
Der Begriff klingt bescheiden, was macht ihn so entscheidend für die Fähigkeiten und das Funktionieren von Technik? Seit die Fähigkeiten von Geräten nicht mehr alleine über ihre Mechanik und ihre Verdrahtung mit Schaltkreisen auf Platinen bestimmt wird, spielt die Firmware eine entscheidende Rolle. In den meisten modernen Geräten arbeiten Prozessoren bzw. Microprozessoren, also Computer, die für ihre Fähigkeiten Anleitungen, Gesetzmäßigkeit und Befehle benötigen. Man kennt das von den Programmen bzw. Apps. Im Gegensatz zu diesen arbeitet Firmware aber stets im Verborgenen, sie ist tief in der Hardware verankert ist, in der Regel in einem Flash-Speicherchip. An diesem Ort werden grundlegende Funktionen eines Gerätes festgehalten und von dort aus auch gesteuert. Damit kommt ihr eine zentrale Bedeutung und Macht zu.
Diese verborgene Software bleibt für die Anwender unsichtbar, sie ist für jedes Gerät individuell und wird von den Herstellern der Geräte bereitgestellt. Von dort und nur von dort, sollte man diese auch beziehen. Drittanbieter haben auf Euren Geräten in aller Regel nichts zu suchen.
Upgrades
In der Firmware ist festgelegt, was ein Gerät, zum Beispiel eine Kamera, ein Sound-Recorder oder eine LED-Leuchte überhaupt kann. Und weil viele Fähigkeiten sich weiterentwickeln, können Geräte durch ein Firmware-Update neue Funktionen erhalten. Das kann bei Kameras etwa eine höhere Bitrate, können neue Codecs, zusätzliche Zebras, Bildprofile etc. sein.
Kamerahersteller wie Arri, Blackmagic, Canon, Panasonic, Nikon, RED oder Sony nutzen diesen Weg auch, um bestimmte Funktionen in Kameras gegen Gebühr freizuschalten. Da kann ein bestimmtes LOG für die Signalverarbeitung und Speicherung gerne mal mehrere tausend Euro kosten. Manchmal können Geräte eigentlich mehr, werden aber durch sogenannte "Antifeatures" ausgebremst, die man möglicherweise gegen Gebühr freischalten lassen kann. Eine Vorgehensweise, die bei Kunden nicht wirklich auf Begeisterung stößt.
Grundsätzlich wertet es ein Unternehmen in der Sicht der Kunden auf, wenn Geräte auch Jahre nach dem Kauf noch mit neuen Fähigkeiten ausgestattet werden. Wenn eine Kamera nachträglich verbesserten Eye-AF, eine bessere RAW-Ausgabe, effizientere Codecs erhält, dann bestätigt dies, dass die ursprüngliche Kaufentscheidung richtig war und dass der Hersteller auch die Langlebigkeit des Produkts unterstützt.
Updates
Firmware Updates sind aber auch für die Stabilität und Leistung zuständig. Sie können Bugs beheben, Abstürze verhindern oder auch die Stromeffizienz verbessern. Sie können aber auch neu entdeckte Sicherheitslücken schließen, das ist besonders wichtig bei Geräten, die über Blutooth oder WLAN mit dem Internet kommunizieren.
Außerdem können Fehler behoben werden, etwa ein ungünstiges Temperaturmanagement, wie es viele Kameras bei längeren Videoaufnahmen an den Tag legten.
Versionen und Download
Ähnlich wie bei Software vergeben die Hersteller von Firmware Versionsnummer. Die sind hilfreich um beurteilen zu können, mit welcher Version das eigene Gerät, die eigene Kamera arbeitet. Sie sind auch wichtig um herauszufinden, ob man auf diese Version überhaupt eine neue Version folgen lassen kann, also ob ein Update überhaupt möglich und sinnvoll ist.
In den Menüs der Kameras findet man die Versionsnummer meistens irgendwo unter „System“, „Version“, „Info“ oder „Firmware“ Die dort gefundene Versionsmummer, etwa V1.05 merkt man sich oder notiert sie auf.
Dann besucht man die Herstellerseite und geht in den Support oder Service Bereich und sucht dort nach dem genauen Kameramodell. Meistens gibt es dort eine aktuelle Firmware-Datei und auch eine Anleitung wie man das Update durchführen kann. Häufig haben diese Dateien Endungen wie .BIN, .DAT, .FIR oder .PKG.
Die Firmware lädt man sich dann zunächst auf den eigenen Computer herunter, um sie dann auf ein Speichermedium zu kopieren. Oft sind das dann SD Karten, die in die Speicherslots der Kamera passen. Die Speicherkarte sollte im vorgeschriebenen Format sein (z.B. FAT 32 oder auch exFAT) und im Idealfall sollte sich außer der Firmware, die man ins Hauptverzeichnis (Root) kopiert, nichts anderes darauf befinden.
Ablauf
- Vor dem Update unbedingt den Akku voll aufladen oder ein Netzteil verwenden. Auch wenn Netzteil verwendet wird, vollen Akku an die Kamera,- damit bei einem Stromausfall trotzdem die Stromversorgung weitergeht.
- Die SD-Karte oder den Speicherstick in die Kamera einlegen oder die Kamera per USB Kabel mit dem Computer verbinden. (Abhängig vom Gerät - individuelle Anleitung beachten) Oft erkennt die Update Software die Kamera automatisch.
- Im Gerätemenü „Firmware-Update“ auswählen und den Ablauf starten.
- Während des Updates das Gerät keinesfalls ausschalten!
- Häufig startet das Gerät nach erfolgreichem Update neu. Das kann je nach Gerät eine Weile dauern.
Risiken
Weil die Firmware so unerlässlich für das Funktionieren eines Gerätes ist, birgt ein Update oder Upgrade stets auch Gefahren in sich. Wenn beim Update etwas schief geht, lässt sich das häufig nicht mehr wieder reparieren,- das Gerät wird faktisch wertlos. In ganz seltenen Fällen kommt es vor, dass Firmen fehlerhafte Firmware-Updates herausbringen und diese dann Probleme verursachen. Deshlab kann es nichts schaden, ein paar Wochen nach dem Release eines Firmware Updates abzuwarten, bevor man es herunterlädt und installiert. Dann hat das Unternehmen, so wie beispielsweise 2025 bei einer nicht ganz perfekten Canon Firmware, Zeit, die entsprechenden Patches zu machen. Ähnliches spielte sich bei Sonys Firmware Update 6.0 für die Alpha 7 IV ab, welches teilweise Kameras komplett lahmlegte. Sony hat den Software Download daraufhin ausgesetzt.
So ein Update kann prinzipiell Geräte verbessern,- oder manchmal auch verschlechtern. Längst nicht jedes Firmware Update ist ausgereift und fehlerfrei. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Update fehlschlagen und das Gerät unbrauchbar („gebrickt“) werden kann. Die sofortige Übernahme großer Updates kann einfach versteckte Risiken in sich bergen – selbst für weit verbreitete und etablierte Kameramodelle.
Mögliche Folgen:
- Die Firmware-Software könnte inkompatibel sein oder mit Zubehör von anderen Firmen nicht zusammenarbeiten.
- Während des Update-Prozesses fällt der Akku oder das Stromnetz (bei Netzbetrieb) aus
- So ein abgebrochener Vorgang oder ein falsche Firmware sind meistens nicht rückgängig zu machen, jedenfalls nicht ohne spezielle Tools. Ein„Downgrade“ wird dadurch unmöglich bzw. extrem schwierig.
Man sollte deshalb nur dann Firmware installieren, wenn man weiß, was sie verändert, wenn man diese Veränderungen auch wirklich benötigt und vor allem, wenn die Firmware tatsächlich vom offiziellen Hersteller stammt. Dann kann ein Update manchmal sogar kleine Wunder bewirken...
Hier eine unvollständige Auswahl unserer Artikel zu Firmware-Updates bzw. solche, in denen Updates erwähnt werden. (Hinweis: Manche Artikel sind als News auf der Startseite angezeigt. Bitte etwas herunterscrollen, der Artikel wird dann in der Seitenmitte angezeigt):


