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Regieassistentin Basia Baumann bei den Dreharbeiten zu „Midsommar Stories"

 

Aufgaben der Regieassistenz

Kaum ein Arbeitsbereich beim Film unterliegt so vielen Fehldeutungen wie die Regieassistenz. Während die einen in der Regieassistenz so etwas wie eine Zweitregie für Komparsen und Kleindarsteller wähnen, meinen die anderen, es handle sich um ein persönliches mobiles Sekretariat des Regisseurs / der Regisseurin. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, denn das Aufgabengebiet der Regieassistenz ist sehr weit gefasst. Sowohl gestalterische, dramaturgische als auch organisatorische Aufgaben müssen parallel bewältigt werden - keine einfache Aufgabe, will man es ordentlich machen.

Nicht wenige behaupten sogar, dass die Regieassistenz viel erfahrener sein muss als die Regie. Das erklärt auch, weshalb es ein grobes Missverständnis wäre, zu glauben, als Film-Neuling arbeitet man am Besten erst einmal als Regieassi. So etwas gibt es zumindest an professionellen Filmsets nicht. Regieassistenten sind "alte Hasen", sie haben schon viele Drehs hinter sich und bringen jede Menge Erfahrung mit.

 

Grundsatzfragen

Häufig stellt sich die Frage, auf wessen Seite die Regieassistenz eigentlich steht. Denkt sie eher im Sinne der Produktion und versucht überall Kosten einzusparen und notfalls Streichungen durchzusetzen oder steht sie hinter der Regie und versucht deren Vision möglichst optimal zu unterstützen.

Wer selber nicht gut strukturiert und nicht stressresistent ist, für den ist die Regieassistenz der falsche Job. Wer fahrig ist, Dinge vergisst, Schauspieler falsch disponiert, Fahrer zwar in die richtige Straße, aber zur falschen Hausnummer schickt, um Schauspieler oder Regie morgens für den Dreh abzuholen, das Catering zur falschen Zeit bestellt etc. erschwert die Dreharbeiten unnötigerweise.

 

Die Vorbereitung

Die Arbeit der Regieassistenz beginnt einige Wochen vor dem ersten Drehtag. Am Anfang stehen die sorgfältige Lektüre des Drehbuchs und erste Besprechungen mit der Regie über die grundsätzliche Linie und gestalterische Präferenzen bei der Umsetzung. Die Regieassistenz versucht im Vorfeld, kritische Bestandteile und mögliche Schwierigkeiten innerhalb des Buches aufzuspüren. Je nach Stoff besorgt sie vielleicht zusätzliche Infos aus Bibliotheken oder Archiven zur Recherche und Weitergabe an andere Mitarbeiter. Ein Durchgang beim Lesen des Drehbuchs gilt der Zeiterfassung. Jede Szene wird vorgestoppt, das heißt, man liest sich die Szene mit der Stopuhr vor und versucht Handlung ohne Dialogteile zeitlich ungefähr einzuschätzen. Die Vorstopzeiten geben Aufschluss darüber, ob evtl. noch gekürzt werden muss, um auf die gewünschte Filmlänge zu kommen.

Ein weiterer wichtiger Vorbereitungsschritt sind die Drehbuchauszüge. Zu jeder Szene werden wichtige Details, die Personen, Kostüme, Effekte etc. herausgeschrieben. Diese Auszüge sind wichtig bei den kommenden Besprechungen mit den verschiedenen Departments. Die Aufzeichnungen helfen auch, wenn von der Produktion der Drehplan erstellt wird. Hier sollte die Regieassistenz nach Möglichkeit dabei sein. Sie assistiert der Regie bei der Besetzung, kümmert sich eigenständig darum, die für die jeweiligen Szenen notwendigen Komparsen zu finden. Außerdem ist sie bei der Motivsuche dabei und bei den diversen Besprechungen und Abnahmen von Kostüm, Requisite und Ausstattung durch die Regie.

 

Die Dreharbeiten

Besprechung Midsommer 3000

 

Schließlich sollte sie auch bei den Besprechungen von Regie und Kamera über die Auflösung dabei sein, um sich die entsprechenden Festlegungen in ihr Drehbuch einzeichnen zu können. Wenn dann die Dreharbeiten beginnen, kümmert sich die Regieassistenz um den Drehablauf und erteilt dem Team Auskünfte über Pensum, Auflösung und sonstige Abläufe.Nach der Auffassung europäischer Filmteams organisiert die Regieassistenz das Set, kümmert sich also auch darum, dass die Abläufe sinnvoll und die Umbauten etc. effizient vonstatten gehen.

Es werden ohnehin unzählige Fragen an die Regie gerichtet, wenn die Regieassistenz einen Teil der Fragen abfangen und selbst beantworten kann, hilft das ungemein. Eine ganz wichtige Eigenschaft der Regieassistenz ist eine gewisse Transparenz dem Team gegenüber. Bei einem Film ändern sich ständig irgendwelche Details. Diese Informationen an alle relevanten Mitarbeiter weiterzugeben fällt in den Aufgabenbereich der Regieassistenz. Je nach Absprache mit der Regie inszeniert sie die Abläufe von Komparsen - keine leichte Aufgabe, wenn alles natürlich aussehen soll.

Je nach Fähigkeiten inszeniert sie auch eigenständig „Nur-Ton“ Aufnahmen mit Schauspielern oder Komparsen. Häufig werden einzelne Sätze, Ansagen, Rufe, Lachen, Atmen oder allgemeines Gemurmel benötigt, da muss nicht unbedingt die Regie dabei sein. Wenn ihr bei der Inszenierung der Schauspieler Fehler auffallen, macht sie die Regie darauf aufmerksam (nicht verantwortlich ist sie für Anschlüsse aller Art, dies macht Script/Continuity.) Auch bei den Mustervorführungen sollte sie unbedingt teilnehmen bzw. sich die gedrehten Daylies Online anschauen. Da kommen ganz leicht sehr lange Arbeitstage zusammen. Für die Produktion ist sie Ansprechpartner in Zusammenhang mit den Dispos für den nächsten Tag. Sie kann Schwierigkeitsgrad und Pensum der geplanten Szenen am Besten einschätzen.

Die Regieassistenz ist also ein sehr fordernder Job, nach einem abendfüllenden Spielfilm ist man erschöpft und braucht erst einmal Zeit zur Erholung. Man sollte sich also nicht sofort in das nächste Filmprojekt stürzen. Dass das durchaus trotzdem passieren kann, liegt daran, dass es eigentlich zu wenige RegieassistentInnen gibt. Die Meisten, die Film studieren, wollen Regisseure, Kameraleute, DrehbuchautorInnen oder ProduzentInnen werden.

Da bleiben zu wenige übrig, die gerne den Job der Regieassistenz übernehmen wollen, entsprechend gefragt sind gute Regieassis.

 

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