Fernsehen

  • Straßenkreuzung NYEin weiterer Fall von Machtmissbrauch, diesmal bei CBS, zeigt den unfassbaren Umgang mit Tätern in Führungspositionen

  • Bildschirm New York 500AM 1. Dezember fiel der Startschuss für 8 K Fernsehen in Japan, damit startet das Format früher als gedacht. Aber ist das auch Cool?

  • Während sich deutscher Fernsehpreis, Bambi und goldene Kamera eher den Stars und Sternchen widmen, geht es beim Grimme Preis ums Qualitätsfernsehen.

  • Zur Konferenz der Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF Pläne vorlegen müssen, wie man zukünftig Geld einsparen möchte

  • Die KEF, jene Kommission, welche den Finanzbedarf der öffentlich rechtlichen Sender überprüfen soll, kritisiert die immer weiter steigenden Kostenpläne

  • Der Bundesverband der Drehbuchautoren ist sauer auf die Organisatoren des Deutschen Fernsehpreises

  • Während die Filmhochschulen stärker auch das Kino und die kreativen Arthousefilme im Visier haben, bildet die BAF mit stärkerem Fokus auf das Fernsehen aus

  • BR Logo 500Im März 2016 nannte der BR Meldungen der Süddeutschen Zeitung über Defizite "übertrieben". Nun wurde die Finanzplanung für 2019 mit einem dicken Minus verabschiedet...

  • Auf der größten Consumer-Technikmesse der Welt präsentiert Samsung sein gigantisches aktives Display, kurz "The Wall" genannt

  • Kaum denkt man darüber nach, sind die Gedanken schon veraltet,- am Fernsehen der Zukunft wird ständig weitergearbeitet...

  • Zweifelhafter Fortschritt

    Fernsehantennen

    Sie waren auf breiter Flur im Rückzug, durch DVBT erlebten sie einen zweiten Frühling,- die Fernsehantennen

    Totgesagte leben länger- Das vor allem durch die Kabelnetzbetreiber ins Abseits beförderte Antennenfernsehen machte eine Metamorphose durch in Form einer Umstellung auf digitale Signale. Dabei wurden die Zuschauer natürlich nicht gefragt, sondern mit sanfter Gewalt in die neuen Empfangsangebote hineinbewegt.

     

    DVB-T lautete das Zauberwort, die Abkürzung für "Digital Video Broadcasting Terrestrial". Neue Sendefrequenzen waren allerdings nicht hinzugekommen, vielmehr musste man die alten abschalten um die Frequenzen digital nutzen zu können.

     

    Zwangsabschaltung

    Hätte man den Menschen vor 20 Jahren mitgeteilt, dass ihr gewohntes Antennenfernsehen von einem auf den anderen Tag abgeschaltet würde und sie nur durch den Kauf von Zusatzgeräten in der Lage wären, weiterhin Fernsehen anschauen zu können, wäre vermutlich großer Unmut entstanden.

    Heute, wo Antennenempfang nicht mehr die wichtigste Empfangsart für TV ist (nur noch etwa 8%) und Kabel sowie Satelit entsprechende Verbreitung haben, berührte eine solche Umschaltung nicht mehr so viele Menschen gleichzeitig. Die Strategie, diese Umstellung nur punktuell und in Ballungsräumen vorzunehmen, trug ein Übriges dazu bei, die Stimmung beim Fernsehvolk nicht unnötig zum Schäumen zu bringen.

    In den USA, wo ähnliche Umstellungen nötig waren, wagte man so radikale Schritte nicht, hier war der Zeitraum gleichzeitiger analoger und digitaler Übertragung (Simulcast) deutlich länger.

     

    Neue Geräte

    Neue Empfänger

    Ganz gleich ob Set-Top Box oder Zusatzkarte für das Notebook, für digitales Antennenfernsehen waren neue Empfänger notwendig

    Die Investition von mindestens 50-60 Euro für eine Set-Top Box wurde den Zwangskunden dieser Geräte versüßt durch eine Vermehrung des Programmangebots (ca. 20). Dass sämtliche angeschlossenen Geräte, wie etwa der Videorekorder eine eigene Set-Top Box benötigen und dass die timergesteuerte Rekorderaufnahme deutlich umständlicher wird, merkten sie erst beim praktischen Einsatz. Und was ist schon eine Fernbedienung mehr,- man legt sie einfach zu den anderen.

     

    Der Fernseher empfängt das Programm nicht mehr über den eingebauten Empfänger, sondern über den AV-Eingang und ein Scart Kabel aus der Set-Top Box. Vorsicht, es muss schon eine DVB-T- Set-Top Box sein, die anderen für digitales Kabel- oder Satellitenfernsehen (DVB-C, DVB-S), darunter auch die dBox (Premiere) tun es nicht. Einige neue Fernsehgeräte haben DVB-T Empfänger auch bereits eingebaut. Alternativ gibt es für 100 bis 140 Euro auch PCMCIA Empfängerkarten, die Laptops für den Unterwegs-Empfang tauglich machen.

     

    Einige Bundesländer hatten finanziell schwach gestellten Familien Zuschüsse für den Erwerb von Set-Top Boxen gewährt. Zudem gab es Übergangszeiten, in denen zumindest noch die öffentlich-rechtlichen Sender (Grundversorgung) noch analog gesendet wurden, bevor auch diese abgeschaltet wurden. In München etwa wurde diese Übergangsfrist auf drei Monate begrenzt, in anderen Regionen waren es immerhin 10 Monate.

     

    Die gute alte Dachantenne ist auch nicht mehr zwingend notwendig, Zimmerantennen sind durchaus in der Lage, das digitale Fernsehen zu empfangen.

     

    Umstellung

    Begonnen hatte diese Empfangsänderung 2002/3 in Berlin, gefolgt von Köln/ Bonn, Hannover/ Braunschweig und Bremen / Unterweser Mitte 2004 und dann Hamburg/Lübeck, Kiel und Düsseldorf/Ruhrgebiet, Frankfurt/Mainz/Wiesbaden gegen Ende 2004. Am 30. Mai 2005 stellten der Großraum München, Nürnberg und Südbayern um, im November 2005 folgten dann Halle/Leipzig sowie Erfurt/Weimar auf.

     

    In Österreich hatte es bereits einen eng begrenzten Testbetrieb gegeben. Die großräumige Umstellung war 2007/2008 vollzogen. In der Schweiz wurde die Umstellung ebenfalls schrittweise vollzogen, erste Kantone waren Engadin und Tessin.

     

    Bessere Bilder?

    Bildstörungen bei DVBT

    Der digitalisierte Betrachter wird bei DVB-T mit einer ganz eigenen Variante an Bildstörungen konfrontiert

    Grundsätzlich bedeutet das digitale Antennenfernsehen, dass man auf der Bandbreite eines einzigen analogen Fernsehkanals (5 MHz) gleich vier digitale Fernsehsender unterbringen kann. Nein, nicht dass wir uns nicht missverstehen, Digitalisierung von analogem Fernsehen verringert nicht die Datenmenge, sondern, sie vergrößert sie. Würde man alle Informationen eines analogen Fernsehbildes in digitale Informationen umsetzen, bräuchte man sogar etwa 8 Mal soviel Bandbreite.

     

    Es ist also einmal mehr die Komprimierung von Daten, die dazu führt, dass man die notwendigen Bandbreiten reduzieren kann. Die üblichen Verdächtigen wie MPEG und Co arbeiten auch beim digitalen Antennenfernsehen eifrig mit. Übertragen wird nur das Nötigste. Wenn etwa eine Moderatorin vor einem Standbild oder der Wetterkarte ihre Informationen verliest, so überträgt der Sender nur das, was sich im Bild verändert, also die Sprecherin, während der Bildhintergrund bis zur Änderung des Hintergrundes weitgehend als Standbild übertragen wird. Bei MPEG-2 wird die Datenrate für ein einzelnes Programm zwischen 2 MBit/s und 15 MBit/s variiert, je nachdem, welche Qualität benötigt wird.

     

    Natürlich gibt es nicht auf jedem Sender so praktische, platzsparende Inhalte, bewegte Bilder, Sport etc. benötigen schon mal etwas mehr Bandbreite. Deshalb sind die Datenraten variabel, braucht der eine Sender weniger Bandbreite, kann ein anderer dafür mehr verbrauchen. Grundsätzlich sollte man die Qualität des neuen digitalen Antennenfernsehens besser nicht direkt mit dem alten analogen Antennenfernsehen vergleichen. Sonst würde man die reduzierte Bildinformation nämlich tatsächlich bemerken.

     

    Auch wenn die Industrie das nicht gerne hört und erst recht nicht zugibt: Vom Qualitätsstandpunkt betrachtet ist das volle analoge Antennensignal besser, als das komprimierte, um viele Bildinformationen beraubte digitale Fernsehbild.

     

    So ganz störungsfrei kommen die Bilder nicht immer an. Da bleibt schon mal das Bild einfach stehen während der Ton weiterläuft, überlagern Blöcke mit Hintergrundinformation den Vordergrund, gerne auch das Gesicht des Moderators oder machen sich rechteckige Störstreifen im ganzen Bild breit. Wo in der analogen Welt verstärktes Rauschen oder ein verzerrtes Bild Gewitter oder Reflektionen anzeigten, ist das digitale Bild im Fall von Empfangsstörungen zwar rauschfrei, dafür aber voller seltsamer Artefakte.

     

    Auf der anderen Seite kann durch DVB-T in vielen Fällen auf Kabelempfang verzichtet werden, fraglich ist jedoch, ob die Kabelbetreiber oder die Hausbesitzer ihre Kunden aus den Verträgen so einfach herauslassen.

     

    Zeitfaktor

    Ein weiterer Unterschied zum analogen Fernsehen liegt im Faktor Zeit. Auf Senderseite müssen die analogen Signale erst einmal digitalisiert und komprimiert (MPEG2), auf Empfängerseite wieder in ein analoges Signal umgewandelt (dekodiert und analog gewandelt) und zugleich noch von einer Fehlerkorrektur optimiert werden. Alles in Allem kann dadurch das Signal etwa 4 bis 7 Sekunden verzögert werden.

     

    Insbesondere bei TV-Silvesterparties oder deutlicher noch bei Sportübertragungen, bei denen die Jubelschreie schon mal aus den Fenstern dringen, zeigt sich, dass manche Zuschauer erst deutlich später jubeln als andere. Kleiner Trost- wer per Handy fernsieht, jubelt noch deutlich später, hier ist die Verzögerung noch wesentlich länger.

     

    Vorteil: Geringere Sendeleistung

    Da die benötigte Sendeleistung bei digitalem Empfang wegen der geringeren Störanfälligkeit (Reflektionen durch Hügel oder Gebäude erzeugen keine Doppelbilder oder Schatten mehr) niedriger ist, wird auch die elektromagnetische Strahlenbelastung geringer.

    Zudem sollte auch der mobile Empfang, also im Auto oder der Eisenbahn möglich sein, über erfolgreiche Versuche berichtete in all den Jahren allerdings Niemand, hier gingen die Fantasien der Anbieter weit über die Realitäten hinaus.

     

    DVB-T2

    2016 steigen möglicherweise bereits erste Privatsender aus der Übertragung ihrer Programme in DVBT aus. Gleichzeitig planen die öffentlich-rechtlichen Sender eine Umstellung auf einen HD-fähigen STandard, DVB-T2. Eine effektivere Komprimierung soll im neuen HEVC Verfahren mehr Daten als das bisher verwendete MPEG 2 transportieren. Von Juni 2016 bis 2019 sollen beide Standards also DVB-T und DVB-T2 über Antenne empfangbar sein. 2019 wird DVB-T dann abgeschaltet.

     

    Technisch gesehen wird DVB-T2 besser sein und vor allem, viele Sender der ARD und das ZDF werden die HD-Programme in 1080p senden ( das ist Full-HD =1920x1080 Bildpunkte bei 50 Bildern pro Sekunde). Die Privatsender planen, diese Qualität nur gegen zusätzliche Gebühren anzubieten.

     

    In Österreich funktioniert der Standard bereits, und wie so oft bei digitalen Neuerungen nutzt man ihn gleich um zusätzlich Geld in die Kassen der Programmanbieter zu spülen. Nur die ORF Programme sind kostenlos empfangbar, die Privaten sind verschlüsselt. Wenn DVB-T2 auch in Deutschland kommt, werden die Zuschauer zudem ein weiteres Mal ihre Geräte verschrotten und neue Empfänger kaufen müssen und vermutlich dann auch für diverse Sender zusätzlich zahlen.

  • Das Landgericht Tübingen hat den europäischen Gerichtshof gebeten, zu prüfen ob die deutsche TV Zwangsabgabe mit europäischem Recht vereinbar ist

  • Farbverfahren

    Farbfernsehen

    Farbige analoge Fernsehbilder sind eigentlich farbig überlagerte Schwarzweißbilder

    Auch wenn Fernsehen eine europäische Erfindung ist, die verschiedenen Farbfernsehsysteme Europas (PAL und SECAM) basieren weitgehend auf dem amerikanischen NTSC-Format, welches weltweit 1953 die ersten farbigen Fernsehsendungen ermöglichte. Auch wenn wir inzwischen weitgehend digital und in diversen Codecs Fernsehen anschauen, sind die Ursprünge des Fernsehens noch immer präsent.

     

    Eigentlich wäre es naheliegend gewesen, einfach die Informationen für ROT, GRÜN und BLAU abgekürzt RGB (die Bestandteile der additiven Farbmischung) zu übertragen. Doch die Signale sollten die Kompatibilität mit den älteren Schwarzweißgeräten sicherstellen, deshalb setzt sich das Farbbild aus folgenden Bestandteilen zusammen:

    • Das Helligkeitssignal (Luminanz), also das Schwarzweißbild.
    • Ein Farbdifferenzsignal (Chrominanzsignal) die Differenz von Rot minus Helligkeitssignal.
    • Ein zweites Farbifferenzsignal (Chrominanzsignal) die Differenz Blau minus Helligkeitssignal.

     

    Rechenkünste und Bandbreite

    So wird das Schwarzweiß-Bild von Farbinformationen überlagert, gewissermaßen coloriert. Dieses Verfahren nennt man auch YUV, damit ist gemeint, dass die Helligkeit aus der Summe von Rot, Grün und Blau besteht. Wenn wir also zusätzlich zur Helligkeitsinformation (Y), also dem Schwarzweißbild (Luminanz) noch die Farbinformationen übermitteln wollen, brauchen wir nicht wieder zusätzlich Rot, Grün und Blau zu übertragen. Es genügt, wenn wir zusätzlich die Differenz aus Helligkeit und Rot sowie die Differenz auf Helligkeit und Blau übertragen, daraus kann man den Wert für Grün errechnen. Auf diese Weise spart man Bandbreite beim Fernsehsignal.

     

    Was die Auflösung und Schärfe angeht, so wird diese weitgehend durch das Schwarzweißbild bestimmt, während die Farbinformation mit weit geringerer Auflösung übertragen wird. Das hängt einerseits damit zusammen, dass unser Auge für Farben weniger Empfindlich ist als für Helligkeitsunterschiede, andererseits mit dem Umstand, dass die Signalbandbreite nicht zu groß werden durfte.

     

    Wer früher VHS Kopien von VHS Kopien gezogen hat, konnte die Konsequenzen dieser schmalen Farbinformationen im Ergebnis betrachten - oft hing das Farbbild verschoben neben dem Schwarzweißbild, ein unschöner Bildfehler.

     

    NTSC

    Die Abkürzung NTSC bedeutet "National Television Standards Committee", wegen der entscheidenden Schwachstelle des Systems wird es aber auch gerne ironisch mit "Never The Same Colour" beschrieben. Kommt es nämlich auf dem Übertragunsweg zu Phasenverschiebungen im Signal (Das kann bei Antennenempfang durch zu dicht nebeneinander stehende Antennen, durch Häuserfassaden etc. vorkommen), kommt es zu Farbstichen. Wenn das Fernsehbild zu grün, rosa oder blau ist, kann man an den amerikanischen Fernsehern mit einem eigenen Regler (Hue) diesen Farbstich korrigieren.

    Im übrigen arbeitet das System mit 525 Zeilen, von denen 480 das sichtbare Bild ausmachen und 60 Halbbildern (exakt sind es 59,94 Halbbilder) in der Sekunde. Bei 3,58 MHz wird auf das Luminanzsignal die Farbinformation aufmoduliert. Es ist vor allem in USA, Canada, Taiwan und Japan verbreitet.

     

    PAL

    Testbild

    Testbild

    In Europa begann die Farbfernseh-Ära deutlich später Mitte der 60 er Jahre des letzten Jahrhunderts, dadurch konnten die Entwickler auch daran arbeiten, das Problem mit den Farbverschiebungen bei NTSC zu lösen. Walter Bruch, der Erfinder des PAL Verfahrens (Phase Alternating Line) kam auf die Idee, ähnlich wie es bei der symmetrischen Leitungsführung im Audiobereich geschieht, die Phasendrehung als Mittel der Auslöschung von Störungen zu nutzen.

    Die Farbinformation wird von Zeile zu Zeile jeweils um 180 Grad gedreht. Dieser Phasensprung führt dazu, dass jeweils der Mittelwert zweier Zeilen die Farbinformation bestimmt. Pal arbeitet mit 625 Zeilen und 50 Halbbildern, sichtbar sind davon 576 Zeilen. Bei 4,43 MHz wird auf das Luminanzsignal die Chrominanzinformation aufmoduliert.

     

    Wer nachrechnet, wird sich natürlich fragen, wie man aus 625 Zeilen jeweils halb so viele gerade wie ungerade Zeilen machen kann. Da haben die Techniker etwas getrickst,- die erste und die 625 te Zeile sind nur halb, stört aber nicht, sie sind ohnehin nicht zu sehen. Moderne PAL Fernseher können maximal 500 Zeilen darstellen, nur Studio-Fernsehmonitore haben einen Underscan-Modus, der mehr Zeilen darstellen kann.

     

    Neben dem in Europa überwiegend verbreiteten Standard PAL gibt es auch noch zwei Varianten, PAL N mit einer geringeren Bandbreite, sowie PAL M für 60 Hz Länder mit 60 Halbbildern in der Sekunde (Brasilien) bei 525 Zeilen.

     

    SECAM

    Dieses in Frankreich entwickelte Farbverfahren löste das Problem der Farbverschiebungen bei NTSC auf andere Weise als PAL. Hier werden zwei Trägerfrequenzen verwendet und die Farbinformation wird jeweils einzeln abwechselnd übertragen. Die zu übertragende Informationsmenge ist größer als bei PAL und wenn keine Farbe im Bild vorkommt, kann es, weil trotzdem die volle Farbamplitude übertragen wird, manchmal zu störenden Bildmustern kommen. Es gibt zwei inkompatible Varianten, das normale SECAM (Frankreich) sowie das Ost-SECAM (Osteuropa) auch MESECAM genannt.

     

  • Altes telefonWußten Sie, dass die Idee des Fernsehens so alt ist wie der analoge Film? Erste Grundlagen standen schon 1877 bereit.

  • Viele Verbände, Fernsehsender, Firmen und Fördereinrichtungen veranstalten am Rande des Münchner Filmfests Empfänge und Rahmenveranstaltungen.

  • Früher mussten Geheimagenten schon Staatsgeheimnisse rauben um in die Medien zu gelangen, heute reicht dafür eine HBO Serie...

  • Kosten

    Bürogebäude

    Wo landen eigentlich die Gelder, welche die GEZ oder wie sie sich neuerdings nennt, der Gebührenservice, einsammelt?

    Wer schon einmal die Funkhäuser der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten besichtigt und die zahllosen Büros und noch zahlloseren Mitarbeiter in Augenschein genommen hat, dem wird schnell klar, dass derartige Apparate, die weltweit ohne Beispiel sind, enorme Kosten verursachen.

    Interessanterweise gehört der weitaus größte Teil der Mitarbeiter zur Verwaltung, nur etwa 10-15 % der Mitarbeiter sind direkt mit der Herstellung von Programminhalten beschäftigt.

     

    Hasen und Igel

    Bereits mit der Einführung der Privatsender in Deutschland, die zunächst nur über Satellit zu empfangen waren, begann ein seltsames Wettrennen um die Legitimation von gesetzlich verbrieften Fernsehgebühren.

    Damals argumentierten diverse Privatsender, dass Fernsehzuschauer, die keinen Antennenanschluss hätten, und über Satellit ja nur gebührenfreie Privatsender empfingen, eigentlich keine Gebühren für öffentlich-rechtliche Sender zahlen müssten, die sie ja gar nicht empfangen könnten.

    Binnen kürzester Frist mieteten die öffentlich rechtlichen Sender Kanäle auf Astra und anderen Satelliten und entzogen den Privatsendern damit die Argumente.

     

    Qualitätsfernsehen

    An dem sicheren Ast, auf dem sich die Argumentationskette für gesicherte Fernsehgebühren befindet, der Informations- und Qualitäts- Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Sender sägen diese selbst am stärksten.

    Durch Reduzierung kritischer Magazine und Dokumentationen sowie geschmacklicher Orientierung der fiktiven Programme am niedrigen Niveau der Privatsender berauben sie sich selbst der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

     

    Igel und Computer

    Einen scheinbar genialen Coup landeten die Rundfunkanstalten mit der Durchsetzung der Gebührenpflicht für Handys, Navigationsgeräte und vor allem Computer am Januar 2007. Plötzlich wurde jeder Computer mit Internetzugang automatisch zum Fernsehgerät erklärt, auch wenn damit gar kein Fernsehen geschaut wird. Vor allem für Firmen, die heutzutage kaum ohne Computer arbeiten können, entstanden damit Gebührenzwänge, die durch nichts nachvollziehbar sind. So müssen nach der seltsamen Definition selbst für Kassen mit Update-Internetanschluss oder etwa Geldautomaten in Banken Rundfunkgebühren entrichtet werden.

     

    Der finale Coup

    Ab 2013, so will es das Gesetz, ist schließlich jeder Bundesbürger, ganz gleich ob er Fernsehen schaut, schauen kann oder will, verpflichtet, Fernsehgebühren zu bezahlen. Damit haben die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten endgültig den Status einer Steuer erreicht. Wer aber nun glaubt, dass die GEZ damit wenigstens abgeschafft werden kann, und das eingesparte Geld könne in Programminhalte investiert werden, der irrt. Man will sogar Personal aufstocken und natürlich muss auch der Name geändert werden. Aus der Einzugszentrale wird eine Service-Firma. So sind nun einmal Behörden,- sie rationalisieren alles Mögliche, aber nie sich selbst.

     

    Durch unglückliche Umstände (um das Wort Unverschämtheit nicht zu verwenden) schafft es der Gebührenservice seitdem immer wieder, unschöne Emotionen auf sich zu ziehen. Sei es, wenn Flüchtlinge aus Syrien mit Gebührenaufforderungen überzogen werden, oder blinde und taube Rentnerinnen trotz ärtztlicher Befreiung von der Gebührenpflicht Mahnbescheide erhalten. 2016 markiert ein besonderes Jahr, ging doch die erste Zahlungsverweigerin für mehrere Monate ins Gefängnis.

     

    Wie lange die ganze Gebühren-Konstruktion, die nicht Wenige als Steuer bezeichnen, noch von der Verfassung abgedeckt sein wird, ist fraglich, es gibt Verfassungsrechtler, die da ihre Zweifel haben.

  • In Hamburg verbreitete die Fernsehbranche einmal mehr Weihrauch in eigener Sache,- man feierte sich selbst und die TV Zuschauer mussten zusehen

  • Am Sonntag werden nicht nur 70000 Menschen in Frankfurt wegen der Entschärfung einer Kriegsbombe evakuiert, auch der HR liegt im Gefahrengebiet

  • Was sind die Highlights auf der Internationalen Funkausstellung für Film,- und Medienmacher?

  • Film und Fernsehen

    Funkturm

    Zahlreiche Antennen eines Funkturms

    Das Fernsehen war in seiner heutigen Form neben Print-Erzeugnissen das wohl bedeutendste Massenmedium unserer Gesellschaft im 20 ten Jahrhundert, inzwischen wird es vom Internet überholt und kämpft mit schleichendem Zuschauerschwund, dennoch ist seine Bedeutung nach wie vor groß. Was man aber häufig vergisst: Die heutige Ausprägung ist noch relativ jung.

     

    Rückblick

    Als Erfinder der Technik „Fernsehen“ gilt gemeinhin Paul Nipkow, der 1884 ein Patent für elektrische Bildübertragung erhielt. Damit ist die Technik etwa genauso alt wie der Film. Doch als Massenmedium konnte der Fernseher sich erst lange zeit später etablieren. Zum einen weil die Nipkow-Technik zunächst nur magere Ergebnisse (24, später 48 Bildzeilen) bescherte, zum anderen weil es die finanziellen Situation der Massen nicht zuließ, vielen Menschen Zugang zur Technik zu verschaffen.

     

    Die Entwicklung des zunächst nur visuellen Mediums Film beschränkte sich damit gut 50 Jahre lang auf das Kino, aber natürlich nicht nur auf Kinofilme. Da das Kino bis zum dritten Reich das einzige verbreitete Medium „mit bewegten Bildern“ war, entstanden hier sowohl fiktionale als auch nicht-fiktionale Werke aller Genres.

     

    Im dritten Reich und zeitgleich auch in Amerika und anderen Ländern wurde das Fernsehen technisch weiterentwickelt. Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin konnten 441 Bildzeilen (PAL hat 576 Zeilen) bei 25 Bildern pro Sekunde übermittelt werden. Das Publikum stellten die Fernsehstuben, aber an terrestrische Funkausstrahlung war noch nicht zu denken und die Kosten für Fernseher überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der meisten Privatleute. Folglich hielt sich die Zahl des Massenpublikums mit etwa 5.000 Personen zu Spitzenzeiten in Grenzen.

     

    Ein weiteres technisches Problem war, dass bis dato nur live gesendet werden konnte. Eine Möglichkeit, das gefilmte Material magnetisch zu speichern, gab es nicht. Die einzigen Aufnahmen, die ihre Ausstrahlung überdauerten und zum Teil heute noch erhalten sind, entstammen Filmkameras spezieller Übertragungswagen, die den Film in kürzester Zeit entwickelten und für die Fernsehübertragung abtasteten.

     

    Durchbruch

    Stuhl mit Fernseher

    Der 2. Weltkrieg verhindert schließlich die Serienproduktion eines Volksempfängers. Nach dem Krieg feiert das Fernsehen 1950/51 mit der Gründung der ARD in Deutschland seinen Durchbruch. 1963 kommt das ZDF als zweiter öffentlich-rechtlicher Sender hinzu. Entsprechend der rasanten Verbreitung des Fernsehens verliert das Kino seine frühere Bedeutung als Unterhaltungs- und Informationsmedium.

     

    1984 verlieren schließlich die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Monopol. RTL sendet über die Kabelnetze, gefolgt von Sat 1 1985. Eigentlich noch gar nicht so lange her...

     

    Auch wenn sich die optische Erscheinung verändert hat und gerade in letzter Zeit „ständig neue Formate erfunden“ werden – das Programm hat sich seit den Anfängen der ARD nicht wesentlich verändert. Bereits in deren ersten Jahren gab es nämlich Nachrichten, Sport, Magazine, Talkshows, Rateshows, Kabarett, Filme und Fernsehspiele – nur die Namen der Formate lauteten anders. Selbst Eduard Zimmermanns "Aktenzeichen XY" hatte mit einer Fahndungssendung in der ARD bereits einen Vorgänger.

     

    Live-Übertragungen von Gerichtsverhandlungen waren damals noch nicht so beliebt wie heute, aber wenn ausnahmsweise aus einem Gericht berichtet werden durfte, war die Verhandlung dafür echt. Die größten Veränderungen, die der private Rundfunk mit sich brachte, ist der Kampf um Einschaltquoten und damit die Anpassung des Tagesprogramms an den Zuschauer – ganz gleich ob er das will oder nicht.

     

    Ausblick

    Heute leben wir im 21. Jahrhundert und damit bereits in der Zukunft vieler alter Science-Fiction-Abenteuer. Wir stehen gerade an einer Schwelle, in der sich die Struktur des Fernsehens in eine globale und für (beinahe) alle Formen der Kommunikation offene Struktur der Datenübertragung und damit der Kommunikation einfügt, das Datennetz welches wir als Internet kennen. Immer weniger Menschen wollen sich diktieren lassen, wann sie welche Inhalte (Filme) anschauen, das bringt die alten Fernsehstrukturen ins Wanken.

     

    Auf alle Fälle dürfen wir gespannt sein, welche Veränderungen uns in den nächsten Jahren erwarten, egal ob es um Pay-TV, Video on Demand, das individuelle Fernsehen, interaktive Möglichkeiten oder das Kino geht. Vielleicht wird das inzwischen audiovisuelle Medium des Filmes noch um die eine oder andere Form der Sinneswahrnehmung bereichert – das Geruchskino war nicht gerade ein durchschlagender Erfolg, aber Pilotversuche für die Übertragung haptischer (fühlbarer) Reize versprechen, dass auch die Zukunft des Fernsehens – oder wie immer es dann heißen mag – interessant bleibt. Inwieweit die Inhalte davon profitieren werden, steht freilich auf einem anderen Blatt.

     

    Weitere Artikel zu Medien:

     

    Natürlich gehört zum Knowhow über Medien auch technisches und gestalterisches Hintergrundwissen.

    Hier finden Sie unter Filmgestaltung, Kamera, Licht, Regie, Schauspiel,Ton und Postproduktionwichtige Basics.

     

     

  • Der neue ARD Vorsitzende und Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, fordert 3 Milliarden Euro mehr. Welch ein Vorsatz für 2018...

  • Die Fantasien von Programmanbietern und Telefongesellschaften sahen noch vor wenigen Jahren mobile Endgeräte wie Tablets und Handys als neue Fernseher. Inzwischen ist man etwas realistischer geworden.

  • Nachrichten und Newsclips

    Interview

    Interview mit Handycam

    Die Nachrichtenredaktionen der diversen TV-Sender brauchen ständig neue Nachrichtenware, um ihre Sendungen aktuell und interessant zu gestalten. Dabei sind die Maßstäbe, was eine Nachricht wert sei, längst nicht mehr so streng wie in den ersten vier Jahrzehnten des Fernsehens. Oft genug werden auch bedeutungslose oder der PR nahestehende Informationen zu News gemacht. Heute zählt auch und manchmal vor allem der Unterhaltungswert von Nachrichtenclips. Optisch interessante Beiträge werden gegenüber eher theoretischen, schwer vermittelbaren, bevorzugt. Ist ein Thema zu trocken, wird es im Notfall eben nur verlesen. Die Nachrichtenredakteure fühlen sich, je nach Sender, mehr oder weniger den Einschaltquoten verpflichtet.

     

     

    Ganz gleich, ob Miniteams wie früher für die aktuelle Berichterstattung mit Filmkameras (gefüllt mit schnell zu entwickelndem Umkehrfilm) oder wie heute mit Camcordern unterwegs sind, eines steht vor allen ästhetischen und qualitativen Aspekten im Vordergrund: Die Nachricht, die Geschichte. Während sich in der Filmära noch Journalist, Tonmann, Kameramann und Kameraassi auf die Suche nach den aktuellen Bildern und Tönen machten, sind die heutigen so genannten ENG-Teams (Electronic Newsgathering) viel kleiner. Drei, ja, manchmal sogar nur zwei Personen sind es, die Situation, Licht, Videokamera, Tonaussteuerung, Mikrofonhandling sowie ggf. Interview alleine bewältigen müssen. Häufig genug sind im aktuellen Bereich die Aufnahmebedingungen alles andere als ideal. Die Miniteams müssen bei Unfällen, Demonstrationen, in überfüllten Pressekonferenzen, bei Naturkatastrophen in schwierigsten Situationen durch schnelle Entscheidungen sicherstellen, dass sie die Geschichte bekommen.

     

    Technik

    Die Aufnahmegeräte kommen den Miniteams in gewissen Grenzen entgegen: Heutige Videokameras sind so lichtempfindlich, dass man in vielen Situationen mit wenig oder gar ganz ohne Zusatzlicht auskommt. Kleine Lichteinheiten, durch Akku überall sofort einsatzbereit, erlauben es auch nachts zu drehen. Professionelle Kameras (die gleichen, mit denen man auch aufwändige, qualitativ hochwertige Dokus drehen kann) bieten diverse Automatiken an (Weißabgleich, Blende, Tonaussteuerung) sowie einen kleinen Mithörlautsprecher, durch den Kameramann/-frau den aufgenommenen Ton zur Kontrolle hört, wenn er/sie durch den Kamerasucher schaut. Unter Akzeptierens einiger qualitativer Kompromisse kann ein einzelner so mehrere Jobs gleichzeitig überwachen. Wie gesagt, Qualität ist nicht das wichtigste Stichwort bei ENG. Satelliten, Standleitungen und digitale Übertragungsverfahren erlauben es, Bild und Ton in kürzester Zeit in die Sendezentralen zu übermitteln.

     

    Position

    Jubiläen, Besuche beim Kaninchenzüchterverein oder Brieftaubenwettflüge gehören eher zu den angenehmen Ausnahmen. Ganz gleich, welches Thema gedreht wird, in der Regel ist die persönliche Haltung des Aufnahmeteams dazu nicht gefragt. Das gilt auch für Situationen (Demonstration, Streik etc.), bei denen sich eine starke Polarisierung zeigt. Wer seine persönliche Sicht der Dinge vermitteln will, kann hier schnell an Grenzen stoßen. Wichtig ist es in solchen Fällen, möglichst objektiv (so weit es das überhaupt gibt), vorhandene Positionen und unterschiedliche Darstellungen der Beteiligten einzufangen. Überhaupt ist der Status solcher EB-Teams (Elektronische Berichterstattung) nicht wirklich lustig. Zahllose Kameraleute, die sich irgendwann einmal eine EB Kamera gekauft oder geleast haben, sind Kleinunternehmer geworden, die ihr Gerät samt Zwei-Mann-Team zu Dumpingpreisen anbieten. Bei der großen Konkurrenz kann man, was die Aufträge angeht, kaum wählerisch sein.

     

    Auftraggeber und Lieferanten

    Längst nicht alle Nachrichtenbeiträge werden im Auftrag der Nachrichtenredaktionen gedreht. Oft entstehen Aufnahmen auch aus Eigeninitiative von Freelancern oder Privatleuten. Ihre potenziellen Käufer, die Magazine der Privatsender setzen voll auf effektvolle, vorzugsweise spektakuläre Bilder, Interviews sollen möglichst unter 20 Sekunden Länge bleiben.

     

    Die Promoreporter

    Die Sparmaßnahmen der Sender, aber auch intensive, erfolgreiche Tätigkeit diverser PR-Agenturen machen auch Clips, die mit einem klaren, werblichen Charakter im Auftrag von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Agenturen hergestellt werden, zur beliebten Bereicherung der Nachrichtensendungen. So finden inzwischen auch Schönheitswettbewerbe, Kinostarts oder Modenschauen ihren Weg in die Nachrichtensendungen und Magazine. Selbst die skandalösesten Enthüllungen über Stars und Sternchen werden nicht immer von TV-Redaktionen in Auftrag gegeben. Auch die Plattenverlage oder Agenturen der scheinbar Ertappten, lassen ENG-Teams für sich arbeiten.

     

    Die Filterer

    Die Fälle, in denen Reporter direkt aus Kriegsgebieten unter Einsatz ihres Lebens (z. B.Vietnamkrieg) berichten, sind rar geworden. In jüngeren Kriegszeiten liefern die Medienabteilungen der Armeen die Erfolg vermittelnden Videoaufnahmen gleich selbst mit. Aufnahmeteams der Armeen, geschult auch in psychologischer Kriegsführung, sind jedoch keine Garanten objektiver Berichterstattung. Aber auch diverse Regierungen liefern offizielle Erklärungen ihrer Staatsoberhäupter vorzugsweise selber an.

     

    Die Fledderer

    Einige Teams haben sich darauf spezialisiert, Unfälle aller Art zu dokumentieren. Der gute alte Polizeifunk, aber auch gefällige Informanten sind die Quellen, aus denen diese brandaktuell die Orte von Bränden, Unfällen und Tragödien erfahren. Da treffen dann z. B. kurz nach den Rettungskräften etwa zwei junge Damen in orangen Overalls und mit der Betacam auf der Schulter ein und drehen Unfallopfer ohne jede Schamgrenze von allen Seiten. Dass die beiden weisungsgebundene Praktikanten sind, entschuldigt das Fehlen jeder Sensibilität kaum. Aber auch als One-Man-Show-Variante gibt es diverse Schauerfilmer im ganzen Land, welche ihre aktuelle Ware bereits auf dem Weg zum Unfallort telefonisch den Newsredaktionen anbieten.

     

    Die Kamerazeugen

    Die weite Verbreitung handlicher Videokameras für Amateure sorgt dafür, dass bei zahllosen Ereignissen mit Nachrichtencharakter nicht nur Augenzeugen anwesend sind, sondern auch durchaus sendefähige Videoaufnahmen entstehen. Die meisten Aufnahmen vom 9/11-Terroranschlag auf New York, die wir vermutlich niemals vergessen werden, stammen aus winzigen DV-Kameras. Inzwischen stehen mit filebasierten HD-Kameras noch kompaktere und hochauflösendere Kameras zur Verfügung.

     

    Immer häufiger arbeiten Amateure in Krisen- oder Kriegsgebieten für Nachrichtenagenturen. Über die Verantwortung welche diese Agenturen tragen, wenn sie sogar Jugendliche dafür bezahlen, riskante Videoaufnahmen und Fotos in Kriegsgebieten zu erstellen, sollte dringend diskutiert werden. Gar nicht selten lassen diese privaten Berichterstatter bei den gefährlichen Drehs ihr Leben, nur selten erfährt die Öffentlichkeit davon.

     

  • Luftaufnahme FrankreichDer Streaming Konzern ist nicht begeistert von den Plänen der EU eine 30% Quote für Streaming-Dienste einzuführen

  • Nachrichtenflut

    Es ist schon beeindruckend, wie die Nachrichten-Frontmen und -Frontwomen sich durch die täglichen Nachrichtenfluten manövrieren. Nachrichtenstudios funktionieren inzwischen fast vollständig computergestützt und zwar auf allen Ebenen. Zentrale Server und Workstations sind über Netzwerke miteinander verbunden. Verschiedene ineinander greifende Softwaremodule erlauben die Abwicklung aller notwendigen Arbeitsschritte.

     

    Die Nachrichteninformationen werden zusammen mit Grafiken und Filmbeiträgen digital gespeichert und in so genannten Newsroom-Datenbanken verwaltet. Nachrichtenredakteure können mit Steuer-Programmen schnell durch die einzelnen Themen navigieren und diese bei Bedarf beliebig umstellen oder aktualisieren. Der zeitliche Ablauf und die inhaltliche Anordnung von Videoteilen, Grafiken, Kommentaren etc. des Beitrags werden miteinander über eine Identifikations-Nummer (ID) mit dem Inhalt verknüpft. Dieser Arbeitsbereich nennt sich “Sendeablaufsteuerung“.

     

    Signalquellen

    In professionelle Systeme sind alle denkbaren Formate und Signalquellen integrierbar, ganz gleich ob Text, Bild oder Ton – von Beta, CD, DVD, Festplatte, Telefon oder per Live-Signal vom Satelliten. Über Machine Control können digitale und analoge Geräte wie Cart Machine, Titelgenerator oder Standbildspeicher gesteuert werden. Aktualisierungen und Umstellungen sind in kürzester Zeit per Mausklick realisierbar. Die Zeiten, in denen das ganze Studio ins Schwitzen geriet, weil der vorbereitete Ablauf umgeworfen wurde, sind vorbei. Journalisten können an einem einzigen Arbeitsplatz die Beiträge schreiben, redigieren, umarbeiten und passendes Videomaterial auswählen und in den Ablauf integrieren.

     

    Die Zeiten, in denen es fester Bestandteil der Sprecherausbildung war, möglichst geschickt vom Blatt abzulesen und den Blick aufs Manuskript möglichst geschickt auf die Texte zu verteilen, sind lange vorbei. Selbst besonders aktuelle “Breaking News“ werden nicht mehr in der laufenden Sendung als Zettel reingereicht oder vom Assistenten neben der Kamera auf großen Schrifttafeln hochgehalten. Die Nachrichtentexte können menü- und zeitgesteuert auf den Teleprompter (Gerät zur Projektion von Texten auf eine Glasplatte vor der Kameraoptik, von der man mit Blick in die Kamera ablesen kann; die Moderatoren schauen nur zur Illusion des Lesens vom Manuskript ab und an auf ihr Blatt auf dem Pult) gegeben werden, wo sie sekundengenau für die Moderatoren im Studio zur Verfügung stehen.

     

    Die im Hintergrund eingestanzten Bildmotive (Grafiken oder aus dem Standbildspeicher) werden natürlich ebenfalls aus der Datenbank gesteuert auf den Bildmischer (Gerät zum Kombinieren oder Blenden von Videosignalen) gegeben, ebenso zusätzliche Meldungen, Infos oder Börsenkurse als Laufbandschrift. Auch auf Archivmaterial kann per Stichwortsuche in kürzester Zeit zugegriffen werden. Nachrichtencutter (oft die Journalisten selbst) können rasch festlegen, welcher Teil des Filmmaterials verwendet werden soll und diesen in das aktuelle Projekt einbinden. Ein integriertes Schnittsystem ermöglicht die freie Gestaltung und Kombination des aktuellen und archivierten Materials.

     

    Automation

    Auf diese Weise wird der komplette Ablauf der Nachrichtensendung festgelegt und kann in der Simulation offline betrachtet werden. Durch weitgehende Automatisierung vieler anfallender Aufgaben können relativ wenige Personen eine komplette Nachrichtensendung fahren. Wird für eine bestimmte voreingestellte Zeit kein Bildsignal geliefert, kann automatisch auf ein Notprogramm geschaltet werden. Wie blind sich die Moderatoren und die Regie auf diese Systeme verlassen, zeigt sich immer dann, wenn irgend ein Beitrag überraschend nicht abgespielt wird oder Manuskript und Bildhintergrund nicht übereinstimmen. Dies sind die seltenen Momente, in denen wieder hinter der perfekten Nachrichten-Maschinerie ein wenig die Menschen durchschimmern.

     

  • In diesen Tagen hört man immer wieder, die Arthouse Kinos befänden sich im freien Fall, doch bei näherer Betrachtung sieht das etwas anders aus...

  • Mit einem Abschlussfeuerwerk ging die Olympiade zu Ende und mit ihr ihre frühere mediale Allmacht

  • In der Schweiz, wo regelmäßig das Volk befragt wird und hin und wieder auch Nachteile direkter Demokratie sichtbar werden, wird das öffentlich rechtliche Fernsehen bedroht

  • Vorstandschef Thomas Ebeling verlässt Ende Februar 2018 die Sendergruppe, wie man in solchen Fällen gerne formuliert, "einvernehmlich". Krise oder Neubeginn für die Sender?

  • Seit das Geld nicht mehr so locker sitzt, überlegen sich die Industrieunternehmen noch intensiver, wie sie an der Werbung sparen könnten. Und die Fernsehsender, - allen voran natürlich die Privaten,- kämpfen um Ihre Pfründe und um möglichst gute Verkaufsargumente ihrer Werbezeiten. Und die besten Argumente sind nun einmal Zuschauerzahlen.

  • Bald schon werden die meisten Menschen vergessen haben, wie die frühen Fernsehgeräte aussahen und funktionierten

  • Ein Urgestein des deutschen Films ist 76 jährig in Hamburg gestorben. Wer ihn als Schauspieler nicht gesehen hat, kannte dennoch seine Stimme...

  • Verschlafen unsere Schulen noch immer die Medien oder welchen Stellenwert hat das Kino in unseren Klassenzimmern?

  • Wir benutzen immer mehr Bildschirme gleichzeitig und die Angst geht um, unsere Aufmerksamkeit könnte zu sehr verteilt werden. Der Kampf um die Aufmerksamkeit ist voll im Gange...

  • Regisseur Steven Soderbergh, den eine ambivalente Liebe mit dem Fernsehen verbindet, hat eine siebenstündige interaktive Miniserie samt App herausgebracht

  • Fernsehen schreibt Dokumentarfilmgeschichte

    Mit kompakter Kamera und Ton eintauchen in die Befindlichkeiten der Deutschen in den 60er Jahren - Eines der Ziele der Stuttgarter Schule. Hier in einem Friseursalon

    Mit kompakter Kamera und Ton eintauchen in die Befindlichkeiten der Deutschen in den 60er Jahren - Eines der Ziele der Stuttgarter Schule. Hier in einem Friseursalon

    Vom Süddeutschen Rundfunk ging, beginnend in den 60er Jahren eine bedeutende dokumentarische Bewegung aus, die sogenannte Stuttgarter Dokumentarfilmschule. Sie war stark beeinflusst vom Gedanken der entfesselten Kamera, vom Direct Cinema.

    Ihre wichtigsten Vertreter waren Michael Mrakitsch, Roman Brodmann, Wilhelm Bittorf, Peter Dreesen, Georg Friedel, Peter Nestler, Helmut Greulich, Corinne Pulver, Dieter Ertel, Elmar Hügler sowie der Leiter der Dokumentarabteilung des Süddeutschen Rundfunks, Heinz Huber.

    Die Themen ihrer Filme beleuchteten deutsche aber auch schweizerische Wirklichkeit selbst in scheinbar banalen Umfeldern wie dem Abschlussball einer Tanzschule oder in einem Schützenverein einer Kleinstadt. Themen wie Autokult, Bausünden, Karneval oder auch eine Misswahl drangen tief in deutsche Realitäten ein.

    Die inneren Befindlichkeiten der Deutschen in den 60er Jahren, ihre Unfähigkeiten, die Geschehnisse der NS-Zeit sinnvoll aufzuarbeiten, die konservativen Grundhaltungen, der Rückzug in die Familie, all dies waren Themen, mit denen sich die kritischen Dokumentaristen rund um den Süddeutschen Rundfunk beschäftigten.

    Die Reihe nannte sich "Zeichen der Zeit" und war geprägt von einem die Realität nicht beschönigenden und dadurch allein schon kritischen Ansatz. Dieser versuchte bewusst gegen die Tradition der NS-Propagandafilme mit ihrer Überhöhung des Alltäglichen die überraschende Banalität muffiger Wohnstuben und unkritischer Bürgerlichkeit zu setzen. Ironische Kommentare und entlarvende Montagen gehörten zu den wichtigsten Stilmitteln der Zeitdokumente aus dem deutschen Wirtschaftswunder-Wiederaufbau.

     

    Die Anfänge

    Tanzveranstaltungen, Familienfeste, Schützenfeste, Karneval, die Beobachtungs-Herbarien für die Stuttgarter Dokumentaristen

    Tanzveranstaltungen, Familienfeste, Schützenfeste, Karneval, die Beobachtungs-Herbarien für die Stuttgarter Dokumentaristen

    Es waren vermutlich ungewöhnliche Konstellationen, welche die Protagonisten dieser Dokumentarfilmschule zusammenführten.

    Mit dem ersten langen Film der jungen Dokumentarfilmredaktion "Die deutsche Bundeswehr" (Heinz Huber, 1956, 90 Min.) prägt Heinz Huber bereits in den 50er Jahren den kritischen Grundansatz der künftigen Stuttgarter Dokumentarfilmschule.

    Michael Mrakitsch machte mit seinen ersten Dokumentationen für das deutschsprachige Schweizer Fernsehen ebenfalls sehr gemischte Erfahrungen, wechselte zu deutschen Rundfunkanstalten.

    Wilhelm Bittorf kam vom Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" und gehörte mit zu den ersten Autoren der Stuttgarter Schule.

    Roman Brodmann kam aus der Schweiz nach diversen Zensur-Eingriffen durch das Schweizer Fernsehen zum Süddeutschen Rundfunk.

     

    Roman Brodmann

    Roman Brodmann war Anfang der 60er Jahre Chefredakteur der "Züricher Woche", kämpfte beständig gegen die Einschränkungen der Pressefreiheit, und widmete sich in der Hoffnung auf größere Freiheit, dem Dokumentarfilm.

    Seine ersten Arbeiten verwirklichte er beim Schweizer Fernsehen, welches ihm zunächst große Freiräume der kritischen und auch satirischen Berichterstattung einräumte.

    Seine Magazinsendung wurde in der Folge immer beliebter, wurde aber wegen der kritischen Grundhaltung auch immer stärker kritisiert. Innerhalb von nur zwei Jahren kürzte der Sender seine monatlichen 240 Sendeminuten herunter auf knapp über 30 Minuten. Nachdem er sich in der "Züricher Woche" öffentlich gegen diese Zensur aussprach, wurde er gänzlich aus dem Schweizer Fernsehen verbannt.

    Er wechselte zunächst zum gerade aus der Taufe gehobenen ZDF, arbeitete dort als Redakteur für ein kritisches Magazin und wechselte dann 1964 zum Süddeutschen Rundfunk. Dort verwirklichte er für die Reihe "Zeichen der Zeit" zahlreiche herausragende Dokumentarfilme, darunter "Misswahl" (1966), "Polizeistaatsbesuch" (1967) und "Die ausgezeichneten Deutschen" (1973).

    Insbesondere sein Film "Polizeistaatsbesuch" über den Besuch des Schah von Persien 1967 und die parallelen Studentenproteste, die prügelnden Sicherheitskräfte des Schahs und die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg gehört wohl zu den wichtigsten Werken dieser Ära.

     

    Wilhelm Bittorf

    Arbeitersiedlung einer Kohlenzeche im Ruhrgebiet 1972

    Arbeitersiedlung einer Kohlenzeche im Ruhrgebiet 1972

    Er kam vom Hamburger "Spiegel" und galt als besessener Rechercheur, als Kritiker, als Aufdecker. Seine ungewöhnlichen Montagetechniken etwa in "Das schnelle Leben" machten ihn bei Zuschauern und Kritik bekannt. Ungewöhnlich etwa der kritische Blick auf die Rollenmuster der frühen Bundesrepublik. "Die unzufriedenen Frauen", (Wilhelm Bittorf/Helmut Greulich, 1963). Der Untergang der Graf Bismarck - Die letzten Tage einer Kohlenzeche (1967).

    Für seinen Film "Die Borussen kommen" erhielt er 1965 den Adolf-Grimme-Preis. Nach dem Auseinanderfallen der Stuttgarter Dokumentarfilm-Redaktion, widmete er sich wieder verstärkt dem Print-Journalismus. Wilhelm Bittorf starb 2002 an den Folgen der Parkinsonschen Krankheit.

     

     

     

    Elmar Hügler

    Elmar Hügler war die Anbiederung an den Fernsehzuschauer, an Einschaltquoten und Sehgewohnheiten schon sehr früh ein Dorn im Auge. Mit seinen Dokumentarfilmen arbeitete er kritisch gegen das Spießbürgertum, gegen Ungerechtigkeiten und das kritiklose Hinnehmen von gesellschaftlichen Missständen an. "Eine Hochzeit" (1969), "Wegnahme eines Kindes" (1971), "Eine Einberufung" (1970). Später leitete er bei Radio Bremen unter Anderem die Sendereihen "Notizen vom Nachbarn" und "Unter deutschen Dächern"

     

    Michael Mrakitsch

    Der gebürtige Nürnberger, der später in Bern aufwuchs, arbeitete zunächst ebenfalls wie Brodmann für das Schweizer Fernsehen. Dabei entstanden Filme wie "Das Leben ist ein Fest" (1962) oder "Zwischen 20 und 30 (Junge Schweizer)" (1962), der vom Fernsehsender nie gesendet und angeblich sogar vernichtet worden ist.

    Daraufhin arbeitete Mrakitsch für den WDR, das ZDF und ab Anfang der 70er Jahre mehrmals mit den anderen Vertretern der Stuttgarter Schule an Filmen wie "Lourdes" (1973, Red.: Elmar Hügler), "Djibouti oder Die Gewehre sind nicht geladen, nur nachts" (1974, Red.: Elmar Hügler) oder später nach dem Wechsel von Hügler und Ertel zu Radio Bremen "Drinnen, das ist wie draußen, nur anders" (1977), ein Film über die Psychatrie.

    Viele Jahre danach ist er erneut an die Orte dieses Films zurückgekehrt, dabei entstand sein Film "Das nicht eingelöste Versprechen" (1997, Red.: Elmar Hügler).

     

    Wechselhafte Zeiten und Suche

    Die Liberalisierung in der deutschen Gesellschaft, nicht zuletzt auch durch die Studentenbewegung ausgelöst, erlaubte die politisch kritische Diskussion in vielen Medien. Damit ging ein guter Teil der Brisanz, die in den Filmen der Stuttgarter Schule verborgen war, verloren. Der Tod des Redaktionsleiters kam hinzu und eine Zeit der Neuorientierung setzte ein. Hügler und Ertel wechselten zu Radio Bremen. Bittorf arbeitete wieder für den Spiegel, schrieb große Reportagen, mehrteilige Serien.

    Von der beim süddeutschen Rundfunk gepflegten Idee der ironischen Kommentierung wich Elmar Hügler bei Radio Bremen ab und setzte in seiner Dokumentarreihe "Notizen vom Nachbarn" ganz auf die Kraft des Originaltons.

    Die Filme der Stuttgarter Schule sind alle mehr oder weniger verhaftet in ihrer Zeit und in ihrer gestalterischen Form verweisen sie auf den Zuschauer der 60er, 70er Jahre. Zugleich sind sie Zeitdokumente und eröffnen uns heute einen klaren, unverstellten Blick auf ein Stück deutscher Vergangenheit. Sie waren und sind vorbildhaft für zahlreiche heutige Dokumentarfilme und die Besten unter ihnen noch heute absolut sehenswert.

  • Zwischen dem Augenzwinkern

    Beeinflussung

    An Werbebotschaften mangelt es uns nicht

    Die absolute Marktposition von Unternehmen wie Coca Cola, Mc Donalds oder Apple ist Ergebnis jahrzehntelanger harter Arbeit und Investitionen. Gleiches gilt für die Marke "USA" wie sie seit fast einem Jahrhundert auch in der alten Welt etabliert wurde.

    Die Medien Fernsehen und Film nehmen in diesem Zusammenhang bei der Etablierung und Festigung von Marken eine besondere Rolle ein, doch die klassischen Einsatzgebiete Print, Plakatierung und Werbespots treffen immer mehr auf den Überdruss der Menschen.

     

    Überschwemmung

    Die Zuschauer ertrinken längst in Werbebotschaften, stumpfen immer mehr ab und blenden Werbung nach Möglichkeit aus. In den Werbepausen werden Toilette und Küche aufgesucht oder wird Rettung in einem anderen TV-Kanal gesucht. Lange Zeit bestand das einzige Rezept der Werbeindustrie in einer Vervielfachung der Werbebotschaft in der Hoffnung irgendwann zufällig doch die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erwischen.

     

    Zur Umgehung dieser Werbe-Müdigkeit wurden immer neue versteckte Werbeformen entwickelt, die sich wie trojanische Pferde unbewusst einschleichen sollen. Die harmloseste Variante ist die Koppelung eines Programm-Events an einen Hersteller, der dem Zuschauer dieses Event widmet. Da wird der Hollywood-Blockbuster eben nicht einfach so von Pro 7 gesendet, sondern den Zuschauern von einer Pilsbrauerei serviert. Die Wetterkarte verdanken wir dem Allergiemedikament, die Vorabendserie dem Versandhaus. Ein solcher Auftritt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Programmumfeld soll durch die Kopplung an den attraktiven Programminhalt eine hohe Aufmerksamkeit sicherstellen.

     

    Werte nebenbei

    Auch auf inhaltlicher Ebene werden Filme seit langem als Werbeträger genutzt und sei es auch nur zur Verbreitung von Grundhaltungen und Akzenten. Vor allem durch das Fernsehen wurden und werden in US-Filmen und Serien amerikanische Werte und Inhalte verbreitet. Themen die hierzulande früher keine Rolle spielten, etwa die Selbstverteidigung mit Schusswaffen, Ernährung durch Fast-Food, Einheitskleidung Jeans oder das Thema Mobilität (durch Autos) haben sicheren Einzug in unsere Kultur gehalten.

     

    Manche Serien wie "Beverly Hills 90210" oder "Sex and the City" waren in Tateinheit mit der Unterhaltungsabsicht Marketing-Maßnahmen diverser Industriezweige. Nicht nur die Industrie finanzierte kräftig mit. Die Einarbeitung verschiedener Anti-Drogen Stories in "Emergency-Room" etwa wurde von der US-Regierung mit 25 Millionen USD bezuschusst. Doch auch hierzulande werden per Product-Placement Marken und Produkte dezent ins Bewusstsein der Zuschauer gerückt.

     

    Versteckspiele

    Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

    Im Fernsehen wird die Werbe-Botschaft viel kürzer als hier gezeigt

    Noch verdeckter arbeiten sogenannte Subliminals, das sind unbewusste Beeinflussungen, Mitteilungen, die ohne dass wir sie erkennen, durch unser Unterbewusstsein wahrgenommen werden. Damit entziehen sie sich jeder individuellen Bewertung oder Auswahl, denn sie umgehen unsere bewusste Wahrnehmung. Die ersten Subliminals in Filmen waren in den 50 er Jahren eingeschnittene Einzelbilder mit der Aufforderung doch Cola oder Popcorn zu kaufen. Wenn innerhalb der 24 , 25 (USA:30) Bilder in der Sekunde, die ein Film bzw. Fernsehprogramm hat, Einzelbilder Botschaften transportieren, so kann unser Auge diese nicht selektiv erkennen. Es ist ein wenig wie beim Kartenspieler-Trick, mit Geschwindigkeit wird unsere bewusste Wahrnehmung überrumpelt.

     

    In einem Experiment 1957 in einem New Yorker Kino stieg der Popcorn-Absatz angeblich um 58 %, Cola wurde um 18 % mehr abgesetzt. 1959 bereits wurde in Tests nachgewiesen, das Einzelbilder mit dem Wort BEEF (Rind) in den Testpersonen Hunger auslösten. Jahrzehnte später gab der Urheber dieser Ergebnisse, der amerikanische Werbefachmann James Vicary in einer Werbe-Fachzeitschrift (Advertising Age) zu, diesen Test habe es nie gegeben, er sei frei erfunden worden. Trotzdem glauben viele Menschen noch heute fest an die Wirksamkeit dieser Methode.

     

    1988 entdeckte der Medienspezialist Jean Montaldo, dass während des Wahlkampfs den französischen Zuschauern über Monate mehrmals täglich im Vorspann der Nachrichten von Antenne 2 eine Sequenz von zehn Bildern des damaligen Präsidenten Mitterrand gezeigt wurde. Der Produzent entschuldigte sich und der Kandidat gewann die Wahlen.

     

    Wer nicht hören will...

    Menschen Silhuetten

    Wie gelangt man an das Unterbewußtsein der Menschen?

    Ähnlich auch unbewusste Beeinflussungen wurden auch auf der Tonebene etwa in Kaufhäusern oder Büros getestet. Leise unterschwellige Musik wurde mit Geräuschen und leise gesprochenen Botschaften gemischt, doch der sogenannte Verdeckungseffekt (Musik war lauter als die Stimme und überlagerte sie) ließ den Erfolg gegen Null tendieren.

     

    Erst neuere Techniken, bei denen suggestive Texte im Hochfrequenzbereich übertragen werden, den man nicht bewusst hören kann, erlauben auch auf der akustischen Ebene unbemerkte Beeinflussung. So haben etwa US-Militärs im ersten Irak-Krieg einen irakischen Radiosender mit unhörbaren Angst erzeugenden Texten überlagert. Das Verfahren der "Silent Subliminal Technology"™ arbeitet im Bereich von 15 Khz, also an der Hörgrenze. Bei allen Menschen, deren Gehör dort endet, funktioniert diese Manipulation. Lediglich jene, die höhere Frequenzen hören können, hören kratzende, pfeifende Geräusche ähnlich denen von Hörsturz-Patienten.

     

    In den Bereichen des unbewussten Lernens oder der Autosuggestion (Rauchen abgewöhnen, Zufriedener werden, Abnehmen, Flugangst bekämpfen) werden diese und andere Techniken erfolgreich angewendet. In der entspannten sogenannten Alpha-Phase sind Menschen besonders aufnahmefähig für unbewusste Botschaften. Wichtig ist die positive Grundhaltung der Aussage, diese lässt sich leichter in die menschliche Grundeinstellung einbauen.

     

    Ein Einkaufscenter in New Orleans ließ Hintergrundmusik mit unhörbaren Texten versehen, bei denen sowohl potentielle Diebe ("Ich stehle nicht") und Kassierer-innen ("Ich bin ehrlich") ein halbes Jahr lang moralisch eingestimmt wurden. Das Ergebnis waren 75% weniger Diebstähle.

     

    Was ich nicht weiß...

    Es liegt in der Natur der Sache, dass nur in den wenigsten Fällen die Einsätze von Subliminals bekannt werden. Vermutlich ist jeder von uns schon auf vielfältige Weise damit in Berührung gekommen ohne es zu bemerken. Als der russische Sender ATN (Avtorskiye Televisionniye Novosti) in Sibirien zwei Wochen lang sublime Werbung sendete, wurde er kurzerhand vom zuständigen Medienminister Michail Seslavinsky zur Zahlung einer Strafe verurteilt. Selbst vor Computer-Websites macht diese Werbeform inzwischen nicht halt.

     

    Auch wenn diverse Tests die Wirkung einzelner Maßnahmen bestätigen, so ist in keiner Weise garantiert, dass Subliminals eine sichere Wirkung zeigen. Es gibt Forschungsreihen die sowohl die Wirkung bestätigen als auch andere, welche jeden Zusammenhang leugnen. Es gibt viele Ablenkungsmöglichkeiten und Irritationen die im Erfahrungsreichtum des einzelnen Menschen begründet liegen. Vegetarier werden sich nicht zu Steaks verführen lassen und Raucher von Cowboy-Zigaretten werden sich nicht auf Kamelfirmen einlassen. Doch ein Restrisiko bleibt, dass unser Konsumverhalten schon längst nichts mehr mit unseren Bedürfnissen zu tun hat.

     

    Angesichts der Möglichkeiten, die digitale Flatscreens mit ihren Internet-Zugängen der Industrie bieten, wo über versteckte Rückkanäle präzise Informationen über das Zuschauerverhalten sogar die Werbung steuern können, muss man die Subliminals wohl inzwischen als harmlose "Kinderstube" der Zuschauerbeeinflussung bewerten. Die neuen Methoden sind um ein Vielfaches raffinierter.

     

  • AntenneEs ist nicht das Prinzip, es sind die Absurditäten in der Zwangsabgabe welche Menschen erzürnen. Nun hat eine Hostel-Chefin vor Gericht Recht bekommen.

  • Transmedia Storytelling klingt irgendwie neu, obwohl das Bespielen verschiedener Plattformen älter ist als das Internet. Werden da wirklich Geschichten besser erzählt?

  • Wie schreibt man eigentlich ein Treatment und was gehört hinein?

  • Es klingt fast nach Lottogewinn,- ein Praktikum oder gar ein Volontariat bei einer bekannten Fernseh-Soap. Yep!!! Du hast es geschafft! Oder? Der Reality-Check...

  • Wie wird Fernsehen künftig in Datenpaketen zu den Zuschauern gelangen?

  • Kabelanbieter Unitymedia verärgert Millionen Kunden durch fehlerhafte Umstellung von Sendeplätzen

  • Immer besser ?

    Thomas Stein, Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Thomas Stein war jahrelang Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Nein, an dieser Stelle soll es nicht darum gehen, welcher Flachbildschirm die bessere Qualität bietet, es soll um die Inhalte gehen und um die Innensicht der TV-Verantwortlichen auf das, was sie so über die Bildschirme schicken.

    Zugegeben, das Fernsehen der Frühzeit war aus technischen und finanziellen Gründen recht einfach gestrickt und es wäre absurd, zu behaupten, das Medium hätte sich bis heute nicht weiterentwickelt.

    Es gibt heute mehr Programme denn je, mehr Programmstunden, mehr Formate und doch scheint es so, als hätten all die Erweiterungen, die neuen Programmstunden, die neuen Kanäle mehr und mehr die Qualität und den Kulturanspruch aus den Augen verloren.

    Wer das schlechte Abschneiden der Schüler im internationalen Vergleich, die zunehmende Schreibschwäche, die Unkonzentriertheit der jungen Menschen beklagt, findet rasch im Fernsehen eine der möglichen Erklärungen wieder.

     

    Gleiches mit Gleichem

    Gab es in der Anfangszeit des Privatfernsehens noch deutliche qualitative Unterschiede bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu erkennen, so verschwinden diese zunehmend. Sicher, es gibt nach wie vor einige Programmplätze, die Qualität zu bieten haben, doch sie werden weniger und die Zahl der oberflächlichen Filme und Magazine, die nichts zu sagen haben, außer dass es sie gibt, nimmt zu.

    ARD und ZDF verspielen, ohne Not (schließlich werden sie durch Gebühren und nicht durch Werbeaufträge mit Quotendruck finanziert) das, womit sie eigentlich ihre Sonderstellung rechtfertigen: Die Qualität, die Themen,- und Meinungsvielfalt, den kulturellen Auftrag. Eine Ahnung dessen, was öffentlich rechtliches Fernsehen leisten könnten und müssten, vermitteln lediglich arte und 3Sat.

    Nur damit wir uns richtig verstehen, - die Privatsender haben in dieser Hinsicht gar nichts zu verspielen, ihre Programme sind weitestgehend Intelligenzfrei. Die Inhalte der Privatsender stehen praktisch ohne nennenswerte Ausnahme unter dem Postulat für möglichst geringe Produktionskosten möglichst viele Zuschauer und damit Werbeeinnahmen zu generieren.

     

    Deutscher Fernsehpreis

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Hervorragende Leistungen des jeweils abgelaufenen Jahres sollen in der von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 finanzierten Veranstaltung ausgezeichnet werden, so die Theorie. Aus ca. 1200 eingereichten Vorschlägen muss die Jury die Nominierungen und schließlich die Preisträger für 22 Kategorien herausfiltern.

    Die Jury 2008 waren: Dieter Anschlag (Chefredakteur Funkkorrespondenz), Christian Becker (Produzent Rat Pack Film), Heike Richter-Karst (Produzentin AllMedia Pictures), Lutz Carstens (Chefredakteur TV Spielfilm), Barbara Schöneberger (Moderatorin und Schauspielerin) und Klaudia Wick (freie Journalistin und Autorin), Bettina Böttinger (Moderatorin), Prof. Dr. Miriam Meckel (Professorin für Kommunikationsmanagement) und Sophie von Kessel (Schauspielerin).

    Tatsächlich aber zeigte sich, dass es zwar viele Preisträger, aber nur extrem wenig "Herausragendes" bei dieser Veranstaltung zu sehen gab. Im Gegenteil, viel Peinliches, viel Mittelmaß und Belanglosigkeit, die auch durch das Etikett "Event" nicht besser  wurden.

     

    Unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

    Ähnlich wie die Auswahl der Jury gestaltete sich auch die glamouröse Preisverleihung: Da waren sie mal wieder zusammengekommen, die Grinsegesichter, die hinter dem kontinuierlichen Qualitätsverfall des deutschen Fernsehens stecken und haben sich für zumeist seichte, alberne bis belanglose Programme selbst gefeiert.

    Haben Formate wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Switch Reloaded" ausgezeichnet, haben mittelmäßige Darsteller gefeiert, haben sich brav bei ihren Brötchengebern bedankt und Appelle an die Zukunft gerichtet, ihre "grandiosen" weichgespülten Mittelmaßformate auch weiterhin zu unterstützen.

    Am liebsten hätte man noch mehr Geschichtsbewältigung für Bildleser mit Frau Ferres in der Hauptrolle nominiert, aber nachdem sie gerührt über sich selbst, ihre Trophäe entgegengenommen hatte, durfte zumindest ein ernst zu nehmender Fernsehfilm, "Contergan" ebenfalls ausgezeichnet werden.

     

    Klare Absage durch Reich-Ranicki

    Ab und an sah sich selbst Moderator Gottschalk gemüßigt, kleine Seitenhiebe zu verteilen, etwa den Moderatoren von 9live Rechenschwäche zu unterstellen oder dem Siegerteam einer Reality-Soap über Jugendliche Ausreißer zu wünschen, dass auch in Zukunft viele Kinder von Zuhause weglaufen, damit die Serie weiter gehen kann. Doch das blieben über weite Strecken die einzigen Zweifel am eigenen Tun der Branche. Bis der Ehrenpreis vergeben werden sollte...

    Das klarste und ehrlichste Statement nämlich kam von Reich-Ranicki, der seinen Ehrenpreis rundweg ablehnte und mit Entsetzen das Niveau nicht nur der während der Verleihung angeteasten Sendungen abstrafte. Ein zorniger, intelligenter alter Mann, der im Gegensatz zu all den anderen Teilnehmern der Veranstaltung nicht mehr um seine berufliche Zukunft, die nächsten Aufträge fürchten muss. Der sich traut, auszusprechen, wie es um das deutsche Fernsehen (bis auf wenige löbliche Ausnahmen) steht. Ein kurzer, glücklicher Moment, der leider folgenlos bleiben wird.  Zu einig sind sich all die Grinsegesichter, dass aus der Beliebigkeit ihrer selbstgekrönten Programme längst kein Weg mehr zurück führt.

    Kaum war der Chefkritiker der Literatur von der Bühne und aus dem Saal verschwunden, ging man nahtlos wieder zur Tagesordnung über.

    Nur ein leichtes Nachgewitter ging danach noch durch die deutsche Presselandschaft. So schloss sich Elke Heidenreich dem Zornesausbruch Ranickis an und resümierte in der FAZ: "Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich."

  • LuftballonverkäuferWie funktioniert das eigentlich mit der Fernsehwerbung, was kostet sie, welche Spielregeln gibt es da?

  • Die Telekomaufsicht der USA hat gegen alle Widerstände in der Bevölkerung die Netzneutralität, eine der wichtigsten Säulen eines demokratischen Internets, abgeschafft

  • Warnstreiks des deutschen Journalistenverbandes, der Orchestervereinigung und Verdi beim MDR beeinträchtigen den Programmablauf des Senders sichtbar

  • Die Währung des Fernsehens

    Zirkuskasse

    Irgendwer muss irgendwann für die Programminhalte bezahlen

    Wir brauchen uns gar nichts vormachen, das private Fernsehen wird, bis auf Einnahmen aus Telefonaktionen oder Merchandising zum überwältigenden Teil durch Werbung finanziert. Manchmal bedrängen uns die Werbebotschaften bis an die Schmerzgrenze, doch Widerstand macht Mühe, wer hat schon die Kraft dafür? Wer zahlt schafft an, sagt der Volksmund und so wäre es blauäugig zu meinen, dass die Werbeindustrie keinen Einfluss auf die Programminhalte hätte.

     

    Die Unternehmen

    Die Hersteller, die ihre Produkte unters Volk bringen wollen, stehen mit ihren Werbeaufträgen in keinem direkten Kontakt zu den Fernsehgesellschaften. Die Budgets, die sie für Werbung investieren, werden an Werbeagenturen (Kreativ-Agenturen) vergeben, die wiederum mit diesen Etats Kampagnen, (Spots, Printanzeigen, Promotion oder sonstige Werbeformen) entwickeln und Werbung in den verschiedenen Medien schalten lassen. (Diese Aufgabe übernehmen meist Mediaagenturen.)

     

    Die Zahl der wirklich finanzstarken Unternehmen, die im Fernsehen werben, ist relativ überschaubar, es sind 25 bis 30 Firmen, die großen Marken, die den Hauptanteil des privaten Fernsehprogramms finanzieren. Wenn Sie mal versuchen, sich an ein paar Produkte, die Sie in der letzten Zeit in den Werbepausen wahrgenommen haben, zu erinnern, wissen Sie, welche das sind.

     

    Mediaagenturen

    Werbebild

    Werbebild Extra Knusprig

    In Medienagenturen sitzen Mediaplaner, welche den Einsatz von Werbung zeitlich und von den verschiedenen Medien her (Rundfunk, Fernsehen, Kino, Print, Plakate, Promotion etc.) entwickeln und die Werbezeiten bzw. Flächen buchen. Früher wurde diese Arbeit innerhalb der Werbeagenturen selbst getätigt, doch mit zunahmender Komplexität der Kampagnen und auch der Werbemöglichkeiten wurde diese Dienstleistung weitgehend über eigenständige Firmen bzw. Tochterfirmen der Werbeagenturen ausgegliedert.

     

    Für ihre Leistung erhalten die Mediaagenturen sogenannte AE-Provisionen, welche mit bis zu 15 % der jeweiligen Schaltung einer Werbung für ordentliche Einnahmen sorgen. Die Zahl der Medaiagenturen ist relativ klein, da nur die Bündelung vieler Werbeschaltungen genügend Macht erzeugt, die Werbepreise bei den Medien selbst ordentlich zu drücken. Wer nur über drei vier Werbespots verhandelt, hat einfach viel weniger Verhandlungsspielraum, als jener, der mehrere Tausend Spots aushandelt.

    Führende Agenturen sind: Mediacom, Carat, OMD, Mediaedge, Universal McCann, Mindshare, Initiative Media.

    Die Verhandlungspartner der Media-Agenturen sind ebenfalls Agenturen, nämlich die Vermarkter der Werbezeiten, etwa die Seven One Media, die für Pro7/Sat1 arbeiten.

     

    Bewertungskriterien

    Beim Einkauf von Werbezeit spielen die Einschaltquoten die entscheidende Rolle. Die Fernsehsender gestalten ihre Preise in direkter Anlehnung an die Programmplätze (Sendezeit), die Empfangsbereiche (Sendegebiet, Kabel, Satellit) und die Einschaltquoten. Die Berechnungseinheit ist in diesem Zusammenhang der sogenannte Tausenderkontaktpreis, also das, was der Werbekunde pro Tausend Zuschauer für den Werbespot bezahlen muss.

     

    Erfüllen bestimmte Programme nicht die Erwartungen und Prognosen was die Zuschauerzahlen angeht, müssen die TV-Sender die Werbepreise für den entsprechenden Werbeblock herabsetzen. Boomt eine Sendung und zieht große Zuschauermassen, so werden die Preise kräftig angehoben.

     

    Es liegt also auf der Hand, dass Fernsehsender, insbesondere die Privaten, Wert auf Quotenbringer legen. Dieser Zusammenhang ist tagtäglich auf den Bildschirmen ablesbar. Kaum ein Sender entwickelt eigene Formate, wenn sich eines bei einem Sender als erfolgreich herausstellt, wird das Muster in allen anderen Sendern ebenfalls angeboten. Sucht einer den Superstar, suchen alle den Superstar.

     

    Dröge Programme

    Von Qualität möchte man in Zusammenhang mit Fernsehen immer seltener sprechen, insbesondere die Eigenproduktionen, die Reality-Shows, die Serien und TV-Movies sind häufig jenseits der Schmerzgrenze angesiedelt. Was billig produziert werden kann und die Massen an die Mattscheibe zieht, gewinnt. Selbst bei der Besetzung von Fernsehspielen werden immer die gleichen Schauspieler als angebliche Quotenbringer- oder Garanten besetzt.

     

    Trotzdem sind einzelne TV-Filme den Werbern suspekt. Sie bergen immern wieder aufs Neue das Risiko in sich, dass sie trotz intensiver Vorausankündigungen beim Zuschauer schlechter ankommen als gedacht. Serienformate sind da einfach stabiler, da weiß man wenigstens, was man an Zuschauerzahlen zu erwarten hat. Auch dies erklärt die momentane Programmgestaltung mehr als deutlich.

     

    Dem Zuschauer herausragende Programme anzubieten ist ja auch nicht vornehmlichstes Ziel der Werbeindustrie. Es sollen einfach nur möglichst viele Zuschauer vor dem Bildschirm sitzen. Wenn sich die Güte der Werbespots sogar positiv vom übrigen Programm abhebt und die Zuschauer sich das Produkt auch noch merken können, ist das Kernsziel der Werbeschaltung erreicht.

    Oberstes Ziel bei der Programmgestaltung ist also der erzielbare Werbepreis und nicht die Qualität des Programms. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender, die aufgrund ihres Gebührenaufkommens und ihres Auftrages eigentlich andere Kriterien verfolgen müssten, verschieben Qualität allzugern in Spartenkanäle oder die Nachtstunden.

     

    Die Medienagenturen und die Werbekunden arbeiten bereits im Stillen daran, ihre Serien und Shows gemeinsam zu entwerfen und zu vermarkten. Diejenigen, die das Programm durch ihre Werbeschaltungen finanzieren, werden immer mehr Mitsprachrecht bei der Konzeption von Programmen fordern. Angesichts der schwierigen finanziellen Situation vieler Sender steht es außer Frage, dass ihnen dies auch gewährt wird.

     

    Bartering, Programming

    Kaffeewerbung

    Versteckte Werbung

     

    Immer häufiger kommen auch Mischformen, als Programm getarnte Dauerwerbesendungen zum Einsatz, etwa sogenannte Infomercials oder Telepromotions. Hier zahlt der Werbekunde auch die Herstellung des Programminhaltes, stellt diesen dem Sender zur Verfügung. Einige Werbeagenturen haben zu diesem Zweck bereits Produktionsfirmen gegründet oder gekauft, welche Magazinbeiträge, Dokus und Reportagen produzieren.

     

    Die Klassiker dieser Produktionen waren die sogenannten Soaps. Der Name geht zurück auf von Seifen- und Waschmittelherstellern produzierte Radioserien, welche in den 30er Jahren von der amerikanischen Fachzeitschrift Variety als Soap Opera bezeichnet wurden. Soap also wegen der Sponsoren und Opera wegen des doch recht schlichten Niveaus der Stories. In den 60 er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden dann auch Serien für das Fernsehen produziert.

     

    Die Radio- bzw. Fernsehsender erhielten mit den Soaps preiswerte Programminhalte und die Waschmittelhersteller dafür Werbezeiten. Eine heute kaum noch übliche Symbiose, heute produzieren freie Produktionsfirmen die Serien, doch der Begriff Soap ist an ihnen hängen geblieben.

     

    Programme und Werbung für wen?

    Für die Werbekundschaft ist es wichtig, dass die Programme und damit auch die dazwischen geschalteten Spots jene ansprechen, die am ehesten konsumieren. Gemeint sind die 14 bis 49 jährigen vorzugsweise die Haushaltsführenden, also die Frauen. Hier werden Talk-Shows und Serien mit einem starken emotionalen Kern bevorzugt.

    Man versucht zu den verschiedenen Programmplätzen anhand differenzierter Einschaltquoten-Statistiken Eigenschaften wie Alter, Bildung, Interessen und Einkommen einer Zielgruppe zu erfassen.

    Diese Vorgabe wird von vielen Privatsendern bei der Auswahl der Inhalte stark berücksichtigt. Zugleich wird auch das Fernsehverhalten dieser Zielgruppe mit berücksichtigt. Die Teenager werden ab dem Zeitpunkt mit Programmangebot bedient, ab dem die Schule aus ist. Während sie in der Schule büffeln, werden ihre Mütter mit Inhalten versorgt und rechtzeitig vor dem Supermarktbesuch mit den wichtigsten produktnamen geimpft.

     

    Zukunft der Zielgruppengenauigkeit

    Nächtliche Fenster

    Den Zuschauer aus seiner Anonymität herausholen und gezielt bewerben- ein fast erreichtes Ziel der Werbeindustrie

    Traum der Werbetreibenden ist die möglichst präzise Ansprache einer Zielgruppe. Warum soll man ständig Menschen mit Werbung zuballern, die das Produkt garantiert nie erwerben würden? Hier versprechen die interaktiven digitalen Fernsehsysteme und natürlich noch einfacher die IP Fernsehkanäle Abhilfe. Wer seinen Zuschauer kennt, kann ihn auch mit den passenden Werbespots füttern. Targetting lautet das Zauberwort, für dessen Umsetzung vor allem auch die Hersteller von Flatscreens entsprechende Rückkanäle in ihre Geräte einbauen.

     

    Gemeint ist die Verbreitung zielgruppengerechter Werbespots. Moderne internetfähige Flatscreens sind ein Teil der Lösung,- sie senden, ohne dass der Zuschauer es merkt, Informationen über sein Nutzungsverhalten an die Hersteller. Daraus kann man (natürlich gegen Bezahlung) sicher viele Profile generieren. Andererseits regts sich von Seiten der Verbraucherschutzorganisationen auch Widerstand, ob derartige Informationssammlung nicht genehmigungspflichtig sein müsste.

     

    Der Single-Haushalt des kaufkräftigen männlichen Singles wird dann in den Werbeblöcken gezielt mit Auto,- Rasierer und Hi-Tech- Werbung versorgt, während die Jungfamilie zur gleichen Zeit alles über Babynahrung, Gesundheit und Familienreisen erfährt. Und die gesetzteren Senioren müssen sich endlich nicht mehr mit Scateboard fahrenden Models und deren Kaufempfehlungen messen.

    Auf diese Weise sollen die momentan noch erheblichen Streuverluste reduziert werden. Denkbar wäre es sogar, dass in männlichen Haushalten für eher bittere Schokoladensorten eines Markenherstellers geworben wird, während in eher weiblichen Haushalten die Pralinenmarke beworben wird. Früher waren diese Techniken allerdings nur für kleine Personenkreise verfügbar, Voraussetzung war nämlich ein digitaler Decoder à la d-box (Sky) sowie die Weitergabe persönlicher Anwenderdaten.

     

    Zuschauer zu versteigern

    Inzwischen ist diese Art der Individualisierung dank IP-TV (Streaming per Internet auf den Fernseher) in den meisten Haushalten vorhanden. So wie es mit Online-Werbung bereits geschieht, können Werbeeinspieler theoretisch individuell vermarktet werden. Bei Online-Werbung auf Printseiten ist es bereits jetzt möglich und üblich, in dem Moment, in dem User eine Seite anklicken, sein Profil Agenturen anzubieten, deren Algorythmen dann entscheiden, ob und welcher Werbebanner aufgerufen werden soll. In diesem nur Millisekunden kurzen Prozess entscheidet sich dann ob der Kundenkontakt für wenige Cents verkauft und womit auf der gerade geöffneten Seite geworben wird. Ähnliches ist auch für Fernsehen angedacht.

     

    Das klingt alles irgendwie nach dem verkauften Zuschauer. Vielleicht kann die neue Technik dann ja trotzdem auch genutzt werden, mit dem Wissen um die geistigen Ansprüche des individuellen Zuschauers, jenen die es sich trotz Dauerwerbefeuers noch wünschen, anspruchsvolle Filme zu zeigen.

     

    Weitere Artikel zum Thema Werbung:

    Subliminals      Werberegeln     Werbespots