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Zu den ganz frühen Genres im Stummfilm gehörten die Slapstick-Komödien, mit denen Filmkünstler wie Buster Keaton oder Charly Chaplin zu Weltstars wurden.

Unter Slapstick versteht man die übertriebene Form der körperlichen Komik, die insbesondere aus situativen Missgeschicken, der Nutzung bestimmter Gegenstände und auch intendierter (entschärfter) Gewalt hervorgeht. Der Begriff stammt als „Bottachio“ aus dem italienischen Theater und ist im wahrsten Sinne der Slapstick – also ein Schlagstock, mit dem Bühnenschauspieler aufeinander einschlugen. Die Stöcke erzeugten dabei einen lauten Ton während sie den Protagonisten keinen oder nur geringfügigen Schaden zufügten. Auch im englischen Theater finden sich bereits seit Shakespeare zahlreiche Slapstick-Einlagen in den Stücken, deren Popularität im Laufe der Jahrhunderte, etwa durch den Begründer der Clown-Comedy Joseph Grimaldi, zunahm. Frederick John Westcott, besser bekannt als Fred Karno, entwickelte daraus wiederum eine Sketch-Form für seine Music-Hall Bühnenauftritte, die ohne Dialoge funktionierte. Diese Sketchform wurde wiederum von aufstrebenden britischen Schauspielern wie Charlie Chaplin und Stan Laurel aufgegriffen, die zu Karnos Theatergruppe zählten und bei einer US-Tour 1910 in den Vereinigten Staaten verbreiteten. Dort war der Slapstick wie geschaffen für die aufkommende Filmindustrie, in der der Tonfilm noch nicht existierte. So entwickelten sich Karnos Ideen, etwa Tortenschlachten, zur Ikonographie der (frühen) filmischen Comedy, die untrennbar mit Filmikonen wie Laurel & Hardy, den drei Stooges, Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Harold Lloyd verbunden ist und insbesondere im Fall von Keaton und Lloyd Filmtechniken und Filmstunts voranbrachten.

Der Slapstick wurde ebenfalls zu einem wesentlichen Merkmal eines anderen aufkommenden Genres: Des Zeichentricks. Da im Cartoon nicht die physischen Grenzen, sondern lediglich die der eigenen Imagination gelten, konnte die Essenz des Slapsticks nirgendwo so weit verfeinert und ausgereizt werden, wie im Zeichentrick. Eines der wohl bekanntesten Beispiele liefert dafür die 1940 von William Hanna und Joseph Barbera erdachte Serie „Tom & Jerry“, in der insbesondere Kater Tom auf der Jagd nach Maus Jerry stets in äußerst gewalttätige und schmerzhafte Situationen kommt, die aber durch die Animationen spielerisch ins humorvoll-leichte umgekehrt werden.

Auch fand der Slapstick seinen Weg in andere Genres, etwa den Horror. Hier gab es erste Überschneidungen durch die beiden Komiker Abbott und Costello, die 1941 in der Horrorkomödie „Hold That Ghost“ und anschließend in zahlreichen Crossovern mit den berühmten Universal-Horrorikonen, etwa in „Abbott and Costello Meet Frankenstein“ (1948).
Beispiele wie die genannten beeinflussten ihrerseits wieder die Wahrnehmung und Entwicklung der Slapstick-Comedy. So ist in Sam Raimis „Evil Dead 2“ (1987) der Einfluss der „Three Stooges“ spürbar, der den Slapstick kontrastreich mit gorigem Horror zusammenbringt und dadurch gleichermaßen erschreckt wie unterhält. Eine Formel, die auch erfolgreich in Stuart Gordons „Re-Animator“ (1985) und Peter Jacksons frühen Filmen umgesetzt wurde. 

 

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Auch in anderen Ländern hielt der amerikanische Slapstick Einzug, der mit den jeweiligen kulturellen Eigenheiten und humoristischen Vorlieben neue und bedeutsame Werke hervorbrachte. Etwa die japanische Kultserie „Kamen Rider“ oder die französischen Situationskomödien von Jaques Tati. Jackie Chan griff wiederum die Stunts von Buster Keaton in Harold Llyod in seinen Actionfilmen auf. Die Kombination aus atemberaubender, minutiös choreografierter Action mit perfekt getimetem Slapstick wurde dabei zum Markenzeichen Chans. Durch den Slapstick wird der Härtegrad der Action entschärft, diese aber um Bis in das Kino der Gegenwart zieht sich Slapstick durch die Filmgeschichte als entweder zentrales oder ergänzendes Element. Es handelt sich trotz seiner vermeintlichen Banalität um eine komödiantische Kunst, die je nach Kreativität und Umsetzung hochwertig oder auch plump wirken kann. Ein gelungenes Beispiel findet sich in ZAZ-Produktionen wie dem originalen „Die Nackte Kanone“ (1988), in dem nicht nur die Absurdität und Eskalationsstufe des Slapsticks zunimmt, sondern auch ein Gag auf den nächsten folgt und oft auch aufeinander aufbaut. Als plump kann der Slapstick gewertet werden, wenn er zu sehr auf die gleichen Gags setzt und diese ohne jede Cleverness, Variation oder filmische Finesse umsetzt. Ein Beispiel hier findet sich in der 2015 erschienenen Fortsetzung des Kevin-James-Hits „Der Kaufhauscop“ (2009), in der die meisten Gags lediglich darauf hinauslaufen, dass der übergewichtige Titelheld mit der hinderlichen Schwerkraft und letztlich dem Bodenbelag konfrontiert wird.

In den 1990ern kehrte Rowan Atkinson als „Mr. Bean“ wieder zu den Anfängen des filmischen Slapsticks in der Stummfilm-Ära zurück, in der Plot und Humor einzig über Slapstick kommuniziert werden. Die Figur wurde dabei stark von Stummfilm-Protagonisten, aber auch der physischen Comedy von „Der rosarote Panther“-Legende Peter Sellers inspiriert. Mr. Bean wurde zu einem bis heute anhaltenden internationalen Phänomen (welches es sogar bis nach Nordkorea schaffte), das das Slapstick-Handwerk weiter beeinflusste und aufzeigte, dass Slapstick als eine universell-humoristische Sprache funktioniert.

 

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