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Bildnachweis: ©2022 20th Century Studios. All Rights Reserved

 

Hohe Bildaufnahmefrequenz

HFR (High Frame Rate), jene Technik, die höhere Bildfrequenzen ermöglicht, feiert in Avatar neue Möglichkeiten. Zu den Technologien mit denen die Filmindustrie ihren Produkten Mehrwert verleihen sollen, gehört auf jeden Fall die höhere Bildfrequenz. Was steckt dahinter und was macht Avatar anders als andere Filme?

Die Bildwechselfrequenz von Filmen ist mit entscheidend für den Realitätseindruck. Hatten die Filmpioniere Ende des 19ten Jahrhunderts herausgefunden, dass man mindestens 16 Bilder in der Sekund braucht, um dem menschlichen Wahrnehmungssystem einen kontinuierlichen Bewegungsablauf zu präsentieren, fand man bereits Anfang des 20ten Jahrhunderts heraus, dass die filmische Illusion mit 24 Bildern in der Sekunde viel besser ist. Diese Bildfrequenz ist bis heute der Kinostandard geblieben, während sich das Fernsehen aus historisch-technischen Gründen in Europa auf 25 Bilder und in den USA auf 30 Bilder in der Sekunde festgelegt hat.

Doch die Film,- und Fernsehtechniker haben immer wieder auch höhere Bildfrequenzen ins Spiel gebracht um den Realismuseindruck noch zu verbessern. Das Verfahren hierzu nennt sich HFR und bedeutet, dass sowohl mit einer höheren Bildwechselfrequenz (z.B. 48, 50 oder 60 B/Sekunde) aufgenommen und wiedergegeben wird. Das Verfahren ist aufwändig, vor allem an Abspielmöglichkeiten mangelt es. Einerseits fordert die doppelte Bildfrequenz natürlich auch doppelte Leistung von den Kameraprozessoren, sowie doppelte Schreibgeschwindigkeiten von den Speichermedien, andererseits müssen natürlich auch doppelt so viele Bilder projiziert werden, was ebenfalls Rechenleistung fordert und auch die Helligkeit auf der Leinwand reduziert. Das muss durch mehr Leistung der Projektoren/Beamer ausgeglichen werden.

 

Zeitlupe ist HFR

Übrigens reduziert die höhere Bildfrequenz bei der Aufnahme natürlich auch das zur Belichtung verfügbare Licht, man muss also auch heller ausleuchten. Wer häufiger Zeitlupenaufnahmen dreht, kennt das. Im Übrigen ist Zeitlupe ja eigentlich bereits eine Vorstufe zu HFR, denn man dreht ja mit höherer Bildfrequenz, und nur dadurch, dass diese dann mit 24 / 25 B/Sek. vorgeführt werden. Würde man sie mit 48 B/Sek. abspielen, wäre das HFR, allerdings wäre dann der Zeitdehnungseffekt der Zeitlupe weg. Was nichts anderes bedeutet, als dass jede Kamera, die Zeitlupe mit 48 B/Sek. beherrscht, grundsätzlich eine HFR Kamera ist.

Die Ergebnisse werden auch nicht eindeutig bewertet, schon allein deshalb blieb HFR bislang ein eher exotisches Format. Bisher wurden vor allem die Kinofilme "Hobbit -Trilogie" (Regie: Peter Jackson, 2012), "Gemini Man" (Regie: Ang Lee) und "Long Half-Time Walk" (Regie: Billy Lynn) in diesem Format gedreht.

Die 48 Bilder pro Sekunde sorgten bei diesen Filmen dafür, dass das Bild so klar und gestochen war, dass viele CGI generierten Aufnahmen künstlich aussahen. Oder auch dass man in den Augen mancher Filmfiguren die Kontaktlinsen deutlich erkennen konnte. Der größere Detailreichtum und die noch ruhigere Bildwiedergabe haben teilweise dazu geführt, dass die Zuschauer*Innen abgelenkt waren von der eigentlichen Handlung.

 

"Der Weg des Wassers" in HFR

Um eine möglichst breite Verwertungskette zu ermöglichen, wird der zweite Avatar-Film in unterschiedlichen technischen Formaten angeboten. Im Idealfall sollte man ihn in 3D im Kino anschauen, sicherlich das intensivste Erlebnis. unter den gebotenen Optionen RealD 3D, Dolby 3D und IMAX 3D, ist RealD technisch die schlechtere und Dolby 3D die beste Variante. 

Wie sieht es nun mit der Bildrate aus? Während Kinofilme fast immer mit 24 Bildern pro Sekunde gedreht werden, hat Regisseur Cameron bei vielen Sequenzen von „Avatar 2“ mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht. Diese Szenen wirken flüssiger, man kennt das aus manchen Videospielen. Diese Szenen wirken irgendwie glatter und realistischer. James Cameron hat sicherlich von den Erfahrungen seiner Vorgänger in Sachen HFR gelernt. Interessanterweise hat sich Cameron schon früh gegen durchgängige 48 B/Sek. ausgesprochen und behandelt die höhere Bildfrequenz eher wie einen Effekt, den man ab und an einsetzt. Bei "Der Weg des Wassers" wechselt die Bildfrequenz oft innerhalb einer Szene mehrmals von hyperrealem HFR auf pseudo-24 B/Sek. manchmal mehr als zehn Wechsel innerhalb weniger Minuten. Camerons Ansatz, zwischen HFR und normaler Bildfrequenz ständig zu wechseln, ist nicht unumstritten. Der Wechsel zwischen Actionszenen ohne Bewegungsunschärfe (Motion Blur) oder Shuttereffekte hin zu "normalen" 24 B/Sek. Szenenteilen erfordert stets etwas Umgewöhnungszeit. Bei "Der Weg des Wassers" achtet man unbewusst darauf, wann sich das Filmmaterial wieder ändert.

Doch so wie nicht jedes Kino den Film in 3D präsentieren kann, verhält es sich auch mit der höheren Bildfrequenz. Viele Kinos sind nicht dafür ausgestattet, Filme in 48 Bildern pro Sekunde vorzuführen. Diese werden den Film im Standardformat mit 24 Bildern pro Sekunde zeigen, wodurch an den entsprechenden Stellen im Film die gewünschte Wirkung verloren geht.

 

Projektoren gecrashed

Aus Japan kamen kurz nach dem Kinostart von Avatar 2 erste Meldungen, dass einige Kinos (United Cinemas Co., Toho Col und Tokyu Corp.) Probleme hatten, weil ihre Projektoren die 48 B/Sekunde nicht durchgehalten haben. Da die hohe Bildfrequenz so selten gefragt ist, haben die Kinobetreiber sich auf die Manuals ihrer Projektoren verlassen und sind davon ausgegangen, es würde reibungslos funktionieren. Dies war aber nicht der Fall, was auch mit der Länge des Films zu tun haben könnte. Einige Vorstellungen mussten deshalb abgesagt oder vorzeitig beendet werden. Auf jeden Fall haben einige Kinos bereits umgeschaltet auf 24 B/Sekunde.

 

Besondere HFR Szenen

Cameron hat vor allem Action- und Unterwassersequenzen in 48 Bildern pro Sekunde gedreht, die übrigen Szenen aber mit 24 Bildern. Da die Projektoren nicht dynamisch die Abspielfrequenz ändern können, wird der Film dort wo es möglich ist, durchgehend mit 48 Bildern pro Sekunde projiziert. Bei den normalen, in 24 Bildern gedrehten Sequenzen wurde deshalb jedes Einzelbild doppelt verwendet, es wird den Zuschauern also zweimal gezeigt, um auch dort auf 48 Bilder zu kommen. In den Kinos, die keine hohe Bildfrequenz beherrschen, wird der ganze Film mit 24 Bildern gezeigt.

Es macht also insbesondere für die Actionszenen des Films Sinn, sich ein Kino auszusuchen, welches für HFR ausgestattet ist, in der Regel haben diese dann Einzellasertechnologie. Manche Kinos verwenden Projektoren, die mit zwei Lasern arbeiten, das ermöglicht zwar etwas bessere Bildqualität, begrenzt aber auf 24 B/Sek. Fachleute empfehlen für das beste Erlebnis übrigens eine IMAX-3D-Vorführung mit Einzellasertechnologie. 

 

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