Mobile Mischpulte

Location-Sound Mixer mit vier Mono-Eingängen sowie alternativ einem Stereoeingang

Location-Sound Mixer mit vier Mono-Eingängen sowie alternativ einem Stereoeingang

 

Bereits die gute alte Nagra III bot es an, zwei, optional sogar 3 Mikrofone mit Strom zu versorgen, vor zu verstärken, zusammenzumischen und zu pegeln.

 

Ihre Nachfolger und Konkurrenten wie etwa Stellavox, oder später die DAT-Rekorder von Fostex oder auch diverse aktuelle Festplatten-Rekorder folgten diesem Ansatz, wenn auch den erweiterten technischen Möglichkeiten entsprechend mit mehr Spuren und ausgefeilterem Routing (Verteilung der Signale auf unterschiedliche Spuren).

 

Aktuelle Spitzenmodelle zeichnen auf bis zu 12 Spuren parallel auf und bieten die Möglichkeit, diese mit Hilfe von zusätzlichen Bedienpanels sogar getrennt mit dezidierten Reglern zu pegeln.

 

Geburtsstunde der ENG-Mixer

Vor allem das Aufkommen der professionellen Videokameras, bei denen der Ton nicht getrennt vom Bild (wie beim Film), sondern auf das gleiche Medium (Videoband, heute auch Flashkarten oder DVD) aufgezeichnet wird, wie das Bild, brachte ein neues Werkzeug der Location-Tonaufnahme hervor, den ENG-Mixer. (ENG=Electronic News Gathering).

 

Da es für Tonleute nicht so praktisch ist, unmittelbar neben dem Kopf des Kameramannes /der Kamerafrau an winzigen Reglern den Mikrofonpegel einzustellen und zu kontrollieren, machte es Sinn, die Aussteuerungsmöglichkeiten (Pegelsteller) und die Aussteuerungsanzeige in ein abgesetztes Gehäuse zu verlegen, welches der Tonmeister bei sich führt. So fällt die Geburtsstunde der portablen Kleinmischpulte zusammen mit dem verstärkten Einsatz der Videoaufzeichnung, Mitte der Achtziger Jahre.

 

Shure, SQN, Sound Devices, eine Reihe von Anbietern haben sich auf dem Profimarkt durchgesetzt und bieten zu meist stolzen Preisen professionelle Signalverarbeitung und hilfreiche Features wie Versorgungsspannung für Mikrofone, Limiter, Kommandomikrofon (Talkback etwa zum Tonangler) und Abhörkontrolle des Kopfhörersignals der Videokamera oder des Audiorekorders. Es versteht sich von selbst, dass diese Kleinmischpulte ebenso für Filmton und Hörfunkzwecke geeignet sind.

 

Vorsicht Fehlerquellen

Über den Reglern der Schalter für den Limiter, den Pegeltongenerator, sowie der rote Umschalter für das Kopfhörer Signal Intern/Extern

Über den Reglern der Schalter für den Limiter, den Pegeltongenerator, sowie der rote Umschalter für das Kopfhörer Signal Intern/Extern

Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten und das Zusammenspiel mit der Kamera oder dem Aufzeichnungsgerät stellen aber zugleich auch eine Gefahrenquelle für folgenschwere Fehler dar.

 

Wer sich mit dem Mixer nicht auskennt, nimmt auf die Videokamera besser den Ton direkt auf, schließt also das oder die Mikrofone direkt an die Eingangsbuchsen der Kamera an.

Die Qualität der Tonaufnahme ist damit genau so gut, wie ohne Mischpult, vielleicht sogar besser, weil das Mikrofonsignal nicht zusätzliche Verstärkerschaltungen passieren muss. Allerdings fehlt den meisten Kameras ein Limiter (Pegelbegrenzer) und der Bedienkomfort ist durch die Pegelung direkt an der Kamera eingeschränkt.

 

Es sind schon häufig Newcomer mit völlig unbrauchbarem Ton vom Dreh zurückgekehrt, der sich fatalerweise am Kopfhörer hervorragend anhörte, auf dem Band aber völlig verzerrt aufgezeichnet wurde. Man sollte also wissen, was man tut, wenn man mit einem Mixer arbeitet.

 

Kamera einstellen

Anpassung an das Mischpult:

Eingänge der Kamera auf REAR und Line stellen, damit aktiviert man die hinteren XLR- Eingänge auf LINE- Pegel. Das ist die Standart- Einstellung für angeschlossene Mischpulte.

Der Line- Pegel ist viel höher als der schwache Pegel eines Mikrofons. Oft wird der Denkfehler begangen, dass man ja mit Mikrofonen aufnimmt und es wird vergessen, dass das Mischpult (zwischen Mikrofon und Kamera) einen Line-Pegel ausgibt.

(Die Position MIC bei der Kameraeinstellung verbunden mit dem Line-Pegel eines Mischpultes ruiniert unweigerlich die Tonaufnahme!)

 

Also: Wenn Mischpulte im Spiel sind, unbedingt LINE-Pegel wählen.

Außerdem deaktiviert man die Aufnahmeautomatik der Kamera und stellt auf Manuell. Damit man am Mischpult stattdessen pegeln kann, müssen noch die Pegelverhältnisse abgeglichen werden. Dazu aktiviert man den Pegeltongenerator des Mischpultes (TONE- Schalter auf on) und regelt bei analogen Kameras so, dass die Aussteuerungsanzeige der Kamera -5 dB anzeigt. Bei digitalen Kameras ist mehr Sicherheitsabstand nötig, da stellt man -12 oder -18 dB ein.

 

Beispiel SQN

 

Vier-Kanal Regler mit Stereo-Aussteuerungsanzeige

Vier-Kanal Regler mit Stereo-Aussteuerungsanzeige

 

Stellvertretend für die diversen Geräte sei hier anhand des SQN4 erläutert, worauf bei der Verwendung zu achten ist.

 

Auf der linken Seite befinden sich 4 dreipolige XLR Eingänge, sowie ein 5 poliger (Stereo) XLR-Eingang, der aber die gleichen Kanäle bedient. Links befindet sich übrigens auch der Einschalter des Gerätes, unmittelbar neben dem Kopfhörerausgang.

Mit den Pegelreglern kann man das Signal für jeden der vier Eingangskanäle separat einstellen. Ein Ausgangslimiter erlaubt es, gefährliche Spitzen im Pegel aufzufangen. LED- Anzeigen für jeden Kanal zeigen den Einsatz des Limiters an.

Der eingebaute Pegeltongenerator erzeugt ein 1 KHz-Signal

 

Zu den Features gehören:

 

Übertrager (Symmetriewandler) an allen Ein- und Ausgängen

Stabile Aussteuerungsanzeigen

Vorhörkontrolle (=Abhören des ungeregelten Signals)

Tongenerator (zum Einmessen nachfolgender Geräte, Kamera, DAT, HD etc.)

Spannungsversorgung der Mikrofone (Tonader oder Phantomspeisung)

 

Grundeinstellungen auf der Unterseite

 

Grundeinstellungen für jeden Kanal auf der Unterseite

Grundeinstellungen für jeden Kanal auf der Unterseite

 

Die wichtigsten Informationen sind auf der Unterseite des Mischpultes aufgedruckt, Tonleute können damit alle wichtigen Informationen über die Funktionen des Gerätes vor Ort nachlesen.

Zunächst einmal muss man die Eingänge des Mischpultes auf die Signale und Geräte konfigurieren, die man pegeln bzw. mischen möchte. Dazu befinden sich an der Unterseite des Gerätes versenkte Umschalter für jeden der vier Eingänge. An ihnen kann man folgende Varianten wählen:

 

a)12V T (Din AB)

b)12V Phantom

c) 48V Phantom

d) Dynamisch (150 to 600 Ohm), ohne Versorgungsspannung.

e) Line ohne Versorgungsspannung und um -50 dB gedämpft

 

Je nach Einstellung werden auch automatisch unterschiedliche Dämpfungen zugeschaltet, etwa bei Line, wenn also keine Mikrofonsignale, sondern solche von Geräten oder Saalanlagen etc. eingespielt werden sollen.

 

Abhören mit Kopfhörer

 

Was das Abhören (Kontrollkopfhörer) angeht, so kann man auf der Stirnseite des Gerätes mit einem Wahlschalter Stereo, Mono Links, Mono Rechts oder auch MS-Matrix anwählen. Außerdem gibt es einen kleinen Kippschalter mit dem man entweder intern die Signale im Mischpult abhören ( Intern MXR) kann oder aber das von der Kamera oder dem Aufnahmerekorder zugeführte Kopfhörersignal (External AUX).

Umschalter an jedem Kanalregler erlauben es, vor oder nach dem Pegelregler abzuhören.

 

Ausgänge verteilen

 

Rechte Seite mit den Ausgangseinstellungen

Rechte Seite mit den Ausgangseinstellungen

 

Auf der rechten Seite des Gerätes kann man die einzelnen Kanäle den gewünschten Ausgängen zuordnen (Routing).

 

Vier Eingänge können auf zwei Ausgänge verteilt werden. Die Ausgangssignale werden über ein Multicore-Kabel zur Kamera geführt, wo sie an einer Kabelpeitsche in zwei XLR-Stecker sowie einen Mini-Klinkenstecker aufgeteilt werden. Über das gleiche Kabel wird nämlich (Mini-Klinkenstecker) auch das Kopfhörersignal der Kamera zum Mischpult geführt. (Abhören über External AUX-Position)

 

Stromversorgung

 

Die Stromversorgung des Mischpultes geschieht über Akkus oder Batterien, es gibt unterschiedliche Einschübe für die jeweilige Versorgung. Man kann auch eine externe Spannungsversorgung zwischen 6 und 24 Volt Gleichspannung  zuführen.

Mit Akkus oder Batterien bringt so ein Mixer leicht über 3 Kilo auf die Wage. Auch wenn sie im Metallgehäuse daherkommen, sind sie durchaus empfindlich. Eine Schutztasche, die nebenbei auch noch vor Staub und Feuchtigkeit schützt, ist deshalb anzuraten.