Dokfest Publikum 2000 

2020 kann das Münchner DOK.Fest auf Grund der Ausgangsbeschränkungen nicht wie gewohnt stattfinden. Viele Filmfestivals werden derzeit komplett abgesagt oder verschoben. Doch vom DOK.Fest gibt es zum Glück eine Online-Ausgabe...

Praktisch alles klassischen Filmfestivals wurden von den Ereignissen überrascht und praktisch keines hatte ausreichend Zeit, eine aufwändige, echte Online-Version als Webseite zu programmieren und die entsprechenden Inhalte vorzubereiten.

Man kann also davon ausgehen, dass die meisten Online stattfindenen Festivalsausgaben 2020 nur einen Vorgeschmack darauf geben werden, wie so etwas mit langem Vorbereitungs-Vorlauf aussehen könnte. Wie es dem DOK.Fest gelingt, was alles geboten wird und wie man all das am Besten findet, zeigen wir Euch an dieser Stelle.

 

Opening Montage 2000

 

Es lohnt sich auf jeden Fall! Über diese Buttons könnt Ihr die verschiedenen DOK-Themenbereiche öffnen und schließen:

Das Programm

Dokfest Preise 2000

 

Das Programm des Online DOK.Fests ist mit 121 Filmen freigeschaltet. Für das Anschauen der Filme werden ähnliche Preise aufgerufen, wie bei Amazon Prime und anderen Streaming-Portalen:

 

Ein einfaches Ticket für einen Film kostet 4,50 €

Wer die Münchner Partnerkinos des DOK.Fests unterstützen möchte, kann ein Ticket für 5,50 € erwerben.

Die Filme werden, so wie es aussieht, über die ganze Dauer des Festivals abrufbar sein. Mit dem Erwerb eines Tickets hat man einen Tag lang Zugriff auf den jeweiligen Film.

Man kann aber auch eine Flatrate für alle Filme erwerben, den Festival-Pass für 50,00 €. 3 Euro davon gehen an die Münchner Partnerkinos des DOK.Fests

 

Einen Überblick über die Filme desFestivals gibt es hier: https://www.dokfest-muenchen.de/Filmprogramm_2020

 

Wie aus dem Mai-Event ein Online Festival wurde

Das DOK.Fest war eines der ersten Festivals, welches auf Grund der Corona Pandemie die Reißleine zog und eine alternative Ausgabe des Festivals plante. Wir haben mit Festivalleiter Daniel Sponsel darüber gesprochen, wie es zu der frühen Entscheidung kam, das Festival online stattfinden zu lassen und was wir von der Online Ausgabe erwarten können.

 

Daniel Sponsel Copyright DOK 2000

 

Im Podcast erfahren wir, wie es zu der Entscheidung kam, das DOK.Fest online stattfinden zu lassen und welche Konsequenzen sich daraus ergaben. Dauer: 14:59

 

 

Interviews

Statt der Gespräche nach den Filmen im Kino wird es zu vielen Filmen Gespräche Online geben. Dabei sind teilweise auch mehrere der am jeweiligen Film beteiligten Filmschaffenden zugeschaltet.

Zoom Team 1 2000

 

Um auch das Gespräch rund um die Filme aufrecht zu erhalten, wird es zu fast allen Filmen aus dem Programm Gespräche mit den FilmemacherInnen aus dem Programm geben. Das Moderationsteam spricht im digitalen DOK.Fest-Studio mit internationalen Festivalgästen.

 

Preise

Dokfest Preise 2000

 

Die Organisatoren des DOK.Festes haben es geschafft, für die Online-Ausgabe die Vergabe aller 14 eigentlich für die Präsenz-Ausgabe des Festivals ausgelobten Preise aufrecht zu erhalten. Das ist angesichts dieser gänzlich anderen Festival-Präsentation nicht selbstverständlich und für die FilmemacherInnen, denen aktuell so viele Arbeitsmöglichkeiten versperrt sind, eine wertvolle Hilfe.

 

Die Preise und die GewinnerInnen

 

VIKTOR Main Competition DOK.international

ACASA, MY HOME

Regie: Radu Ciorniciuc

Gestiftet vom Bayerischen Rundfunk, dotiert mit 10.000 Euro. Nominiert waren Filme, die ein breites inhaltliches und formales Spektrum aufweisen und sich durch ihre hohe künstlerische Qualität auszeichnen.

 

VIKTOR DOK.deutsch

WEIYENA – EIN HEIMATFILM

Regie: Weina Zhao und Judith Benedikt

Dotiert mit 5.000 Euro. Nominiert waren Filme, die sich mit Menschen und Themen im deutschsprachigen Raum auseinandersetzen.

 

Kinokino Publikumspreis

THE EUPHORIA OF BEING

Ungarn 2019, Réka Szabó, 83 Min.

Der Publikumspreis ist dieses Jahr einmalig mit einem Preisgeld von 2.000 Euro dotiert.

 

VIKTOR DOK.horizonte

THEY CALL ME BABU

Regie: Sandra Beerends

Mit der erhöhten Summe von 5.000 Euro dotiert und gestiftet von der Petra-Kelly-Stiftung. Nominiert waren Filme, die ihr Augenmerk auf Länder mit instabilen Strukturen richten.

 

FFF-Förderpreis Dokumentarfilm

CHADDR – UNTER UNS DER FLUSS

Regie: Minsu Park

Gestiftet vom FilmFernsehFonds Bayern, dotiert mit 5.000 Euro, für bayerische Nachwuchsregisseur.innen (reihenübergreifend).

 

megaherz Student Award

REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT

Regie: Yulia Lokshina

Eine Jury aus Studierenden vergibt den Preis an einen Film der Reihe Student Award. Dotiert mit 3.000 Euro, gestiftet von der Filmproduktionsgesellschaft megaherz.

 

Der VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis 2020 geht an:

JENSEITS DES SICHTBAREN – HILMA AF KLINT

"Der Film porträtiert die schwedische Malerin und Pionierin der abstrakten Kunst Hilma af Klint, die von der Kunstwelt erst Jahrzehnte nach ihrem Tod entdeckt wurde. Er besticht mit den Worten der Jury nicht nur als „überzeugender Debütfilm, der die farbschwelgerischen abstrakten Phantasiewelten der schwedischen Malerin Hilma af Klint adäquat in Kinobilder umzusetzen weiß". Das Erstaunliche sei vielmehr, „dass man ihm die bescheidenen finanziellen Rahmenbedingungen seiner Entstehung in keiner Weise ansieht: Kinoqualität und ,Production Value’ sind offenbar doch nicht nur eine Frage des Geldes, sondern sie haben immer auch sehr viel mit dem Engagement, dem Gestaltungswillen und dem Improvisationstalent der Verantwortlichen hinter der Kamera zu tun.“

Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert und wird von der VFF Verwertungsgesellschaft der Film und Fernsehproduzenten mbH gestiftet.

 

Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis für DIE LETZTEN ÖSTERREICHER

Klemens Bittmann, Christian Bakanic und Christofer Frank erhalten für ihre Musik zu dem Film DIE LETZTEN ÖSTERREICHER den Deutschen Dokumentarfilm-Musikpreis 2020. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.

 

DOK.fest-Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit: COPPER NOTES OF A DREAM

Der DOK.fest-Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit zeichnet beim DOK.fest München Dokumentarfilme aus, die sich auf herausragende Weise der Perspektive von Kindern und Jugendlichen anvertrauen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an COPPER NOTES OF A DREAM von Reza Farahmand. Der DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit wird gestiftet von B.O.A. Videofilmkunst und ist mit 3.000 Euro dotiert. Er wird zum siebten Mal verliehen.

 

Dokumentarfilm Lernen

Dokfest Preise 2000

 

Auch in diesem Jahr wird es unter dem Label "DOK.education" ein pädagogisches Angebot geben, welches einerseits aus einer Auswahl von drei kurzen Dokumentarfilmen für unterschiedliche Altersklassen, als auch aus begleitenden Videos in denen die Filme diskutiert werden, besteht.

Das Angebot will helfen, Medienkompetenz im Dokumentarischen zu schulen, ein Verständnis für die Erzählsprache von Dokumentarfilmen zu entwickeln.
 
Angeboten sind drei Filme:
 

Der Film für die Grundschule

empfohlen für die 1.–4. Klassenstufe

UNSERE INSEL

Lennah Koster, Niederlande 2019, 16 Min.

 

Der Film für die Unter- und Mittelstufe

empfohlen für die 5.–10. Klassenstufe

CHAMP

Cassandra Offenberg, Niederlande 2019, 16 Min.

 

Der Film für die Mittel- und Oberstufe

empfohlen für die 10.–12. Klassenstufe

DAZWISCHEN ELSA

Katharina Pethke und Christoph Rohrscheidt, Deutschland 2019, 29 Min.

 

PädagogInnen können sich per email beim DOK.Fest melden und erhalten dann einen Zugang zu dem Angebot für ihre SchülerInnen. Die Filme und Begleitvideos sind vom 1. April bis zum 24. Mai 2020 abrufbar.

Alle Infos dazu: https://www.dokfest-muenchen.de/Dokumentarfilmschule_2020?ref=news

 

Filmkritik

Dokfest Preise 2000

 

Filmkritik Maiden

Maiden 2000

 

Girls-Power auf hoher See

Tracy Edwards war die Erste, die mit einer reinen Frauen-Crew an dem „Whitbread Round the World Race“ teilnahm, einem der schwersten Segelwettrennen einmal um die Welt. Die Dokumentation „Maiden“ von Alex Holmes erzählt die Geschichte dieser Reise – und zeigt faszinierende Persönlichkeiten.

Als Tracy Edwards in den 1980er Jahren den Entschluss fasst, mit einer reinen Frauenmannschaft die Welt zu umsegeln, ist die Männerwelt wenig beeindruckt. Die Presse wettet auf ihr Scheitern und Sponsoren lehnen jahrelang die Finanzierung ab. Doch die junge Britin gibt nicht auf und schafft es nach zäher Vorbereitung mit der Yacht „Maiden“ schließlich 1985 zur erstrebten Segelregatta. Das Team von Tracy Edwards weiß, dass sie ihr Können nun der ganzen Welt beweisen muss- nicht nur für sich selbst sondern auch als Meilenstein für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf starteten Frauen in das waghalsige Abenteuer und wollen das Rennen nicht nur durchstehen, sondern auch gewinnen. Schnell wird ihren Konkurrenten klar, dass sie ernstzunehmende Mitstreiterinnen sind. Alex Holmes zeigt einen spannenden Film, der zum Mitfiebern einlädt. Beeindruckende Aufnahmen von Bord zeigen meterhohe Wellen, eiskalte Temperaturen und ein zähes Frauenteam, das sich nicht unterkriegen lässt. Inspirierendes Kino mit Frauenpower!

 

Gesehen von: Daniela Magnani Hüller

 

Filmkritik „Songs of Repression“

Songs of Repression 2000

 

Grausames Paradies

„Wie soll man erinnern?“ Diese Frage stellt sich heute, 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und angesichts von immer weniger noch lebender Zeitzeugen, mehr denn je. Die Vergangenheit prägt eine Gesellschaft – sie bestimmt wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen. Wie man mit der eigenen Geschichte umgeht, welche Punkte man hervorhebt und welche man lieber vergessen möchte, wird deshalb oft kontrovers diskutiert.

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der Film „Songs of Repression“ von Estephan Wagner und Marianne Hougon-Moraga. In ihrer Dokumentation gehen sie den Spuren der „Colonia Dignidad“ nach, einer isolierten Siedlung, die 1961 von deutschen Sektenmitgliedern und ihrem Anführer Paul Schäfer in Chile gegründet wurde. Von dem Pinochet-Regime unterstützt, wurden dort Menschen jahrzehntelang misshandelt, gefoltert und getötet.

Die Filmemacher sprechen mit den Bewohnern dieser ehemaligen Gemeinde, die heute „Villa Baviera“ heißt. Wie diese sich an das Vergangene erinnern, ist höchst unterschiedlich. Da sind die einen, die als Kinder misshandelt wurden und heute noch unter Albträumen leiden, die wütend sind über diejenigen, die das Geschehene nicht aufarbeiten wollen. Letztere hatten vor einigen Jahren mit einem Akt des „Vergebens und Vergessen“ beschlossen, das Kapitel mit Paul Schäfer hinter sich zu lassen. Gerne singen sie noch die Lieder von damals, in ihren lächelnden Gesichtern sucht man vergeblich nach Einsicht.

Einer der Bewohner führt Reisegruppen durch die „Villa Baviera“, die inmitten von atemberaubenden Landschaften liegt. Die ehemaligen Gemeinschaftshäuser sind in Hotelzimmer, der Folterkeller in eine Sauna umgewandelt worden. Touristen vergnügen sich in der deutschen Wirtschaft und bei Showeinlagen im Dirndl – Szenen die abstrus wirken, nachdem die Bewohner von den furchtbaren Gewalttaten erzählt haben. Auf die Natur bezogen, sei es „wie im Paradies“, hört man mehrmals im Film. Aber kann dies wirklich über die grausame Vergangenheit des Ortes hinwegtäuschen? Den Filmemachern ist mit ihrer sensiblen Herangehensweise ein intensiver Film gelungen, der nicht verurteilt. Er gibt Einblick in eine undurchsichtige Vergangenheit, deren Aufarbeitung noch aussteht. Sinnbildlich dafür sind auch die Szenen, in denen die Bewohner im Gespräch immer wieder durch äußere Faktoren unterbrochen werden – durch laut surrende Bienen, ein vorbei fliegendes Flugzeug oder eine Klingel – und die Sprechenden damit zum Schweigen bringen. Die Geschichte der „Colonia Dignidad“ ist also noch lange nicht auserzählt.

 

Gesehen von: Daniela Magnani Hüller

 

Babenco: Tell me when I Die

DOKfest 01BABENCO 2000

 

„Zu filmen ist wie einen Tag länger zu leben“, sagt der erfolgreiche argentinische Regisseur Hector Babenco, der als letztes Projekt einen Film über seinen bevorstehenden Tod drehen will. Dies tut der Regisseur mit einen Spielfilm einerseits selbst, gleichzeitig ist er Protagonist der Dokumentation, die seine Frau Bárbara Paz über ihn dreht. In einer essayistisch angelegten Biografie geht es dabei nicht nur um Babencos letzte Jahre, sondern auch um die Untrennbarkeit von seiner Person und seiner Kunst.

Die Dokumentation verwebt verschiedenste Eindrücke miteinander: Da sind einerseits die dokumentarischen, intimen Aufnahmen, die Paz von ihrem vom Krebs gezeichneten Mann dreht. Andererseits sind Ausschnitte aus Babencos Filmen zu sehen, die ohne konkreten Kontext immer wieder eingeschnitten werden. Archivmaterial zeigt Babenco in jüngeren Jahren in seiner Wahlheimat Brasilien und an wichtigen Punkten seiner Karriere. Gedanken, Aussagen und Gefühle sind wiederum in traumartigen Sequenzen inszeniert. Babenco ist mal der Großmeister am Set, mal der nachdenkliche Immigrant, manchmal ist er zerbrechlich und resigniert, dann wieder optimistisch und fantasievoll. Der Film zeichnet so ein facettenreiches Porträt über einen Menschen und sein künstlerisches Wesen. Ein zärtlicher, poetischer Film mit eindrucksvollen Bildern.

 

Gesehen von: Daniela Magnani Hüller

 

Sunless Shadows

DOKfest 01SUNLESS SHADOWS 2000

 

Es ist nicht der erste Dokumentarfilm, den der iranische Filmregisseur Mehrdad Oskouei straffällig gewordenen Jugendlichen widmet. Als eine Art Fortsetzung von Starless Dreams (2016), porträtiert er in seinem neuen Film Sunless Shadows junge Frauen, die in einem Mädchengefängnis in Teheran leben.

Die jungen Frauen sind wegen Mord oder Beihilfe zum Mord an ihren gewalttätigen Vätern oder Ehemännern in der Besserungsanstalt. Für sie war es der einzigen Ausweg aus einem Haushalt voller Leid und Erniedrigung, denn Frauenrechte sind im Iran stark eingeschränkt. Innerfamiliäre Gewalt wird kaum geahndet, eine Scheidung ist nur möglich, wenn der Mann dieser zustimmt.

Das Leben der Mädchen in der Einrichtung ist unbeschwert, sie kochen und spielen zusammen, kümmern sich um einander und nehmen an Kursen teil. Es scheint als wäre das Gefängnis für viele die bessere Alternative zu ihrem vorherigen Leben. In den persönlichen Gesprächen merkt man ihnen jedoch noch den tief sitzenden Schmerz ihrer traumatischen Erfahrungen an.

In sehr persönlichen Videobotschaften wenden sich die Mädchen an ihre Mütter und Schwestern, aber auch an ihre Opfer. Der Blick direkt in die Kamera ist dabei auch der Versuch einer Erklärung an das Publikum und zeigt ihre Zerrissenheit. Viele Mädchen sind vor allem wegen ihrer Mütter besorgt, die als Mittäterinnen im Frauengefängnis sitzen und auf ihre Hinrichtung warten. Kommen die jungen Frauen nach Jahren aus der Besserungsanstalt, haben sie oft niemanden mehr – ein Zustand der sie manchmal sogar in den Selbstmord treibt.

Durch die empathische Gesprächsführung und vorurteilsfreie Art schafft Oskouei eine große Nähe zu den Protagonistinnen. Der Film ist dabei vor allem eine Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen im Iran und ein Plädoyer gegen die Todesstrafe. Ein berührender Einblick in eine ungerechte Welt.

 

Gesehen von: Daniela Magnani Hüller

 

HONG KONG MOMENTS (Zhou Bing)

HONG KONG MOMENTS zeigt die Proteste in Hongkong und folgt dabei sieben Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft: Einem konservativen und einer pro-demokratischen Politikerin; Einem Polizisten und einem Protestler aus der ersten Reihe. Zhou Bing und sein Team beleuchten die verschiedenen Seiten der Unruhen und zeigen auf, wie die Gesellschaft damit umgeht. Die Ladenbesitzerin, der Taxifahrer oder der Ersthelfer mitten im Gedränge, zwischen Polizei und Demonstranten.

Die Kamera fängt das ganze Visuell insgesamt sehr ansprechend ein, geht dabei mitten ins Geschehen und zeigt aus nächster Nähe, wie die Auseinandersetzungen immer wieder weiter eskalieren. In den ruhigen Momenten kommen die sieben Hongkonger zu Wort und berichten von ihrem Alltag, ihren Ansichten, Hoffnungen und Befürchtungen. Die Dokumentation gibt eine gute Übersicht über die Situation vor Ort, geht für mich aber zu wenig auf konkrete Problematiken und Streitpunkte ein.

 

Gesehen von: Thomas Matula

 

THE EARTH IS BLUE AS AN ORANGE (Iryna Tsilyk)

Eine Mutter dreht mit ihren vier Kindern einen Film über den Krieg in der Ukraine. Eine Tochter ist dabei Kamerafrau und versucht gleichzeitig in eine Filmhochschule zu kommen. Die Doku ist sehr langsam und ruhig erzählt und zeigt vor allem das Leben derer, die in den wüsten und vom Krieg geplagten Städten der Ukraine geblieben sind und für die das verstecken im Keller bei fernen Kanonenschlägen zum Leben dazugehört.

Insgesamt sind die Bilder extrem schön gemacht und erzeugen dabei eine melancholische Stimmung, die zur Situation der Protagonisten passt.

 

Gesehen von: Thomas Matula

 

THE DISRUPTED (Sarah Colt, Josh Gleason)

Ein Film über die verschwindende und um ihre Existenzen ringende Mittelschicht der vereinigten Staaten, der drei Menschen Folgt und uns ihre Ängste verstehen lässt. Leider zeigt THE DISPRUTED nichts wirklich Neues. Es ist eher bekanntes in bekanntem Stil und führ auch nirgends hin. Die drei Protagonisten enden ziemlich genau dort, wo sie begonnen haben. Dem eine geht es ein Stück besser, dem andere etwas schlechter.

In dem Sinne ein akkurates, aber wenig überraschendes Bild der amerikanischen Mittelschicht.

 

Gesehen von: Thomas Matula

 

SOMMERKRIEG (Moritz Schulz)

Die zwölfjährige Jasmin lebt in der Ukraine und geht in den Ferien in ein Sommercamp. Was sich zunächst relativ unspektakulär anhört, ist aber das Sommerlager des rechtsnationalistischen Azov-Regiments in dem die Kinder auf Gehorsam, Disziplin und körperliche Fitness gedrillt werden.

Es ist erschreckend zu sehen, mit welcher Freude und Selbstverständlichkeit die Teilnehmer nationalistische Parolen rufen und Krieg spielen. Sommerkrieg ist sehr schön gefilmt und geht nah ans Geschehen. Zeigt die Freude, aber auch die Angst der Kinder, die zum Teil mit dem rauen Ton und den harten Bestrafungen nicht umgehen können. Die Realität des Krieges wird von den Camp-Leitern zu einem Spiel verzerrt und unterfüttert mit rechtsnationalistischem Gedankengut.

 

Gesehen von: Thomas Matula

 

Fotos: DOK.Fest München

 

Alle Infos dazu: https://www.dokfest-muenchen.de/Dokumentarfilmschule_2020?ref=news

 

Dokumentarfilm-Themen

Dokfest Preise 2000

 

Der Dokumentarfilm hat sich trotz einer übermächtigen Spielfilm-Industrie in den letzen Jahren mehr denn je behaupten können. Die Sehnsucht der Menschen nach Wahrhaftigkeit, nach Authentizität ist ungestillt.

 

Hier die verschiedenen Kapitel zum Dokumentarischen innerhalb des Movie-College:

 

Artikel zu Dokumentarfilm

       
 
 
               
             
             
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 

 

 

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