Palmen 4000

 

Wenn es einen Olymp der großen Filmfestivals gäbe, stünde Cannes mit Sicherheit ganz oben. Das Filmfestival an der Cote d`Azur feiert das Kino wie kein anderes. Zugegeben, es ist auch ein sehr eitles Festival, aber das wird es durch die Menschen, die es besuchen oder soll man lieber sagen, die es zelebrieren?

Dass es ausgerechnet in jenem Land stattfindet, in welchem das Kino am höchsten angesehen ist, gar als eigene Kunstform definiert ist,- hat sicherlich einen großen Einfluss darauf, wie Cannes sich präsentiert. Die perfekte Jahreszeit, Mai und die direkte Lage am Meeresstrand sind weitere Argumente, die das Festival für sich verbuchen kann. Übrigens kann es auch im Mai an der Cote d`Azur mal regnen, ein Schirm oder eine dünne Regenjacke können als Sicherheits-Backup nicht schaden.

Das Filmfestival ist das französische A-Festival, das heißt, hier werden im Wettbewerb ausschließlich Weltpremieren gezeigt. Gegründet wurde das Festival bereits 1946, eigentlich hätte es sogar bereits 1939 starten sollen, doch der zweite Weltkrieg verhinderte die Umsetzung. Die legendären Palmen als Preistrophäen, die vom Schweizer Juwelier Chopard in Genf hergestellt werden, wurden übrigens erst ab 1955 verliehen.

Neben dem Wettbewerb gibt es mehrere Nebenreihen, so etwa die Reihen "Un Certain Regard", "La Quinzaine des Réalisateurs" "La Semaine de la Critique", sowie die "Cinéfondation", in der Filme von Filmstudenten laufen. Außerdem gibt es auch Sondervorführungen aller Art, so etwa die "Deutsche Reihe", die aber kein Bestandteil des Festivals ist, sondern ein von German Films angemietetes Kino in dem ausgewählte Deutsche Produktionen gezeigt werden.

 

Medienrummel

Während des Festivals ist so ziemlich jede freie Gebäudefläche genutzt für Werbebanner, vor allem natürlich von den Majors, den Großproduzenten, die kurz vor ihrem Kinostart ihre Filme versuchen, durch eine Palme im Wettbewerb noch zu veredeln. Der Eingang zum Hauptkino im Palais de Festival ist weiträumig durch Absperrungen gesichert hinter denen sich vor allem Fotograf*Innen eingerichtet haben. Zahllose Trittleitern sind hier angekettet, von welchen man dann vor den jeweiligen Filmstarts versucht, Stars auf dem roten Teppich zu fotografieren. Die Glücklichen, die da über den Teppich schreiten, müssen übrigens einen ziemlich überholten Dresscode einhalten, Smoking und Abendkleid, und angeblich sogar hohe Absätze für die Damen sind Pflicht. Willkommen im letzten Jahrhundert...

 

Teilnahme am Festival

Croisette Fotoline 2000

 

Die Akkreditierungen beim Festival sind nicht nur teuer, sondern auch dem Fachpublikum vorbehalten. Es gibt Akkreditierungen für das Festival selber und auch für den Marché, den Filmmarkt, der unten im Palais de Festival und dahinter in einer Zeltstadt direkt am Meer stattfindet. Die verschiedenen Vertriebsorganisationen wie etwa German Films, aber auch die europäische Medienförderung "Creative Europe", ehemals "Media" bieten gerade für Produzent*Innen sehr attraktive Angebote, sich bei ihnen auf den Marktständen einzumieten. Diese Angebote sind subventioniert, das heißt man zahlt deutlich weniger, als wenn man selbstständig als Teil der Filmbranche eine Akkreditierung kauft oder gar einen Stand auf dem Filmmarkt mietet. Bei Creative Europe oder German Films ist in einer verbilligten Standmiete meiste gleich noch die Akkreditierung enthalten. Das muss man natürlich mit ausreichendem Vorlauf anmelden, bzw. sich dafür bewerben.

Mit den meisten Akkreditierungen kann man sich auch kostenlos Kinotickets,- soweit noch vorhanden an den Ticketcountern beim Palais de Festival abholen. Ansonsten ist es mit Kinokarten wirklich schwer in Cannes. Anders als bei Filmfestivals wie Locarno oder der Berlinale, kommt man als Nicht-Akkredierte Person so gut wie gar nicht an Karten. Junge Kinofans aus aller Welt können versuchen einen Drei Tages Festivalpass zu bekommen, dafür muss man sich allerdings bewerben. So seltsam es klingt, aber es kommt auch häufig vor, dass Branchenprofis sich Karten besorgt haben und wegen Terminüberschneidungen doch nicht ins Kino kommen. Häufig verschenken sie dann ihre Karten an Fremde, die rund um den Festivalpalast warten.

 

Empfänge

So gut wie alle großen Firmen und Einrichtungen organisieren während des Filmfestivals irgendwelche Empfänge bzw. "Receptions" wie man auf Neufranzösisch sagt. So gibt es beispielsweise auch einen Deutschen Empfang, aber auch einen der Kanadier, der Italiener, der Spanier, von arte usw. Oft bekommt man diese Einladungen bereits vorab zugeschickt. Wenn man noch nicht auf den einschlägigen Listen steht, sollte man Monate vor dem Festival die verschiedenen Einrichtungen anschreiben und um eine Einladung zum Empfang bitten.

Unmittelbar neben dem Festivalzentrum, beim alten Hafen, dem Vieux Port gibt es auch zahlreiche Jachten, die für die Dauer des Festivals von Filmfirmen angemietet wurden und die dort Empfänge geben oder Happy Hours veranstalten.Auch wenn das seltsam klingt, das Filmfestival ist nicht nur ein Abspielort für Filme, sondern auch eine ziemlich große Partymeile rund um den Film.

 

Verpflegung

Alles, auch das Essen in Cannes, ist sehr teuer, insbesondere an der Croisette. Hier sind mehr die Luxusrestaurants anzutreffen. Wer es etwas authentischer wünscht, sollte in der Altstadt, Le Suquet – nach Restaurants Ausschau halten. Auch die haben touristische Preise, bleiben aber deutlich günstiger als an der Croisette.

Bereits in den Prallelstraßen zur Croisette, wie etwa in der Rue d'Antibes sind die Restaurants nicht mehr ganz so teuer. Hier gibt es auch zahlreiche Läden und Boutiquen, falls noch etwas für den Walk über den roten Teppich fehlt. Doch den können normal Sterbliche ohnehin nicht betreten, jedenfalls nicht vor, während und nach den Wettbewerbsfilmen.

Wer sich aber von der Croisette ein wenig vom Meer entfernt und eher Richtung Bahnhof geht, wird auch auf günstigere Restaurants stoßen. Außerdem kann man sich sehr gut über die Supermärkte verpflegen. Gerade in Frankreich gibt es geniale Convenience-Angebote, also Bowls, Salate, Sushi, Wraps etc. die man dann in einem Park oder am Strand verspeisen kann.

Und auch die Bäckereien, die Pâtisserien bieten meist eine breite Palette an, mit der man sich ganz gut über den Tag retten kann.

 

Unterkünfte

Während Cannes normalerweise ein beschauliches Städtchen imit etwa 74.000 Einwohner*Innen ist, explodiert es regelmäßig während des Filmfestivals. Die Hotelpreise sind schlicht unverschämt und die französischen Zimmer haben Miniaturformat. Wer frühzeitig weiß, dass das Festival besucht wird, kann über klassische Urlaubs-Apartmentanbieter, Katalogangebote für Apartments, oftmals deutlich günstigere Angebote finden. Dabei muss man auch nicht zwingend direkt an der Croisette wohnen, Vororte wie Cannes Verrerie sind auch fein und man ist per Bus schnell beim Festivalzentrum.

 

Sicherheit

Leider ein schwieriges Thema. Der Süden Frankreichs, die Nähe zu Italien und die Anwesendheit vieler, eher wohlhabender Festivalbesucher*Innen locken zahlreiche Kriminelle wie Räuber und Diebe in die Stadt. Von den über viele Jahre regelmäßig zum Festival reisenden Fachbesucher*Innen sind gefühlte 20-30 Prozent schon einmal Opfer von Überfällen, Taschendiebstahl, Autodiebstahl etc. geworden. Ich kenne selbst mindestens 5 verschiedene Personen, die sogar mit einer Pistole bedroht wurden. Man sollte also die Safes in den Hotels nutzen und möglichst nur kleinere Geldbeträge mit sich führen. Die auch in anderen Städten üblichen Hilfmittel wie Brustbeutel, Gürteltaschen etc. sind durchaus zu empfehlen.

 

Auf den Unterseiten findet Ihr Berichte über die verschiedenen Festival-Ausgaben von Cannes, die Filme und die Gewinner*Innen.