Im Grunde genommen war der Kurzfilm (Engl: Short) ja gar kein Genre, sondern eher eine Längenbezeichnung. Damit hebt er sich ab vom Langfilm bzw. mittellangen Film. Die obere Schallgrenze, bei der man nicht mehr wirklich von einem Kurzfilm sprechen sollte, sind 30 Minuten, alles darüber ist mittellang oder lang.

 

Wie so oft bei Begrifflichkeiten liegt der Ursprung in der Geschichte begründet. Am Anfang der Filmgeschichte wurde dieser Begriff nämlich gar nicht benötigt, weil alle Filme kurz waren. Erst mit längeren Filmen wie „Birth of a Nation“ (Griffith) bei denen Film plötzlich so lang wie Theateraufführungen war, wurde die Unterscheidung notwendig.

 

Nach und nach wurden die Filme länger, lediglich in wenigen Genres, wie etwa den Slapstick Komödien gab es weiterhin kurze Episoden.

 

Wirtschaftlich nur indirekt sinnvoll

Der Kurzfilm "Faschingsmus" wurde nach seiner Uraufführung auf dem Kurzfilmfestival Clermont-Ferrand von Canal+ sowie La Sept, dem Vorgänger von arte gekauft

 

Wer mit Filmen Geld verdienen wollte, drehte Langfilme. Es waren vor allem die Filmschulen und ambitionierte Nachwuchsfilmer, welche ihre ersten Fingerübungen zu kurzen Filmen werden ließen. Kurzfilme wurden so zu Leistungsausweisen, filmischen Visitenkarten quasi mit denen man sich bewerben oder Finanzierungen für erste Langfilme einwerben konnte. Allerdings kommt es durchaus auch vor, dass erfolgreiche Kurzfilme auf Festivals entdeckt und gekauft werden. Die Lizenzzahlungen sind zwar recht niedrig, oft werden weniger als 300,- Euro pro Minute Fernseh,- und Internetauswertung innerhalb eines Territoriums (z.B. Deutschland oder Österreich / Schweiz) gezahlt, doch durch Mehrfachverkäufe besteht die Chance, dass man zumindest die Produktionskosten wieder herinholen kann.

 

Filmschulen als Kurzfilmschmieden

Durch die enge Koppelung an Filmschulen wird der Kurzfilm manchmal auch mit Studentenfilm gleichgesetzt. Andererseits gibt es nicht Wenige, die den Kurzfilm auch als erzählerisches Genre begreifen, so wie etwa die Kurzgeschichte in der Literatur. Auf jeden Fall stammt der größte Teil an Kurzfilmen, die im Fernsehen oder auch auf den einschlägigen Filmfestivals gezeigt werden, von Filmstudent-inn-en.

 

Staatliche Förderung der kurzen Filme

Hartmut Redotte in "Roll the picture", (Kurzfilm von Mathias Allary)

 

Als Vorfilm hatten kurze Filme bereits in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts Tradition. In Deutschland gab es sogar eine spezielle Abspielförderung von Kurzfilmen. Kinoverleihe konnten nämlich die sogenannte Vergnügungssteuer auf Kinoeintrittskarten sparen, wenn sie entweder Hauptfilme zeigten, die ein Prädikat „Wertvoll“ oder „Besonders Wertvoll“ hatten oder aber einen Vorfilm spielten, der dieses Prädikat besaß.

 

Auf diese Weise wurden herausragende Kurzfilme indirekt gefördert, die Verleihe kauften dann die Kinorechte an prädikatisierten Kurzfilmen. Die Verleiher mussten dann genau so viele analoge Filmkopien von dem Kurzfilm ziehen, wie von dem Langfilm. Dass die Kurzfilme trotzdem selten bis gar nicht vor den Hauptfilmen liefen, lag natürlich daran, dass man die Zeit für Kinowerbung benötigte.

 

Eine weitere Kurzfilmunterstützung gab es in Form eine Prämie für Kurzfilme die ein Prädikat „Besonders Wertvoll“ erhielten. Die lag so bei ca. 15.000 Euro. Ein Prädikat „Wertvoll“ reichte für die Prämie aber nicht. Man darf aber an diese Stelle nicht verschweigen, dass die Einreichung zur Sichtung eines Kurzfilms bei der Filmbewertungsstelle recht teuer war, weshalb man ein wenig den Eindruck einer seltsamen Lotterie hatte, bei der nur sehr wenige gewannen.

 

Kurzfilmfestivals

Besonders spannend aber waren die Kurzfilmfestivals, bei denen man weltweit seine Arbeiten zeigen konnte. Von den internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen, auf denen Anfang der 60er Jahre auch das legendäre „Oberhausener Manifest“ verlesen wurde über die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur oder Vienna Independent Shorts bis hin zum genialen Kurzfilmfestival Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand spannen sich zahllose Kurzfilmfestivals rund um den Erdball.

 

Kurzfilme sind zumeist leichter auf die Beine zu stellen. Sie sind schneller gedreht, kosten weniger Geld, sind auch in kürzerer Zeit geschnitten und fertiggestellt. Sie sind wichtige Spielwiese für neue Formen, Testläufe für Nachwuchsfilmer-innen und Nachwuchsschauspieler-innen. Sie bieten jede Menge Vorzüge, weil man so schnell und flexibel agieren kann.

 

Verwertungsweg Fernsehen

Andererseits sind sie aber heute viel schwerer in klassischen Kanälen zu vermarkten. Es gibt den Kinovorfilm praktisch nicht mehr, lediglich einige Kurzfilmprogramme in den öffentlich-rechtlichen bzw. privaten Sendern zeugen einige Male im Jahr von der ungeheuren kreativen Vielfalt dieser kurzen Form. Kurzfilmprogramme zeigt etwa arte mit „Kurzschluss“, 3Sat mit seinen Kurzfilmnächten, der WDR mit kurzundschön, der HR mit Frischfilm, der SWR mit der Kurzfilmrolle oder der BR mit seinen Kurzfilmnächten. Außerdem gibt es natürlich 13th Street mit seinen Shocking Shorts der Genres Action, Krimi, Thriller, Mystery und Horror.

 

Normale Programmslots für kurze Formate existieren in den Fernsehsendern praktisch nicht. Manchmal gelingt es, wenn es vorab von allen Beteiligten sinnvoll geplant wurde, Kurzfilme zu Episodenfilmen zusammen zu fügen. Bekanntere Beispiele dieser Art sind etwa „Paris, je t’aime“ oder „New York, I love You“.

 

Internet als Chance?

Alois Strempel in "Keinerlei Besorgnis" (Regie: Mathias Allary), einer der wenigen Kurzspielfilme, die während der Tschernobyl-Katastrophe entstanden, wurde auf dem Münchner Filmfest uraufgeführt

 

Es ist das Internet, wo der Kurzfilm größte Verbreitung feiert, allerdings zumeist kostenlos und damit ohne Chance auf Rückflüsse für seine Macher. Alle suchen nach Geschichten und Inhalten, aber kaum Jemand möchte etwas dafür bezahlen. Insbesondere virale Filme, die nicht selten mit Werbebotschaften verknüpft sind, bedienen sich des Kurzfilms und nennen ihn wegen der raschen und massenhaften Verbreitung dann viral.

 

Einige Verleihe bzw. Vertriebe wie etwa die Kurzfilmagentur in Hamburg versuchen den Kurzfilm dennoch per Download oder Pay per View oder sogar noch auf DVD zu vermarkten. Zahllose VOD Plattformen haben versucht, mit Filmen online Geld zu verdienen. Die meisten davon, wie etwa Babblegum oder Joost haben wieder geschlossen. Daylymotion existiert noch. Einen recht guten Ruf genießt, nicht zuletzt wegen dem Erfolg des Festivals, die VOD Plattform von Sundance.

 

Man sollte sich also nicht zu viel Hoffnung machen, mit einem Kurzfilm Geld verdienen zu können. Außerdem sollte man den Aufwand einen Langfilm hochwertig zu erzählen und zu drehen, nicht unterschätzen. Mit Kurzfilmen kann man seine erzählerischen Fähigkeiten trainieren, ohne gleich viel Geld für einen Langfilm, der dann nicht funktioniert, in den Sand zu setzen.

 

Der Kurzfilm ist die optimale Form, sein Können unter Beweis zu stellen und für künftige, längere oder andere Projekte zu werben. Bevor man Stories, die niemals abendfüllend funktionieren, krampfhaft dehnt, sollte man lieber knackige, spannende Kurzfilme daraus machen.

 

Kurzfilm-Verleihe

• Interfilm Berlin, Kurzfilmfestival und -verleih, DVD-Veröffentlichungen

• Kurzfilmagentur Hamburg, Kurzfilmvertrieb, Kurzfilmfestival und -verleih, DVD-Veröffentlichungen, DVD-Download

• W-film Köln, KurzfilmKino mit dem Label NIGHT OF THE SHORTS

• Future Shorts (UK)

• Der KurzFilmVerleih

• sixpack Verleih (Verleih für Kurzfilme, experimentelle Videos, Animations- und Dokumentarfilme aus Österreich)

 

Kurzfilm-Festivals

• Internationale Kurzfilmtage Oberhausen (https://www.kurzfilmtage.de/)

• Internationales Kurz Film Festival Hamburg (http://festival.shortfilm.com/)

• Internationales Kurzfilmfest München: Bunter Hund (www.kurzfilmfest-muenchen.de)

• Landshuter Kurzfilmfestival (https://www.landshuter-kurzfilmfestival.de/de/)

• Filmfest Dresden (www.filmfest-dresden.de/de/)

• kurz.film.spiele Konstanz (www.kurzfilmspiele.de/)

• KurzFilmFestival Diessen am Ammersee (kurzfilmfestival-diessen.de/)

• Internationales Kurzfilmfestival Landau (www.filmfestival-landau.de/)

• 20minmax: International Shortfilm Festival (www.20minmax.com/)

• International Short Film Week Regensburg (www.kurzfilmwoche.de/)

• Open-Air Filmfest Weiterstadt (www.filmfest-weiterstadt.de/)

• ALPINALE – Short film festival (alpinale.at/)

• backup_festival Weimar (backup-festival.de)

• Mitteldeutsches Kurzfilmfestival KURZSUECHTIG (kurzsuechtig.de/)

• Internationales Low & No-Budget-Kurzfilmfestival - Heilbronn (https://www.heilbronn.de/kultur-freizeit/kultureinrichtungen-und-angebote/film-und-neue-medien/internationales-low-no-budget-kurzfilmfestival.html)

• Sehsüchte Film Festival (https://sehsuechte.de/)