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Das Aufdecken von Umweltskandalen löst bei Verursachern häufig entschiedene Gegenmaßnahmen aus

 

Es wird kaum bis gar nicht darüber berichtet, welche Ausnahmesituationen Dokumentarfilmer*Innen und Journalist*Innen erleben können, wenn sie ihre Arbeit kritisch angehen. Gerade im Bereich des investigaviven Dokumentarfilms, bei dem Wahrheiten, Situationen, Orte und Personen in den Mittelpunkt gerückt werden, die dies gar nicht gerne mögen, können Gefahren lauern, die man als Dokumentarist gar nicht so realisiert.

Bereits als junger Filmstudent machte ich eine harmlose, und dennoch seltsame Erfahrung. Ich drehte Anfang der Achtziger Jahre mit meiner Super 8 Kamera in München eine friedliche Demonstration gegen die Räumung von besetzten leerstehenden Häusern. Dabei drehte ich auch Zivilpersonen, die sich wenig später mit uniformierten Polizisten in den VW-Bussen abstimmten. Zivilpolizisten also. Wenig später, während ich gerade auf der Leopoldstraße eine Totale drehte, spürte ich einen Ellenbogen, der mir mit voller Wucht in die Rippen gerammt wurde und einer jener Herren, er trug einen Schlapphut, sagte grinsend: "Nicht verwackeln". Er hatte mir beinahe mehrere Rippen gebrochen und der Dreh war natürlich beendet. Darüber, was das Ereignis über den Ehrenkodex der Polizei in jenen Tagen aussagt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht nachdenken, aber es war das erste Mal, dass mir klar wurde, dass dieser Job auch Risiken in sich birgt.

 

Journalisten haben ein anderes Bewusstsein

Ein großes Problem besteht sicherlich darin, dass Dokumentarfilmer in den seltensten Fällen ausgebildete Journalisten sind. Während Journalisten bereits in ihrer Ausbildung sehr dezidiert mit Recherche, Gefahren, investigativen Techniken und Risiken vertraut gemacht werden, denken Dokumentarfilmer doch eher über Bildgestaltung, Ästhetik und emotionale Momente nach.

Und vor allem haben Dokumentarfilmer eher den Anspruch, ihre eigene individuelle Sicht der Dinge filmisch zu erzählen und nicht wie Journalisten eine extreme Objektivität zu pflegen. Das impliziert auch, dass man sich möglicherweise gegen Personen, Institutionen, Haltungen stellt.

 

Mächtige Gegner

Hochhaus Firmenzentrale

Es braucht schon Mut, um sich mit mächtigen Konzernen, Ihrem Geld, Ihren Anwälten und Ihren politischen Verbündeten anzulegen

 

Bei kritischen Enthüllungsfilmen kann es schnell passieren, dass einen Konzerne, Institutionen, Verbindungen ihre Macht spüren lassen. Ob es sich dabei um Enthüllungen aus der Nehrungsmittelbranche, der Pharmaindustrie oder Energiegewinnungsbranche handelt, oder um Politiker oder Vereinigungen, niemand möchte sein mühsam aufgebautes Image über Nacht verlieren, weil ein Dokumentarfilm unschöne Wahrheiten ans Tageslicht bringt.

Die Mittel mit denen sich die in den Mittelpunkt der Dokus gestellten wehren, sind vielfältig: Das können millionenschwere Gegenkampagnen sein mit denen PR Firmen beautragt werden, in denen die Filmemacher der Lüge bezichtigt werden, oder in denen sie moralisch diskreditiert werden. Es können aber auch tätliche Angriffe oder sonstige finanzielle Nachteile sein, die einem zugefügt werden. Hier ist es sehr wichtig, eine Öffentlichkeit herzustellen, welche die im Film angesprochenen Enthüllungen, weitflächig transportiert. Hier können Webauftritte und vor allem Social Media Netzwerke helfen, Dinge richtig zu stellen. Da solche Gegenangriffe häufig vorkommen, lohnt es sich, bereits im Vorfeld von Dreharbeiten Gegenstrategien zu entwickeln, wie man auf derartige Angriffe reagieren könnte.

Journalisten besprechen in Redaktionskonferenzen die Risiken, die mit einem bestimmten Thema verbunden sind und Lösungsansätze, diese Risken zu minimieren. Dokumentarfilmer sind häufig Einzelgänger ohne den Austausch mit anderen, die ähnliche Themen behandelt haben. Es gibt sie nicht, die Datenbanken, wo Erfahrungen ausgetauscht werden können, etwa für die Arbeit in Krisengebieten wie Afghanistan, Syrien etc. Insbesondere unter Arbeitsbedingungen an unsicheren Orten, in investigativen Arbeiten oder auch in Ländern ohne ausreichende öffentliche Sicherheit kommen jedes Jahr mehr als einhundert Journalisten und Dokumentarfilmer ums Leben.

 

Krisengebiete

Zerstörtes Haus

In Krisengebieten zu drehen, erfordert besondere Kenntnisse und Voraussetzungen

 

Gerade in Zusammenhang mit Dreharbeiten im Ausland ist es wichtig, lokale Begleiter, nennen wir sie "Aufnahmeleiter oder Produktionsleiter" dabei zu haben, welche die lokalen Risiken besser einschätzen können. Außerdem ist der ständige Kontakt zu einer Homebase, den Konsulaten bzw. Botschaften des eigenen Landes sowie lokalen "Human Rights" Organisationen hilfreich. Notrufnummern des jeweiligen Ortes, erste Hilfe Maßnahmen und die Kenntnis, wo sich das nächste Krankenhaus befindet, sind ebenfalls grundlegend.

Filmemacher und Journalisten in Kriegsgebieten sollten sich zudem grundsätzliche Kenntnisse aneignen, die sich der speziellen Situation nähern. Dazu gehört das Verhalten an Checkpoints, das Verhalten bei eventueller Geiselnahme oder auch wo man am Besten Schutz bei Beschuss findet. Autos gehören nicht zu den Orten, wo man sich aufhalten sollte, wenn geschossen wird.

Zu wissen, dass häufig die Ränder neben Straßen vermient sein können, gehört genauso dazu wie das Tragen von Schutzwesten (Klasse 4) und Helm. Oder dass man, wenn neben einem eine Handgranate fällt, keine Zeit mehr hat, wegzurennen und sich am Besten flach auf den Boden wirft. Für derartige Drehs ist es wichtig, entsprechende Trainings zu absolvieren.

 

Live ist nicht alles

Als zwei Tage nachdem im Oktober 2023 Hamas-Terroristen aus Gaza in Israel weit über Tausend Menschen ermordet haben, war eine CNN Journalistin, Clarissa Ward mit Team, alle mit Schussicheren Westen auf denen "Presse" stand, nahe der Grenze zwischen Israel und dem Gaza Streifen live auf Sendung, als als Raketen über ihre Köpfe flogen. Sie warfen sich auf den Boden in einen Graben und die Reporterin berichtete, auf dem Boden liegend weiter, wie die Raketen detonierten.

Man sollte sich über die Sinnhaftigkeit gefährlicher Situationen für Journalisten und Dokumentarfilmer Gedanken machen, ob es den in den Konflikt verwickelten Menschen oder dem Rest der Welt wirklich nutzt, das Kriegsgeschehen aus nächster Nähe mitzuerleben. Von journalistischer Berichterstattung hat man lange angenommen, dass es auf die schnelle Weitergabe der Informationen ankäme. Doch in einer Welt der Millionen Handyvideos und Falschinformationen ist die reflektierte und sich einer möglichen Wahrheit nähernden journalistischen Arbeit weitaus wichtiger gewoden. Es bringt keinen Erkenntnisgewinn, einfach nur live bei schrecklichen Geschehnissen dabei zu sein.

Allein im Jahre 2020 wurden weltweit über 50 JournalistInnen wegen ihrer Tätigkeit getötet. Eine beunruhigend hohe Zahl.

 

Material sichern

Insbesondere, wenn die Dokumentaraufnahmen Beweischarakter haben, sollte man unbedingt Kopien fertigen und an sicheren Orten aufbewahren. Cloud-Server oder der Transfer zu Servern der Produktionsfirma sind wichtige Wege, auch die eigene Sicherheit zu erhöhen. Einige Kameras sind auch mit W-Lan Fähigkeiten ausgestattet, hier könnte man entsprechende Routinen einrichten.

Bevor man ein dokumentarisches Filmprojekt in schwiergem Umfeld angeht, sollte man eine genaue Gefahrenanalyse vornehmen und ein Sicherheitskonzept entwickeln. Derartige Projekte sind nichts für Einzelgänger, hier sollten unbedingt entsprechende Backup-Konzepte zum tragen kommen.

 

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