Elektronischer Sucher 2000

 

Viele Kameraleute wissen die Vorzüge von optischen Kamerasuchern zu schätzen. Wer braucht so etwas in Zeiten von Displays und Elektronischen Suchern noch? Wir begeben uns in Gebiete, wo es eigentlich keine eindeutigen Antworten oder Empfehlungen mehr gibt, doch langsam,- was bringen die elektronischen Sucher, wann sind sie verzichtbar?

 

Aus analogen Zeiten

Wenn man sich das ganze Thema mal historisch anschaut, so hatten es die frühen Kameraleute des analogen Films nicht so einfach, ihre Bilder zu gestalten. Entweder zeigten die sogenannten Luftbild-Sucher, die meist auf dem Kameragehäuse angebrachte kleine Rahmen waren, nur ungefähr den Bildausschnitt, oder man schaute,- ein lichtdichtes schwarzes Tuch über dem Kopf, durch eine kleine Öffnung auf der Rückseite der Kamera durch das Filmmaterial hindurch und sah ein winziges, auf dem Kopf stehendes Bild.

Eine echte Bildkontrolle machte erst die sogenannte Spiegelumlaufblende von Arnold und Richter, kurz Arri in München möglich. Es war das erste Spiegelreflexsystem für Filmkameras. Es ermöglichte, immer dann, wenn der Film weitertransportiert wurde, das durch das Objektiv abgebildete Bild über Umlenkspiegel in einem seitlich an der Kamera angebrachten Sucherokular zu sehen. Seitdem arbeiteten Kameraleute mit optischen Suchern, sie wurden quasi zum Standard in der Welt des professionellen Films.

 

Videosucher

Mit dem Aufkommen der Fernseh,- und Videokameras gab es lange Zeit gar keine Sucher mehr, man verwendete stattdessen kleine Monitore, zunächst mit Bildröhren, später als kleine LCD Bildschirme aufgebaut. Noch später bekamen Handheld Videorekorder ausklappbare Displays für die Bildkontrolle, und häufig auch zusätzliche kleine elektronische Sucher. Dies war vor allem notwendig, weil die Displays bei Sonnenlicht zu dunkel waren und man nichts mehr erkennen konnte. Doch die Auflösung und die Farbwiedergabe waren unterirdisch. Deshalb sehnten sich professionelle Kameraleute stets nach den Zeiten der optischen Sucher zurück. Es waren also vor allem die technischen Unzulänglichkeiten, welche die elektronischen Sucher lange Zeit zur schlechteren Lösung für die Bildkontrolle machten.

Einige Kamerahersteller kombinierten auch die Klappdisplays mit vorsetzbarer Augenmuschel samt Okular. Oder Zubehörfirmen wie Zakuto, Shape oder IKAN stellten adaptierbare Sucherelemente her, die man vor die Klappdisplays montieren konnte. Doch auch diese litten lange unter der schlechten Auflösung der Kameradisplays. Das hat sich inzwischen auch geändert, die Klappdisplays sind deutlich besser geworden.

 

Arri Alexa 65 1200b

Arris Alexa 65, deutlich sichtbar die schräge Auswölbung unterhalb des Objektivs,- hier dreht sich die Speigelumlaufblende welche das optische Bild auf die Mattscheibe im Sucherokular umlenkt

 

Auch heute schwören viele Kameraleute noch auf die optischen Sucher, allerdings baut im Bereich der digitalen Cinematographie nur Arri mit der Alexa noch eine Videokamera mit Spiegelreflexsystem (TTL = Through The Lens). Hier sieht man tatsächlich, ganz so wie in analogen Zeiten, das wirkliche Bild durch das Objektiv und nicht eine durch elektronische Verarbeitung interpretiertes Abbild.

 

Elektronische Kamerasucher

Mitlerweile sind aber die in elektronische Kamerasucher (EVF = Electronic Viewfinder) verbauten winzigen Displays dank OLED und Miniaturisierung sehr gut und bieten Bilder, die schon nahe an ein echtes optisches Bild herankommen. Das verdanken sie auch den Fortschritten bei der Entwicklung von Smartphone Displays, hochwertige optische Sucher bieten inzwischen Bilder ohne Fliegengittereffekt und mit weitgehend natürlich wirkenden Farben und Kontrasten. Einfachere Geräte kosten mehrere hundert Euro, hochwertige elektronische Sucher können mehrere Tausend Euro kosten.

Damit man, unbeeinflusst von Sonnenlicht, auf diese Sucher schauen kann, haben sie meist eine Augenmuschel (Eye Cushion) aus Gummi und eine oder mehere Linsen, durch die man auf das winzige Display schauen kann. Zudem kann man sie für unterschiedliche Sehstärken (Dioptrien) auch für Brillenträger anpassen.

Anpassung ist ein wichtiges Stichwort, will man von der Schulter drehen, muss man den Kamerasucher bzw. seine Befestigung an der Kamera, möglichst perfekt einstellen können, damit er genau dort angebracht ist, wo auch das Auge sich befindet, wenn die Kamera auf der Schulter aufliegt. Da die elektronischen Sucher meistens vom Kameragehäuse abgesetzt sind, müssen sie über ein,- oder mehrere Kabel das Bildsignal und Strom zugeführt bekommen.

 

Elektronischer Sucher 3 2000

 

Da aber auch die abgesetzten externen Displays immer besser und auch heller geworden sind, arbeiten nicht wenige Kameraleute zur Bildkontrolle mit diesen Systemen. Einige externe Displays sind gleichzeitig als Rekorder ausgelegt und bringen weitere Vorteile mit sich. Viele Kameraleute arbeiten gar nicht mehr von der Schulter, wenn sie aus der Hand drehen. Sicherlich ist es weiterhin ein großer Unterschied, ob ich in einem elektronischen Sucher ausschließlich und ohne jede Ablenkung das Kamerabild sehe, oder ob ich auf einem an die Kamera montierten Display das Bild kontrolliere und drumherum auch die restiliche Kamera und die ganze Drehsituation sehen.

Einerseits führt die Abgeschlossenheit eines Suchers zu mehr Konzentration, andererseits kann ich aber, wenn ich auf das angebaute Display schaue, viel besser einschätzen, was sich um das gefilmte Kamerabild herum tut, wie sich eine Situation weiterentwickelt, wie ich mein Bild darauf anpassen kann. Außerdem kann man auch mögliche Gefahren besser erkennen.

 

Elektronischer Sucher 2 2000

 

Fazit

Im Vergleich zu den früheren optischen Suchern bieten sowohl die elektronischen Sucher, als auch die Kontrolldisplays viele technische Zusatzinformationen, wie Waveform, Tonpegel, Akuu,- und Speicherstand etc. Dafür fehlt ihnen aber etwas, was die Kameraleute an den optischen Suchern sehr geschätzt haben,- der Vorschaubereich. Optische Sucher in Filmkameras zeigten nämlich meistens etwas mehr an, als den Ausschnitt, der auf den Film belichtet wurde. Auf der Mattscheibe der optischen Sucher gab es Einzeichnungen für den Kameraframe und einen Rand drum herum, in dem man beispielsweise sehen konnte, wenn das Mikrofon des Tonanglers in das Bild hineinzukommen drohte. Eine Art Frühwarnsystem.

Die elektronischen Sucher aber zeigen einfach nur das Kamerabild, da gibt es keinen Sicherheitsbereich mehr. Dafür sind Kameras mit optischem Suchersystem stets größer als Kameras mit elektronischer Bildkontrolle. Was auch gerne verschwiegen wird, optische Sucher wie auch Displays zeigen das Bild stets mit einer kleinen Zeitverzögerung an. Das ist im Normalfall nicht von Bedeutung, lediglich bei Ereignissen, wo es auf den Moment ankommt, etwa im Sport bei schnellen Ballwechseln etc. kann das zum Problem werden.

Elektronische Sucher geben unter bestimmten Lichtquellen ein Flackern wieder, sie sind möglicherweise vom Kontrast im realen Motiv überfordert und sie erzeugen mehr Stromverbrauch. Außerdem ist das elektronische Sucherbild anstrengender für das Auge, als ein optisches Sucherbild.

Die Vor,- und Nachteile halten sich also die Waage, für die Kamerahersteller jedenfalls haben die elektronischen Sucher einige Erleichterungen gebracht und auch einige neue Möglichkeiten für die Anwender mitgebracht. Die EVFs bringen ein wenig Analog-Feeling für rein elektronische Kameras, ein Kompromiss, der beide Welten miteinander zu verbinden sucht.

 

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