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Es waren Geldknappheit und Anarchie, die Jean-Luc Godard zur Erfindung des Jump-Cuts in "Außer Atem" inspirierten, eine der großen Neuerungen der Nouvelle Vague, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Manch einer meint, mit Godard sei auch das Kino, so wie wir es kannten, gestorben. Das ist natürlich übertrieben, doch sein Tod markiert schon so etwas wie das Ende einer Ära.

1930 in Paris als Sohn eines Schweizer Arztes und einer Schweizer Bankierstochter geboren, ging in der Schweiz, in Nyon zur Schule. Nachdem sich die Eltern 1948 scheiden ließen, zog Godard nach Paris.

Dort begann er ein Studium der Etnologie hatte recht bald Kontakt zu jenem Filmclub in dem auch François Truffaut, Jacques Rivette und Éric Rohmer Mitglied waren. Recht schnell wurde Godard beim von André Bazin 1951 gegründeten Filmmagazin "Cahiers du cinéma" Autor.
Der Rest ist Legende,- immer unzufriedener mit dem etablierten Kino, machten sich diverse der Autoren wie Jacques Rivette, Eric Rohmer und Francois Truffaut auf, selber Filme zu drehen, um zu beweisen, wie man es besser macht. Und natürlich galt das auch für Jean-Luc Godard. Und die Welle die sie lostraten, nannten sie konsequenterweise "Nouvelle Vague".

Nach mehreren Kurzfilmen, drehte Godard jenen anarchistischen und zugleich revolutionären Spielfilm, der ihn über Nacht berühmt machte,- "Außer Atem" / "À bout de souffle". Der junge Jean-Paul Belmondo, die charismatische Jean Seberg, die Handkamera, das Drehen mit "available Light", die Jumpcuts, das Ignorieren von Achsensprüngen,- die Mischung war neu, wild und erfolgreich. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Erneuerer des Kinos, so wie wir es heute kennen.

Auch bei seinen späteren Filmen war des Andere, das Unerwartete, das mit den Konventionen Brechen Programm. Er hat Zeit seines Lebens mit dem Medium experimentiert. Filme wie "Weekend", "La chinoise" oder "Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß" wurden zum Pflichtprogramm junger Filmstudierender in der ganzen Welt. Schauspielerin Anna Karina, mit der er auch mehrere Jahre verheiratet war, spielte in diversen Filmen der Nouvelle Vague.

Eine seiner Kernaussagen lautete: "Film ist die Wahrheit, 24 Mal in der Sekunde."

Godard war ungeheur produktiv und hat nahezu jedes Jahr einen Film herausgebracht. 1990 erstellte er den Film "Nouvelle Vague", in dem er die damalige Filmrichtung thematisierte und 1998 veröffentlichte er "Histoire de Cinema", einen kulturhistorischen Rundumschlag. Am 13. September 2022 ist er im Alter von 91 Jahren in Rolle, Schweiz, verstorben. Damit ist eine Legende des Kinos von der Leinwand verschwunden.

 

Alain Tanner

Man wird ihm und seinem Werk mit solch einer kurzen Notiz in keinster Weise gerecht, doch es darf, wenn alle auf Godard schauen, nicht unerwähnt bleiben: Fast zeitgleich ist ein weiterer bekannter Schweizer Regisseur, Alain Tanner gestorben. Sein wohl bekanntester Film war "Jonas qui aura 25 ans en l’an 2000" aus dem Jahr 1976. Er drehte eine Reihe von Filmen, zuletzt 2004 den Film "Paul s’en va". Er starb am 11.9. zwei Tage vor Jean Luc Godard und war mit 92 Jahren nur wenig älter als Godard.

 

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