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Räumlichkeit und Perspektive

Es sind unsere Seherfahrungen mit der Welt und diese wenigen Zentimeter Abstand zwischen unseren Augen, die uns helfen, die Realität räumlich zu sehen. Sobald wir sie abbilden, als Zeichnung, Malerei, Foto oder auf Film, wird sie zweidimensional.
Dieses Phänomen haben bereits die Menschen in der Frühzeit schmerzlich erfahren und nach Wegen gesucht, das Räumliche in ihre Abbildungen einzubringen. Die Höhlenzeichnungen in den französischen Höhlen belegen dies deutlich. Mit relativ simplen Mitteln waren sie bemüht, zumindest innerhalb ihrer Möglichkeiten ein Raumgefühl zu erzeugen.

Dargestellte Personen und Tiere verdecken sich teilweise, auch sind ihre Proportionen so dargestellt, daß das was dem Betrachter am Nächsten liegt, proportional größer abgebildet wurde. Auch die Farben halfen mit, das Raumgefühl zu verstärken, indem Licht und Schatten unterschiedlich eingefärbt wurden.

Damit sind bereits drei wichtige Mittel der räumlichen Darstellung sehr früh genutzt worden:

= Die Licht-und-Schatten-Plastizität

= Die Größer/Kleiner-Plastizität (dabei spielt die reale Größe der Objekte natürlich eine bedeutende Rolle)

= Die Überschneidung

 

Baustellenschilder

 

In der Renaissance kam mit der Linearperspektive, also der Gestaltung von Tiefe durch Linien, die auf einen zentralen Fluchtpunkt zuführen, ein weiteres wichtiges Mittel der Raumdarstellung hinzu. Dabei spielte auch die Camera Obscura eine tragende Rolle, erlaubte sie doch, die Wirklichkeit absolut getreu auf eine Leinwand zu übertragen.

= Zentralperspektive
Weitere Seherfahrungen fanden ihren Weg in die Malerei. Etwa der Umstand, dass in der Ferne Objekte weniger klar zu sehen sind und in ihrem Kontrast schwächer werden.

= Luftperspektive
Oder die Erkenntnis, dass durch die Atmosphäre bestimmte Farbanteile mehr gefiltert werden als andere. Warme Farben wie rot, orange oder gelb nehmen mit der Entfernung ab. Kalte Farben sind auch noch in der Ferne sichtbar, was bedeutet, dass die Weite bläulicher wirkt.

= Farbperspektive
All diese Werkzeuge nutzen die bildenden Künste und natürlich auch die Fotografie.

 

Der Film erweitert die Möglichkeiten

Skulptur in rot

 

Das Kino nutzt zumindest beim Farbfilm alle vorgenannten Mittel und erweitert sie sogar um mindestens eine weitere: die Bewegung.

 

Personen in der Tiefe bewegt

Auch wenn Kameraassistenten das gar nicht so gern haben: Die intensivste Raumerfahrung macht der Zuschauer, wenn die Schauspieler den filmischen Raum in der Tiefe bespielen, also entweder aus der Tiefe näher in Richtung Kamera kommen oder umgekehrt. Wenn sie das Bild quasi seitlich von vorn betreten und in den Raum hineingehen, ist dieser Effekt besonders eindrucksvoll.

 

Kamerafahrt

Sobald sich die Kamera bewegt und viele der vorgenannten Faktoren einer kontinuierlichen Bewegung unterworfen werden, wird unser Raumeindruck noch einmal realistischer. Die Perspektiv-Veränderung, die einsetzt, erlaubt es dem Zuschauer, von dem Gesehenen immer neue veränderte Eindrücke zu errechnen. Gegenstände im Vordergrund bewegen sich schneller, solche im Mittelgrund langsamer. Außerdem können wir verschiedene Seiten der Personen oder Gegenstände betrachten.

 

Bewegungsperspektive

Letztlich bleiben aber zweidimensionale Bilder trotz aller Illusion flach im Vergleich zu unserm räumlichen Sehen, verursacht durch die beiden Augen, welche mit einer leichten Paralaxe die korrekte Raum- und Entfernungsschätzung erst möglich machen. Dass diese Anordnung ein entscheidender Vorteil ist im Überleben an sich, zeigt sich daran, dass auch in der Tierwelt dieses Prinzip durchgehend verbreitet ist.

Test: Ein Auge schließen und mit der Hand ein Objekt berühren, was in kleinem Abstand vor einem steht (Flasche, Buch etc.). Instinktiv bewegt man die Hand vorsichtiger. Der Abstand lässt sich nicht mehr so leicht einschätzen.

 

Räumlichkeit durch Veränderung des Blickwinkels

Letztlich darf man auch den Schwenk oder die Fahrt durch Räume nicht vergessen, auch sie erzeugen einen hohen Räumlichkeitseindruck, kann man doch als Zuschauer Orte, die man gar nicht physisch betritt, durchschreiten. Eine wichtige Aufgabe kommt in diesem Zusammenhang den Objektiven zu. Weitwinkel können den Zuschauer*Innen häufig eine offenere, weitere Welt zeigen, man kann die Protagonist*Innen mehr in den Räumen verorten, sie gehören in die Räume hinein und sind nicht durch geringe Schärfentiefe vom Raum getrennt. Mit Weitwinkeln können mehrere Ebenen der räumlichen Tiefe gleichzeitig erzählt werden. Die Zuschauer*Innen sind dann auch freier, sich im Bild umzusehen.

 

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