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Ballett – Traum oder Albtraum? Der Charm von Ballett lebt in den Extremen. Wer Tänzer ist, lässt wahrscheinlich seinen Kindheitstraum wahr werden, doch zu welchem Preis? Oder anders formuliert: Es gibt die Tänzer die wunschlos glücklich mit ihrem Beruf sind, doch diese sind eine privilegierte Minderheit. Die anderen brechen früher oder später unter der hohen physischen und psychischen Belastung und verlassen die Welt des Balletts um sich einem gewöhnlicherem Leben zu widmen. Der Tanzstil stellt hohe Herausforderungen an den menschlichen Körper, da viele der Bewegungen aus dieser anspruchsvollen Kunstform komplett außerhalb des „Natürlichen“ und „Gesunden“ für den jungen Sportler sind. Vor allem die starke Auswärtsdrehung der Hüften und die unnatürliche Verteilung des eigenen Körpergewichts beim Spitzentanz, wo die ganze Last auf die Spitze der Fußzehen fällt, schadet den Gelenken und Bändern. Aus diesem Grund führen Elite-Ballettschulen bei den Aufnahmeprüfungen auch eine sehr strengen Vorauswahl, bei der die jungen Mädchen und Jungs erst einmal auf ihre Physionomie getestet werden, bevor es in der zweiten Runde ins Vortanzen geht. Wenn bestimmte körperliche Voraussetzungen erfüllt sind, wird es den Tanz-Lehrlingen um einiges leichter fallen Fortschritte zu machen und die spezifische Belastung auszuhalten.

Doch Ballett muss nicht nur Last und Qual sein – die starke Hingebung und Disziplin die man als Tänzer zu Tage bringt, der Freizeit-übergreifende Lebensstil kann einem viel Halt und Struktur geben, sowie ein Gefühl von Aufgehobenheit und Zufriedenheit. Die Fortschritte sind meist deutlich messbar und überschaubar, und wenn man selbst nicht weiter weiß, sagt einem der Coach eben wo es lang geht – viel falsch machen kann man nicht, solange der Körper mitspielt.

 

Das Kino und der Tanz

Doch wie wird die Welt des Balletts in Filmen dargestellt? Werfen wir mal einen Blick drauf. Dass die Ballettbranche eine Branche des Perfektionismus ist, wird in fast allen Filmen deutlich dargestellt. Egal ob Drama oder Happy End – es wird gezeigt, dass die Ballerinas und Ballerinos hart arbeiten um ihr Ziel zu erreichen.

In „Black Swan“, treibt es die Hauptprotagonistin „Nina“, gespielt von Natalie Portman, in den Wahnsinn. Um die Rolle des weißen und schwarzen Schwanes im Ballettklassiker „Schwanensee“ zu bekommen, tut Nina alles. Sie lässt den übergriffigen Choreografen Thomas näher an sich ran als ihr eigentlich lieb wäre und probiert sich mit Drogen aus...Sex, drugs, rock’n roll aber hier eben ohne das rock’n roll...all das, um Thomas zu beweisen, dass sie auch für den dämonischen Part des schwarzen Schwanes geeignet ist, für den der Choreograf sie sonst für „zu zerbrechlich“ hielt. Mit wenig Budget aber dafür viel Geschick und Stil, wird dargestellt wie Nina am Perfektionismus zerbricht. Spiegel werden als symbolisches Element benutzt, um die Gegensätzlichkeit und Zwiespaltigkeit der Charaktere des weißen und schwarzen Schwanes zu verdeutlichen, welche Nina beide verkörpern muss. Das Colorgrading ist kontrastreich und Farb- arm gehalten, die Lichtsetzung minimalistisch. Natalie Portman schafft es, die Eleganz einer Ballettänzerin zu vermitteln. Die Kamerarbeit ist bewundernswert – mal schwebend, mal sich in einer POV Perpektive schnell drehend, gibt die Linse die Dynamik der Bewegungen der Tänzer wieder und tanzt an manchen Stellen wort-wörtlich mit. Insgesamt ist es ein sehr dramatischer Film, ein Psycho-Thriller, der sich vor allem auf die düsteren Seite der Ballettindustrie fokussiert.

„Billy Elliot – I will dance“ ist da ganz das Gegenteil. Sozialdrama und Komödie zugleich, dreht sich der Debütfilm des Regisseurs Stephen Daldry um einen 11-jährigen, der trotz der Widerspenstigkeit seiner Vaters, seinen Traum verfolgen will – nämlich Balletttänzer werden. Der Junge verlässt das Box-Training, für das er sowieso wohl wenig Talent und Interesse hatte und tritt einer Ballettgruppe bei, die in der selben Halle unterrichtet wurde. In „Billy Elliot - I will dance“ lässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück, denn es geht es um die Überwindung von Geschlechterrollen und Vorurteilen, Hartnäckigkeit und die Erfüllung eines Traumes.

 

Dokumentarfilme zum Thema

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Das waren jetzt zwei Spielfilme...und was ist mit den Dokumentarfilmen? Diese haben ebenfalls die unterschiedlichsten Spannungspunkte.

„Graines d’Etoiles“ von Francoise Marie ist eine von Arte produzierte Ballettserie, die Tänzer der Pariser Oper von der Aufnahmeprüfung, bis hin zum Jahresauftritt begleitet. Die Serie gibt uns die Möglichkeit den Alltag an einer der besten Ballettschulen weltweit - der Pariser Oper - hautnah mitzuerleben. Die erste Episode wurde 2012 rausgebracht, 10 Jahre später gab es eine Fortsetzung, in der erzählt wird, was aus den Tänzern geworden ist. Die Schicksale sind unterschiedlich und weichen oft vom klassischen weg des „Balletttänzers auf der Bühne“ aus. Die einen schreiben Thesen zum Thema Ballett und animieren interaktive Bälle. Die anderen haben ihr Geld während der Corona-Zeit mit Auftritten auf der Straße, aus einer Kombination von Ballett und Zauberei gewonnen...

Graines d’Etoiles heißt wortwörtlich übersetzt übrigens „Sternen Samen“ und kommt vom französischen Begriff „Danseuse Etoile“ oder im Fach-Jargon einfach nur „Etoile“, was so viel wie „Prima Ballerina“ bedeutet. Der Titel suggeriert also, dass er die potentiellen „Prima Ballerinas“ von morgen begleitet. Auf deutsch heißt die Serie einfach nur „Die Tänzer der Pariser Oper“. Doch so sehr die Serie auch spannend ist, einige negative Aspekte und Unreinheiten der Ballettwelt scheint sie eher ausbügeln zu wollen. Balletthäuser und Ballettschulen sind sehr protektiv. Die wenigsten wollen dass man über die Ungerechtigkeiten und die Härte des Berufes spricht. Ohne den heutigen sozialen Netzwerken die Schuld an allem geben zu wollen, muss man trotzdem sagen, dass die Menschen dadurch verlernt haben wirklich ehrlich zu sein. Vieles wird romantisiert, idealisiert, nur von der „besten“ Seite dargestellt. Wenige trauen sich wahre Emotionen vor der Kamera laufen zu lassen. Viele zeitgenössische Dokumentarfilme - zumindest die, die sich mit der Ballettwelt auseinandersetzen – mangeln an ehrlichen Interviews. Ein sehr mitreißender und brutal ehrlicher Dokumentarfilm über Ballett ist etwas älter.

„Silver Feet“, ein 50-minüter aus dem Jahre 1985 von der Regisseurin Lise Rubenstein Interviewt Balletttänzerin, die vergebens versuchen in einem Ensemble aufgenommen zu werden. Die Tänzer reden über die Schönheit der Tanzform, eine aufgegebene Kindheit, die Ungerechtigkeit der Aufnahmekriterien und die ganzen Opfer die sie bringen müssen. Mit glänzenden Augen (ob vor Freude oder vor Tränen) erzählen sie über die Zwiespaltigkeit der Tanzform. Silver Feet ist unser kleiner Geheimtipp, den ihr auch ganz einfach auf Youtube anschauen könnt.

 

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