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Was macht es mit einer Reihe oder Serie, wenn die gleiche Rollenfigur plöltzlich von anderen Schauspieler*Innen verkörpert wird?

 

Umbesetzungen

Serien und Reihen funktionieren über das Kennenlernen und Wiedererkennen von Personen. Doch manchmal werden die Schauspieler unterwegs ausgetauscht. Wenn eine neue Reihe oder Serie ins Leben gerufen wird, dann gibt es zunächst einmal ein Konzept, eine sogenannte Reihen,- oder Serien Bibel in welcher die Figuren, die Backstories und ihre Konstellationen und natürlich das Setting und Milieu detailliert beschrieben werden. Auf dieser Grundlage entstehen erste Drehbücher, Treatments oder Exposés und man produziert, wenn es ein Go vom Fernsehsender gibt, einen Piloten oder auch gleich ein, zwei Folgen der neuen Serie.

Vieles wirkt in der oder den ersten Umsetzungen, den Piloten oder den ersten Folgen, noch ungelenk. Die Macher müssen erst einmal ausloten, was funktioniert und was nicht, wie die Tonalität, wie die Visualisierung aussehen sollte. Und natürlich hat man für die festgeschriebenen Hauptfiguren eine Besetzung gefunden, welche die Zuschauer durch möglichst viele weitere Folgen hindurch tragen soll. Das was die Zuschauer*Innen an Serien lieben, sind ja häufig die besonderen Charaktere, die ihnen durch die besetzten Schauspieler*Innen besonders vertraut werden.  Und die privaten, horizontalen Erzählebenen der Rollenfiguren, welch man weiterverfolgen möchte.

Und genau hier kommt es hin und wieder zu mehr oder weniger auffälligen Überraschungen. Nämlich dann, wenn zwar eine eingeführte Serienfigur weitererzählt wird, diese aber durch gänzlich andere Schauspieler verkörpert wird. Während es am Theater häufiger vorkommt, dass Rollen umbesetzt werden, Ensembles sich verändern, erwarten die Fernsehzuschauer doch eher eine gewisse Konstanz.

Es ist nicht nur für die Zuschauer, auch für das ganze Schauspiel-Ensemble und das Team höchst irritierend, kommt aber öfter vor, als man denkt. Ob man mit den Schauspielern unzufrieden war, ob sie in der Teamarbeit schwierig, zu teuer, zu divenhaft, krank oder der Rolle überdrüssig waren, in den seltensten Fällen wird bekannt, weshalb sie ausgestiegen sind. Manchmal kann eine bestimmte Besetzung wegen privater oder anderer beruflicher Verpflichtungen ihre Rolle nicht weiterspielen, manchmal sind es auch Burn-Out Erscheinungen, dass sie ihre Rolle langweilt und nicht genügend herausfordert. Aber auch Zerwürfnisse am Filmset, Streitigkeiten über die Gage, Krankheiten oder sogar Todesfälle können Umbesetzungen nötig machen. Manchmal sind auch schlicht die Produktionsfirmen bzw. die Drehbedingungen oder auch die Drehbücher furchtbar.

Produktionsfirmen schließen in der Regel mit Serien-Schauspielern Verträge über mindestens drei Folgen ab, um eine gewisse Kontinuität sicherzustellen. Wenn also Schauspieler*Innen bereits nach einer Folge ausgewechselt weden, ist das höchst auffällig.

Natürlich stellt man sich Fragen. Meist  werden diese Wechsel von den anderen Filmfiguren gar nicht angespielt. Als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, sprechen sie die neue Person mit dem gleichen Namen an, umarmen oder küssen sie sogar, - tun so, als sei nichts geschehen obwohl hier plötzlich ein anderes Gesicht auftaucht. Innerhalb der Serien-Logik ist das natürlich nachvollziehbar, schließlich bleibt ja die Rolle gleich.

In einigen wenigen Fällen, wie etwa bei "Wolfsland" ist der Grund für einen Wechsel schicksalhaft tragisch, hier wurde die Rollenfigur des Kommissariatsleiters, die Anfangs von Andreas Schmidt verkörpert wurde, nach dessen Tod 2017 durch einen neuen, anderen Kommissariatsleiter, gespielt von Stephan Grossmann, ersetzt.

 

Wechselhaft

Zuerich Krimi Borchert u d Mord ohne Suehne socialmedia4000

Anwältin Dominique (Ina Paule Klink, re.) spricht mit Hauptmann Furrer (Pierre Kiwitt, li.) Szenenfoto aus "Borchert und der Mord ohne Sühne". Keine der beiden Besetzungen der Filmfiguren stand in der ersten Folge der beliebten Zürich Krimis vor der Kamera. "Bild: ARD Degeto/Martin Mlaka"

 

Natürlich ist es für die Nachfolger*Innen auch eine Herausforderung, in die ausgetretenen Pfade, die bereits vorhandenen Fußstapfen einzusteigen. Die Schauspieler*Innen versuchen nach so einem Wechsel zumeist, in die Rollenfigur auch etwas eigenes, individuelles mit einzubringen. Besonders kompliziert und auffällig wird das Ganze, wenn es nicht nur einen, sondern mehrere Wechsel gibt.

So beispielsweise bei den Ostfriesen-Krimis. Hier wurde die weibliche Hauptrolle der Kommissarin Ann Kathrin Klaasen drei Mal von Christiane Paul gespielt, danach war es plötzlich Julia Jentsch, die für weitere vier Folgen die Rolle übernahm, die ab Folge acht dann durch Picco von Groote verkörpert wird. Doch auch bei den männlichen Hauptrollen zeigten die Ostfriesen-Krimis wenig Konstanz. So gab es auch bei der Figur des Kommissars Frank Weller einen sogenannten Re-Cast. Der ursprüngliche Schauspieler war Christian Erdmann, auf diesen folgt ab 2025 Tom Radisch.

Nicht viel anders lief es beim Zürich Krimi. Während zumindest die Hauptfigur "Borchert" mit Schauspieler Christian Kohlund konstant blieb, wechselten die anderen Hauptfiguren ziemlich munter durch. So wurde der Polizeikommissar Marco Furrer, die ersten drei Jahre (2016-2019) durch Felix Kramer verkörpert, seit 2020 dann durch Pierre Kiwitt. Und auch dessen Love-Interest und Kollegin von Borchert, die Rechtsanwältin Dominique Kuster wurde in der Pilotfolge (Borcherts Fall) von Katrin Bauernfeind gespielt, unmittelbar darauf übernahm Ina Paule Klink die Rolle und wurde zur eigentlichen Dominique. Als wäre das noch nicht genug, wechselte auch die Sekretärin in der Kanzlei von Dominique, Regula Gabrielli. Von 2016 bis 2018 war dies Anita Vulesica, danach Susi Banzhaf. Der Beliebtheit der Reihe tat das keinen Abbruch, es gab einfach genügend Konstanten, vor allem natürlich die Hauptfigur, welche die Zuschauer über alle Wechsel hinweg getragen haben.

Selbst ein Dauerläufer wie die ZDF Serie "Der Alte" schafft es, nach nur zwei Folgen einer neuen Staffel den bisherigen Hauptdarsteller Jan-Gregor Kemp (60) durch den kaum jüngeren Thomas Heinze (58) zu ersetzen. Hier wurde also unterwegs während einer Staffel ein Wechsel vorbereitet.

 

Upgrades

Bei Serien und Reihen, die oft über viele Jahre, ja Jahrzehnte laufen, kommt es immer wieder vor, dass das Leben der Schauspieler*Innen, die gemeinsamen Erfahrungen beim Dreh, die Gagenvorstellungen aber auch Zuschauermeinungen und mehr zu Re-Casts führen können. Wenn man verschiedene Schauspieler*Innen in der gleichen Rolle sehen kann, erzählt das natürlich auch etwas darüber, wie jede Persönlichkeit eine eigene Farbe, eine eigene Interpretation mit einbringt. Manchmal sind diese Umbesetzungen sogar deutliche Verbesserungen für die Projekte, manchmal aber auch bedauerliche Downgrades. Und manchmal werden Rollen sogar ganz aus einer Reihe oder Serie herausgeschrieben...

 

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