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Anders als im richtigen Leben, spielen Seh,- und Lesebrillen im Kino keine große Rolle. Im Gegenteil, SchauspielerInnen tragen, wenn sie BrillenträgerInnen sind, meistens Kontaktlinsen, dass eine Brille sichtbar getragen wird, ist eher die Ausnahme. Das war schon 1953 so in der Hollywood-Komödie "Wie angelt man sich einen Millionär" (Regie: Jean Negulesco) mit Marylin Monroe, die in dem Film die Brillenträgerin Pola verkörperte. Pola versteckt wo immer es möglich ist, ihre Brille, weil sie davon überzeugt ist, dass Männer Frauen mit Brille gar nicht erst beachten würden. Dass sich natürlich dennoch ein Mann in sie verliebt, gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen eines unterhaltsamen Hollywood-Streifens.

Und auch in „Plötzlich Prinzessin“ (Regie: Garry Marshall, USA 2001) mit Anne Hathaway, spielt diese die tollpatschige und unter den Mitschülern unbeliebte Mia mit einer ziemlich uncoolen Hornbrille. Im Verlauf des Films wird sie Thronfolgerin, die Prinzessin von Genovien und dazu gehört natürlich, dass sie am Ende ohne Brille und mit Kontaktlinsen unterwegs ist.

Superhelden gar dürfen im Kino bestenfalls Brille tragen, um ihre Wandlung vom bürgerlichen Durchschnittsamerikaner zur Heldenfigur visuell deutlicher werden zu lassen. Die zwei Seiten von Clark Kent und Superman werden, wie kann es anders sein, durch die Brille im bürgerlichen Leben als als Reporter symbolisiert. Auch in „Batman Returns“ wechselt Michelle Pfeiffer von der unscheinbaren Sekretärin mit Brille zur gefährlichen Catwoman ohne Brille.

Manchmal steht eine Brille sehr zentral im Mittelpunkt, wenn eine Filmfigur seine / ihre unvorteilhafte Brille ersetzt und man auf diese Weise eine persönliche Entwicklung oder Verwandlung visualisieren möchte. Manchmal werden dicke Brillengläser als Charakterisierungsmerkmal eines Außenseiters oder auch einer spleenigen Figur verwendet, so wie bei Jerry Lewis in "Der verrückte Professor". Es versteht sich von selbst, dass Filmfiguren bei der Erfüllung besonders heldenhafter Herausforderungen keine Brille tragen dürfen. Westernhelden, Astronauten oder Geheimagenten brauchen so etwas nicht.

Auf der anderen Seite soll die Brille, dort wo sie getragen wird, manchmal auch Verletzlichkeit symbolisieren. Ihre Träger können nicht so gut sehen, können sich nicht so einfach prügeln, sonst würde die Brille kaputt gehen. Manchmal müssen Brillen denn auch im Film sichtbar kaputt gehen, wie in "Spiel auf Zeit" (Regie: Brian de Palma, USA 1998) oder sie zeigen sogar in der Spiegelung ein Verbrechen wie in "Der Fremde im Zug" (Regie: Alfred Hitchcock, USA 1951).

Die Brille als Erkennungsmerkmal hat Woody Allen in seinen frühen Filmen durchdekliniert. Was wäre der Stadtneurotiker ohne Hornbrille gewesen?

Es ist ein seltsames Klischee, welches Hollywood da seit eh und je zelebriert, dass Filmfiguren mit Brille weniger attraktiv aussehen würden. Im realen Leben verhält sich das anders, da gibt es diverse Studien, die besagen, dass Menschen durch eine Brille besonders klug - und sexy wirken. Zumindest den ersten Teil der Aussage nutzt auch Hollywood,- nicht selten ist die Brille im Kino ein Symbol für Intelligenz. Wie man weiß ist das natürlich mitnichten so, doch Hollywood setzt auf eine einfach verständliche Erzählweise und da sind Klischees eben trotzdem manchmal hilfreich.

 

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Ganz anders verhält es sich im Kino mit der klassischen Sonnenbrille. Diese gilt als Stilbildend und erfüllt durch das Verhüllen der Augen gänzlich andere Funktionen. Da werden plötzlich ganz besondere Assoziationen abgerufen. Geheimnis, Verbotenes, Selbstsicherheit, Coolness,- die Liste der Eigenschaften ist lang, die mit Sonnenbrillen verknüpft werden.

Ganz gleich ob John Belushi und Dan Aykroyd in "Blues Brothers" (Regie: John Landis, USA 1980), Tommy Lee Jones, Rip Torn und Richard Hamilton in "Men in Black" (Regie: Barry Sonnenfeld, USA 2012)  Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" (Regie: Blake Edwards, USA 1962), oder Jean Paul Belmondo in "Außer Atem" (Regie: Jean-Luc Godard, F 1960), Marcello Mastroinani in "La Dolce Vita (Regie: Federico Fellini, It. 1960), Catherine Deneuve in "Belle de Jour" (Regie: Luis Buñuel, F 1999), Cameron Diaz in "Bad Teacher" (Regie: Jake Kasdan, USA 2011) und last but not least die Herzchen-Sonnenbrille in "Lolita" (Regie: Stanley Kubrick, USA 1962), Sonnenbrillen tragen entscheidend zur Definition der jeweiligen Filmfiguren bei.

 

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Szenenfoto aus "Midsommar-Stories", Episode Himmelbett (Regie: Elena Alvarez)

 

Manchmal werden hinter Sonnenbrillen auch Verletzungen verborgen, etwa bei Arnold Schwarzenegger in "Terminator" (Regie: James Cameron, GB 1994). Manchmal sind die Brillen aber gar nicht dunkel, sondern bunt eingefärbt. Man denke nur an Rot in "Natural Borne Killers" (Regie: Oliver Stone, USA 1994), Gelb in "Fear and Loathing in Las Vegas" (Regie: Terry Gilliam, USA 1998), an Blau in "Drakula" (Regie: Francis Ford Coppola, USA 1993) oder Weiß in "Sin City" (Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, USA 2005)

Und natürlich wollen Verbrecher oder Menschen auf der Flucht gerne unerkannt bleiben, weshalb sie Sonnenbrillen tragen. Beispiele: "12 Monkeys", "Der unsichtbare Dritte". Und nicht zu vergessen,- was wäre "Matrix" ohne Sonnenbrillen? Wie man sieht, spielen Brillen in den verschiedenen Erscheinungsweisen dann doch in vielen Filme eine wichtige Rolle.

 

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