MC18 NOV17x2

Social Media Icons Shop 55

Nodal-Head

Nodal-Schwenkkopf

 

Hydro,- und Kurbel-Schwenkköpfe unterscheiden sich in ihren Philosophien teilweise grundsätzlich. Nodal-Köpfe versuchen den Mittelweg.

 

Während sich in Europa die Hydro,- oder Fluid Schwenkköpfe nach dem Modell des Kameramanns Wendelin Sachtler wegen ihrer Vorteile wie geringem Gewicht, kompakter Bauweise und vergleichsweise günstigem Preis durchgesetzt haben, wird in den USA im Kinobereich nach wie vor mit Kurbelköpfen, sogenannten Worrall Heads geschwenkt.

 

Kurbelköpfe

Kurbelköpfe, wie sie von Mitchel, aber auch von Arri angeboten werden, sind wahre Meisterwerke der Feinmechanik. Ähnlich wie Werkbänke in der Feinmechanik werden hier Bewegungen über Getriebe und Kurbeln übertragen. Eine etwa einem Viertel eines Kreises entsprechende Bodenschale lässt sich durch Kurbelbewegungen sowohl vertikal (Tilt) als auch Horizontal (Pan) präzise bewegen.

 

In dieser Präzision liegt auch eines der Hauptargumente der Befürworter dieser Kurbelköpfe,- durch Mitzählen der jeweiligen Umdrehungen der vertikalen und horizontalen Kurbeln kann man zumindest den Endpunkt jedes Schwenks präzise wiederholen. Ein hochgeschätztes Mittel bei der Bildgestaltung. Schwenks mit einem Hydrokopf fallen auf Grund des menschlichen Faktors bei jeder Wiederholung etwas anders aus.

 

Auch wird sehr geschätzt, dass etwa bei schaukelnden Fahrtaufnahmen, bei denen die Kamera mitkorigieren oder schwenken soll, zum Beispiel wenn das Spielfahrzeug auf einem Tieflader steht, ist der Kurbelkopf mit niedriger Übersetzung ein guter Schutz davor, bei Erschütterungen zu verschwenken. Ein weiteres Argument für Kurbelköpfe ist, dass man bei einem Hydrokopf durchaus spüren kann, wie wach oder erschöpft der Operateur, die Operateurin am Ende eines langen Drehtages  ist, bei einem Kurbelkopf, der viel mechanischer ist, eher nicht.

 

Die Sache mit der Bildebene

Bildebene und Schwenk

Während die eigentliche Kippbewegung beim Vertikalschwenk in der Mitte des Hydrokopfes (Rotes X) passiert, befindet die der Kamerasensor (hier als Orange Linie gekennzeichnet) deutlich weiter oberhalb.

 

Ein weiteres Argument, welches die Kurbelkopf-Verfechter ins Feld führen ist die Problematik des vertikalen Schwenks in Bezug auf die Bildebene. Bei einem Hydrokopf findet die eigentliche Schwenkbewegung in der Vertikalen nämlich im Mittelpunkt des runden Hydrokopfes statt. Die Kamera und die darin befindliche Bildebene (Der Sensor) sitzt also höher, ein wenig wie ein Reiter auf einem Pferd oben auf.

 

Nicht so bei einem Kurbelkopf. Wenn man hier den Viertelkreis des Kopfes theoretisch zu einem vollen Kreis vervollständigt, dann sitzt, je nach Kamera, die Bildebene im Idealfall genau in der Mitte des gedachten Kreises. Hier findet also die Kippbewegung mehr oder weniger in der Bildebene statt und nicht wie beim Hydrokopf weiter unterhalb.

 

Worrall-Head

Ergänzt man den Viertelkreis des Worrall Heads, so liegt im Idealfall die Bildebene der Kamera in der Mitte des Kreises

 

Das klingt dramatisch, bei Bildgestaltern könnten nun alle Alarmglocken läuten. Doch ganz so wild ist es nicht, denn dieser Unterschied macht sich eigentlich nur bei Vertikalschwenks über Objekte oder Personen bemerkbar, die sich recht nah, also in einem Meter Entfernung oder weniger von der Kamera entfernt befinden. Bei weiter entfernten Objekten/Personen fällt dieser Unterschied nicht ins Gewicht.

 

Schlauer Kompromiss: Nodal Köpfe

Um das Beste aus beiden Welten miteinander zu verknüpfen ohne die Nachteile der Worrall Köpfe akzeptieren zu müssen (groß, schwer, um ein Vielfaches teurer), sind Tüftler auf die Idee gekommen, modifizierte Hydroköpfe zu entwickeln, bei denen die Bildebene trotzdem im Mittelpunkt der Schwenkbewegung liegt.

 

Diese Köpfe nennen sich Nodal-Köpfe. Zugegeben, sie sehen etwas ungewohnt aus und auch die Handhabung ist etwas ungewöhnlich, weil man im Prinzip seitlich neben der Kamera den Schwenkhebel betätigt. Doch für vertikale Schwenks über näher gelegene Objekte können sie den Bildeindruck durchaus optimieren.

 

Die Zahl der professionellen Nodal Köpfe ist sehr übersichtlich, ein paar Beispiele sind: Cartoni. Lambda Nodal Swing Head, Ronford Fluid 7 Nodal Point Compensating Pan/Tilt Head.

 

Moderne Varianten

Interessanterweise gibt es noch andere Kamerabefestigungen, die die Bildebene zum Zentrum für Schwenkbewegungen machen,- nämlich Remote Heads sowie Gyro-Stabilisatoren, so genannte Gimbals. Auch hier sind die Kameras so an Achsen der Stellmotoren aufgehängt, dass die Drehbewegung weitgehend in der Bildebene erfolgt.

 

Weitere neue Artikel

Sie ist die Trophäe, die keiner haben will, der Anti-Oscar, der für die schlechtesten Filme vergeben wird: Die Goldene Himbeere.

Sie kommen daher im Deckmäntelchen des Dokumentarischen, sind aber schlichte Werbefilme für ihre Protagonisten

Früchte sind nicht nur ein beliebter Lieferant für Vitamine, sondern auch für Filmtitel. Wir haben zugebissen...

Warum die kleinen Plastiksteinchen aus Skandinavien so viele Stop-Motion Filme hervorgebracht haben...

Wie man vor CGI und Computeranimationen mit Modelltricks und Einzelbildern Fantasiewelten erschuf

Historische Verbrechen und deren Aufklärung sind zentraler Plot in einigen spannenden Kinofilmen und Serien

Weshalb Kunsträuber im KIno schon immer eine wichtige Rolle eingenommen haben

Wer im Web nach bestimmten Themen sucht, kann höchst unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Die besten  Rechercheprompts...

In den 50er und 60er Jahren stürzte sich das US-Kino geradezu auf Italien, das Sehnsuchtsland nicht nur der Amerikaner...

Eigentlich überrascht es uns kaum noch, dass auch die Flatscreen Fernseher unser Verhalten präzise überwachen...

Warum nur hat die generative KI so große Probleme bei der Darstellung von Händen und Füßen? Ein Versuch, das zu verstehen...

Wie rasant sich die Technik rund um die Unterdrückung unerwünschter Tonsignale entwickelt hat, ist kaum zu glauben...