HDR Kameras

 

An zwei Tagen drehte sich bei Screencraft München alles darum, die Begeisterung für HDR zu teilen sowie Methoden und Möglichkeiten kennenzulernen.

 

Das Münchner Postproduktions,- und Produktionshaus bot eine Vielzahl an Workshops und Präsentationen rund um die Aufnahme, Bearbeitung und Darstellung von HDR an, in denen viele spannende Erfahrungen und Möglichkeiten mit dem künftigen hohen Kontrastumfang für Video erläutert wurden.

 

Ganz deutlich wurde, wie sehr HDR bereits in der Produktionsrealität Einzug hält, etwa bei diversen Fernsehsendern (RTL,ZDF,Pro7), die bereits erste HDR Produktionen abgeschlossen und technische Richtlinien herausgegeben haben. Bei den vorgenannten Snedern ist die Übertragung vorerst nur per Satellit und bei den Privaten wiederum nur über die Bezahlplattform HD+ möglich. Von Netflix ganz zu schweigen, wo HDR für Neuproduktionen Pflicht ist.

 

Farbräume, Dynamik und Bildschirme

 

So erläuterte etwa Michael Radeck in seinem Workshop, was es mit HDR auf der Wiedergabeseite eigentlich auf sich hat und welche Stolpersteine man auf dem Weg zum sauberen HDR Produkt zu überwinden hat. Es gilt als weitgehend gesichert, dass der nächste Standard in Europa 4K50p HDR sein wird, während in Asien bereits auf eine 8K Variante gesetzt wird. Gut verständlich zeigte er die Unterschiede verschiedener Aufnahme,- und Abspieltechniken auf, weshalb etwa eine Kinoleinwand nicht die notwendige Dynamik biete, einfach weil die Leinwand nie ganz Schwarz werde.

 

In seinem Vortrag beleuchtete er die Frage des Kontrastumfangs von den etwa 24 Blendenstufen, die der Mensch, über etwa 20 Blenden, die der analoge Film, bis hin zu den etwa 14 Blendenstufen, die aktuelle hochwertige HD und 4K Kameras verarbeiten können. Wiedergabeseitig stehen bereits, vor allem Consumer Displays bereit, die HDR darstellen und Signale in 10 Bit, bei Ultra HD sogar bis 12 Bit, verarbeiten können, eine Bandbreite, die professionelle Monitore bislang nur in wenigen Modellen anbieten können.

 

Radeck erläuterte auch die Unterschiede zwischen Dolby HDR Standard und dem von den Fernsehsendern favorisierten HDR HLG (Hybrid Log-Gamma). Beim Dolby Vision Verfahren müssen viele Metadaten mit aufgezeichnet werden, weil das System später beim Abspiel in der Lage ist, je nach Endgerät sowohl HDR als auch normalen SDR (Standard Dynamic Range) zu liefern. Ein Vorteil, den etwa Netflix zu schätzen weiß, weil man nicht jeden Film in zwei Standards auf seinen Servern unterbringen muss. Den Fernsehanstalten in Europa ist die Aufzeichnung der Metadaten und sind wahrscheinlich auch fällige Lizenzzahlungen an Dolby eher lästig, die bevorzugen HDR HLG. Auch auf der Konsumentenseite sind Fernseher mit Dolby Vision deutlich teurer.

 

Vergleich HDR Kameras

 

In einem Kamera-Lab hatten die Besucher die Gelegenheit, einen Side by Side Vergleich diverser HDR-tauglicher Kameras auf einem HDR Display zu begutachten, darunter SONY Venice, ARRI Amira, RED Dragon, CANON C700, SONY Alpha7III etc. Die Botschaft ist eindeutig,- die passenden Kameras für HDR mit bis zu 14 Bit RAW sind bereits im Markt, man muss das entsprechende Signal nur auch aufzeichnen.

 

Das Screencraft Team hatte eine kontrastreiche Testsituation aufgebaut und geleuchtet, in der auch höchst flexible LED Licht Systeme zum Einsatz kamen. Die Signale konnten wechselseitig auf den HDR Bildschirm geschaltet werden. Das ist natürlich ein kürzerer Weg, als wenn man die Signale zu den Konsumenten bringen muss. Hier werden UHD-Blu-ray-Player (mit Ultra HD Premium-Logo), Satellit und schnelles Internet benötigt und natürlich auf Seiten der Sender neue Normen und Geräte.

 

 

Und ein weiteres wichtiges Moment darf nicht ganz übersehen werden,- nur wenn man auch so ausleuchtet, dass man den möglichen Dynamikumfang der Kameras auch nutzt, entstehen Aufnahmen, welche HDR auch attraktiv erscheinen lassen. Dies erfordert zugleich ein Umdenken bei Lichtführung und Lichtmessung,- der gute alte Belichtungsmesser könnte hier wieder zu neuen Ehren gelangen. Und natürlich wird sich ein neuer Standard leichter durchsetzen lassen, wenn es auch ausreichend Inhalte gibt, welche ihn auch für die Consumer sinnvoll erscheinen lassen.

 

Auf jeden Fall ist Michael Hieber und seinem hoch engagierten Team von Screencraft sowie den Gastreferenten ein spannendes und im wahrsten Sinne des Wortes erhellendes Event in angenehmer Atmosphäre gelungen, das von den Gästen durchweg positiv empfunden wurde. Beim abendlichen Hang out im Screencraft Bistro konnte man dann noch intensiv fachsimpeln und sich austauschen.