Knetfigur

  • Knetanimation

    Ausrangiert?

     Knetgummi wurde 1897 erfunden, in etwa zur Geburtszeit des Filmes, und kam bereits 1908 in dem Film „The Sculptor‘s Nightmare“ als Animation zum Einsatz. Seitdem gab es zahlreiche Variationen dieses Genres, hauptsächlich im Bereich Kinderfilm. Viele davon kamen speziell aus Osteuropa oder der Schweiz, wie der legendäre „Pingu“.

     

    Angesichts der verlockenden Perspektiven computergenerierter Trickbilder sah es immer wieder danach aus, als handele es sich um ein aussterbendes Genre. Doch zur Überraschung vieler Studios haben mit "Hennen rennen" ("Chicken Run", UK 2000), "The Nightmare Before Christmas" (USA 1993) oder "Wallace & Gromit" (UK 1993 – 1996) immer öfter animierte Knetgummifiguren zahlreiche Zuschauer begeistert. Wer auf den Erfolgszug aufspringen möchte oder einfach nur erfahren möchte, wie es gemacht wird, erhält hier Gelegenheit dazu.

     

    Material

    Knetgummi kennt jeder aus der Kindheit und noch immer finden sich in den einschlägigen Geschäften diverse Sets für die lieben Kleinen. Doch bevor Sie Ihren Kindern oder Geschwistern die geliebte Knubbelmasse entwenden, sollten Sie wissen, dass das Zeug für Filmzwecke gar nicht taugt. Es ist entweder zu weich, oder trocknet mit der Zeit aus. Die beste Knetmasse ist auf Ölbasis hergestellt und stammt aus England (Plasticine) oder Amerika (z. B. Van Aken). Es gibt sie in den wichtigsten Grundfarben, die bei Bedarf zu weiteren Farben gemischt werden können. Wenn man die Stangen aus der Packung nimmt, sind sie ziemlich hart, erst durch das Kneten mit den Händen werden sie leicht modellierbar.

     

    Charakter und Story

    Knetfiguren brauchen Persönlichkeit.

    Auch wenn es Ihnen unter den Nägeln brennt: Vor die erfolgreiche Animationsarbeit hat der liebe Gott die Frage nach der Geschichte und nach den Figuren gestellt. Wen wollen Sie darstellen und welche Abenteuer sollen Ihre Figuren erleben? Ohne gute Story brauchen Sie den ganzen Aufwand gar nicht erst zu treiben. Wenn Ihre Knetfiguren sprechen sollen, müssen die Münder beweglich gestaltet werden und Sie sollten sich mit Lippenbewegungen beim Sprechen beschäftigen. Wie lang soll der Animationsfilm werden und worauf möchten Sie aufzeichnen? Auf Film oder Video?

     

    Farbmischung

    Man erhitzt in einem Wasserbad-Topf (oder Topf im Topf mit Wasser) die Knetmasse (Grundfarbe), die eingefärbt werden soll, z. B. Weiß. Wenn die Knetmasse flüssig wird, fügt man kleine Stücke einer zweiten Farbe (Mischfarbe), z. B. Rot, zur Knetmasse hinzu und vermischt diese mit einem Kunststoffspatel oder Löffel, bis man die gewünschte Farbe, in diesem Fall Rosa, erhält. Die gemischte Masse gießt man auf eine Plastikfolie und lässt sie erkalten.

     

    Vorsicht

    1. Nur am offenen Fenster mischen, da die Masse übel riechende Gase beim Erhitzen entwickelt.
    2. Nehmen Sie sich vor Spritzern in Acht, die sehr heiß werden können.

     

    Modellieren

    Zunächst ist eine saubere, möglichst leicht zu reinigende Unterlage (z. B. Tischset aus Plastik, Wachstischdecke, Lackfolie oder Schreibtischunterlage) wichtig, denn die Knetmasse hinerlässt Ölflecken. Das beste Werkzeug überhaupt sind nach wie vor Ihre Hände, mit denen Sie die Knetmasse formen, biegen, quetschen und abflachen können. Nur für feine Details oder klare, scharfe Kanten, für die Ihre Hände einfach zu grob sind, kann man Modellierstäbe aus Metall, Holz oder Plastik verwenden. Auch, wenn Augenhöhlen, Ohr- oder Mundöffnungen erstellt werden müssen, sind Modellierstäbe wichtig. Wenn Sie die Knetmasse mit den Händen modellieren, kann es helfen, diese ganz fein mit Öl zu benetzen, um besonders glatte Oberflächen zu erzeugen.

     

      

    Mehr zu Herstellung und Aufnahmetechnik

    Interview mit Peter Lord, Mitbegründer von Aardmans Animations (Wallace & Gromit)

    Seite einer englischen Knet-Animationsfirma

    Knetfigur-Technik

     

     

     

  • Stop Motion Workshop

    Crashkurs in Sachen Animation

    Knetanimation

    Für ein paar Tage verwandelte sich der Seminarraum 210 der Film- und Fernsehstudiengänge der Macromedia München in ein Animationsstudio.

    Für die Filmstudenten des zweiten Semesters an der Macromedia in München wird im Fach Animation nicht nur an gängigen Computer-Animationen in Maya, After Effects etc. gearbeitet, sondern auch ganz physisch und real an der Animation von Knetfiguren. Das ist sinnvoll und wichtig, damit man versteht, woraus sich so viele digitale Trickverfahren eigentlich entwickelt haben.

     

    Auch wenn sie später in den Fachrichtungen Regie, Kamera und Postproduktion wohl eher mit Schauspielern und realen Sets zu tun haben werden, sollen Sie während ihres Studiums eine möglichst breit gefächerte Ausbildung erhalten und Einblicke auch in Trick und Animationsverfahren bekommen.

     

    Wie lange würde es wohl brauchen, bis man ein erstes Grundgefühl entwickelt für Bewegungsphasen und kleine Storys, die man mit Hilfe von Knetgummi und beweglichen Metallgestellen, so genannten Armaturen, erstellt?

     

    Voraussetzungen

    Knetanimation

    Am linken Fuß der Knetfigur sieht man noch die Armatur herausschauen, welche der Figur Stabilität verleiht.

    Was braucht man alles, um erste Schritte in dieser Richtung zu unternehmen? Nun damit man sinnvolle Bewegungsabläufe mit Knetfiguren erstellen kann, ist es notwendig, das Innenleben der Figuren zu stabilisieren. Dazu sind Metallgestelle erforderlich, die aus Draht und Gelenken bestehen.

     

    Als Knetgummi kann man, wenn man nicht die teure Spezialknete kaufen will, durchaus auch handelsübliches Knetgummi wie "Aquasoft" (Faber) verwenden. Die Farbgebung ist dann zwar etwas schriller, aber das kann man ja auch kreativ nutzen. Schon eine 250-Gramm-Packung genügt für erste Versuche.

    Man benötigt zudem einen abwaschbaren Untergrund (Knete hinterlässt gerne Spuren und man sollte Mutters gute Tischdecke doch eher verschonen). Den Untergrund kann man dann später recht gut mit Glasreiniger säubern.

     

    Gerätebedarf

    Knetanimation

    Das Innenleben der größeren Knetfiguren besteht aus Draht und Metallgelenken, sogenannten Armaturen.

    Dann wird natürlich eine Videokamera (oder alternativ auch ein moderner digitaler Fotoapparatmit entsprechendem Ausgang) benötigt und natürlich ein Stativ, denn während der gesamten Einstellung, die animiert wird, darf sich die Kamera nicht verändern.

     

    Außerdem benötigt man künstliches Licht, denn nur dieses bleibt während des Animierens konstant. Wenn man sich auf das Sonnenlicht verlassen würde, könnte man später im fertigen Animationsfilm auf Grund des wechselnden Sonnenstandes bewegliche Schatten sehen. Nicht zuletzt deshalb muss auch das Tageslicht im Raum abgedunkelt werden.

    Als Lichtquellen wählten die Studenten kleine 200 Watt Arri-Daylight-Scheinwerfer, die bei hoher Lichtausbeute wenig Hitze entwickeln.

     

    Und man benötigt natürlich einen Computer und ein Animationsprogramm, mit dessen Hilfe man die einzelnen Phasen aufnehmen und sofort am Bildschirm überprüfen kann. Durch schrittweises Abspielen der Animation kann man am Bildschirm sofort mögliche Fehler erkennen und kann fehlerhafte Phasen gleich löschen und noch einmal aufnehmen.

    Das ist ein großer Vorteil gegenüber den früheren Animationstechniken, bei denen auf Film gedreht wurde und die Ergebnisse erst einen Tag später überprüft werden konnten.

     

    Dozent aus der Praxis

    Knetanimation

    Die Abenteuer der kleinen Knetfiguren kurbeln die Fantasie der Filmstudenten an.

    Einer der Besten seines Fachs hierzulande, Jürgen Kling, vermittelte den Studierenden Grundkenntnisse, die diese in Rekordzeit zu gelungenen Kurzfilmen werden ließen. Nach nur vier Stunden bewegten sich die ersten Knetfiguren über die Bildschirme.

    Klings Animationen gehören zu den besten Arbeiten des Landes, durch seine vielfältige Erfahrung konnte er den Studierenden anschauliche Beispiele zeigen und natürlich auch den einen oder anderen Trick verraten.

     

    Und bald schon wehte ein Hauch von "Chicken Run" oder "Wallace & Gromit" durch den Unterrichtsraum. Dabei kamen Armaturen von Stop-Mo-Tec zum Einsatz, die für einen kontinuierlichen Bewegungsablauf der Knetfiguren sorgten.

     

    Erstaunlich schnell entwickelten die Studierenden ein Gefühl für das richtige Timing, eine der entscheidenden Grundlagen guter Animationsfilme. Nun einen Nachteil hat Stop-Motion schon von Anfang an: Es dauert verdammt lang und ist für Ungeduldige schlichtweg die Hölle.

    Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Studierenden noch lange nach Ende des Workshops an ihren Knetgummi-Kurzfilmen arbeiteten und gar nicht mehr nach Hause gehen wollten.

    Die Ergebnisse wurden in einem anderen Unterrichtsmodul des zweiten Semesters mit einem entsprechenden Sound-Design vertont und werden sicher nicht nur auf der Homepage der mhmk bald zu sehen sein.