Nicole Ansaris Mantel (sie spielte die Mascha in "Franta", Regie: Mathias Allary), erzählte ganz viel über die Figur und ihr Schicksal. Besonders der Kragen und die Farbe waren wichtig, um sich auch in den Nahaufnahmen gut zu vermitteln. (Kostümbild: Ute Burgmann)

 

Eigentlich beginnt für Kostümbildner-innen alles mit dem gründlichen Lesen des Drehbuchs. Zunächst einmal liest man es, um die Geschichte und vor allem die Charaktere zu erfassen und danach macht man sich bei nächsten Lesen Markierungen und Notizen.

 

Natürlich haben Kostümbildner auch viele Fragen an das Drehbuch bzw. später auch an die Regie.

 

Wann spielt die Filmhandlung (Setting)

Welches Genre hat der Film?

Welche Zeitdauer wird im Film mit den Figuren erzählt?

Welche Grundstimmung, Anmutung soll der Film haben?

Zu welchen Jahreszeiten, in welchen Klimaverhältnissen ist der Film angesiedelt?

Wie kann man die unterschiedlichen Charaktere durch das Kostümbild unterstreichen?

Aus welchem sozialen Umfeld, Milieu stammen die Figuren, welche Kleidung kann man sich da leisten?

 

Dann muss geklärt werden, wie viele unterschiedliche Zustände der einzukleidenden Filmfiguren es überhaupt geben soll. Wie oft wechselt eine Filmfigur während der Filmgeschichte die Kleidung? Wenn verschiedene Szenen an einem Tag spielen, ist es wahrscheinlich, dass es keine Kleidungswechsel gibt. Will man aber besondere Unterschiede, etwa zwischen trister Arbeitssituation und dem Ausgehen am Abend erzählen, gibt es den Bkleidungswechsel eben doch.

 

Farbdramaturgisch gestaltete Kostüme für "Franta" (Regie: Mathias Allary, Kostümbild: Ute Burgmann)

 

Ja und dann ist natürlich das zur Verfügung stehende Budget noch ein ganz wichtiges Kriterium. Gar nicht selten zwingen auch die Schauspieler-innen den Kostümbildnern ihre speziellen Wünsche auf. Manche wollen einfach nicht zu legere oder gar schlampige Kleidung tragen, selbst wenn die Rolle das verlangt und versuchen die Kostümbildner davon zu überzeugen, doch hochwertigere Varianten der Kleidung auszuwählen, in denen man eben trotzdem noch chic aussieht.

 

Andere Schauspieler-innen lassen sich in die Verträge hinein schreiben, von welchen Modedesignern die Kleidung, die sie tragen gekauft werden muss. Oder sie bestehen auf handgenähten Schuhen. Solche Dinge treiben natürlich die Kosten völlig unnötig in die Höhe.

 

 

Kostümbildner können...

 

Die Kostüme selbst entwerfen, Stoffe selbst auswählen und selbst schneidern oder dies in Schneidereien in Auftrag geben.

Die Kostüme in Fundi wie der Theaterkunst oder bei Theatern ausleihen, insbesondere bei Uniformen oder anderen historischen Kleidungsstücken

Die Kostüme aus den Privatbeständen der Schauspieler auswählen

Die Kostüme in Geschäften kaufen

Die Kostüme in Second Hand Läden aussuchen

 

Da es in einem Film unterschiedliche Einstellungsgrößen gibt und man die Kostüme besonders intensiv in Nahaufnahmen sieht, sind die Oberbekleidung, Hals und Kragen, Halstücher, Krawatten, Schals, Mützen, Hüte und Kopftücher besonders gut zu sehen. In Nahaufnahmen sind dies auch die einzigen Kostümbestandteile, die eine Wirkung entfalten können.

 

Die modernen Techniken haben es den Kostümbildnern nicht unbedingt einfacher gemacht. Konnte man bei SD Fernsehen noch mit den Materialien schummeln, so wird in HD die Qualität der Materialien gnadenlos präzise abgebildet. Zudem verfremden die Farbtemperatur der Scheinwerfer und der Tageslichtquelle am Filmset sowie die Schatten noch einmal die Farben. Die vielfältigeren Korrekturmöglichkeiten im Color Grading können aber auch die Farben, die für Kostüme ausgewählt waren, in ihrer Wirkung verändern.

 

Es gibt weltweit bekannte Kostümbildner, die sich einen Namen gemacht haben. Dazu gehören Piero Tosi, (er arbeitete u.a. mit Luchino Visconti zusammen) oder Barbara Baum (sie arbeitete u.a. mit Fassbinder und Schlöndorf), sowie Milena Canonero (sie drehte u.a. mit Kubrick oder Francis Ford Coppola).

 

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