MC18 NOV17x2

Social Media Icons Shop 55

Sonnenuntergang

 

Wenn es dunkel wird...

Solange es hell ist, macht man sich lediglich Gedanken über die Wahl der optimalen Blende. Manchmal reduziert man das Licht gar mit ND-(Grau-)Filtern, um eine größere Blende und damit geringere Schärfentiefe zu erreichen. Doch wenn die Dämmerung naht, der Sonnenuntergang bevorsteht, wird die Auswahl kleiner und irgendwann bleibt nur noch die offene Blende übrig.

Objektive bestehen aus vielen hintereinander angeordneten Linsen, die aus möglichst reinem, hochwertigem Glas hergestellt werden. Je größer solche Linsen sind, desto aufwändiger und schwieriger ist es, sie fehlerfrei herzustellen. Die hohen Kosten für die optischen Teleskope in Sternwarten erklären sich zum Teil dadurch.

Für die Dreharbeiten am Set ist die Lichtstärke der Objektive ein wichtiges Kriterium. Je mehr von dem vorhandenen Licht auch auf dem Film landet, desto kleiner können die Scheinwerfer ausgelegt werden. Lichtstarke Objektive (High-Speed) können auf diese Weise helfen, Zeit und Geld zu sparen. Fairerweise muss man an dieser Stelle erwähnen, dass sie in Anschaffung und Miete teurer sind als einfache Objektive.

 

Wovon hängt die Lichtstärke eines Objektivs ab?

Grafik Relative Oeffnung

Berechnung der relativen Öffnung

  • Von der Brennweite. Je kleiner die Brennweite oder je größer der abgebildete Bildwinkel ist, desto mehr Licht gelangt auf den Film. Ein Weitwinkelobjektiv (großer Bildwinkel) ist also von Natur aus lichtstärker als ein Teleobjektiv (kleiner Bildwinkel).
  • Von der Größe der Objektivöffnung. Je größer diese ist, desto lichtstärker ist das Objektiv. Lichtstarke Objektive haben eine größere Frontlinse als die „normalen“ Exemplare.
  • Von der Glasqualität. Die Reinheit und Zusammensetzung des verwendeten Glases spielt eine wichtige Rolle.

 

Berechnung der Lichtstärke

Wie berechnet sich die Lichtstärke eines Objektivs, auch „relative Öffnung“ genannt?

Die Formel ist einfach. Man teilt die Brennweite (f) des Objektivs durch den Durchmesser der nutzbaren Öffnung (d) und setzt das Ergebnis ins Verhältnis zu 1.

Je kleiner der Divisor ist, desto lichtstärker ist das Objektiv. Lichtstarke Objektive können 1,5; 1,3 oder 1,2 als relative Öffnung verwirklichen, ultralichtstarke Objektive haben Öffnungsverhältnisse von 1:0,7. Das theoretisch günstigste (theoretische) Öffnungsverhältnis eines Objektivs beträgt 1:0,5. Die Angabe der relativen Öffnung auf dem Objektiv ist für die Schärfentiefe-Bestimmung wichtig.

 

T-Blende

Für die Belichtung, bei der wir ja mit Blendenwerten arbeiten, ist allerdings ein anderer Wert wichtig, nämlich die so genannte T-Blende (Transmissionsblende). Diese berücksichtigt auch den Lichtverlust durch das Glas der Linsen im Objektiv. Die Angabe des Öffnungsverhältnisses (relative Öffnung) ist also nicht die größtmögliche Blende, die wir am Objektiv einstellen können. Dies ist ausschließlich die T-Blende! Ein Objektiv mit der relativen Öffnung von 1:1,8 beginnt am Blendenring beispielsweise mit der Blendenöffnung 2,0; erkennbar auch am Aufdruck T: 2,0.

 

Die Referenz

Stanley Kubriks Film "Barry Lyndon" stellte 1975 in dieser Hinsicht alles zuvor Gewesene in den Schatten. Kubriks Anspruch, die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts nachfühlbar zu machen, brachte ihn auf die Idee, ohne jeden Filmscheinwerfer zu drehen. Nur natürliches Sonnen- und Kerzenlicht wurden für die Ausleuchtung verwendet. Möglich wurde dieser Film durch die Verwendung spezieller Objektive, welche die Firma Carl Zeiss für die US-Raumfahrtbehörde NASA entwickelt hatte. Diese waren zwei Blenden lichtstärker als alle damals bekannten Filmobjektive. Die offene Blende lag bei 0,7. Wegen der erforderlichen höheren Baugröße konnten die Objektive nicht mit normalen Filmkameras verwendet werden. Kubrik kaufte deshalb einige alte Spezialkameras für Rückpro-Aufnahmen, an die man die großen Spezialobjektive adaptieren konnte. Das Experiment gelang grandios und gilt bis heute als Maßstab für Filme mit vorhandenem Licht (available light).

 

Vieles ist leichter geworden

Die modernen Aufnahmefilme (die letzte Generation, die hergestellt wurde), kompakte Filmleuchten und die sensiblen Sensoren in den Videokameras machen es leichter, auch ohne die absolut lichtstärksten Objektive auszukommen. Trotzdem bleibt die Möglichkeit, hier und da ohne Scheinwerfer und bei nur schwachem natürlichem Licht (Dämmerung, Citylights, Dokumentarfilme) drehen zu können, verlockend.

 

Banner K Kreativtraining pur 5000

Kameraworkshop Banner 8 23 4000

Weitere neue Artikel

Sie ist eine der ältesten Techniken, um realistische Animationen zu schaffen: Die 1914 erfundene Rotoskopie.

In Filmabspännen stehen oft viele Producer. Was machen die eigentlich alle und welche Unterschiede gibt es?

Was können sie und was können sie nicht? Rückblenden als Bruchstellen der filmischen Illusion

Welche Weihnachtsfilme werden wohl in diesem Jahr auf uns herniederschneien? Wir haben Euch den ultimativen Timetable zusammengestellt....

Der Begriff klingt bescheiden. Was macht ihn so entscheidend für die Fähigkeiten und das Funktionieren von Technik?

In diesem Interview erzählt uns der Regisseur Kevin Koch ein paar Hintergründe zu der Entstehung seines Films "Prince de la Ville", der auf der FOFS 2025 gezeigt wurde.

Auf dem FOFS 2025 teilte der Regisseur Willy Fair seine Geheimnisse mit uns, wie sein preisgekrönter Film "Death's Peak" entstand.

Die Filmgeschichte war noch jung, als erste Stummfilme künstlich erschaffene Wesen als Thema entdeckten. Wie die Roboter im Kino Karriere machten...

Der Film "Jumah" erzählt von Xingyue, die sich in Zentralchina als Außenseiterin fühlt. Wir hatten beim FOFS 2025 Gelegenheit mit den beiden Regisseurinnen zu sprechen

Nicht immer braucht es ein hohes Budget um an der Kinokasse viel Geld einzuspielen. Welches waren erfolgreiche Low-Budget Filme?

Kurzfilme auf Filmfestivals einreichen ist gar nicht so einfach,- wie kann man seine Chancen verbessern?

Sie gehören untrennbar zur Ikonographie des Horrors: Zombies. Die Rückkehr der – nicht mehr ganz so frischen – Toten ist ein popkultureller Dauerbrenner.

Adobe baut seine Firefly KI zu einem Produktionszentrum aus und erfüllt damit viele Wünsche...

Wie KI den Filmbereich verändert, wurde auf einem Panel der Medientage 2025 mit Yoko Higuchi-Zitzmann und Max Wiedemann diskutiert.

Viele frühe Horrorfilme sind verschollen oder zerstört, doch einer der frühesten Horrorfilme, Edisons "Frankenstein" ist noch erhalten

An Profisets will man mit wenigen, leistungsstarken Akkus arbeiten. Wie es gelingt, alle Geräte von einem Akku aus zu versorgen...

Wie es kam, dass die frühen Filmemacher, den Horrorfilm entdeckten und wie daraus eine kommerzielle Erfolgsgeschichte wurde...

Kaum zu glauben, aber es gab nicht nur in den USA und England eine Phase, in der man massiv gegen Horrorfilme ankämpfte...