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Homogenes farbiges Licht lässt das Bild oft flächig, unartikuliert aussehen...

 

Bestimmte Farbstellungen sehen einfach cool aus. Magenta, Blau, Rot oder Cyan, Orange, man kann eine Szene mit farbiger Ausleuchtung durchaus farbsymbolisch aufladen oder auch einfach nur eine bestimmte Situation realistischer abbilden.

Farbiges Licht erzeugt erst die richtige Stimmung auf Partys und Konzerten. Szenen, die im "Rotlichtviertel" spielen, oder ein analoges Fotolabor zeigen sollen, brauchen nahezu zwingend auch rotes Licht. Der zerstörte Kontrollraum im havarierten Atomreaktor wirkt erst mit grünem Licht so richtig bedrohlich und die futuristische Raumstation schreit geradezu nach kühlen Blautönen. Natürlich eignen sich nicht alle Farben optimal. Grünes und Gelbes Licht ist für die Peronen eher unvorteilhaft, sie einen „kränklichen“ Eindruck erzeugen. Blau wirkt eher kühl und lässt Haut eher leicht blass aussehen. Rotes Licht wirkt dynamisch, kämpferisch bis aggressiv.

Ganz gleich ob für aufgepimpte Wissenschaftsdokus, Scifi, Partyszenen, Szenelokale und mehr, Szenen die farbig ausgeleuchtet werden, bedeuten einige Herausforderungen. Auch wenn man das im ersten Moment gar nicht so kritisch sieht, so stellen farbig ausgeleuchtete Szenen die Kameraleute und Beleuchter vor einige Probleme. Worum geht es?

 

Nur ein Ausschnitt

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Mischt sich zu dem farbigen Licht auch weißes Licht, wirkt das Bild plastischer und gestalteter

 

Farbiges Licht gibt nur einen kleinen Ausschnitt des gesamten sichtbaren Farbspektrums wieder. Nur im weißen Licht sind alle Farben enthalten. Lichtteilchen, also die Photonen haben je nach Farbe eine bestimmte Frequenz und eine bestimmte Energie. So hat Rotes Licht eine Wellenlänge rund um 600 nm, Blau eine Wellenlänge rund um 450 nm und Grün rund um 550 nm.Lichtmessgeräte orientieren sich an dem vom menschlichen Auge erkennbaren Licht. Kamerasensoren und auch der analoge Film sind dem angeglichen, Ausnahmen sind lediglich Röntgenkameras oder auch Infrarotkameras.

Treffen die Photonen auf Objekte oder Partikel in der Luft oder im Wasser, werden sie sichtbar. Kamerasensoren sind im Prinzip Systeme mit einer großen Anzahl von Messpunkten, die darauf optimiert sind, alle Lichtanteile des weißen Lichts möglichst genau zu erfassen. Und sie sind so in der Color-Science abgestimmt, das Hauttöne möglichst neutral bis schmeichelnd wiedergegeben werden.

 

Die Farbauflösung

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Aufnahmen mit farbigem Licht sind auch für die Kameras anders. Während wir bei normal geleuchteten Szenen, also mit HMI Daylight, Fluoreszenz oder Tungsten (Kunstlicht) stets alle relevanten lichtempfindlichen Dioden auf dem Kamerasensor ansprechen, wird die Farbauflösung der Aufnahme drastisch reduziert, wenn man mit farbigem Licht arbeitet. Wenn man im Bild beispielsweise Blau und Rot in verschiedenen Bereichen leuchtet, so wird dort nicht mehr die volle Pixelauflösung des Sensors angesprochen, sondern nur noch die des jeweiligen Farbkanals (Rot oder Blau zum Beispiel). Durch das De-Bayering bedeutet das zwar nicht, dass man präzise nur ein Drittel der RGB Farbkanäle als Auflösung zur Verfügung hat, aber mit einer Halbierung muss man schon rechnen.

Das wird im Bild durchaus sichtbar, wenn man lediglich mit der späteren Zielauflösung dreht (Wenn man als Ergebnis 2K benötigt und die Kamera auch maximal 2K liefert). Das Bild wirkt unschärfer, softer. Deshalb sollte man für derartige Aufnahmen mit einer höheren Auflösung drehen, als die spätere Zielauflösung des fertigen Films.

 

Die Lichtmessung

Ganz gleich, ob man digital oder noch analog auf Film dreht, Belichtungsmesser sind wenig geeignet, um die Arbeitsblende eines Objektivs bei farbiger Ausleuchtung zu bestimmen. Sie sind darauf justiert, weißes Licht auszumessen, bzw. dessen Reflexionen von einer Graukarte. Fehlen mehrere Farbanteile, so wird auch die Messung verfälscht. Hier kann man mit einer RGB Parade im Kontrollmonitor zuverlässige Informationen über die Farbsättigung im entsprechenden Farbkanal erhalten.

 

Blauer Farbkanal & Bildrauschen

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Dieses Phänomen mit den separaten Farbsensoren auf einem Sensorchip führt übrigens auch zu der seltsamen Situation, dass trotz digitalem Weißabgleich, die Korrektur über Glasfilter Qualitätsvorteile haben kann. Das hängt damit zusammen, dass die blau sensibilisierten Fotodioden meistens unempfindlicher sind, als die für Rot und Grün. Das kann unter bestimmten Lichtsituationen zu einem erhöhten Grundrauschen im Blau führen. Mehr Informationen zu diesem Phänomen findet Ihr in unserem Artikel über CMOS Sensoren.

 

Lösungsansatz Farbiges & Weisses Licht

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Homogenes farbiges Licht lässt alles flächig, konturlos erscheinen. Will man die symbolische, die emotionale Aussage und psychische Wirkung vom farbigen Licht nutzen ohne zugleich unmodellierte Personen oder Räume zu erhalten, so sollte man mit neutralem weissen Licht Streifen, Flecken, Lichtinseln etc. schaffen. Die besten Ergebnisse erzielt man in der Regel, wenn die Situation nicht ausschließlich farbig geleuchtet ist. Wenn farbiges Licht vorherrscht, ja vielleicht sogar überwiegt, aber dennoch auch neutral geleuchtete Bereiche vorhanden sind, kann man zuverlässiger Personen bzw. Gesichter leuchten.

 

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