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Hitchcock liebte es, seine Zuschauer*Innen das Fürchten zu lehren (Grafik: Lucia Brysch)

 

Lehrjahre in England und Deutschland

Altmeister Alfred Hitchcock gilt als einer der bedeutendsten Regisseure des Mainstream Kinos. Geboren 1899 in Leytonstone, England las er schon früh Romane, ging ins Theater und ins Kino. Bereits früh verfolgte er Mordprozesse im Gerichtshof Old Bailey oder besuchte das Black Museum von Scotland Yard. In einem Studio der amerikanischen Paramount in London arbeitete er als Zeichner von Zwischentiteln die damals noch für das Verständnis der Stummfilme notwendig waren. 1921 und 1922 zeichnete er die Titel für über zwölf Filme. Doch er entwarf auch bereits Kostüme, Dekorationen und Szenenbilder für Filme und überarbeitete Drehbücher. 

Ab 1924 arbeitete Hitchcock als Regieassistent. Auf seiner Arbeitsstelle lernte er auch seine später Frau, die Filmeditorin Alma Reville kennen. Bei diversen Filmen war Hitchcock nun mit Drehbuch dem Szenenbild, der Besetzung, den Kostümen etc. befasst.

1924/25 führt ihn ein Projekt nach Deutschland. Der mit der deutschen UFA koproduzierte Film "Die Prinzessin und der Geiger" wurde in den Babelsberger Filmstudios gedreht. Dabei konnte Regieassistent Hitchcock im Nachbarstudio auch Friedrich Wilhelm Murnaus Arbeitsweise bei "Der letzte Mann" beobachten.

Studioboss Michael Balcon gab Hitchcock 1925 die erste Regie in Auftrag für einen Film, der von der Münchner Lichtspielkunst (Emelka) mitproduziert wurde. "Irrgarten der Leidenschaft" (1925) wurde mit einem kleinen Team gedreht, zu dem auch Alma Reville gehörte. Aus den Studios der Emelka in Geiselgasteig wurde später übrigens die Bavaria Film. Die Uraufführung seiner ersten Regiearbeit fand im November 1925 in München statt. Erst nachdem Alfred Hitchcock diese Feuertaufe in Deutschland mit Erfolg absolviert hatte, traute man ihm auch zu, in England Filme zu inszenieren.

Was vielen nicht bekannt ist: In dieser Zeit lernte Hitchcock fließend Deutsch zu sprechen. Und was noch beeindruckender ist, es war Hitchcock sehr wichtig, die für ein Deutsch sprechendes Publikum gedrehten Interviews und TV-Gesprächsrunden auf Deutsch zu beantworten. 

Hitchcock überließ bei seinen Filmen nichts dem Zufall. Er plante jede Einstellung, jede Szene präzise voraus und arbeitete mit den Besten ihres Fachs zusammen. So markiert die Liste der Drehbuchautoren, mit denen er für seine Filme zusammenarbeitete, das Who is Who der amerikanischen Top-Autoren. Darunter waren Namen wie Ben Hecht ("Cocktail für eine Leiche") John Steinbeck ("Rettungsboot") , Dorothy Parker ("Saboteur"), Raymond Chandler ("Der Fremde im Zug") und Thornton Wilder ("Schatten eines Zweifels" ). Oft zog er später dann noch weitere Autor*innen hinzu, die dann Szenen überarbeiten und Dialoge optimieren sollten. Für Hitchcock waren nicht die Dialoge entscheidend, sondern die Handlungen und Blicke der Protagonist*Innen, welche eine vor allem visuelle Geschichte erzählten.

Auch was die Vermarktung angeht, so traf er kluge Entscheidungen. So ließ er, als er seinen legendären "Psycho" in die Kinos brachte, vorher sämliche Ausgaben der Literaturvorlage (Robert Bloch) aufkaufen, damit die Zuschauer nicht nachschauen konnten, wie der Film enden würde. Damals ging das noch,- in Zeiten von Internet und e-Books wäre dies sicher ein unmögliches Unterfangen.

 

Hitchcock Interview auf Deutsch

Eine Perle aus den Archiven Deutschen Fernsehens (Hessischer Rundfunk) ist eine Gesprächsrunde (Frankfurter Stammtisch) aus dem Jahr 1966 mit Botho Jung, Richard Kirn, Hein Heckroth und Curt Riess in der sie ab etwa Minute 18 mit Alfred Hitchcock über seine Arbeit sprechen. Hitchcock erläutert dabei seine Gedanken zur Erzeugung von Spannung, seine Präferenzen für die Kameraführung und Montage und vieles mehr. Das Zeitdokument in Zigarettenrauch getränkter Weinstubenatmosphäre offenbart zugleich eine recht gestrige Haltung und teilweise auch Ahnungslosigkeit der Herren dem Altmeister gegenüber.

 

 

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