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Nach der Euphorie

Kurzzeitig herrschte Goldgräberstimmung für Serien in Deutschland, die Produktionsfirmen waren euphorisch, doch seit Sommer 2023 ist alles anders. Noch im ersten Halbjahr 2023 stöhnte die Filmbranche, dass es zu wenig Personal gäbe, um die riesige Nachfrage an Projekten zu bewältigen. Es geschah während des Münchner Filmfests,- überraschend sagte Sky Deutschland sein traditionelles Event ab und nicht nur das, sondern sein komplettes Engagement mit Auftragsproduktionen im Deutschen Filmmarkt. Comcast, der Eigner von Sky hatte über Nacht den Stecker gezogen. Projekte wurden mitten in den Dreharbeiten gestoppt, solche die davor standen oder noch in der Entwicklung waren, aufgelöst. Die gerade erst erstarkte Auftragsfilmbranche befand sich in Schockstarre.

Doch dabei blieb es nicht. auch Paramount Global fror Deutsche Projekte ein, Netflix reduzierte bereits die Zahl der Deutschen Auftragsproduktionen und man fürchtet, dass Vieles was in der Projektentwickllung steckt, möglicherweise nie produziert wird. Die Deutschen Produktionsfirmen sehen sich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert.

 

Kein düsteres Märchen

Im Juni 2024 kommt plötzlich die Nachricht, dass die aufwändige Netflix Serie "The Grimm Reality", von den Machern der erfolgreichen Serie "Dark", komplett abgedreht wurde und nun von Netflix eingestampft wird. Sie wird nicht einmal mehr fertig geschnitten und endbearbeitet. Die sehr freie und modernisierte Auslegung der Märchen der Gebrüder Grimm, von Wiedemann & Berg wurde als "urbaner Fantasy-Thriller" konzipiert und aufwändig produziert. Möglicherweise liegt es daran, dass Netflix mit dem Zuschauererfolg einer anderen Deutschen Serie "1899" (die teuerste je in Deutschland gedrehte Serie), unzufrieden war. Obwohl eigentlich angedacht und durch ein Cliffhanger-Ende angedeuteten Folgeblock, lehnt Netflix eine zweite Staffel ab.

Apple, Disney+ und Amazon Prime Video geben nur noch in homöopathischen Dosen Aufträge raus. Die Aufbruchstimmung bei den Streaming-Diensten ist vorbei, vorbei auch die Zeit als man nicht so aufs Geld schaute um erst einmal Marktanteile zu erobern. Die Zeiten des ungebremsten Wachstums sind vorüber, man spricht inzwischen eher von einer Konsolidierung des Streaming-Marktes. Außerdem hat sich gezeigt, dass dauch die Zuschauer nur begrenzt Zeit haben, Filme zu schauen,- das anfängliche steile Wachstum der Streamer, allen voran Netflix, hat seine natürlichen Grenzen erreicht.

Das Wegbrechen von Aufträgen, eingefrorene fertig entwickelte Serienprojekte, all das erzeugt ein schwieriges Umfeld für deutschsprachige Produzent*Innen. Viele Produzenten konnten ihre Serienrechte der abgebrochenen Sky-Produktionen zu günstigen Konditionen herauskaufen. Man geht davon aus, dass bis zu 100 Serienprojekte in unterschiedlichen Stadien am Markt sind, die versuchen, eine Finanzierung zu erhalten. Es kann Jahre dauern, bis zumindest ein Teil dieser Vorhaben doch noch bei einem anderen Sender oder oder Streaming Anbieter unterkommen werden.

 

Auch die Öffentlich Rechtlichen sparen

Zu den sichersten Abnehmern gehören, wenig überraschend, die Anbieter linearen Fernsehens, weil sie Programmslots zu füllen haben. Allen voran bleiben ARD und ZDF deshalb zuverlässige Abnehmer. Doch auch die müssen sparen, nicht nur wegen überzogener Preise für Sportrechte, sondern vor allem weil sie sonst die Renten ihrer früheren Mitarbeiterinnen nicht mehr aufbringen können.

Einige der für den internationalen Markt produzierten Deutschen Serien der letzten Jahre waren durchaus erfolgreich, zum Teil sogar sehr erfolgreich bei den Streamern. Man denke nur an "Liebes Kind" (Sechs Folgen 2023), "Maxton Hall – Die Welt zwischen uns" (6 Folgen, 2024), "Dark" (26 in 3 Staffeln, 2017-2020). Es wird auf jeden Fall einen ziemlichen Rückstau an bereits fertig entwickelten oder sogar angedrehten Serien geben, der sich vermutlich nur sehr langsam wieder etwas entspannen wird.

 

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