 4K also durchaus sinnvoll und in den meisten Fällen HD überlegen. Es sollte unbedingt eine Systemkamera sein, damit man an den entsprechenden Mount Wechselobjektive anbringen kann und sie sollte einen möglichst großen Dynamikumfang, vielleicht auch HDR (High Dynamik Range) besitzen, denn in der Natur können die Kontrastunterschiede ziemlich stark ausfallen. Dabei muss es nicht unbedingt eine dezidierte Videokamera sein, eine hochwertige Mirrorless mit APS-C oder Fullframe ist dafür genauso gut geeignet. Viele Features, die eine Videokamera bietet, wie etwa mehrere XLR Eingänge für den Ton sowie BNC Buchsen für den Timecode etc. braucht man bei Naturaufnahmen eher selten.

Um diese hohe Auflösung auch wirklich ausspielen zu können, benötigt man hochwertige Objektive. Was die Brennweiten angeht, so sollte man mindestens ein Weitwinkelobjektiv (zwischen 16 und 35mm und ein Teleobjektiv (zwischen 70 und 200 mm) dabei haben oder aber ein gutes Zoom, welches auch einen ordentlichen Telebereich abdeckt. Hochwertige Objektive sind in der Regel teuer, doch die Ergebnisse sprechen für sich.

Polfilter sind wichtig, sie helfen Reflektionen etwa von Wasseroberflächen zu entfernen, die Farbe des Himmels wird intensiver und er entfernt auch Streulicht, die Aufnahmen werden einfach kontrastreicher, knackiger. Falls die Kamera keine eingebauten ND Filter besitzt, sollte man sich einen passenden variablen ND-Filter (Filtergewinde Frontlinse beachten) zulegen. Das verschafft einem mehr Möglichkeiten.

Und natürlich ist ein stabiles, zugleich leichtes Stativ. Allzu leicht darf die Konstruktion nicht sein, denn wenn man mit langer Brennweite dreht, wird auch das Wackeln oder Zittern des Stativs visuell im Bild mit vergrößert. Die Stativbeine müssen also verwindungssteif sein, professionelle Leichtstative mit 75mm Schale können das durchaus leisten. Leider sind gute hochwertige Stative nicht wirklich leicht, man muss also akzeptieren, dieses Gewicht auch mitzunehmen, wenn man sich hinaus in die Natur begibt. Carbon- Stative sind etwas leichter, doch die Gewichtsersparnis gegenüber Aluminiumstativen ist oft gar nicht so groß, der Preisunterschied allerdings schon. Für saubere Schwenks sind hochwertige Fluid-Heads (Hydroköpfe) unerlässlich.

Da man nie weiß, wie das Wetter sich entwickeln wird, sollte man Regenfeste Taschen und Kleidung mitführen um das Equipment schützen zu können und auch selbst geschützt zu sein.

 

Bildaufbau

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht...im Wald kann es auf Grund der Wiederholung und Dichte an Baumstämmen schnell unübersichtlich werden. Hier sollte man durch Bildgestaltung entgegenwirken...

 

Bei der Kadrage oder der Ausrichtung der Kamera sollte man stets darauf achten, wass der Horizont waagerecht ist, die Kamera also im Wasser steht. Das kann man versuchen, nach Augenmaß zu tun, doch das ist nicht immer so einfach bei den kleinen Displays oder den Kamerasuchern. Dabei hilft und ist eigentlich die bessere Lösung, die Libelle am Stativ oder wenn es keine besitzt gibt es Libellen die man in den Blitzschuh der Kamera einstecken kann.

Die alten Grundregeln des Bildaufbaus von Vorder, Mittel,- und Hintergrund Aufbau um Aufnahmen plastischer aussehen zu lassen, haben auch heute noch ihren Sinn. Und man sollte nicht nur die Weite, das Große ins Bild nehmen, sondern auch die Schönheit oder Besonderheit in den kleinen Dingen, den Details entdecken und filmisch festhalten.

Natur kann, etwa wenn man einen Wald aufnimmt, etwas verwirrend, unruhig oder ungestaltet wirken. Man sollte unbeding darauf achten, dass man bestimmt Elemente im Motiv betont, sie visuell durch die Kameraposition und den Ausschnitt herausarbeitet, also für eine gewisse visuelle Klarheit sorgt. Betont man einen bestimmten Baum, seine Wurzeln etc. dann wird das Bild klarer und man wird als Zuschauer in gewisser Weise gelenkt.

 

Der gleiche Wald, doch der Baumstamm im Vordergrund schafft eine visuelle Beruhigung und Fokussierung

 

Licht

Wie so oft ist das Licht ganz wichtig, es macht den Unterschied aus, ob etwas relativ banal oder verzaubert aussieht. Die tiefstehende Sonne am Morgen oder bei der Abenddämmerung ist besonders schön, ebenso solche Phänomene wie Dunst oder Nebel. Dabei ist es wie bei allen anderen Aufnahmen auch, im Gegenlicht sehen Motive besonders schön aus. Auflicht ist eher uninteressant.

Besonders beliebt ist die sogenannte "Goldene Stunde" also die Zeit unmittelbar nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Dann wird alles in warmes, weiches Licht getaucht, das wirkt sehr stimmungsvoll. Gänzlich anders, aber auch spannend ist die sogenannte "Blaue Stunde" also die Zeit unmittelbar vor oder auch noch kurz nach dem Sonnenuntergang. Da wird die Welt in ein bläuliches, sehr zartes Licht getaucht, das wirkt fast ein wenig unwirklich und verträumt.

Bei Naturaufnahmen arbeitet man meist mit kleinen Blendenöffnungen (hohe Blendenzahl) damit alles auch wirklich richtig scharf ist.

Ebenfalls wichtig ist die richtige Perspektive, dazu muss man auch mal ein wenig herumgehen, schauen, welche Richtung und Kameraposition am besten aussieht. Überhaupt muss man sich Zeit lassen, sich in Ruhe umschauen um die besten Motive zu entdecken.

 

Panoramen können schnell flächig wirken, wenn man aber die uralten Regeln von Vorder, Mittel und Hintergrund und von den Linien einhält, muss das nicht so sein.

 

Bewegung

Wer ein Naturvideo dreht, sollte sich stets fragen, wodurch es sich von einem Foto unterscheidet. Der wichtigste Unterschied ist sicherlich die Zeitebene, dass wir nicht nur den Moment eines Fotos aufnehmen, sondern eine ganze Zeitphase. Und dass es sich um eine Zeitphase handelt, dass erkennt man immer dann, wenn sich etwas im Bild verändert oder bewegt. Gerade in der Natur, wenn man etwa eine Landschaftstotale dreht, kann es sein, dass sich visuell sehr wenig im Bild verändert. Wir können aber durch Schwenks oder auch Slider, Gimbal oder Steadicamfahrten Bewegung in statische Motive bringen. Oder durch eine Kameradrohne neue Perspektiven eröffnen. Bei all dem stellt sich natürlich immer die Frage nach dem Transport des Equipments. Wichtig ist stets, dass die Bewegungen einen Sinn ergeben, irgendwo hinführen, auf irgend etwas aufmerksam machen oder Zusammenhänge schaffen.

Zudem kann das Bild sehr flächig aussehen, wenn man beispielsweise Felder, Waldränder und Berge in der Entfernung aufnimmt. Hier sollte man sich Gedanken machen, wie man etwas Bewegung in das Bild hineinbringt und auch, wie man es weniger flächig aussehen lässt. Beides kann man dadurch lösen, dass man etwa einen Baum, Büsche, sich bewegendes hohes Gras etc. im Vordergrund mit ins Bild nimmt. Im Idealfall sollte sich immer etwas bewegen, wir fotografieren ja nicht, wir filmen. Das kann bereits Laub sein, und Äste, die sich im Wind bewegen, oder das Wasser eines Gebirgsbachs, ein Mensch oder Tiere, die sich bewegen etc.

Wildtiere und Vögel können natürlich dazu beitragen, Naturaufnahmen lebendiger und interessanter aussehen zu lassen. Auch wenn man nicht über all die Skills und Hilfmittel von Tierfilmern verfügt, gelingen einem manchmal spannende Tieraufnahmen in der Natur.

 

Natur Berge Gestalt 4000

Gleiches Gebirge, aber andere Bildgestaltung. Diagonalen führen ins Bild hinein, es gibt mehrere Bildebenen und ein Mensch bewegt sich zudem im Bild, so wird die Aufnahme gleich plastischer und lebendiger

 

Aus diesem Grunde sind Zeiten, in denen es windiger ist und vielleicht Blätter an den Bäumen sind oder im Herbst herunter fallen, wenn Nebelschwaden aufsteigen oder auch wenn Wolken am Himmel sichtbar weiterwandern visuell interessant. Und wenn sich wirklich zu wenig tut, als dass man die Veränderungen innerhalb einer Einstellung bemerken würde, kann auch vom Stativ aus mit Zeitraffer drehen, dafür gibt es Plugins, also Apps, die man etwa in die Kamera laden kann. Diese nehmen dann beispielsweise pro Sekunde oder pro Minute ein Bild auf und in der so entstehenden Sequenz sieht man dann doch die Wolken ziehen oder die Sonne wandern. Natürlich haben solche Aufnahmen etwas unreales, künstliches, doch andererseits kann man damit Naturphänomene sichtbar werden lassen, die wir mit dem bloßen Auge bzw. in Echtzeit nicht bemerken würden.

Doch auch die Kamera kann sich bewegen, langsame Bewegungen und kleine Fahrten kann man dank OIS im Objektiv und stabiliertem Kamerasensor durchaus auch mal aus der Hand filmen. Das heißt aber nicht Hektik und Unruhe, sondern ruhige, kontrollierte bewegte Kameraführung. Und eigentlich sollte sich die Kamera mit dem Motiv bewegen. Es wirkt am organischsten, wenn man Bewegungen durch mitschwenken oder auch ruhigem Bewegen mitverfolgt. Natürlich kann man auch ohne dass etwas oder Jemand sich im Bild bewegt, schwenken, doch das sollte stets motiviert sein, also irgendwo die Aufmerksamkeit hin lenken, vielleicht einen Zusammenhang aufzeigen, genauere Details zeigen oder etwas erklären.

Veränderte Geschwindigkeiten können in manchen Situationen die Aufnahmen interessanter machen. Zeitlupe etwa wenn sich bestimmte Elemente im Bild bewegen, wie fallendes Herbstlaub oder Schnee oder Regen. Hier sollte man einen hohen Wert (also 120 B/Sek und höher) wählen, damit die Stilisierung auch eindrucksvoll wird. Falls die Kamera das nicht anbietet, kann es helfen, die Auflösung zu reduzieren, dann schaffen viele Kameras mehr Aufnahmen pro Sekunde.

 

Der Ton

Last but not least: Die Tonebene wertet jeden Film auf, macht ihn einfach größer und intensiver. Naturgeräusche sind unendlich wichtig und man sollte sich einfach die Mühe machen, überall wo man dreht, gleichzeitig starke Atmos aufzunehmen. Dafür verwendet man am besten ein externes Mikrofon (Stereo) mit Fell und Windschutz. Zoom bietet beispielsweise eine ganz ordentliche MS Mikrofonkapsel für diverse Kompaktrekorder an, mit der man mit pasendem Fell bzw. Windschutz gute Atmos aufnehmen kann.

 

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