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Cable Cam 3000

 

Die Seilbahnen zu den Skipisten der Welt haben es vorgemacht,- man kann erstaunliche Lasten sehr zuverlässig und schnell an Drahtseilen befördern. Wenn man statt einer Gondel eine Kamera mit an einem Schlitten unter das Drahtseil hängt, wird daraus eine Seilkamera. Wie bei echten Seilbahnen, lassen sich mit Seilkameras große Entfernungen und Steigungen überwinden. Entfernungen von 250 Metern und Steigungen von 18-20 % sind da durchaus möglich.

Je nach Ausführung sind diese dann in ihrem Bildwinkel starr oder über einen Remote-Head beweglich ausgerichtet. Überall dort, wo Drohnen nicht möglich sind, etwa im dichten Wald, oder wo aus Sicherheitsgründen Drohnen verboten sind, können Seilkameras / Cablecam-Systeme die nötige Bewegungsfreiheit ermöglichen. Wichtige Anbieter im kommerziellen Bereich sind "Skycam" (USA, Gerret Brown) "CableCam" (Schweiz), "CAMCAT" (Österreich)," DEFY CADENCE CABLECAM" oder "Spidercam" (Deutschland / Österreich).

 

Cable Cam 2 2000

 

Bei der Steuerung unterscheidet man einerseits die Steuerung des Kameraschlittens, der an dem oder den Dreahtseilen hängt und die Steuerung des Schwenkkopfes (Remote Head) sowie weiterere Kamerafunktionen. Dies erfolgt entweder über Funk oder über Glasfaserkabel. Für die Befestigung der Drahtseile kommen beim Kinofilmdreh neben Bäumen oder geeigneten Gebäudeteilen durchaus auch Kräne zum Einsatz. Bekannte Kinofilme, bei denen Seilkameras zum Einsatz kamen waren "Troja" oder "Resident Evil".

Größter Schwachpunkt bei den großen Systemen sind sicherlich die Kosten, bis zu zwei Aufbautage für die Seilsysteme mit entsprechendem personellen Aufwand lassen die Kosten in die Höhe schnellen. Deshalb sind Systeme, die mit nur einem gepannten Drahtseil arbeiten, wie beispielsweise die "Cablecam" zumindest unter Kostenaspekten interessanter.

 

Sportübertragungen

Olympiastadion 3 3000

 

Ein häufiger Einsatzzweck sind neben Spiel,- und Dokumentarfilmdrehs vor allem Sportaufnahmen und Übertragungen. Von den Olympischen Spielen über allerlei Athletikmeisterschaften bis hin zu Fußballspielen werden Seilkameras eingesetzt um die Zuschauer näher an das eigentliche Geschehen zu bringen.

Für Fußballbübertagungen beispielsweise wird bei dem "Spidercam"-System der Kameraschlitten von vier Seilen gehalten. Vier fernsteuerbare elektrische Seilwinden sind dann in einer der vier Ecken des Stadiums befestigt. Die Seile laufen von den Seilwinden aus über Umlenkrollen (häufig am Stadiondach befestigt) hin bis zur Aufhängung des Kameraschlittens. Mit zwei Joysticks von einem Kontrollpult aus kann man dann die Seilwinden so steuern, dass der Kameraschlitten in allen Richtungen über das Spielfeld bewegt werden kann. Dabei sind recht hohe Geschwindigkeiten möglich, 25 Stundenkilometer und mehr sind durchaus denkbar.

 

Olympiastadion 2 3000

Überall, wo sich Menschen unter den Seilkameras aufhalten, ist die Betriebssicherheit und das Havarie-Verhalten der Systeme besonders wichtig.

 

Es versteht sich von selbst, dass beim Einsatz über den Köpfen von Sportlern höchste Sicherheitsanforderungen eingehalten werden müssen. So verfügen die professionellen Systeme beispielsweise über sehr hochwertige, leise und zuverlässige Bremsen, die selbst bei einem Stromausfall den Kameraschlitten zuverlässig abbremsen können. Außerdem haben einige Systeme, wie etwa die "CableCam" ein zusätzliches Sicherungsseil.

Trotz aller Sicherheitsvorrichtungen kam es vereinzelt zu Zwischenfällen mit Seilkameras, so etwa 2013 beim Coca Cola 600 Rennen, 2012 bei einem Cricket Wettkampf, der Champion's League Twenty20, in Sankt Moritz, wo ein Militärflugzeug ein Kameraseil erfasste oder auch am Rande der Olympischen Spiele in Brasilien kam es beispielsweise bei Wartungsarbeiten zu einem Absturz einer Seilkamera, zum Glück wurde Niemand verletzt.

 

Semiprofessionelle Systeme

Inzwischen gibt es durchaus auch ein paar preiswerte Systeme am Markt, die allerdings mit den professionellen Seilkameras nur bedingt vergleichbar sind. Die "Wiral Lite Cable Cam" oder auch die "Syrp Slingshot Cable Cam" und die "Proaim Sky-Walker Pro Cinema Cablecam" sind geeignete Seilsysteme für leichte Kameras. Da leichte Seilgestützte Systeme ähnlich wie Drohnen, nur begrenztes Gewicht aufnehmen können, sollten die Kameras leicht und vor allem auch gut ausballanciert sein. Sie eignen sich daher nur für GoPros und andere Action Cams, die Insta360 One R, die DJI Osmo, Smartphones, die Blackmagic Micro Cinema Camera, SLR- und Systemkameras.

 

Cable Cam 2 2000

Das Wiral Lite Cam System geht aus einer Crowdfunding-Idee auf Kickstarter hervor. (Pressefoto Wiral)

 

Da die Kamera nur an einem Seil hängt und relativ wenig wiegt, ist die ganze Konstruktion natürlich sehr empfindlich gegen Windböen. Da man den Aufnahmewinkel der Kamera vorher einstellt, kann es leicht passieren, dass bewegte Motive wie Fußgänger, Läufer, Radfahrer aus dem Bildausschnitt heraus sind. Da braucht es sehr präzises Timing und Übung. Abhilfe schaffen Remote-Heads oder Gimbals mit ähnlichen Funktionen, doch dann gerät man rasch an die Gewichtsgrenze der leichten Systeme.

Nicht ganz unwichtig beim sicheren Arbeiten ist, den Bremsweg der Systeme zu beachten, sonst crasht die teure Kamera irgendwo an einem Baum oder einem Laternenpfahl, oder wo auch sonst die Seile befestigt sind. Gerade die preiswerten semiprofessionellen Systeme verfügen über keine aufwändigen Bremssysteme. Manche Systeme haben dafür stattdessen eigens Stopper, die man als Sicherheitspuffer am Seil befestigen kann. Der Bremsweg ist natürlich davon abhängig, wie schwer die jeweilige Kamera ist (schwerer=längerer Bremsweg) und ob das Seil gerade oder mit Steigung gespannt ist (bergab=längerer Bremsweg)

 

Cable Cam 3 2000

Da die professionellen Systeme oft mehrere Tage vor dem Einsatz aufgebaut werden und allen Widrigkeiten des Wetters trotzen sollen, gibt es Schutzvorrichtungen, die auch die Blendwirkung der Sonne reduzieren.

 

Die Fahrten müssen gut geplant werden, das ist absolut nichts für spontane Drehs..

Wie bei allen Fahrten ist natürlich die Schärfe auch ein Thema. Weitwinkel sind hier toleranter, man hat dafür aber die entsprechenden Bildwinkel, sobald man Normalbrennweite und etwas engere Ausschnitte wählt, muss je nach Sensorgröße natürlich auch die Schärfe mitgezogen werden. Wird zusätzlich ein Gimbal zur Stabilisierung eingesetzt, so muss auch dieser ferngesteuert werden.

Richtig eingesetzt sind Seilkamera-Systeme eine interessante Alternative zu Drohnen und Schienen.

 

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