Die Meister des Filmsets

Sennheiser MKH 416 P48

Sennheiser MKH 416 P48

 

Es gibt in der Vielzahl an Mikrofonen einige wenige, die sich zum Teil über Jahrzehnte eine Spitzenposition an Filmsets bewahrt haben. Man findet sie als Quasi-Standard an den meisten Filmsets rund um den Globus, Grund genug einmal genauer hinzuschauen um welche Mikrofone es sich dabei handelt. Wobei wir uns neben den technischen Daten sehr stark auch im Bereich des Geschmacklichen befinden, nicht alles was Tonmeister zu ihren jeweiligen Lieblingsrichtmikrofonen behaupten ist messtechnisch belegbar. Ziemlich deutlich messtechnisch belegbar ist allerdings, dass alle qualitativ höherwertigen Richtmikrofone einen gewissen Preis haben, unter etwa 500 Euro bei Neuanschaffung findet man nur semiprofessionelle, weniger hochwertige Richtrohre. Wer also für wenig Geld Qualität sucht, sollte versuchen, gebraucht hochwertige Profimikrofone zu erwerben.

 

Sennheiser

Beginnen muss man sicherlich mit dem Urgestein der Richtmikrofone, dem MKH 415 von Sennheiser, welches irgendwann in den 60er Jahren entwickelt wurde und das sogenannte Interferenzprinzip als Innovation für höchste Richtwirkung einführte. Der daraus abgeleitete Nachfolger, das MKH 416 ist auch schon Jahrzehnte alt, dennoch trifft man es an zahllosen Filmsets auch heute an.

Viele Tonmeister schwören auf dieses Mikrofon, obwohl verschiedene neuere Mikrofone von Sennheiser oder anderer Hersteller durchaus rauschärmer und neutraler sind. Was man von den 416 er auf jeden Fall sagen kann ist, dass sie auf Grund ihrer RF Kondensator-Eigenschaft besonders unempfindlich sind gegen Feuchtigkeit. Die 416 er haben eine recht gute Linearität über den gesamten Frequenzbereich, heben aber im Sprachbereich die Frequenzen etwas an, was der Verständlichkeit der aufgenommenen Menschen dient.

Sennheiser MKH 60 P48

Sennheiser MKH 60 P48

 

Der direkte Nachfolger des 416er ist das MKH 60, welches deutlich rauschärmer und neutraler im Klang ist, außerdem bildet es tiefe Frequenzen besser ab. Es ist allerdings etwas größer als das 416 und angeblich auch etwas empfindlicher gegen Wind. Erfahrene Tonleute wissen aber, dass die Windempfindlichkeit vor allem mit den Schaltern am MKH 60 zu tun hat, klebt man diese mit Lassoband ab, ist die Empfindlichkeit gegen Wind reduziert. Das MKH 60 ist zudem etwas gutmütiger, was den Aufnahmewinkel angeht. Wo man beim 416 wenn man nicht sauber auf den Mund des Sprechenden angelt, schnell Qualitätsverlust erzielt, ist das MKH 60 hier toleranter.

Inzwischen ist das MKH 8060 auf dem Markt, welches kürzer und leichter ist und durch die modulare Bauweise sogar die Option bietet, als Digitalmikrofon eingesetzt zu werden. Zudem ist es deutlich preiswerter als das qualitativ vergleichbare MKH 60.

 

Neumann

Das KMR 81i zielt auf den gleichen Einsatzzweck wie das MKH 416, ist aber seltener an Filmsets anzutreffen und auch nicht so unempfindlich was Feuchtigkeit angeht. Wer aber nicht in Gewächshäusern, bei Regen und  in den Tropen dreht, der muss sich auch nicht vor Kondenswasser fürchten.

 

Sanken

Das Sanken CS-3e ist ein leichtes, modernes Interferenzrichtmikrofon. Nicht wenige Tonmeister in der Welt schwören auf dieses Mikrofon. Von der Qualität her ist es vergleichbar mit einem MKH 60 von Sennheiser.

 

Schoeps

Hier kommen sowohl kleine vom Vorverstärker getrennte Colette Kapseln in traumhaft leichten Korbwindschützen zum Einsatz wie auch das analoge Rohrrichtmikrofon CMIT oder sein digitales Pendent das Super CMIT. Auch hier ist die Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit scheinbar höher als bei den MKH Mikrofonen von Sennheiser. Dafür ist aber die Tonqualität sehr gut. Speziell das digitale Super CMIT bietet eine bis dahin unbekannte Abschirmung seitlicher und hinterer Tonsignale, gerade in lauten Umgebungen (Messehallen, Fussgängerzonen usw.) ein großer Vorteil um die Stimmen der Protagonisten besser zu trennen. Allerdings muss man sehr genau den Mund treffen beim Angeln, sonst entstehen unschöne Klangverfärbungen.

 

DPA

Weniger bekannt aber nicht unspannend ist das DPA4017 Mikrofon. Hier kann man beispielsweise eine Höhenanhebung wie beim 416er per Schalter zu oder abschalten. Auch ein Trittschaltfilter ist mit an Bord und es ist extrem rauscharm. Mit einem Eigengewicht von nur 71 Gramm ist es natürlich ein Traum für alle Tonangler. Es gibt allerdings Tonmeister, die sagen, man solle damit nicht zu nah an die sprechenden Schauspieler angeln, weil sonst die umgebende Atmo zu stark weggeblendet ist, was etwas unnatürlich wirkt, ein Phänomen, welches scheinbar auch beim Super CMIT unter bestimmten Umständen bemerkt wurde. Unterhalb von 50 Hz werden alle Frequenzen abgeschnitten um Trittschall oder Windgeräusche zu eliminieren.

 

Shockmount und Korbwindschutz

Korbwindschutz

Korbwindschutz

Zum Tonangeln werden Richtmikrofone grundsätzlich mit einem Shockmount und mindestens einem Schaumwindschutz versehen, sobald man Außen dreht, ist auch ein Korbwindschutz angesagt. Mehr dazu lesen Sie in unserem Kapitel über Windschutz.

 

Ausrichtungen

Manche Mikrofonhersteller werben übrigens damit, das die Ausrichtung der Schlitze des Interferenzrohrs ihres Produktes keinen Einfluss auf die Frequenzen habe. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es offensichtlich bei Herstellern, die das nicht so bewerben, eben doch eine Rolle spielt, ob die Schlitze oder die durchgehend geschlossene Seite zu den Störsignalquellen gerichtet ist. Tests in Messlabors haben das angeblich belegt, ob man Laborbedingungen auch auf ein Filmset übertragen kann, ist fraglich weil man natürlich dauernd beim Angeln die Position zu möglichen Störsignalquellen verändert. Versucht man das dennoch mit zur berücksichtigen scheint es vorteilhaft zu sein, wenn die geschlossene Seite in Richtung der Störquelle zielt, was bedeuten kann, dass die Schlitze des Richtrohres besser nach oben bzw. unten zeigen.