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NY 5th 12 2000 

Viele träumen von amerikanischen Dreharbeiten, großen internationalen Kino,- und TV Produktionen,- doch sind diese wirklich so genial? Wie sind die Arbeitsbedingungen und wie geht man mit den Mitarbeiter-inne-n an den Filmsets um? Vielleicht sollte man ein wenig differenzierter hinschauen was es bedeutet, in den USA Teil eines Filmteams zu sein. 

 

Die amerikanische Film,- und Medienindustrie steht in einer anderen Tradition, als es die Europäische tut. In den USA wurde sehr früh, eigentlich schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts damit begonnen, Filme industriell, ja nahezu am Fließband zu produzieren. Während in Europa häufig der Gedanke der kreativen Urheber von Filmwerken dominierte, wurden die gleichen Positionen in den USA eher als mehr oder weniger austauschbare Filmhandwerker betrachtet. Das Prinzip Hire & Fire gilt auch in der Filmindustrie. Das spürt man auch heute noch an den vielen Filmsets in den USA.

 

Zunächst mal muss einem klar sein, dass amerikanische Sets im Normalfall, also nicht bei den High Budget Produktionen, von deutlich weniger Respekt vor dem künstlerisch gestalterischen Individuum geprägt sind. Da geht es viel mehr um Budgets und Effizienz. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass amerikanische Produktionen viel seltener einen Kunst-Anspruch bedienen, sie entstehen zu 98% zur Unterhaltung und natürlich um Geld damit zu verdienen. In den USA gibt es eben keine Filmförderung, da finanzieren Firmen oder Investoren die Filme und erwarten entsprechende Gewinne. Das erzeugt Druck.

 

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So ist es bei vielen Sets der Normalfall, dass mehrere Kameraleute gleichzeitig am Set drehen, nicht zuletzt um schneller produzieren zu können und um mehr Material für den Schnitt zu erzeugen. Amerikanische Filme werden viel industrieller produziert und der Umgang mit den Teams ist nicht zimperlich. Manchmal wird 16 bis 18 Stunden pro Tag gearbeitet und die nächtlichen Pausen für Schlaf und Erholung dauern gerade mal 5, 6 Stunden. Die Überstunden werden zwar bezahlt, doch was das mit den Teams macht, so wenig zu Schlafen, steht auf einem anderen Blatt. Die Teams sind ausgelaugt, das Risiko, dass Fehler passieren oder gar Unfälle, ist erhöht.

 

Jobbezeichnungen

Die amerikanischen Filmteams sind größer, dafür sorgen alleine schon die Gewerkschaften, die viele Vorschriften durchgesetzt haben, durch die Filmcrews selbst bei kleinen Projekten ziemlich aufgebläht werden. Natürlich sind die Teambezeichnungen in den USA anders als bei uns. Hier ein paar Beispiele:

 

Assistant Director (Regieassistent)

Best Boy (Beleuchter, zugleich erster Assistent des Oberbeleuchters)

Boom Operator (Tonassistent)

Camera Operator (Kameraassistent)

Construction Coordinator (Baubühne, Kulissenbau)

Costume Designer (Kostümbildner)

Director (Regisseur)

D.O.P. - Director of Photography (Lichtsetzender Kameramann)

Dolly Grip (Kamerabühne- Dolly)

Editor (Filmeditor/Cutter)

Executive Producer (Herstellungsleiter)

Focus Puller (Kameraassi- Schärfeassistent)

Gaffer (Oberbeleuchter)

Grip (Baubühne, Helfer)

Location Manager (2. Aufnahmeleiter)

Make-Up Artist (Maskenbildner)

Production Manager (Produktionsleiter)

Property Master (Außenrequisite)

Script Supervisor (Skript/Continuity)

Set Decorator, Set Dresser (Innenrequisite)

Sound Engineer (Tonmeister)

Unit Manager (Aufnahmeleiter)

 

NY 5th 5 2000

 

Teams müssen in den USA funktionieren, Programmminuten müssen einfach abgeliefert werden, die Kollegialität oder auch Freundschaften, die hinter europäischen Teams stecken, sind bei amerikanischen Drehs eher untergeordnet. In den USA wird schnell gearbeitet, man vermeidet komplexe Setups, ist dennoch bemüht, Geschichten hochwertig zu erzählen. Low Budget Filme haben oft nur zwei Wochen Drehzeit und man muss pro Drehtag entsprechend 6 bis 8 Minuten (des späteren Films) in den Kasten kriegen.

 

Selbst wenn einen diese Arbeitsbedingungen nicht schrecken,- Nicht US Bürger benötigen natürlich eine Green-Card und müssen Mitglied in der Gewerkschaft werden, um in den USA in Filmteams mitarbeiten zu dürfen. Für Regisseure / innen ist das die "Directors Guild of America", für Kameraleute die "American Society of Cinematographers" usw. Und natürlich spielen Agenten ein viel größere Rolle als in Europa.

 

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