Hundeblick 2000

Manche Hunde haben einfach Kinogesichter...  (Foto: Ida Marie Sassenberg)

 

Unverzichtbare Kinohelden

Was wäre das Kino ohne Hunde? Wir werfen einen Blick auf einige der unterbezahltesten großen Stars der Leinwand. Es begann eigenlich schon in den Kindertagen des Films, dass Hunde die damals noch kurzen Filmstreifen bereicherten. Bereits in den beliebten kurzen Stummfilmen von Thomas Edison spielte in "The burglar's slide for life" 1905 ein Hund eine nicht unwesentliche Rolle bei der Verfolgung eines Einbrechers. Damals verfolgte das mutige Tier den durch das Fenster flüchtenden und an Wäscheleinen sich herunterhangelnden Einbrecher indem es sich selbst an den Wäscheleinen hinunterließ.

 

Die Stummfilmreihe "Hal Roach's Our Gang", bei uns besser bekannt unter "Die kleinen Strolche" (1922-1944) über eine Gruppe von Kindern hatte selbstverständlich als gleichwertigen Spielpartner einen Hund mit dem so typischen schwarz umrandeten Auge. Bereits ab 1922 übernahm ein deutscher Schäferhund namens Rin Tin Tin in amerikanischen Filmen die Hauptrolle. Der Hund, oder besser gesagt, sein Besitzer verdiente damals 6000,- US Dollar pro Woche Gage. Ganze 26 Filme wurden mit dem begabten Schäferhund gedreht und natürlich erhielt er einen Stern auf Hollywoods Walk of Fame. Mitte der 30er Jahre entstand ein weiteres Serial mit 12 Ausgaben, bei denen der Hund mit einem Pferd zusammen im Mittelpunkt stand. Kurz gesagt, die Filmgeschichte wäre ohne Hunde um Einiges ärmer, wenn nicht sogar undenkbar.

 

Und auch das Fernsehen hat die Figur Rin Tin Tin ab 1954 mit immerhin 154 Folgen wieder aufleben lassen. Es wurden sogar Stunthunde als Ersatz für den Haupthund eingesetzt. Parallel dazu wurde eine weitere Hundereihe und spätere Hundeserie im US-Fernsehen, etabliert, in deren Mittelpunkt ein Collie stand,- Lassie. Der erste Kinofilm entstand bereits 1943, "Lassie Come Home" mit niemand geringerem als Elizabeth Taylor, die damals gerade Zehn Jahre alt war. Auch Lassie erhielt einen Stern auf Hollywoods "Walk of fame".

 

Hund Bank 2000

 

Grundsätzlich stehen Schauspieler-innen gar nicht so gerne mit Tieren vor der Kamera, weil die Tiere ihnen in der Regel, wie man so schön sagt, "die Show stehlen". Das gilt natürlich und insbesondere für Filmhunde. Nichts ist so traurig wie ein trauriger oder gar verletzter Hund auf der Leinwand oder dem Bildschirm. Das wußte auch Walt Disney schon recht früh und hat den Hunden im Kino mit Filmen wie "Susie und Strolch", "101 Dalmatiner" oder "Cap und Capper"  Denkmäler gesetzt. Das war bei Disney durchaus naheliegend, weil er auch als Grundlage realistischer Zeichentrickanimationen, reale Tierfilme drehen ließ.

 

In Kino,- und Fernsehfilmen kommen übrigens so gut wie immer dressierte Filmhunde zum Einsatz. Selbst die liebsten und begabtesten privaten Hunde verhalten sich ungewohnter Drehumgebung, umgeben von einem riesigen Filmteam und allerlei ungewohlten Geräuschen etc. ganz anders, als die es Zuhause in gewohnter Umgebung tun würden. Tiertrainer bereiten ihre Tiere gewissenhaft auf die Drehsituationen vor und gewährleisten zuverlässige Umsetzbarkeit von Situationen, die sich Drehbuchautor-inn-en ausgedacht haben.

 

Längst nicht alle Filme mit Hunden sind unterhaltsame Familienfilme, es gibt darunter durchaus auch Filme, wie beispielsweise „Die Hunde sind los“, "Dogman" oder "Cujo", die man Kindern eher nicht zeigen sollte. Eine vollständige Liste aller Filme mit Hunden in Hauptrollen ist schier unmöglich, herzustellen. So muss an dieser Stelle eine unvollständige, aber vermutlich die wichtigsten Werke umfassende Liste genügen. Insbesondere Sequels wie Rin Tin Tin oder Lassie sind hier jeweils nur mit einem oder zwei Titeln beispielhaft vertreten.

 

Hund Isar 2000

 

Hunde auf der Leinwand

Man from Hell's River / Rin Tin Tin (1922)

Rin-Tin-Tin unter Verbrechern / While London Sleeps, (1926)

Lassie Come Home (1943) von Fred McLeod Wilcox

„Umberto D.“ (1952) von Vittorio De Sica. Spielt in Italien in der Nachkriegszeit und gilt als eines der letzten großartigen Werke des italienischen Neorealismus.

„Susi und Strolch“ (1955) von Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, Zeichentrick

„Sein Freund Jello“ (1957) von Robert Stevenson

„101 Dalmatiner“ (1961) von Clyde Geronimi, Hamilton Luske und Wolfgang Reitherman

„Cap und Capper“ (1981) von Ted Berman, Richard Rich, Art Stevens, Zeichentrick.

„Die Hunde sind los“ (1982) von Martin Rosen

„Cujo“ (1983) von Lewis Teague. Eine Stephen King-Verfilmung.

„Benji – Sein größtes Abenteuer“ (1987) von Joe Camp

„Charlie – Alle Hunde kommen in den Himmel“ (1989) von Don Bluth. Ein animiertes Musical.

„Mein Partner mit der kalten Schnauze“ (1989) mit James Belushi von Rod Daniel

„Baxter“ (1990) von Jérôme Boivin

„Ein Hund namens Beethoven“ (1992) von Brian Levant

„101 Dalmatiner“ (Realfim mit Glenn Close, 1996)

„Wolfsblut“ (1999) mit Ethan Hawke von Randal Kleiser

„Scott & Huutsch“ (1999) mit Tom Hanks von Roger Spottiswoode

„Amores Perros“ (2000) von Alejandro González Iñárritu

„Winn-Dixie – Mein zotteliger Freund“ (2005) von Wayne Wang

„Lassie kehrt zurück“ (2005) von Charles Sturridge

„Antarctica – Gefangen im Eis“ (2006) mit Paul Walker von Frank Marshall

„Wendy And Lucy“ (2008) mit Michelle Williams von Kelly Reichardt

„Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ (2009) mit Richard Gere von Lasse Hallström. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit

„Marley & Ich“ (2009) mit Owen Wilson & Jennifer Anniston von David Frankel. Insgesamt 22 Hunde mussten die Rolle von Marley spielen, darunter alleine 11 Welpen

„Belle & Sebastian“ (2013) von Nicolas Vanier

„Underdog“ (2014) von Kornél Mundruczós. Für den Film wurden 280 Hunde eingesetzt.

„Heart Of A Dog“ (2015) von Laurie Anderson. Ein filmischer Essay.

„Wiener Dog“ (2016) mit Julie Delpy und Danny Devito

„Bailey – Ein Freund fürs Leben“ (2017) mit Dennis Quaid von Lasse Hallström

Dogman“ (2018) von Matteo Garrone

Isle of Dogs – Ataris Reise“ (2018) von Wes Anderson, Animationsfilm

„Ruf der Wildnis“ (2020) mit Harrison Ford von Chris Sanders, teilanimiert.

 

Im deutschsprachigen Raum war sicherlich die österreichische Serie "Kommissar Rex" (1994 bis 2004) die aufwändigste Arbeit mit einem Hund in der Hauptrolle. Oftmals wurden die Hunderollen von einer größeren Anzahl dressierter Filmhunde gespielt, die auf jeweils andere Tricks oder Fähigkeiten spezialisiert waren.

 

Den wohl größten Skandal rund um das Drehen mit Hunden erlebte die Filmwelt rund um den Film „Bailey – Ein Freund fürs Leben“ (2017). Im Internet kursierte ein Video von den angeblichen Dreharbeiten zu dem Film, auf dem man sah, wie ein Deutscher Schäferhund von einem Mann in ein Wasserbecken gedrängt wird und sich verzweifelt dagegen wehrt. Wegen des Videos haben zahlreiche Tierschutzorganisationen zum Boykott des Kinofilms aufgerufen. Die American Humane Association (AHA), welche dafür zuständig ist, in den USA Dreharbeiten mit Tieren zu überwachen und das Label „No animals were harmed“ zu vergeben, prüfte den Sachverhalt und kam zu dem Ergebnis, dass die Produktion kein Fehlverhalten gezeigt habe. Das Video war offensichtlich manipuliert worden um die Öffentlichkeit zu täuschen.

 

Wer mag, kann sich im Movie-College selbstverständlich auch über alle bedeutenden Filme mit Katzen informieren...

Hier der eingangs erwähnte frühe Stummfilm-Streifen mit dem Hundehauptdarsteller aus dem Jahre 1905. Regie und Kamera: Edwin S.Porter, die Produktion hatte Thomas A. Edison, Inc. gedreht wurde in Edisons damaligem New York Studio, vermutlich einem der damals üblichen Freiluft-Studios.

 

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