Filmstudium

  • Wie kommt man eigentlich in Medienberufe, was muss man beachten, wo lauern Stolpersteine?

  • Der erste lange Spielfilm von Matthias Starte läuft jetzt in deutschen Kinos an.

  • Was sagen unsere User zu Fragen der Ausbildung im Filmbereich?

  • Zu den internationalen Filmschulen Europas, in denen man das Handwerk erlernen kann, gehört jene in Tallinn. Wir haben sie besucht.

  • In China Film studieren? Die BFA ist die größte Filmakademie Asiens, wir haben sie uns angeschaut.

  • Die letzte Runde- Das Kolloquium

     

    Ein weiterer Erfahrungsbericht- Bewerbung für den Produktionsstudiengang

     

    Der Raum im 2. Stock war mir bereits sehr vertraut - im Winter hatte ich hier schon einmal Bierkästen vor der Kälte draußen gerettet. Nun sollte in diesem Raum über meine Zukunft entschieden werden. 30 Bewerber lagen noch vor mir, bevor ich als immerhin vorletzter der Kommission gegenüber treten sollte. Seit einem halben Jahr hatte ich nun intensiv den Medien-Teil der Süddeutschen Zeitung gelesen und mich mit den Eigenschaften deutscher Fernsehwerbung vertraut gemacht. Ich hatte mir aus der HFF-Bibliothek mindestens 50 mehr oder minder sehenswerte Filme mit größerer und kleinerer historischer Bedeutung gesucht, hatte im „Lexikon des deutschen Films" die „wichtigsten deutschen Filme" nachgelesen, die ich nicht angeschaut hatte.

     

    Auch hatte ich einen Regisseur in all seinen Details vorbereitet. Ich wusste, warum ausgerechnet ich Film-Produzent werden wollte, was ich in meiner Bewerbung geschrieben hatte und ich kannte die Personen, die mich gleich erwarten würden.

    So saß ich also im Gang - zusammen mit einem anderen Bewerber und einem Studenten, der die Neuankömmlinge etwas beruhigen sollte Dass ich trotz der guten Voraussetzungen nervös war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ich füllte ein Formular aus und wartete. Die Prüfungskommission hatte eine gute halbe Stunde Verspätung... Schließlich war ich dann doch noch an der Reihe. Sechs Tische waren zu einem Rechteck zusammengestellt, an drei Seiten saßen jeweils zwei Personen der Kommission, an der vierten Seite saß ich. Zum Glück gab es ein Wasserglas, sonst wäre mein Mund trotz meiner Zuversicht sicherlich irgendwann ausgetrocknet.

     

    Nun stellten die Professoren sowie der Hochschul-externe Filmprofi reihum ihre Fragen. Die verbleibenden zwei Personen waren als Beisitzende und Schriftführer anwesend. Der Professor für den Studiengang Produktion wollte wissen, warum ich mich nicht mehr selbstständig machen wollte, wie ich es in meiner Bewerbung letztes Jahr noch explizit geplant hatte. Der Professor für Medienwirtschaft erkundigte sich nach den geplatzten Kabel-Verkäufen der Deutschen Telekom und der Spielfilm-Professor fragte mich, was ich an München denn besonders schätzen würde. Die Antwort, dass es sich um ein Kulturzentrum handle, erwies sich als nicht so gelungen, denn als er wissen wollte, welcher Kultur ich mich denn am meisten hingeben würde, musste ich leider passen. Schließlich hatte ich das letzte halbe Jahr genug damit zu tun gehabt, meine Bewerbung vorzubereiten...

     

    Kurz und gut: Die Fragen hängen sehr stark vom jeweiligen Bewerber ab, von seinen Aufgabenlösungen und der Begründung des Berufswunsches. Worauf ich mich hätte vorbereiten können, konnten mir auch die Studenten nicht sagen, die ich während meiner Gasthörerschaft kennen gelernt hatte. Das einzige was ich erfuhr, war die Aussage, dass es sehr stark um einen als Person geht. Tja, was immer das heißen mag... Ich für meinen Teil war erst mal froh, dass das Kolloquium zu Ende war. Denn bei den Fragen wurde doch recht lange nachgebohrt und meine oberflächlichen Antworten flogen leider auf. Ich verließ den Raum und kaum hatte sich die Tür hinter mir geschlossen, verwandelte sich meine versteinerte Miene in ein missmutiges „Bäääh! - Die haben mich auseinandergenommen.".

     

    Das Ende vom Lied

    Eigentlich hätte ich nicht mehr an eine Zulassung für die HFF glauben dürfen, aber die Hochschule war mir mittlerweile so vertraut geworden, dass ich darauf hoffte den Mist, den ich erzählt hatte, durch Selbstsicherheit überspielt zu haben. Doch es half alles nichts. Noch bevor der Brief eintraf, erfuhr ich von der Dame im Sekretariat, dass die Antwort der Kommission negativ ausgefallen war.

     

    Der Weg über die Praxis kam für mich nicht in Frage, obwohl ich inzwischen weiß, dass die HFF nicht der beste und einzige Weg zum Film sein muss. Zum Glück hatte ich mich auch an verschiedenen klassischen Universitäten beworben und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Abstand gewann ich zu dem Thema. Natürlich ist auch etwas Selbstbetrug dabei, wenn ich mir einrede, dass die HFF keine Muster-Universität ist und man als Produzent einen finanziell gefährlichen Job hat. Aber im nachhinein bin ich doch froh, mich nicht in diesem wirtschaftlich bedenklichen und sehr deterministischen Ausbildungsweg wiederzufinden.

     

    Nun studiere ich an der Ludwig-Maximilians-Universitätin München im ersten Semester Kommunikations- wissenschaft (leider das einzige Fach, welches für Medien-Interessierte Sinn macht, wenn man sich nicht nur mit Technik auseinandersetzen möchte). Psychologie hab ich im Nebenfach belegt. Die Werbung ist trotzdem nicht in weite Ferne gerückt und mir stehen Wege offen, die ich mit einem HFF-Diplom wohl nicht hätte einschlagen können.

    Das Einzige, das ich etwas bedauere ist, dass ich zwei Jahre für die HFF-Bewerbung verschwendet habe. Andererseits habe ich nun einen kleinen Packen Praktikumzeugnisse und nicht zuletzt zwei Semester HFF-Gasthörerschaft vorzuweisen. Und die kleine Pause nach dem Abitur motiviert richtig, wieder die Schulbank zu drücken. Insofern: „Never know what it was good for..."

     

    Filmhochschule - ja oder nein?

    Ein wichtiger Punkt der gegen ein Filmstudium spricht ist, die Tatsache, dass die Ausbildung für den Filmnachwuchs an vielen Filmhochschulen alles andere als optimal ist. Was hier aus verschiedensten (vor allem personal- und verwaltungspolitischen) Gründen jahrzehntelang an Chancen vertan wurde ist höchst bedenklich. Das Ergebnis lässt sich am aktuellen Stand des deutschen Film- und Fernsehspiels ablesen.

     

    Stundenplanausfälle gehören an der Filmakademie in Ludwigsburg genauso zum Alltag wie ein schlecht organisierter Studienablauf, der es den Studenten unnötig erschwert ihre Studienzeit sinnvoll zu gestalten. Auch die Wissensvermittlung in allen Bereichen rund um Film ist nicht unbedingt gegeben. So berichten Regie-Studenten der HFF Potsdam, dass sie kaum die Möglichkeit haben die technische Seite des Filmemachens zu erlernen. Die praktischen Kameraseminare sind in erster Linie den Kamerastudenten vorbehalten und die Arbeit am Schneidetisch den Schnitt-Studenten. Auf diese Weise sollen die Regie-Studenten gezwungen werden, ihre Kollegen der Kamera- und Schnittabteilung zu beschäftigen. Dabei sollte sich doch gerade ein Regisseur in allen Bereichen des Films bestens auskennen...

     

    Zahlreiche Studenten bedauern, dass die Abteilungen Szenischer Film und Dokumentarfilm voneinander getrennt sind. Dabei würden viele sehr gerne beide Bereiche erlernen. An der HFF München besteht aber zumindest die Möglichkeit auch Filme aus dem Bereich, den man nicht studiert, zu realisieren. Namhafte Regisseure wie Caroline Link oder Hans Christian Schmid haben dort übrigens Dokumentarfilm studiert und sind heute durchaus auch im Bereich Spielfilm tätig. Vielleicht ist dies für den ein oder anderen eine Überlegung wert sich in Richtung Dokumentarfilm zu orientieren. Die Trennung der beiden Abteilungen an den Filmhochschulen geht allerdings soweit, dass Regie-Studenten für szenischen Film nicht erlernen, wie man für Filme recherchiert. Das man diese Fähigkeit nicht nur für Dokumentarfilme benötigt, wird dabei völlig übergangen.

     

    Der Wunsch, möglichst schon den ersten Übungsfilm sendefähig zu gestalten, erstickt jede Art von Experimentierfreude. Nicht einmal der Lerneffekt, sich gegenseitig als Kamera,- Ton,- oder Regieassistenz zu helfen, ist mehr die Regel. Wer kann, holt sich gleich Profis. Damit geht die einzige Möglichkeit verloren, außerhalb der späteren Weichspül-Movies zu arbeiten.

     

    Die Anzahl der Produktionsstudenten ist meist deutlich geringer als die der Regiestudenten. Die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn nicht alle Regiestudenten Produzenten für ihre Projekte finden, kann man sich vorstellen... Diese Methode scheint sich allerdings durchzusetzen, sie wird gleich an mehreren Hochschulen praktiziert.

     

    Das Studium an einer Filmhochschule ist ein Vollzeitstudium. Auch wenn nicht immer eine Anwesenheitspflicht vorherrscht, so sollte man aus eigenem Interesse, besonders bei anschließenden Prüfungen, regelmäßig teilnehmen. Wer darauf angewiesen ist, neben dem Studium Geld verdienen zu müssen, wird es wegen der wenigen freien Zeit schwer haben. Auch die Semesterferien sind meist schon mit eigenen Projekten verplant.

     

    Vorteile der Filmhochschule

    Aber auch die Vorteile einer Filmhochschule sollen nicht unerwähnt bleiben. Ein wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass man durch die Schule quasi gezwungen ist eigene Filme zu machen. Für Menschen, die erst unter Druck wirklich arbeiten können - ein idealer Zustand. Da man als einzige Person nicht ein ganzes Filmteam stellen kann, ist man auf helfende Hände angewiesen. Die lassen sich schnell durch die vorhandenen Kommilitonen (so fern man nicht gleich Leute von außerhalb einbezieht) finden, die dann ihrerseits bei eigenen Projekten Hilfe bedürfen.

     

    Dadurch lernt man in kurzer Zeit sehr viele Leute mit gleichen Zielen kennen und eignet sich neben dem theoretischen Wissen das einem die Schule vermittelt noch einen großen Teil an praktischem Wissen an. Einen Film zu drehen erfordert eine nicht unerhebliche Summe an Geld. Auch wenn alle kostenlos mitarbeiten, braucht man immer noch das nötige Film-Equipment. Wenn eine Filmhochschule einem dies unentgeltlich zur Verfügung stellt und Projekte sogar noch finanziell unterstützt (wenn auch sehr, sehr gering) ist man bei der Realisierung schon einem großen Schritt weiter.

     

    Fazit

    Abschließend soll an dieser Stelle noch angemerkt werden, dass eine Filmhochschule weder den einzigen noch den besten Einstieg in die Welt des Films bietet. Manche Studenten glauben, dass es völlig ausreicht an einer Filmhochschule aufgenommen worden zu sein und absolvieren ihr Studium im Tiefschlaf, andere erlernen gleichzeitig in der Praxis unendlich viel mehr. Ebenso wenig ist ein abgeschlossenes Film-Studium eine Garantie für eine erfolgreiche Filmlaufbahn. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass viele bekannte Regisseure (z.B. Tom Tykwer) nie eine Filmhochschule von innen gesehen haben. Manche haben sich erst gar nicht beworben und es auf eine andere Art versucht, andere sind schlicht und ergreifend abgelehnt worden. Letztlich kommt es immer auf die persönliche Begabung an, Rahmenbedingungen in denen sich diese entwickelt und gefördert wird, können in- und außerhalb von Filmhochschulen gefunden werden.

     

    Namhafte Absolventen wie Oscar-Anwärterin Caroline Link, Hollywood-Regisseur Roland Emmerich oder Sönke Wortmann sind sicher gute Zugpferde für das Image einer Filmhochschule, aber nicht Alltag. Dieser sieht oft anders aus. 78 Prozent aller Ehemaligen der HFF München schlagen sich mit Fernsehjobs durch, 10 Prozent arbeiten in der Werbung, 7 Prozent für Forschung und Lehre. Namen wie die des Moderators Michael Schanze, der auch Student an der HFF München war, werden dagegen seltener im Zusammenhang mit der Hochschule genannt.

     

    Man sollte sich bewusst sein, dass das Studium an einer Filmhochschule eine von mehreren Möglichkeiten darstellt eine Laufbahn in der Filmbranche zu beginnen. Über Praktika, Assistenzen, artverwandte Studiengänge wie z. B. Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Kommunikations- oder Medienwissenschaft kann der Einstieg genauso gelingen.

  • ENERC

     

    Studiengänge

     

    Die ENERC wurde 1965 gegründet und ist im Vergleich zu den anderen vorgestellten Filmschulen eine staatliche Universität. Das bedeutet vor allem eins: Die Studiengebühren entfallen. Dies macht die ENERC natürlich sehr interessant und vor allem für viele auch aus finanzieller Sicht eher zugänglich. Die Kehrseite der Medaille soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, denn logischerweise sind die Aufnahmebedingungen weitaus umfangreicher und es werden hohe Anforderungen an die Bewerber gestellt.

    Die ENERC bietet ein sehr differenziertes Studienangebot mit ausgezeichneten Spezialisierungsmöglichkeiten. Folgende dreijährige Studiengänge werden angeboten:

     

    1. Realización (Produktion eines Films)

    2. Producción (Finanzierung und Distribution Produktion)

    3. Dirección (Regie)

    4. Fotografía (Kamera)

    5. Sonido (Sounddesign)

    6. Montaje (Postproduktion)

    7. Guión (Drehbuch)

     

    Die ENERC als staatliche Einrichtung bietet – und dies ist ein sehr interessanter Punkt vor allem für Nicht-Studenten der ENERC – eine große Anzahl an frei zugänglichen Kursen, Seminaren und Projektarbeiten an. Dieses Angebot geht von der so genannten INCAA („Instituto nacional de cine y artes audiovisuales“) aus. Für den Großteil der Kurse sind keinerlei Zulassungsvoraussetzungen vorgesehen, eine rechtzeitige Anmeldung genügt somit.

    Die Kursdauer kann zwischen einigen Sitzungen bis hin zu ganzjährlichen Veranstaltungen variieren. Unter anderem finden sich Kurse zu folgenden Themen:

     

    Vermittlung von Techniken zur Erstellung von Filmkritiken

    Analyse argentinischer Filme der letzten 50 Jahre

    Einführung in den Animationsfilm

    Arbeitsmethoden eines Dokumentarfilmers

    Erstellung eines Drehbuches

     

    Dies ist nur ein Auszug der angebotenen Kurse. Da sich die angebotenen Veranstaltungen jedes Jahr ändern, empfiehlt es sich die aktuellen Informationen abzufragen. Fragen hierzu lassen sich am besten direkt mit der verantwortlichen Abteilung abklären: cefopro@enerc.gov.ar

     

    Ausstattung:

     

    Videokameras und  mehrere Filmkameras (sowohl 16mm als auch 36mm)

    Equipmentraum mit Lichteinheiten aller Stärken, Steadycam und Dolly

    Voll ausgestatte Schnitträume (Avid, Avid Media Composer 6.5)

    Soundstudio ausgestattet mit Pro Tools

    Eigenes Kino mit 110 Sitzplätzen

    3 großräumige Filmsets

    Sehr gut ausgestatte Bibliothek (über 45 internationale Filmzeitschriften abonniert)

     

    Der “Vor-Ort-Eindruck”

     

    Die ENERC befindet sich mitten im Mikrozentrum von Buenos Aires und ist keine zehn Minuten vom wohl bekanntesten Denkmal der Stadt - dem Obelisken - entfernt. Die Schule besitzt einen großen, zentralen Eingang durch welchen man in eine große Eingangshalle kommt. Die Geräumigkeit des Saales mit seinen Säulenfassaden hinterlässt eine beeindruckende Atmosphäre beim Besucher. Die Wände sind verziert mit vielen Filmpostern und lenken den Blick auch schnell auf das universitätseigene Kino, welches für Filmvorführungen aller Art, Vorlesungen und weitere Veranstaltungen genutzt werden kann.

    Die ENERC versteht sich laut dem Verantwortlichen des “departamento del alumnos” als kleine Edelschmiede der Filmschaffenden. So studieren im Moment kaum 500 Studenten an der staatlichen Einrichtung und jedes Jahr kommen pro Studiengang genau 10 Studenten neu dazu. Die strengen und langwierigen Auswahlverfahren sollen den Professoren helfen, von dem im Durchschnitt 800 Bewerbern pro Studiengang wirklich die besten herauspicken zu können. Wie genau dieser Auswahlprozess aussieht soll nun vorgestellt werden.

     

    Einschreibungsformalitäten und Preise

     

    Eins schon mal vorweg: Das Studium kostet keinen einzigen Peso.

    Da die Ehre solch eine Ausbildung zu genießen wirklich nur den Besten zuteil kommen soll, werden die Bewerber über ein dreistufiges Auswahlverfahren ausgewählt. Dieses setzt sich aus einem allgemeinen schriftlichen Teil (Allgemeinwissen) und einem darauf folgenden Kreativteil (Praktisches Arbeiten) zusammen. Wer die ersten beiden Hürden meistert, darf sich dann auf ein individuelles Gespräch mit den Professoren freuen. Diese entscheiden dann wer letztendlich auf der Filmhochschule aufgenommen wird oder nicht. Dabei stehen nur genau 10 Plätze pro Studiengang zur Verfügung und kein einziger mehr. Ausnahmen werden, wie mir gesagt wurde, anscheinend nicht gemacht.

    Folgende Unterlagen müssen ebenfalls noch bereitgestellt werden:

     

    Studentenvisum und nach Beginn des Studiums der DNI (Personalausweis)

    Titulo Secundario (vergleichbar mit einem “Highschool”-Abschluss) oder für alle ausländischen Studenten der Nachweis eines ähnlichen Abschlusses. Da die staatliche Universität sehr genau darauf achtet, ob auch wirklich der Titel des ausländischen Studenten äquivalent zum Título Secundario ist und entsprechende Klassen über Geografie, Geschichte und Literatur Argentinien auch wirklich besucht wurden, muss man sich mit folgenden Ämtern in Verbindung setzen:

     

    “Departamento de Validez Nacional de Títulos y Estudios” (Anerkennug von Schul- und Universitätsabschlüssen ausländischer Studenten) des “Ministerio de Educación de la Nación Argentina” (Bildungsministerium Argentiniens)

    Tel.: +54 11 4129-1317 / 1318 / 1319 oder unter www.me.gov.ar

     

    2 Ausweisfotos

    Kopie des deutschen Personalausweises

    Zertifikat über gesundheitlichen Zustand (vom Hausarzt)

    Ein einzelnes Auslandssemester für ausländische Studenten ist nur bei einem Abkommen zwischen den Studenten möglich. Das “Freemover” Programm wird nicht anerkannt.

     

    Fazit

     

    PRO: hohes Ausbildungsniveau, wenig Studenten, sehr gute Bereitstellung aller nötigen Mittel

    CONTRA: Erwerb des kompletten “Título Secundario” für die Bewerbung, schwieriges Auswahlverfahren

     

     
     
    Kontakt

    Escuela Nacional de Experimentación y Realización Cinematográfica

    Moreno 1199

    Microcentro (CP1091)

    Ciudad Autónoma Buenos Aires

    Argentina

    Tel.: (+5411) 4383-2622 oder (+5411) 4383-6432

    Fax: (+5411)6779-0997 /

     

    info@enerc.gov.ar

     
  • Filmakademie Österreich

     

    Die Filmakademie wurde 1952 in Wien gegründet und ist das Institut für Film und Fernsehen der staatlichen Universität für Musik und darstellende Kunst. 

    In Österreich ist sie die einzige universitäre Ausbildungsstätte im Bereich Film. 

     

    Studium: 

    Die Filmakademie bietet für ihre Studenten folgende Studiengänge an:

     - Regie

     - Drehbuch 

    - Bildtechnik und Kamera 

    - Schnitt 

    - Produktion 

     

    Die Studiengänge können alle mit einem Bachelor Abschluss nach drei Jahren beendet, oder aber mit einem anschließenden Master erweitert werden.

    Einen zwingenden Masterabschluss erfordert allerdings nur der Studiengang: Digital Art-Compositing. 

    In dem zweijährigen Grundstudium wird eine alle Studienrichtungen umfassende, gemeinsame Ausbildung absolviert. Nach zwei Jahren Grundstudium erfolgt dann die Spezialisierung in dem Fach, für das der Student an der Filmakademie aufgenommen wurde. 

     

    Bewerbung: 

    Man benötigt kein Abitur um an der Filmakademie Wien zu studieren. Über die Zulassung zum Studium entscheidet allein das Bestehen der jährlich stattfindenden Aufnahmeprüfung. Zunächst werden zu jedem Studiengang individuelle Aufgaben online auf der Homepage (http://www.mdw.ac.at) gestellt, die bearbeitet werden müssen und anschließend an die Akademie pünktlich zum Einsendeschluss geschickt werden sollen. Falls die Bearbeitung der Aufgaben den Anforderungen der Filmakademie entspricht wird man zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Hier wird die Eignung für die angestrebte Studienrichtung festgestellt. Es werden pro Jahr ca. 15-20 Studierende zum Studium zugelassen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung kann das Studium Anfang Oktober beginnen. 

     

    Auswahl bekannter Absolventen: 

    - Antonio Svoboda 

    - Alexander Hahn 

    - Kathrin Resetarits 

    - Barbara Albert 

    - Andreas Gruber

     

    Lehrende:

    In der Filmakademie Wien haben die Studenten zudem die Möglichkeit von sehr bekannten und erfahrenen Professoren zu lernen. Beispielsweise unterrichten Prof. Wolfgang Thaler, Prof. Michael Haneke und Prof. Götz Spielmann in Wien.

     

    Kontakt:

    Filmakademie Wien
    Institut für Film und Fernsehen 
    Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
    Metternichgasse 12
    1030 Wien
    Tel.: +43 1 711 55 – 2902

    www.mdw.ac.at/filmakademie/

     

    Ein Bericht von Luis Schubert und Amelie Hackauf

  •  

    Das Museumsquartier in Wien

    Das Museumsquartier in Wien

    Trotz der geringen Größe und Einwohnerzahl bietet das Land Österreich eine große Bandbreite an interessanten Filmen. Vor allem durch die Oscar-Auszeichnungen 2008 von Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“ und 2013 Michael Hanekes „Armour“ (beide in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film) rückte Österreich als filmschaffendes Land weiter ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Natürlich kann man die Qualität künstlerischen Schaffens nicht nur anhand großer Preisverleihungen messen. Das Movie-College wirft einen kurzen Blick auf die Filmgeschichte Österreichs.

     

    Ein Überblick

     

    27. März 1896 – knapp 3 Monate nach der Premiere in Paris – erlebt auch Österreich seine erste Kinovorführung. 1910 gründete der Fotograf A. Kolm die "Erste Österreichische Kinofilmindustrie", in welcher der erste österreichische Spielfilm, Dokumentarfilm und die Wochenschau produziert wurden. Nun nahm die Filmproduktion zu. 1912 wurde Sasha-Film in Wien gegründet, welche gegen Ende des ersten Weltkrieges zu einer der größten Produktionsfirmen Europas versierte. Besonders erfolgreich liefen Monumentalfilme, wie zum Beispiel „Sodom und Gomorrha“ bei welchem Michael Curtiz (damals noch Mihály Kertesz) Regie führte.

     

    Mit Beginn des Naziregimes in Deutschland emigrierten jedoch viele Filmschaffende in die Vereinigten Staaten, wo manchen auch eine steile Karriere gelang, unter anderen Billy Wilder, Fred Zinnemann, Josef von Sternberg, Erich von Stroheim, Otto Preminger, Peter Lorre und Fritz Lang. Mit dem Anschluss 1938 wurde der eigenständigen Produktion dann ein jähes Ende gesetzt. Alle Produktionsfirmen wurden zur „Wien-Film“ zusammengefasst, Beschneidung der Meinungsfreiheit und Einführung einer strengen Zensur folgten. Es entstanden größtenteils sogenannte Kultur- und Heimatfilme, in denen andere Völker, sowie die Demokratie und die Habsburger-Monarchie verspottet wurden.

     

    In der Nachkriegszeit besann man sich zu tendenziell leichteren Stoffen und drehte hauptsächlich Heimatfilme und Komödien. Wie zum Beispiel E. Marischkas "Sissi-Trilogie", 1955-57 mit Romy Schneider oder etliche Filmchen mit Peter Alexander. Nur mühsam erholte sich die Filmszene von den Eingriffen der Regierung in den 30er und 40er Jahren.

     

    Mit den sechziger Jahren kam mit Filmemachern, wie Peter Kubelka und Kurt Kren frischer Wind auf. Durch den Avantgarde Film versuchten sie gängige Konventionen zu brechen und abseits der Sehgewohnheiten des Publikums neue Ausdrucksweisen zu finden.

     

    Die Aktivistin Valie Export präsentierte das „Tapp- und Tastkino“, einem Projekt bei dem sie, den Oberkörper bekleidet mit einer Holzkiste, an der vorne zwei Löcher zum Tasten gesetzt waren, sich selbst als Kino preisgab.

     

    Nun wollte man schon von revolutionären Änderungen träumen, doch Österreich brauchte noch ein bisschen Zeit. Die 70er Jahre wurden das Jahrzehnt mit der  geringsten Anzahl von Filmproduktionen überhaupt. Das die Entwicklung des „Neuen österreichischen Films“  nur langsam voranging und so vieles ungefördert - unbekannt blieb, ist mit großer Wahrscheinlichkeit dem Umstand zu verdanken, dass Österreich erst 1981 und somit als letztes westeuropäisches Land eine staatlich kontrollierte Filmförderung etablierte. Ab nun konnten im Idealfall auch künstlerisch anspruchsvollere Werke ihren Weg zum Publikum finden.

     

    Das Gartenbaukino in Wien

    Das Gartenbaukino in Wien © www.gartenabukino.at

    So kam es ab 1980 zum Aufschwung in der Filmszene. Niki List drehte 1982 eine interessante Komödie "Cafe Malaria“, mit einem jungen Andreas Vitasek und 4 Jahre später „Müllers Büro“, eine Mischung aus Krimikomödie und Musikfilm. Die Verfilmung von Klaus Manns Roman „Mephisto“ brachte 1981 als deutsch-österreichisch-ungarische Koproduktion einen Auslandsoscar ein. Regie führte hierbei István Szabó, in der Hauptrolle beeindruckte Klaus Maria Brandauer. 1976-1983 wurde die satirische Kriminalserie „Kottan ermittelt“ ausgestrahlt, welche großen Anklang fand und in Österreich auch heute noch oft und gerne gesehen wird.

     

    In den 90er Jahren wurde die Produktion von Komödien mit den sogenannten Kabarettfilmen wiederbelebt, welche gesellschaftskritischer waren als Komödien zuvor. Oft wurden typisch negative Charaktereigenschaften der Österreicher dargestellt. Als Schauspieler wurden Kabarettisten, wie Josef Hader (>Das Movie-College führte ein Interview), Roland Düringer, Alfred Dorfer oder Reinhard Nowak eingesetzt, die in wechselnden Rollen in verschiedenen Filmen auftraten. Als Vorreiter ist hier auch Helmut Qualtinger zu nennen, der unter anderem schon 1961 mit seinem Ein-Personen-Stück „Der Herr Karl“ auf diese Weise Aufsehen erregte. Wichtige Filme dieser Periode sind „Indien“ und „Muttertag“ von Harald Sicheritz (beide 1993), „Freispiel“(1995), „Hinterholz 8“(1998),  „Poppitz“(2002) und „MA 2412 – Die Staatsdiener“(2003).

     

    1999 erschien „Nordrand“, ein Film von Barbara Albert, mit Nina Proll in der Hauptrolle, der international viel Anerkennung – darunter eine Nominierung für den goldenen Löwen in Venedig – erntete und so von manchen als Wendepunkt im österreichischen Film angesehen wird. Es kam eine neue Generation von Filmemachern an die Reihe. Michael Haneke drehte 1989 seinen ersten Langfilm, im selben Jahr wie Michael Glawogger „Krieg in Wien“ veröffentlichte. Götz Spielmann und Ulrich Seidl gaben 1990 ihr Langfilmdebut.

     

    Im neuen Jahrtausend spielten sie eine wichtige Rolle. Weitere erfolgreiche FIlme waren das Zweiter Weltkriegs-Drama "Die Fälscher" (2007) von Stefan Ruzowitzky und "Fallen"(2006)  von Barbara Albert oder "Der Knochenmann" (2009) von Wolfgang Murnberger mit Josef Hader. 2006 drehte Andreas Prochaska einen der ersten Slasher-Filme Österreichs. Nach gängigen Horror-Klischees, mit geringem Budget und mundartsprechenden Laienschauspielern realisiert, erfreute er sich über 80 000 Kino-Besuchern. (Für Österreich ist das viel.) 2008 folgte auch prompt die Fortsetzung - wer hätte es erwartet - "In drei Tagen bist du tot 2". Mit "Das finstere Tal" konnte Andreas Prochaska nun 2015 acht der 14 Kategorien des Österreichischen Filmpreises für sich entscheiden. Der Österreichische Filmpreis wird seit 2011 von der Akademie des Österreichischen Films vergeben. 

     

    Die Filme der Regisseurin Jessica Hausner sollte man auch nicht missen. 1999 gründete sie gemeinsam mit Kameramann Martin Gschlacht und Regisseur Antonin Svoboda ("Immer nie am Meer") die Wiener Produktionsfirma coop99 und drehte unter anderem "Lourdes"(2009) und letztes Jahr ein historisches Drama über die Selbstmordsehnsüchte des Dichters Heinrich von Kleist: "Armour Fou"(2014).

     

    Schauspieler Karl Markovics gab 2011  mit "Atmen" sein Regie-Debut. Der Film handelt von einem 19-jährigen Insassen eines Jugendgefängnisses, der versucht in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Sein zweiter Film "Superwelt" feierte auf der Berlinale 2015 seine Premiere.

     

    Hier kann man vielleicht auch kurz den Namen Christoph Waltz erwähnen, der mit seinen Darstellungen in den Tarantino-Filmen "Ingloriuos Baterds" und "Django Unchained" jeweils einen Oscar gewann und schon unter Regisseuren wie Roman Polański und Tim Burton arbeitete.

    Aber da ich mich nicht der Illusion hingebe einen vollständigen Überblick über die Filmgeschichte schaffen zu können, wende ich mich in folgendem gezielt den vier zuvor erwähnten Autorenfilmern zu.

     

    Michael Haneke

     

    Ein Regisseur, auf den wir ein Augenmerk legen wollen ist Michael Haneke.

    1942 geboren wuchs er in Wiener Neustadt auf und begann in Wien Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften zu studieren, was er aber Zugunsten eines Jobs als Fernsehdramaturg in Baden-Baden abbrach. Nach mehreren Fernsehproduktionen, drehte er 1989 seinen ersten Kinofilm „Der siebente Kontinent“, erster Teil seiner Trilogie über die “Vergletscherung von Gefühlen“, gefolgt von „Benny`s Video“ und „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“. Die Trilogie beleuchtet Abgründe menschlichen Daseins. Eine Familie begeht Selbstmord, ein anderer Protagonist filmt, wie er eine Freundin mit einem Bolzenschuss tötet, um zu sehen „wie das ist“, und ein Student läuft Amok.

     

    Dabei kommt es selten zur direkten Darstellung von Gewalt, Haneke belässt dies bei der Imagination des Zuschauers. Auch in seinem Film „Funny Games“(1997) und seinem szenegleichen Remake „Funny Games U.S.“(2007) nützt er die Einschlagskraft von psychischer wie physischer Gewalt, unterlegt mit Musik von John Zorn. Er geht noch weiter. Im Film wird von Anfang an klargestellt, dass die Mörder mit ihren Taten keinerlei Absichten verfolgen. Mit den so gewohnten Motiven Eifersucht und Erberschleichung kann man sich hier nicht weiterhelfen. Bei Haneke morden sie, einfach nur um zu morden. (Vielleicht steckt auch noch ein kleines bisschen Vergnügen dahinter, was das Ganze noch verstörender macht.)

     

    „Funny Games“ soll dabei ein Statement gegen den leichtfertigen und ironisierenden Einsatz von Gewalt in den Medien darstellen. Ob man diesen Zustand ändert, wenn man selbst so viel „Böses“ ablichtet, ist eine zu diskutierende Frage. Es stimmt, Haneke stellt anders dar und erzielt damit auch andere Effekte, aber das Grundmotiv bleibt Gewalt. Aber möglicherweise ist Angriff die beste Verteidigung.

     

    Michael Hanke drehte in Frankreich „Cachè“ und „Die Klavierspielerin“. Mit „Das weiße Band“(2009) gewann er die Goldene Palme von Cannes, mit „Liebe“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2013, sowie seine zweite Goldene Palme.

    Seit 2002 lehrt Haneke als Professor für Regie an der Filmakademie Wien.

     

    "Wenn ich jemanden schon vergewaltige - was ich als Filmemacher automatisch tue - dann möchte ich ihn wenigstens zur Selbständigkeit vergewaltigen, so dass er vielleicht beginnt, ein wenig über seine Rolle in dem Spiel nachzudenken." (- Michael Haneke in einem Interview, Süddeutsche Zeitung 6./7. März 2010)

     

    Michael Glawogger

    Freiluftschlachthof in Nigeria aus

    Freiluftschlachthof in Nigeria aus "Workingman`s Death" © M. GLAWOGGER

    Vor allem seine drei Dokumentarfilme „Megacities“, „Workingman`s Death“ und „Whore`s Glory“, gefilmt an Schauplätzen auf der ganzen Welt, brachten Michael Glawogger internationale Anerkennung ein. Sie zeigen Menschen in verschiedensten Ländern und Situationen zur Zeit der Globalisierung um die Jahrtausendwende. Als Beispiel: In 5 Episoden zeigt „Workingman`s Death“ Menschen unter schwerster körperlicher Arbeit: Kohle-Bergleute in der Ukraine; in Indonesien wird an einem aktiven Vulkan Schwefel gefördert; man sieht Arbeiter auf einem riesigen Freiluft-Schlachthof in Nigeria, Schweißer in Pakistan und Stahlarbeiter in China.

     

    1995 interviewte er in „Kino im Kopf“ professionelle sowie Laienregisseure über Ideen für Filme, welche nie umgesetzt wurden - 10 Entwürfe. Ausgewählt wurden die Gefilmten durch eine Annonce, wobei nur ihre Ideen, nicht ihre Biografien zählten. Doch es wäre nicht Glawogger, wenn es bei dieser dokumentarischen Sichtweise bleiben würde. Gemeinsam mit den Interviewten realisierte er für den Film einzelne Szenen dieser Entwürfe. Es entsteht ein wildes Durcheinander von verschiedensten Genres und verschiedensten Gestalten.

     

    Erfolgreich im deutschsprachigen Raum waren auch seine skurril-grotesken Komödien „Nacktschnecken“ und „Contact High“, mit Michael Ostrowski, Raimund Wallisch und Georg Friedrich in den Hautrollen. 2009 erschien die Literaturverfilmung „Das Vaterspiel“.

     

    2013 brach Michael Glawogger zu einer einjährigen Reise durch die Welt auf. Ein Bild der Welt sollte entstehen und dies geht nur „wenn man keinem Thema nachgeht, keine Wertung sucht und kein Ziel verfolgt. Wenn man sich von nichts treiben lässt außer der eigenen Neugier und Intuition". Er wollte einen Dokumentarfilm ohne Ziel und ohne Thema drehen. Während der Reise schrieb er Tagebücher, die wöchentlich in „Der Standard“ und in einem Blog der „Süddeutschen  Zeitung“ veröffentlich wurden. Im April 2014 verstarb er überraschend im Alter von 54 Jahren in Liberia, nachdem er an Malaria erkrankt war.

     

    Ein Verlust, der einen richtig traurig stimmt, wenn man die Projekte-Seite auf www.glawogger.com betrachtet. Viele interessante Ideen, welche jetzt nicht mehr entstehen werden können

     

    Götz Spielmann

     

    Götz Spielmann, geboren 1961 in Wels und aufgewachsen in Wien, studierte Drehbuch und Regie an der Filmakademie Wien. 1990 gab er sein Spielfilmdebut mit „Erwin und Julia“. Seine Filme „Die Fremde“(2000) und „Antares“(2004) waren Österreichs Einreichungen für eine Oscar-Nominierung. 2008 wurde Spielmanns Film „Revanche“ dann auch von der Academy in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. „Revanche“ wurde von Kritikern viel gelobt und gilt bei vielen als Spielmanns bester Film. Unter anderem wurde auch die Kameraarbeit von Martin Gschlacht gelobt, welcher momentan bei vielen bedeutenden Produktionen in Österreich hinter der Kamera steht.

     

    2013 kam Spielmanns bislang neuester Film „Oktober November“ in die Kinos.

    In seinen Filmen widmet sich Spielmann zumeist schweren Themen, wie in „Antares“ der Untreue in einer Beziehung oder in „Oktober November“ dem Verlust eines Menschen. Wo manch andere sich in gefühlsduseligen und unglaubhaft dramatischen Szenen ergehen würden, besticht Götz Spielmann durch eine zurückhaltend beobachtende Sicht. Das ermöglicht realistische, intime Momente in seinen Filmen.

    Das Movie-College führte ein Interview mit Götz Spielmann.

     

    Ulrich Seidl

    Im Keller 2014

    "Im Keller" (2014) © Stadtkino Filmverleih

    Ulrich Seidl bedient sich ähnlich seinem Kollegen Michael Glawogger oft halb-dokumentarischer Mittel um seine Filme in Szene zu setzen. Dabei bildet er zumeist extreme Situationen ab. In seinem ersten Langfilm ´“Good News“ (1990) vergleicht er die Lebensumstände von Zeitungsverkäufern in Wien mit denen, die die Zeitung kaufen. In langen Einstellungen zeigt er die Trostlosigkeit und Eintönigkeit des Alltäglichen auf beiden Seiten.

     

    Auf eine gewisse Art verstörend sind eigentlich alle seine Filme. In „Tierischer Liebe“(1995) zeigt er intime Beziehungen zwischen Haustieren und ihren Besitzern. In „Jesus du weißt“ (2003) vertrauen sechs Christen dem Regisseur ihre Beichte an. Menschen, die ihre persönliche Verbindung zwischen sich selbst und Gott offenlegen. Eine Verbindung die wahrscheinlich das Intimste ist was es gibt. Sechs Portraits der Einsamkeit.

     

    Um das Thema Glaube geht es auch im zweiten Teil der Paradies-Trilogie (2012/13) „Paradies: Glaube“, in welchem Maria Hofstätter als alleinstehende Frau mit Wandermuttergottes-Statuen missionierend von Haus zu Haus geht und so versucht Österreich ein wenig katholischer zu machen. In „Paradies: Liebe“ reist die 50-jährige Hauptperson als Sextouristin nach Kenia um ihre Liebe - wie auch immer man dieses Wort jetzt definieren will -  zu finden und „Paradies: Hoffnung“ spielt in einem streng geführten Diätcamp für übergewichtige Kinder. Je einer der Filme war bei den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin vertreten.

     

    Sein neuester Film „Im Keller“ löste 2014 Debatten aus, weil zwei österreichische Politiker zurücktreten mussten, nachdem sie in einer Szene einen gemütlichen Stammrunden-Abend in einer mit Hakenkreuzen und Hitlerportrait geschmückten Kellerstube verbrachten.

     

    Seidl spitz zu, zeigt Realitäten, wie man sie weder sehen noch wahrhaben will. Jedoch wären die Filme nicht halb so erschütternd, wie sie sind, wenn man nicht auch viel Wahrheit in ihren Aussagen erkennen würde. Dabei weiß man nie wo die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm, Realität und Fiktion zu setzen sind. Die „Ästhetik“ des Hässlichen wird einem als Zuschauer so unbarmherzig auf die Augen gedrückt, dass man selbige am liebsten verschließen und aus Scham im Kinositz versinken würde, während man eine Schar Kinder verschüchtert und alles andere als happy „When you happy and you know it clap your fat“ singen hört.

     

    Auf die Frage, ob es bei ihm Gewissensbisse auslöse, dass seine Filme sensible Gemüter nachhaltig verstöre, antwortete Ulrich Seidl in einem Interview: „Nein. Meine Arbeit und die Kunst generell ist dazu da, den Menschen einen anderen Blick zu geben, also auch zu verstören. Die Kunst ist nicht dazu da, etwas zu bestätigen, sondern etwas aufzuwerfen. Wenn man nur selbstbestätigt aus dem Kino geht, hat das für mich keinen Wert.“ (Zitate von Ulrich Seidl aus einem Interview mit Martin Schwarz der zitty Berlin vom 30.04.2013)

    Als Moralist betrachte er sich trotzdem nicht. Er zeige nicht, was Gut und was Böse ist, sondern nur Menschen, ohne sie zu verurteilen.

     

    Humor?

    Wenn man die Werke bedeutender österreichischer Filmemacher betrachtet, kommt schnell die Frage auf, warum diese so oft so extrem - im Sinne von skurril, schamlos, ein bisschen verstörend -  sind. Ist es einfach eine Mode? Liegt es an diesem den Wienern angeblich eigenen, teils bösartigen Humor? Dieser ist sehr trocken und hintergründig. Er zielt nicht auf eine Pointe ab, der Betroffene muss hinter jedem Satz einen charmant verpackten Schlag ins Gesicht erwarten. Gleichzeitig sei der österreichische Humor viel „selbstzerfleischender“, so der deutsche/in Österreich auftretende Komiker Dirk Stermann in einem Interview mit der taz. „In Österreich bist du Teil des Grauslichen.“ 

    „Wir lassen es zu, schonungslos mit uns selbst umzugehen.“, so Ulrich Seidl. 

     

     

     

     

    Hier noch ein paar interessante Links zum Thema:

     - http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_österreichischer_Kinofilme

     - Für (S)exploitation- und Pulp-Fans:

       Der Vice Guide zu krankem österreichischen Film

     - Von der Finanzierung bis zur Festivaleinladung:

       http://www.falter.at/falter/2008/05/20/drehen-ist-nicht-das-problem/

     

  • Das große internationale Festival der Filmstudenten wurde mit einem spannenden Programm eröffnet

  • HFF MünchenWelche Möglichkeiten gibt es eigentlich in Deutschland, Film und Medien zu erlernen oder zu studieren?

  • Eine spannende Alternative zum heimischen Filmstudium sind die Filmhochschulen in Argentinien.

  • Das Studium an Londons Filmhochschulen ist recht teuer.

     

    University of Westminster

     

    Studiengänge im Bereich Film und Fernsehen: Contemporary Media Practice, Film and Television Production, Television Production

     

    Aufnahmebedingung für Bewerber aus dem Ausland sind ausreichende Englisch-Kenntnisse. So sollte man bei einem IELTS-Sprachtest eine Mindestpunktzahl von 6 Punkten haben.

     

    Bewerbung: Die Bewerbung für den Studiengang erfolgt online, bei der u. a. ein Motivationsschreiben erforderlich ist. Danach wird man zu einem Interview eingeladen, welches gewöhnlicherweise zwischen Dezember und April stattfindet. Mitzubringen ist ein Portfolio mit Arbeitsproben. Das Studium gliedert sich in drei Jahre und wird mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

     

    Studiengebühren: Das Studium ist nicht ganz günstig. An so gut wie allen Universitäten und Hochschulen in Großbritannien werden im Gegensatz zu staatlichen Einrichtungen in Deutschland relativ hohe Studiengebühren verlangt. An der University of Westminster beläuft sich die Gebühr auf £9,000.00 im Jahr.

     

    Adresse:309 Regent Street, London W1B 2HW, Großbritannien, Tel: + 44 (0) 20 7911 5000, Web: http://www.westminster.ac.uk/

     

     

    Metropolitan Film School

     

    Die MFS Teil der Met Film Group, welche neben der Schule auch Met Film Production und Met Film Post beinhaltet und somit komplett in die Film-Industrie integriert ist. Praktische Erfahrungen stehen hier besonders im Vordergrund. So arbeiten die Studenten in den meisten Kursen an eigenen Kurzfilmen und werden von Tutoren dabei unterstützt. Die Schule passt sich mit seinen Programmen sehr an den Bedürfnissen der Studenten an und so werden neben dem Bachelor- und Masterprogramm auch One-Year Programmes, Six-Month Programmes und Short, Part-time & Weekend Courses angeboten. 

     

    Aufnahmebedingung: Studenten aus dem Ausland müssen ausreichende Englisch-Kenntnisse vorweisen. Das kann anhand des SELT-, IELTS-, TOEFL- oder PEARSON-Tests erfolgen. Mindestalter: 18 Jahre, International Baccalaureate (vgl. Abitur) 

     

    Bewerbung: Neben einem auszufüllenden Bewerbungsbogen und einem Lebenslauf wird ein Essay zu bestimmten Fragestellungen verlangt. Das Essay soll in drei Sektionen unterteilt werden, indem in jedem Teil eine Frage mit bis zu 500 Wörtern beantwortet werden soll. Das gesamte Essay beläuft sich also auf 1500 bis 2000 Wörter. Wenn man damit überzeugen konnte, wird man zu einem Interview eingeladen; als Bewerber aus dem Ausland kann dies auch per Telefon oder Skype erfolgen. Nach ca. drei Tagen bekommt man Bescheid, ob man angenommen wurde oder nicht. 

     

    Studiengebühren: Die Kosten belaufen sich unterschiedlich und hängen ganz vom angestrebten Abschluss und Studiengang ab. So kann man mit Studiengebühren zwischen £800 und £25,000 pro Jahr rechnen. 

     

    Adresse: Ealing Studios, Ealing Green, London W5 5EP, Tel:  +44 20 8832 1933, E-Mail: info@metfilmschool.co.uk, Web: http://www.metfilmschool.co.uk/ 

     

     

    London Film School 

    London ist eine lebendige, kreative Stadt, die auch Filmemacher magnetisch anzieht.

     

    In dem zweijährigen Studienprogramm arbeitet ein Student an mindestens sechs Filmen mit und so entstehen pro Jahr insgesamt um 170 Filme. Die Filmschule ist sehr international ausgerichtet und so kommen rund 70 % der Studierenden aus dem Ausland. Als ausländischer Bewerber stehen die Chancen, angenommen zu werden also gar nicht mal so schlecht. Neben den normalen Studienangeboten werden außerdem Workshops angeboten, die an mehreren Abenden oder Wochenenden intensive praktische Lernerfahrungen bringen sollen.

     

    Studiengänge:MA Filmmaking, MA Screenwriting, MA International Film Business, PhD Film by Practice

     

    Aufnahmebedingungen: Auch hier werden neben den üblichen Unterlagen Arbeitsproben und Essays verlangt, variiert aber zwischen den Studiengängen. Wenn man damit überzeugt hat, wird man zu einem Interview eingeladen (Interview per Telefon oder Skype bei ausländischen Bewerben möglich).

     

    Studiengebühren: zwischen £8,000 und £12,000.

     

    Adresse:The London Film School, 24 Shelton Street, London WC2H 9UB, United Kingdom, Tel: +44(0) 207 836 9642, Web: http://lfs.org.uk/

     

  • War Deutschland immer schon gut aufgestellt mit Filmhochschulen, oder waren die Anfänge eher holprig?

  • Wer in der Schweiz Film studieren möchte, findet an der staatlichen Kunsthochschule beste Bedingungen

  • Das internationale Festival der Filmhochschulen in München ist eröffnet und begrüßt wieder zahlreiche Filmemacher-innen aus der ganzen Welt

  • Die HFF wird im Juli 50 Jahre alt, doch wider Erwarten findet man online sehr wenig über die Geschichte der Hochschule. Grund genug, daran etwas zu ändern...

  • Das war sicher ganz anders geplant... Pünktlich kurz vor Beginn der großen Party verdunkelte sich der Himmel, ein lautes Gewitter begann und Monsunartiger Regen setzte ein.

  • Beim 33. Festival der Filmhochschulen wurden wieder starke Filme prämiert.

  • Der Traum vom Studium

    Sehr viele haben bisher den Traum von einem HFF-Studium geträumt, ohne dass er in Erfüllung ging. Auch ich musste bereits im vergangenen Jahr die Enttäuschung einer Absage hinnehmen und auf einen zweiten Versuch warten. Nach langem Hin und Her, ob denn die erneuten Mühen überhaupt sinnvoll sind, habe ich jedoch beschlossen, nicht locker zu lassen und mich ein zweites Mal für den Studiengang "Produktion" an der HFF zu bewerben. Natürlich wusste ich, dass auch diesmal viel Arbeit auf mich zukommen würde und die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung nicht gerade vielversprechend sind. Dennoch blieb ich konsequent und sei es auch nur, um später sagen zu können, ich hätte alles in meiner Macht stehende versucht. Ich begann also erneut mit der Lösung der gestellten Aufgaben.

    Bewerbung

    Nach beinahe einem Monat intensiver Arbeit, einem zähen Ringen um jede "Schreibmaschinenzeile" und einem endlosen Verwerfen von Filmstoffideen war nun endlich das große Werk, das über meine Zukunft entscheiden sollte, fertig. Sprichwörtlich in der letzten Minute der Eingangsfrist habe ich höchst persönlich das Sekretariat der HFF betreten, um desillusioniert mit anzusehen, wie meine Mappe, als eine unter vielen, auf einen riesigen Stapel geschmissen wurde. In der Hoffnung, diese blaue Mappe nicht so bald wieder zusehen (oder am besten nie wieder) begann nun vom 31. März 2003 an das große Warten. Fortwährenden Fragen von Außenstehenden, wie lange es denn noch dauern könnte, begegnete ich inzwischen mit abgeklärter Routine und stets gleicher Antwort, dass vor dem Juli sowieso nichts zu erwarten sei.

     

    In Wahrheit zählte ich jedoch jeden Tag und malte mir abenteuerliche Storys aus, wie wohl meine Bewerbung angekommen sei. Um meine angespannten Nerven ein wenig zu beruhigen, begann ich bereits im Mai mit der Vorbereitung auf ein mögliches Kolloquium. Da ich jedoch nicht genau wusste, wie so eine Vorbereitung aussehen könnte, beschränkten sich meine Aktivitäten ausschließlich auf das aktuelle Geschehen, d. h. so viel wie möglich Filme sehen und täglich den Medienteil der großen Tageszeitungen studieren.

     

    Einladung zum Kolloquium

    Früher als erwartet und als erste Abteilung der HFF überhaupt, hat die Leitung für den Studiengang "Produktion" die Zusagen und Absagen versendet. Als ein Brief der Hochschule in meinem Briefkasten lag, bekam ich lediglich ein kleinlautes "Oh Gott" heraus. Hektisch riss ich den Umschlag auf und siehe da, ich war nach eingehender Prüfung der Bewerbung "zum weiteren Teil der Eignungsprüfung eingeladen". Da die Zusagen recht früh verschickt wurden, hatte ich bis zum Kolloquium sogar noch einen knappen Monat Zeit.

     

    Noch am gleichen Tag brachte ich meine Teilnahmebestätigung zur HFF, schließlich sollte es ja an solchen Banalitäten nicht scheitern. Als die erste Freude verflogen war, begann sich bei mir jedoch Ratlosigkeit breit zu machen. Was kann ich jetzt noch tun? Engagiert begann ich mir einen Plan zu machen, was denn ein guter HFF-Student an Wissen mitbringen sollte. Filmgeschichte, Kenntnisse aktueller Branchennews, wichtige Kontaktadressen und Ansprechpartner, ein breites Repertoire wichtiger Namen von Regisseuren und Schauspielern etc., einen Überblick über aktuelle Neuerscheinungen, praktisches Know-how usw.

     

    Je mehr Zeit verstrich, desto mehr machte ich mir über mögliche Detailfragen der Kommission Sorgen, die mich möglicherweise in eine ernste Bredouille bringen könnten. Trotz der Beschwichtigungen zahlreicher Freunde und Studenten, die bereits an der Filmhochschule studieren, war ich mir sicher, dass mich ein gnadenloses Kreuzverhör erwarten würde.

     

    Der große Tag

    Bewerbung

    Bereits beim Aufwachen lag mein Puls weit über normal. Trotz wenig Schlaf war ich früh auf den Beinen. Unnötiger Zeitdruck war an diesem Tag das letzte, was ich hätte gebrauchen können. Obwohl mein Kolloquiumstermin für 14.30 Uhr angesetzt war, betrat ich die Filmhochschule bereits eine Stunde früher. Dies erwies sich als die richtige Entscheidung,  da vor dem Kolloquiumsraum zwei Produktionsstudenten platziert wurden, die den Eingeladenen ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben sollten.

     

    So viel Entgegenkommen hatte ich bis dahin von der HFF nicht erwartet. Auf diese Weise verblasste inmitten des lockeren Gesprächs jegliche Anspannung und das Gefühl einer Prüfungssituation. Leider gewann ich in dieser Stunde auf dem Gang auch den Eindruck, dass die Prüfungskommission ebenso locker mit der Situation umgeht. Ständig erschien eine aufgeregte Sekretärin, die unbedingt eine Unterschrift einholen wollte.

     

    Im Nebenraum läuteten Handys, dessen Klingeltöne die HFF-Studenten bereits den Professoren zuordnen konnten. Ich hatte nach und nach das Gefühl, als wäre das Kolloquium nur eine Nebensächlichkeit im laufenden Betrieb. Spätestens hier wurde mir dann wirklich bewusst, dass ich die Vorbereitung viel zu ernst genommen habe.

     

    Das Gespräch

    Bewerbung

    Meine bildlichen Vorstellungen von einem Kreuzverhör entsprachen zunächst überhaupt nicht der tatsächlichen Sitzordnung. Statt einer gegenüberliegenden Platzierung waren die Tische zu einem Viereck zusammengestellt. An drei Seiten nahmen die Professoren der einzelnen Abteilungen Platz, die vierte Seite war für den hoffnungsvollen Anwärter reserviert. Die Leitung des Gesprächs übernahm Prof. Manfred Heid, Leiter des Studiengangs Produktion. Mit von der Partie waren darüber hinaus weitere vier Professoren und Dozenten der verschiedenen Abteilungen, sowie zwei Beisitzer.

     

    Entgegen meiner Kreuzverhörhypothese begann Prof. Heid mit einer kurzen Vorrede, statt gleich Schlag auf Schlag in das Gespräch einzusteigen. Doch auch im weiteren Verlauf überraschten mich die Fragen nur durch ihre Vorhersehbarkeit. So wurde ich u. a. nach meiner Motivation für diesen Studiengang befragt, wie ich mich auf die Ausarbeitung der schriftlichen Fragen vorbereitet habe, was ich für Filme produzieren würde, was ich tun würde, wenn mich die HFF nicht nimmt, für wen ich denn eigentlich Filme produzieren möchte usw. All die spezifischen Detailfragen, die mir im Vorfeld so großes Kopfzerbrechen bereiteten, blieben aus. Als einziger Stolperstein erwies sich im Nachhinein der Leiter der Spielfilmabteilung. Dieser war meinem Filmstoff gegenüber skeptisch, den er als zu intellektuell einstufte und dessen Erfolg er ernsthaft bezweifelte. Auch meine prompte und ausschweifende Rechtfertigung konnte ihn im Endeffekt nicht wirklich überzeugen.

     

    Trotz allem vergingen die 20 Minuten Kolloquium recht schnell, Prof. Heid nickte mir häufig zustimmend zu und ich verließ die lockere Gesprächsrunde mit einem guten Gefühl. Doch nur wenig später drängten sich mir Zweifel auf. Haben die Professoren in so kurzer Zeit einen richtigen Eindruck von mir gewonnen? Vor allem die Debatte um den intellektuellen Gehalt meines Filmstoffes hatte nach meiner Meinung einen zu großen Stellenwert im Gespräch, so dass ich letztlich im Licht eines publikumsfremden Produzenten stand. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Aspekte glaubte ich nun zu entdecken, die gegen mich ausgelegt werden könnten. Hätte, wäre, könnte... Am Ende hatte ich überhaupt keine Meinung mehr. Es begann wieder die Zeit des Wartens.

     

    Die Entscheidung

    Zu meiner Überraschung wurde mir bereits während des Gesprächs mitgeteilt, dass die Entscheidung über den Ausgang des Kolloquiums zwei Tage später telefonisch mitgeteilt wird. 48 Stunden und doch eine Ewigkeit, in der ich das Kolloquium mehrmals vor meinem geistigen Auge neu erlebte und gleichzeitig alle erdenklichen Vor- und Nachteile, alle möglichen Szenarien durchspielte. Am besagten Tag fasste ich mir schließlich ein Herz und wählte die angegebene Nummer. Es meldete sich die Sekretärin, ich nannte meinen Namen, sie wiederholte ihn und sagte trocken: "Sie sind leider nicht genommen! Wiedersehen."

     

    Mit einer Sekunde war ich nicht nur aus der Leitung geworfen worden, sondern auch aus dem Studiengang, meinen Träumen und allen anderen erdenklichen Szenarien. Von nun an hatte ich also mit einer Entscheidung zu leben, dessen Gründe nur vage nachvollziehbar waren und keine Begründung folgen ließen. Auch die schriftliche Absage einige Tage später ergab nicht viel mehr Aufschluss über Auswahlkriterien und Gründe der Ablehnung. Selbst bei einem Gespräch mit der Studienberatung wurde mir nur erläutert, dass ich "unter dem Durchschnitt" lag.

     

    Was sich aber hinter dem Begriff "Durchschnitt" verbirgt, wenn man ausschließlich Fragen zur eigenen Persönlichkeit gestellt bekommt, konnte mir nicht so recht beantwortet werden. Letzten Endes zeigt dies aber auch, dass sich die HFF durchaus der subjektiven Dominanz der Entscheidungen bewusst ist. Wie will man auch charakterliche Eigenschaften objektivieren? Dieser Trost kam für mich aber zu spät. Statt dessen durfte ich wenig später meine Bewerbungsmappe wieder in Empfang nehmen, die ich doch eigentlich nicht so schnell wieder sehen wollte.

     

    Bedenken und Ratschläge

    An der HFF angenommen

    Im Grunde genommen ist die Ungewissheit vor dem Kolloquium und die Kürze der gesamten Prozedur die Hauptgefahr bei der Bewerbung. Ohne zu wissen, was einen erwartet, muss sich jeder Bewerber anhand der gestellten Fragen schnell gegenüber der Konkurrenz etablieren und sich ins rechte Licht rücken. Nicht immer fließen daher sachliche Komponenten in die Entscheidung ein. Studenten der HFF sprechen, wenn man die Zusammensetzung der einzelnen Jahrgänge beobachtet, sogar von festgelegten Präferenzen der Professoren im Vorfeld des Auswahlverfahrens. D. h., mal werden eher jüngere unerfahrene Bewerber genommen, im nächsten Jahr wiederum ältere mit Berufserfahrung. Trotz dieser Unsicherheit kann ich dennoch jedem Bewerber einige Tipps geben, die man beim Kolloquium beherzigen sollte.

     

    Zunächst sollte man das Kolloquium auf keinen Fall mit einer Prüfungssituation verwechseln. Es geht weder um Faktenwissen, noch um zu lösende Aufgaben. Diese Prüfung erfolgte ja bereits mit der schriftlichen Bewerbung. Das Gespräch dreht sich vordergründig um den Anwärter, um beurteilen zu können, ob er in die Schule, zu den Kommilitonen bzw. zu den Professoren passt. Schließlich müssen die Dozenten ja vier Jahre tagtäglich mit den Studenten auskommen. Aus diesen Gründen ist es auch nicht ratsam, während des Kolloquiums aggressiv zu antworten. Wie bereits erwähnt, zählen vor allem Sympathiewerte. Daher sollte man die Kommission nicht als Prüfungsinstanz, sondern als Gesprächspartner auffassen. Bei all der Entspanntheit darf jedoch nicht die eigene unbedingte Motivation vergessen werden, die den unbändigen Willen, an der HFF studieren zu wollen, demonstriert.

     

    Ferner sollte man sich bei dem Auswahlgespräch genau überlegen, was man sagt, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Zum einen ist es sehr bedenklich, wenn man lange Denkpausen einlegt, bevor eine Antwort formuliert wird. Dies stärkt nicht gerade den Eindruck der Authentizität. Zum anderen darf man sich nicht durch unüberlegte Wortwahl und Thesen um Kopf und Kragen reden. Wer Thesen von sich gibt, die er bei Nachfrage nicht begründen kann, stärkt ebenso nicht gerade ein authentisches Bild von sich. Daher ist es vielleicht ratsam, sich im Vorfeld zu einigen Grundfragen gute und kreative Gedanken zu machen, wie z. B. weshalb man an der HFF studieren möchte. Den Rest besorgen gute Rhetorikfähigkeiten, die eigene Persönlichkeit, Selbstüberzeugung und Glück.

     

    In jedem Fall sollte man sich im Vorfeld noch einmal die eigene Bewerbung gut durchlesen. Auf diese Weise kann man besser erkennen, worauf die einzelnen Fragen der Professoren abzielen. Außerdem können im Gespräch jederzeit auch weiterführende Aspekte zu den schriftlichen Ausarbeitungen thematisiert werden. Wer sich dann an die gelösten Aufgabenthemen nicht genau erinnert, hat vergleichsweise schlechte Karten.

     

    Wie gesagt: Die Vorbereitung auf ein Kolloquium ist nur eine vage Komponente und entscheidet nur selten über Erfolg oder Misserfolg. Dazu spielen bei der Auswahl des erlesenen HFF-Kreises unvorhersehbare Einflussfaktoren wie Sympathiewerte, die richtigen Fragen, die allgemeine Stimmung und Glück eine zu große Rolle. Aufgrund dieser subjektiven Entscheidungen der Prüfungskommission sind daher ein sicheres Auftreten, starke Persönlichkeit und Schlagfertigkeit das oberste Gebot.

     

    Auch wenn man alle Ratschläge beherzigt und mit sicherem Gefühl aus dem Gespräch herausgeht, ja, selbst, wenn man angenommen wird, sollte man nie vergessen, dass die Aufnahmeverfahren stets einen gewissen Lotteriefaktor in sich tragen. Der sollte auch die eingeschriebenen Studenten davon abhalten, sich auf den Lorbeeren einer erfolgreichen Aufnahme auszuruhen. Strengt Euch bloß an, Leute, die spätere Branchenrealität ist das eigentliche Kolloquium, und da sind schon ziemlich viele begabungsfreie Absolventen durchgefallen.

     

  • Wirtschaftlich eher unbedeutend, aber ungeheuer kreativ und wagemutig wird der Kurzfilm meistens unterschätzt

  • HD oder 4K Kameras zeigen so viele Details, dass man ohne Maskenbildner am Set Schauspieler kaum drehen kann...

  • Praktika sind eine wichtige Voraussetzung für Filmstudium und Berufserfahrung. Worauf muss man achten, was ist zu Bedenken?

  • Allary-Film, Tv & Media und Movie-College bieten wieder Praktikumsplätze in München an.

  • Film studieren im Filmland Nummer 1 in Europa? Wir haben die wichtigsten Infos zusammengetragen

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen. Jetzt Anmelden!