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Halogen Stufenlinser 3000

Alter 1000 Watt Halogen-Stufenlinsen Scheinwerfer der Berliner Firma Deltschaft (ca. 50er Jahre)

 

Halogenlicht war über Jahrzehnte das Standard-Licht an Filmsets. Es hat seine Stärken, aber auch Schwächen und ist relativ güngstig. Ob es um Neuanschaffung oder Gebrauchtkauf handelt, Halogenscheinwerfer kosten deutlich weniger als andere Scheinwerfertypen obwohl sie professionelle Eigenschaften haben. Was steckt dahinter, worauf muss man achten?

 

Der Klassiker

Halogenbrenner haben im vergangenen Jahrhundert die Bogenlampen abgelöst. Damit wurden kleinere Bauformen für Scheinwerfer möglich und auch die Handhabung wurde vereinfacht. Halogenbrenner sind direkte Verwandte der guten alten Glühbirne. Doch wo in der Glühbirne ein Vakuum dafür sorgt, dass der Glühfaden (auch Wolframfaden) nicht schmilzt, ist in den Halogenbrennern das Edelgas Halogen in die Glaskolben gefüllt. Das sorgt dafür, dass man höhere Leistungen erzielen kann. So wurden Brenner mit bis zu 5000 oder 10.000 Watt verwirklicht.

Über Jahrzehnte waren die Halogenscheinwerfer von Filmsets einfach nicht wegzudenken. Es gab sie in kleinen und großen Bauformen mit teilweise vielen Tausend Watt an Leistungsaufnahme. Besonders beliebt bei Filmstudenten, Nachwuchsfilmern und Dokumentarfilmern waren die Ianero Redheads, kompakte Leuchten, welche mit 600 oder 800 Watt Brennern ausgerüstet werden konnten. Diese Halogenstäbe steckten dann Keramikfassungen, hinter dem Brennstab ein Reflektor, vorne ein Schutzglas oder Gitter und davor die obligaten Tore, um das Licht begrenzen zu können. Von der Bauart also Open Face,- vor dem Lichtaustritt war keine Stufenlinse oder Ähnliches angebracht.

 

Vorteile

Halogen Ianero 3000

800 Watt Halogen-Brennstab eingesetzt in den Keramik-Fassungen einer Ianero-Redhead-Open Face Leuchte

 

An erster Stelle muss man dem Halogenlicht eine hervorragende Farbtreue attestieren. Es hat einen sehr guten CRI Wert (Color Rendering Index) von dem die meisten LED Scheinwerfer weit entfernt sind. Beim CRI Wert wird der Grad an Farbtreue in Zahlenwerten angegeben, 100 wäre dabei die Perfektion. Das hat mit der spektralen Zusammensetzung des weißen Lichts zu tun, das Tageslicht enthält nämlich alle Farben in sehr gleichmäßiger Verteilung. LED und Fluoreszenzlicht haben aber keine so ideale Verteilung, sie bauen das weiße Licht durch Spitzen in verschiedenen Farbbereichen zusammen. Das bedeutet aber für manche Farben im Motiv, dass sie nicht ganz richtig wiedergegeben werden, denn wenn sie gar nicht erst in der Lichtquelle vorhanden sind, werden sie vom Aufnahmeobjekt auch nicht reflektiert. Halogenscheinwerfer liefern hier einen CRI von nahezu 100. Für farbkritische Aufnahmen also perfekt.

Zu den weiteren großen Vorteilen der Halogenscheinwerfer gehört sicher ihre Einfachheit. Bei den meisten konnte einfach der Netzstrom direkt mit den Polen des Brennstabes verbunden werden, und es wurde Hell. So haben die Halogenscheinwerfer in der Regel einfach nur einen Ein/Aus Schalter und keine weitere Elektronik. Die Scheinwerfer und die Brenner waren, wenn es sich nicht um Höchstleistungsbrenner handelte, recht preiswert in der Anschaffung.

Eine Inaero war für ca. 300,- Euro, ein passender Brennstab für 15,- Euro zu haben. Je nach Bauform haben sie einen sehr schönen Lichtkegel erzeugt und,- das spielt eine große Rolle bei Time-Ramps und Zeitlupenaufnahmen,- sie erzeugen kontinuierliches Licht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die sofort nach dem Einschalten hell sind. Gerade wenn man das Einschalten von Zimmerbeleuchtung etc. mit Filmscheinwerfern verstärken muss, sind HMIs, die nur langsam hochbrennen, völlig ungeeignet.

In der einfachsten Bauweise, als klassische Baustrahler, kriegt man sie schon für 30-50 Euro. Doch Vorsicht,- für die Lichtgestaltung sind sie weitgehend ungeeignet. Sie haben keine Tore, lassen sich nicht fokussieren, erzeugen beim Erwärmen und Erkalten Dehnungsgeräusche, - sind also für Originaltonaufnahmen ungeeignet.

In der heutigen Zeit sollte man Halogenlicht nur noch dort verwenden, wo es zwingend notwendig ist, ansonsten überwiegen gegenüber den Vorteilen die Nachteile...

 

Nachteile

Sachtler Halogen 3000

Moderner Halogen-Stufenlinser von Sachtler

 

Halogenlicht ist extrem uneffektiv. Wenn man 1000 Watt Leistungsaufnahme zu Grunde legt, so werden davon etwa 250 Watt in Licht und 750 Watt in Hitze umgewandelt. Sie werden dementsprechend heiß,- in früheren Filmstudios, die nur mit Halogenlicht gearbeitet haben, wurde es deshalb schnell unangenehm heiß. Sie werden so heiß, dass der Autor dieses Artikels sogar schon erlebt hat, dass relativ kompakte Varianten, die Cosmo-Lights, so heiß wurden, dass der Lampenbügel geschmolzen ist. Das ist natürlich ein grober Materialmangel,- viel zu dünne Bügel,- in Kombination mit der Hitzeentwicklung der Halogenbrennstäbe führt das dann zum Totalschaden der Leuchten und schlimmstenfalls auch zu Verletzungen.

A Propos- Halogenscheinwerfer nie ohne Schutzglas oder Schutzgitter betreiben,- angeblich können die Glaskolben zersplittern. Dass man Beleuchter-Handschuhe benutzt, wenn man die Scheinwerfer anfasst, versteht sich ja von selber.

Außerdem haben sie Kunstlicht-Farbtemperatur,- das heißt, wenn man sie angleichen möchte an Tageslicht muss man eine volle CTB (Color-Temperature Blue) Folie bzw. eine Blauscheibe (Blaues Glas) mit 82 er Filter verwenden. Beide Verfahren schlucken genau eine Blende,- also 50% der Helligkeit,- was die Effektivität dieser Leuchten noch weiter reduziert.

 

Ianero Halogen Blaufilter 3000

Blauscheibe zum Wandeln der Kunstlichfarbtemperatur zu Tageslichtfarbtemperatur. Leider verliert man dabei die Hälfte an Lichtleistung.

 

Wer in normalen Wohnungen, also nicht im Studio dreht, muss oft ohne Starkstromanschluss oder Stromaggregat auskommen. Hier können bereits wenige Halogenscheinwerfer die maximale Leistung der Stromkreise eines Haushalts übersteigen. Da fliegt dann schnell die Sicherung. Schwierig ist auch das Dimmen von Halogenlicht,- es wird nämlich immer rötlicher, je mehr man es runter regelt.

 

Bann im Privatbereich

Im Home-Bereich hatten Halogenleuchtmittel von Büroleuchten über Stehlampen, Wandleuchten oder auch als Ersatz für die Glühbirnen viele Aufgaben übernommen. Und das trotz ihrer miserablen Energieeffizienz.  Es ist also durchaus verständlich, dass die EU nachdem sie die Glühbirne aus den Haushalten verbannt hatte, inzwischen auch die Halogenleuchtmittel aus dem Home-Bereich verbannt. Professionelle Halogenbrenner und Scheinwerfer sind aber nach wie vor erhältlich.

An Filmsets trifft man immernoch auf Halogen-Licht,- oft für besondere Aufgaben, manchmal auch nur als Arbeitslicht für das Auf,- und Abbauen des Sets bei Nachtdrehs. Für das Ausleuchten sind modernere Leuchtmittel wie HMI, Ceramic, Fluoreszenz oder LED auf jeden Fall effizienter. Noch ein letzter Tipp: Wenn sie brennen, sind sie sehr empfindlich. Also nur die Scheinwerfer umstellen, nachdem man sie ausgeschaltet hat oder behandeln wie rohe Eier...

 

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