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Cillian Murphy is J. Robert Oppenheimer in "OPPENHEIMER", © Universal Pictures. All Rights Reserved

 

Christopher Nolans Film über den Schöpfer der Atombombe wurde komplett auf analogem Filmmaterial gedreht. Das ist tatsächlich im Jahr 2023 noch möglich und wenn man sich die Liste etwa der auf großen A-Festivals präsentierten Kinofilme anschaut auch durchaus häufiger der Fall. Natürlich sind die Kosten für den inzwischen selten gewordenen Workflow recht hoch, doch im Fall "Oppenheimer" ist Kodak über sich selbst hinausgewachsen und hat eigens ein Material hergestellt, welches es so zuvor noch nie gab.

Dazu muss man wissen, dass der Film vollständig auf 65-mm-Film gedreht wurde, teilweise sogar in Imax wo der 65-mm-Film Streifen nicht vertikal, sondern horizontal durch die Kamera läuft, was ein riesiges Bild ermöglicht, über die Breite von 15 Perforationslöchern. Mit solchen IMAX-Kameras zu drehen, ist wegen des aufwändigen und lauten Transports (Jedes Filmbild muss beim Belichten aufwändig plan gehalten werden) kein wirkliches Vergnügen, O-Ton ist weitgehend unmöglich,- doch die optischen Verhältnisse (Ausflösung, Schärfentiefe etc.) sind grandios.  Dennoch ist es gelungen, mit diesen größten und lautesten Filmkameras der Welt, sehr persönliche Momente und große Nähe zu den Protagonisten zu erzählen.

 

Erzählebene auf Schwarzweiß

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Robert Downey Jr als Lewis Strauss in "OPPENHEIMER", © Universal Pictures. All Rights Reserved

 

Christopher Nolan und sein Kameramann Hoyte Van Hoytema wollten unbedingt unterschiedliche Erzählebenen visualiseren. Einerseits wird die Geschichte sehr subjektiv (in Farbe) erzählt, andererseits ist sie aber auch verflochten mit einer mehr objektiven, schwarzweiß gehaltenen Erzählebene, die des damaligen Leiters der Atom Energie Kommission, Lewis Strauss. Der Wechsel zwischen Farbe und Schwarz-Weiß erlaubt es, die jeweilige Erzählperspektive eindeutig zu identifizieren.

Dafür sollte eine Trennung zwischen Farbmaterial (gedreht wurde auf 250D (5207) und 500T (5219) Farbnegativ) und Schwarzweißmaterial (Double-X (5222) ) zur Anwendung kommen, normalerweise ein durchaus übliches Vorgehen, wenn man auf analogem Film in 16 oder 35 mm dreht, doch in diesem Fall eine echte Herausforderung. Denn für IMAX existierte kein 65mm Schwarzweißmaterial. 

Der Kameramann musste für die Schwarzweißaufnahmen, auch um historische Bezüge glaubwürdig zu erzählen, klassische Schwarzweiß-Ausleuchtung anwenden. Dies hatte er an der polnischen Filmschule in Łódź gelernt. 

 

Neues Material

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Cillian Murphy als J. Robert Oppenheimer in "OPPENHEIMER", © Universal Pictures. All Rights Reserved.

 

Christopher Nolan hat nicht nur das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt, sondern den Film auch produziert. Deshalb bearbeitete er sowohl Kodak als auch die Kamerahersteller, diese besonderen Visualisierungswünsche möglich zu machen. So entwickelte Kodak eigens für "Oppenheimer" ein 65 mm Schwarzweißmaterial, was durchaus sehr herausfordernd war. Monatelange Tests und Anpassungen waren notwendig, bevor Kodak den Schwarzweißfilm im breiten Format fertig hatte.

Doch das war nur die halbe Miete, denn das andere Material lief wegen der andersartigen Emulsion nicht so einfach durch die IMAX und Panavision Kameras, vor allem die Andruckplatten, in den Bildfenstern mussten geändert werden. Auch das Kopierwerk (FotoKem) musste einen Worksflow etablieren, wann Schwarzweiß und wann Farbe entwickelt wurde, dafür ist nicht nur andere Chemie sondern auch ein anderer Ablauf erforderlich.

Der Film hatte ein Produktionsbudget von 100 Millionen US-Dollar. Und weil dies eine Premiere in vielerlei technischer Hinsicht war, wurde es zu einer Zusammenarbeit zwischen Kodak, FotoKem, IMAX und Panavision.

Der dreistündige Film bleibt in drei Kapiteln recht nahe an den bestehenden Bildern, die man so von Oppenheimer hat, es findet keine Neubewertung, nicht überraschendes statt. Nolans "Oppenheimer" will Biographie, Gerichtsfilm und Drama gleichzeitig sein, manchmal arbeiten die verschiedenen Genres jedoch unbeabsichtigt gegeneinander.

Visuell ist er auf jeden Fall sehr sehenswert. Natürlich wird der Film nach hochwertigem Filmscan in den allermeisten Kinos gebeamt, doch in einigen handverlesenen Kinos, etwa im Savoy in Hamburg oder im Astor in München werden tatsächlich analoge Filmkopien projiziert. Gemeinsam mit "Barbie" gehört "Oppenheimer" zu den erfolgreichsten Filmen des Kinojahres 2023.

 

Hier ein Video über die Dreharbeiten zu "Oppenheimer" auf analogem Film

 

 

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