Kadrage

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    Vom Drehbuch zum Bild

    Dreharbeiten

    Dreharbeiten von Münchner Filmstudenten, betreut von Mathias Allary

    Theoretisch ist die Variationsbreite der Möglichkeiten, eine Szene zu erzählen, unendlich. Aufgabe der Regie und Kamera ist es, aus diesen Möglichkeiten jene herauszufinden, die für den Film und die Geschichte optimal sind.

     

    Dabei spielt die Gesamtkonzeption der Szene aber auch des ganzen Films eine wichtige Rolle. Schließlich sollte man als Zuschauer nachdem man den Film gesehen hat, das Gefühl haben, es sei aus einem Guss. Denn für die Zuschauer muss verborgen bleiben, dass eine vielleicht einminütige Szene über viele Stunden aus unterschiedlichen Kamerapositionen und verschiedenen Brennweiten gedreht wurde.

     

    Wie lernt man möglichst viel über Auflösung?

    Die hohe Schule ist natürlich die Analyse von herausragenden Spielfilmen der Filmgeschichte. Man kann sich einzelne Einstellungen auf Papier skizzieren und so ganze Szenenabläufe erfassen. Eine simplere Methode die Grundprinzipien zu begreifen sind, so seltsam es klingt, Comics und Fotoromane. Auch diese folgen meistens den Grundregeln der Bildsprache. Ein Achsensprung etwa würde auch im Fotoroman als Fehler auffallen!

     

    Eine einfache, aber bewährte Art, eine Szene zu erzählen, ist es, die eigene Wahrnehmung einer Situation als Mensch auf den Film zu übertragen. Nehmen wir zum Beispiel folgende Szene: Sie gehen eine Straße entlang, da bemerken Sie, dass sich in einem Straßencafé eine Eifersuchtsszene abspielt.

     

    1. Sie befinden sich zunächst einmal in einer gewissen Entfernung zu einer Situation. Wir sehen die Straße, Häuser, gewinnen einen Überblick, wo wir uns befinden. (Totale)

     

    1. Wenn sie etwas näher gekommen sind, können Sie die beteiligten Personen genauer erkennen. (Halbtotale)

     

    1. Während Sie das Streitgespräch verfolgen, konzentrieren Sie sich besonders auf den/die jenigen, die gerade sprechen, alles andere ist dann für Sie weniger wichtig. (Nahe)

     

    Schuss/Gegenschuss

    Ja, und wie beim Schnitt eines fertigen Filmes werden Ihre Augen zwischen den Streitenden mal hin, mal herschweifen (Schuss/Gegenschuss). Vielleicht werden Sie auch eine Impression außerhalb der Streitenden wahrnehmen, z. B. den staunenden Kellner oder die Eisschalen der Streitenden, die unaufhaltsam zusammen schmelzen (Detail). Eigentlich haben Sie damit bereits eine mögliche Auflösung für solch eine Szene verwirklicht.

     

    Vielleicht sollten wir an dieser Stelle auch erläutern, was man unter Schuss/Gegenschuss versteht: Bei einer Unterhaltung zweier Filmfiguren, die sich gegenübersitzen, zeigt man abwechselnd die beiden Partner, sprechend oder zuhörend. Die beiden Einstellungender Dialogpartner sollten von den Größen, der Kamerahöhe und den Winkeln her in etwa gleich sein. Und die Kamera sollte für beide Aufnahmerichtungen auf einer Seite der Bildachse bleiben. Auf diese Weise werden im Film die meisten Unterhaltungen aufgelöst.

     

    Als Variante dieser Auflösung kann man aber auch im Bild des Sprechenden, jeweils im Vordergrund, den anderen anschneiden. Man schaut ihm quasi über die Schulter, weshalb die Einstellungsart auch „Over-Shoulder“ genannt wird. Dabei ändert sich der Winkel zum jeweiligen Darsteller, man sieht ihn fast von vorne. Wie bei den meisten Gestaltungsmitteln im Film sollte auch hier darauf geachtet werden, dass in beiden Richtungen von Schuss/Gegenschuss dann eine „Over-Shoulder“ verwendet wird.

     

    Manchmal werden solche Gespräche auch mit Zwischenschnitten ergänzt, darin können weitere Personen, aber auch Gegenstände oder Räume abgebildet sein. Wichtig ist, dass die Zwischenschnitte dramaturgisch sinnvoll sind (Zeitung, Testament, Zifferblatt einer Uhr etc.) und nicht einfach nur entstanden aus der Not, eine fehlerhafte Auflösung zu kaschieren.

     

    Wichtig : Die Komplexität einer Szenenauflösung sagt nichts über die Qualität eines Films aus. Im Gegenteil, oft sind einfache aber bildhafte Lösungen viel überzeugender.

     

    Mehr zum Thema:

    Auflösung  Achsensprung  Anschlüsse Shotlist   Raum & Personen  Auf Schnitt drehen

     

  • LitelefonframeOb man nun von Kadrage, Framing oder Bildausschnitt spricht, es ist eines der wichtigsten visuellen Gestaltungsmittel des Kinos

  • Hintergründiges

    Hintergrund und Vordergrund

    Wenn die Aufmerksamkeit geteilt ist, achtet man weniger auf die Hauptfigur.

    Irgendwie ist er immer da und taucht in unzähligen Variationen in allen Film- und Fernsehfilmen auf: der Hintergrund. Man kann ihn gar nicht vermeiden, nicht aussparen, bildet er doch die grafische Unterlage für unsere Filmhelden, Antipoden, Moderatoren und gefilmten Objekte. Bemerken tun wir ihn zumeist nur, wenn er besondere dramaturgische Aufgaben übernimmt oder aber schlicht und einfach stört. Letzteres kennt man vor allem von Live-Schaltungen, bei denen plötzlich im Hintergrund Unverhofftes geschieht. Jemand irgendwo hinter der Hauptperson der Aufnahme schaut in die Kamera oder winkt, Zootiere knabbern am Hemd des Moderators.

     

     

    Auch wenn die Versuchung groß ist: Akzeptieren Sie nie blind, was im Sucher Ihrer Kamera geschieht! Nicht in Bezug auf Ihre Schauspieler, Moderatoren oder Objekte und auch nicht in Hinblick auf deren Hintergrund. Für die Wirkung einer Aufnahme oder eines ganzen Filmes auf den Zuschauer ist die Gestaltung des Bildes oftmals wichtiger als der Inhalt. Formen, Flächen, Strukturen, Symbole und Farben müssen die Filmfiguren unterstützen. Die Bildgestaltung macht das Bild und damit Ihre gewünschte Aussage lesbar.

     

    Unerwünschte Aussagen

    Stören können auch erwünschte Objekte, Details im Hintergrund, die man dem Zuschauer nicht zeigen möchte. Das hochoffizielle Interview mit einem Firmenmanager im Konferenzraum verliert deutlich an Aussagekraft, wenn im Hintergrund ein übervoller Mülleimer mit Joghurtbechern und Bananenschalen steht, die Tischdecke hässliche Kaffeeflecken aufweist. Im szenischen Bereich, in welchem man aktiver in die Auswahl der Drehorte eingreift als im Dokumentarischen, achten Ausstatter, Kamera und Regie darauf, dass die Hintergründe die Aussage der jeweiligen Einstellung bzw. Szene unterstützen. Dass man seine Drehorte optimal auf die Szenen hin abstimmt, versteht sich von selbst, doch in welcher Weise dann diese Location im Hintergrund zu sehen sein wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

     

    Ablenkungen

    Ablenkende Hintergründe

    Unterschiedliche Hintergründe können die Konzentration auf die Person unterstützen oder auch reduzieren. Links eher ungünstige, rechts geeignete Beispiele

    Doch nicht nur Hässliches, Unschönes, auch Interessantes, ja, Attraktives kann von den Hauptpersonen in Aufnahmen ablenken. Farbige, glänzende, leuchtende Objekte, geometrische Konstellationen, Dreiecke, deren Spitzen irgendwo hindeuten, Tiere, Kinder,... Es gibt vielfältige visuelle Konkurrenz in der realen Welt.. Oft kann man sie durch eine Änderung der Kameraposition, der Schussrichtung oder auch durch einen engeren Bildausschnitt aussparen. Ein weiterer Weg wäre die Verringerung der Schärfentiefe, um den Hintergrund aus der Aufmerksamkeit zu nehmen.

     

    Kadrage auch im Hintergrund

    Die Regeln des goldenen Schnitts haben auch in der Hintergrundgestaltung ihre Bedeutung. So sollte bei Außenaufnahmen der Horizont nie in der Mitte liegen, sondern stets entweder auf der unteren oder oberen horizontalen Drittellinie. Für welche Variante man sich entscheidet, hängt stark von dramaturgischen Erwägungen ab. Nimmt der von stürmischen Wolken gepeitschte oder duftig sommerliche Himmel oben zwei Drittel des Bildes ein, so unterstützt dies eine andere Aussage, als wenn man etwa den trockenen ausgedörrten Boden oder das aufgewühlte Meer unten mit zwei Dritteln des Bildes betont.

     

    Mut zur Veränderung

    An beinahe allen Filmsets kann man mitverfolgen, wie Kamera, Requisite und Ausstattung sich miteinander darüber verständigen, wie der Hintergrund optimiert werden kann. Da werden Tische, Stühle, Vasen verschoben, werden Dinge verhängt, ins Bild geschoben, abgeschattet, beleuchtetv - die Komposition des Hintergrundes wird ebenso ernst genommen wie die übrige Bildgestaltung. In der Schwarzweißfilm-Ära wurden auch schon mal Bühnenmaler beim Studiodreh rasch beauftragt, den Hintergrund heller oder dunkler zu streichen. Heute werden ganze Fotohintergründe, die geplottet oder gesprayt wurden (ähnlich den riesigen Werbetransparenten an Baugerüsten), nach den Bedürfnissen von Kamera, Ausstattung und Regie mit realen Gebäudeteilen im Vordergrund kombiniert.

     

    Klarheit

    Linien im Hintergrund

    Diagonale und senkrecht kreuzende Linien sind ein Garant für visuelle Unruhe, auch im Hintergrund.

    Man sollte seine Hintergründe wenn möglich einfach halten. Unruhige, detailreiche, bunte schraffierte Hintergründe lenken von dem Hauptsubjekt ab. Denkbar ungünstig ist auch ein laufender Fernseher oder eine schnelle Reklameleuchtschrift. Lässt sich solch ein ungünstiger Hintergrund nicht vermeiden, muss man mit technischen Mitteln versuchen, ihn weniger wichtig zu machen. Dies kann etwa durch die Lichtführung geschehen, indem man den Hintergrund etwas unterbelichtet oder durch die Schärfentiefe, die, wenn sie gering ist, den Hintergrund diffuser und damit unwichtiger macht. Dafür ist es wichtig, dass der Abstand zwischen der aufgenommenen Person und dem Hintergrund ausreichend groß ist. Steht die Person unmittelbar vor einer Wand oder einem sehr unruhigen Regal, hat man kaum Möglichkeiten, diesen Hintergrund unbedeutender zu machen.

     

    Auch die Kadrage kann helfen, wenn deutlich mehr von der Person zu sehen ist als vom Hintergrund, also etwa in einer Nah- oder Großaufnahme (vorausgesetzt solche Nähe ist dramaturgisch vertretbar).

     

    Planung

     

    Schärfentiefe im Hintergrund

    Geringe Schärfentiefe kann helfen, unruhige Hintergründe erträglich zu machen und die Konzentration auf die Filmfigur zu richten.

     

    Wenn die Möglichkeit besteht, die Drehorte, die Motive sorgfältig auszusuchen, ja, zu gestalten, vielleicht sogar zu bauen, dann besteht die Chance, dem Hintergrund eine wichtige Rolle zukommen zu lassen. Stanley Kubrik etwa gilt als einer der Regisseure, die dem Raum eine besonders große Bedeutung beigemessen haben. Er fasste die Räume als eigene Spielfiguren seiner Geschichten auf und räumte ihnen entsprechend viel Platz in seinen Filmen ein. Seine Hintergründe wurden zu psychischen Bausteinen, waren emotionale Funktionsträger. Will man etwa die Distanz zwischen zwei Menschen, die am jeweils anderen Ende eines langen Tisches sitzen, unterstreichen, so schneidet man nicht zwischen ihnen hin und her, sondern man schwenkt langsam vom einen zum anderen und lässt damit den leeren Hintergrund zur bleiernen visuellen Trennmauer zwischen diesen Menschen werden.

     

    Und nicht zuletzt kann man ja die Störung im Hintergrund auch bewusst einsetzen - etwa bei Doku-Fakes, indem man scheinbar zufällige Geschehnisse in den Hintergrund der angeblichen Handlung verlegt, welche der Zuschauer beinahe zufällig mitbekommt und deshalb für authentisch erachtet. Woody Allen taucht so in seinem Film vom menschlichen Chamäleon, "Zelig", mehrmals im Bildhintergrund prominenter Personen der Zeitgeschichte auf. Eine gefakte Reportage bekommt durch scheinbare Passanten, die im Hintergrund in die Kamera lächeln und winken, erst die richtige Glaubwürdigkeit.

     

  • Genauer Blick

    Filmstreifen wird mit Lupe betrachtet

    Der genaue Blick auf den Film macht die Analyse erst möglich

    Über Filme sprechen und nachdenken gehört zu den Aufgaben, die vor allem an Schulen und Universitäten eine Vielzahl von Fragen aufwerfen. Immer wieder geben Dozenten ihren Studenten den Auftrag, Szenen oder ganze Filme zu analysieren, Grund genug einmal über den möglichen Aufbau einer solchen Analyse Gedanken zu machen.

     

    Dabei gibt es je nach Unterrichts- oder Studienfach hierfür unterschiedliche Schwerpunkte. Es gibt beispielsweise semiotische (filmsprachliche), psychologische, kommunikationswissenschaftliche, soziologische oder kunstwissenschaftliche Ansätze.

     

    Grundsätzlich werden in der klassischen Filmanalyse die formalen, filmtechnischen Mittel unterschieden von den inhaltlichen Aspekten. Eine gute Filmanalyse sollte heute jedoch genau diese beiden Welten sachlich begründet miteinander zu verknüpfen versuchen. Filmdozenten greifen seltsamerweise fast immer auf die gleichen Filme zurück, die ihre Studenten erforschen sollen. Klassiker der Filmgeschichte führen hier ganz eindeutig, Titel wie "Psycho", "Die Vögel", "North by Northwest" gehören zu den unangefochtenen Spitzenreitern.

     

    Sequenzanalyse

    Filme bestehen aus einer Vielzahl gestalterischer Elemente, darunter neben der Story und den Charakteren Gestaltungsmittel wie Ton, Licht, die Kameraführung, die Bildkomposition oder der Schnitt. Um eine solche Arbeit nicht zu umfangreich werden zu lassen, sucht man sich eine oder mehrere wichtige Sequenzen aus einem Film aus und analysiert diese stellvertretend für den ganzen Film.

     

    All diese Elemente werden in der Regel sehr gezielt eingesetzt um eine gewünschte Wirkung beim Zuschauer zu erzielen. Im Umkehrschluss macht es durchaus Sinn, um Filmsprache zu begreifen, diese verwendeten Mittel zu analysieren.

     

    Neben dem Film selbst ist die Basis der Sequenzanalyse das Sequenzprotokoll einer oder mehrerer wichtiger Szenen eines bestimmten Filmes.

     

    Filminhalt

    Die Sequenzanalyse geht weit über das reine Protokollieren der gestalterischen Elemente hinaus. In der Regel beginnt die Sequenzanalyse mit allgemeinen Informationen über den Film, den Regisseur sowie einer Inhaltsangabe. Gleichzeitig geht es auch darum ein Gefühl für die Struktur eines Films zu entwickeln. Je nach dem besonderen Aspekt der Analyse können bestimmte Schwerpunkte, etwa die Bedeutung und Charakterisierung der Figuren (Charakterlinie, Körpersprache), Motive des Handelns oder Gewaltdarstellungen besonders berücksichtigt werden. Welche Emotionen vermittelt der Film?

     

    Stichworte: Handlungsstränge, Handlungsverlauf, Erzählstruktur, Erzählweise, Erzählung  ( Erzählhaltung, Erzählperspektiven), Mittelpunkt, Nebenfiguren, Gegenspieler, Helden, Verlauf der Geschichte, Dramaturgie, Spannung, Höhepunkt, Schlüsselszene, Spannungsbogen, Handlungsort, Parallel (Drehbuch)

     

    Kategorien

    In der filmwissenschaftlichen Arbeit können auch Erläuterungen zu den verschiedenen Kategorien vorangestellt werden, sowie Anmerkungen etwa zu der Zeitbasis auf die man sich stützt, etc. Auch statistische Angaben, etwa, wie viele Einstellungen, wie viele Szenen der Film besitzt, und welche durchschnittliche Länge die Einstellungen haben, können hier Erwähnung finden.

     

    Steigt man in die Sequenzanalyse ein, so werden Schlussfolgerungen aus dem Sequenzprotokoll formuliert. Etwa, welche Unterschiede in der Länge der einzelnen Einstellungen aufgefallen sind und aus welchen dramaturgischen Absichten diese möglicherweise so gewählt wurden.

     

    Kamera

    Filmstreifen wird vermessen

    Welche Kriterien sind sinnvoll und kann man Film überhaupt theoretisch erfassen?

    Welche Einstellungsgrößen, welche Perspektiven, welche Kamerabewegungen?

     

    Beispiel zu Kamera & Einstellungsgröße: "Zu Beginn der Sequenz werden für die Beschreibung der Örtlichkeit und der Beziehung von Malvin und Lara auffallend viele Totalen, Amerikanische und Halbnahe verwendet, Größen die es uns erlauben, einen Überblick zu gewinnen und die Charaktere in ihrem Handeln genau zu erfassen.

     

    Mit Beginn der Bedrohung verdichten sich die Bilder zu Nahen und kurz vor dem Rettungssprung aus der U-Bahn- mehreren Großaufnahmen. Über 20 immer enger werdende Einstellungen verdeutlichen die zerstörte Harmonie. usw."

     

    Stichworte: Schuss/Gegenschuss, Bewegungsachse, Bewegungsrichtung, Perspektive, Fahrten, Schwenks, Einstellungsgröße, Bildausschnitt, Zoom, Bildbegrenzung, Bildkomposition, Vordergrund, Hintergrund, Kamerabewegungen,  Aufsicht, Untersicht

     

    Schnitt

    Welches sind die häufigsten Einstellungslängen, kurze oder längere? Wo findet man welche Art von Schnitten? Wo findet man Auf- Ab, Überblendungen. Wie sind die verschiedenen Einstellungen miteinander rhythmisch verknüpft?

     

    Beispiel zum Tempo/Schnitt: "Die ersten 12 Einstellungen in denen die Hauptfiguren Malvin und Lara vorgestellt werden, sind überproportional lang, einige davon länger als 30 Sekunden. Während die Beziehung der Beiden sowie die Örtlichkeit etabliert wird, hat der Rhythmus einem gleichmässigen Fluss. Das ändert sich, als die Bedrohung der Beiden durch Laras früheren, gewalttätigen Freund deutlich wird und die Schnittfolge sich deutlich beschleunigt. Die Einstellungen werden kürzer, als der Freund das Paar in dem U-Bahn Abteil angreift. Die Sequenz läuft auf ihren Höhepunkt zu, als Malvin und Lara der Sprung aus der sich schließenden U-Bahntür gelingt und ihre Erleichterung sich in einer langen ruhigen Einstellung auflöst. usw."

     

    Wichtige Stichworte: Parallelmontage, Tempobeschleunigung, Verlangsamung, Auf-, Abblende, Überblendung, Sequenzanfang,- ende, Einstellungen, Einstellungsdauer, Tempo, Ruhe, Schnittfolge

     

     

    Bildinhalt, Ausstattung

    Welche Räume, Landschaften, künstliche Hintergründe oder computergenerierte Bilder (CGI) werden wann wie verwendet? Welche Bedeutung hat das Lichtin dem Film? Wirkt es natürlich oder eher Effekt- Unterstreichend? Auf welche Weise werden die Filmfiguren durch Kostüme, Maskeetc. charakterisiert? Gibt es eine Farbsymbolik im Film und wenn ja, welche?

     

    Ton

    Tonebene

    In welcher Form kommt Sprache vor? (Schriften, Titel, Untertitel, Einblendungen / Dialoge, Kommentar, Erzähler etc.) Was kann man über die Stimmen im Ton aussagen? Welche Bedeutung hat der Ton im Verhältnis zum Bild? Wie werden Geräusche und Atmos verwendet, wie die Musik? (Ton) Auf welche Weise werden die verschiedenen Ebenen im Sound-Design miteinander verknüpft? Wie sind die Übergänge des Tons zwischen den einzelnen Szenen, hart oder fließend weich ineinander geblendet? Gibt es bewusste Tonlöcher- Stille, die vielleicht den Zuschauer irritieren, ja ängstigen soll? Ist der Ton in Stereo, 5.1 oder 7.1 auf der Tonspur vorhanden?

     

    Stichworte: Laut, leise, Parallelismus, Kontrapunktik, sensibel, ausgewogen, Originalton, Synchronisation, Filmmusik, Tonspur, durchkomponiert, Musiknummern, emotional, auf eine bestimmte Epoche verweisend, unmerklich.

     

    Sequenzprotokoll

    Das Szenenprotokoll ist im Wesentlichen eine tabellarische Auflistung der einzelnen Einstellungen einer Sequenz oder Szene in welcher zu jeder Einstellung Informationen zu verschiedenen gestalterischen Elementen protokolliert werden.

     

    Die Tabelle kennt also mehrere Spalten, in deren Kopfzeile jeweils die gewünschten Kategorien als Überschriften eingefügt werden. Das können sein: Nummer der Einstellung, Der Zeitpunkt innerhalb des Films, Die Dauer, Die Einstellungsgröße, Bildinhalt und Aufbau, Die Handlung, Licht und Farbe, Kameraposition, Bewegungen, Effekte, Ton etc.

     

    Es bietet sich an, für eine solche Tabelle das A4 Querformat zu wählen, um ausreichend Spalten für die gewünschten Kategorien zur Verfügung zu haben. Hier ein Download einer typischen Tabelle für das Herstellen eines Sequenzprotokolls ([Redaktion: Download wird bald bereitgestellt]). Wer über die technischen Möglichkeiten verfügt, sich Standbilder aus der entsprechende Szene zu speichern, kann auch eine Spalte der Tabelle für Einstellungsfotos reservieren.

     

    Details

    Die meisten Filmanalysen verlieren sich bedauerlicherweise in einer pedantischen Auflistung von Details, ohne aber den großen Zusammenhang des Filmwerks wirklich zu erspüren. Statt einer reich mechanistischen Fleißarbeit sollte man stets versuchen, gewonnene Informationen über den Einsatz bestimmter Gestaltungsmittel in Bezug zu setzen zu dramaturgischen Notwendigkeiten oder etwa filmgeschichtlichen Zusammenhängen. Denn eine Filmanalyse ohne Erkenntnisgewinn bleibt letztlich reines Tabellenfüllen.

     

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  • Bildseitenverhältnis

    Das Bildseitenverhältnis (Aspect Ratio) beschreibt jenes Rechteck, welches in der Aufnahme- und der Projektion oder Wiedergabe am Fernsehschirm die Bildinformation begrenzt. Die Form unseres Bildausschnitts (Frame) wird wie in der Geometrie beschrieben durch die Proportionen eines Rechtecks. Die Breite geteilt durch die Höhe dieses Rechtecks ist das Seitenverhältnis. Doch es ist viel mehr als nur eine mathematische Formel, im Film hat es mit Philosophie, mit Kosten, mit Enge und Weite, manchmal auch mit Magie zu tun.

     

    Das Seitenverhältnis von Super 8 und Normal 16ist 4 zu 3 oder auch 1.33:1 Bei diesen beiden Formaten kann man das so einfach definieren, denn niemand würde freiwillig von dem ohnehin nicht riesigen Filmbild unnötig etwas verschenken. Manchmal, ganz selten, drehen auch heute noch Filmemacher in 4:3, wie etwa Andrea Arnold. In einem sogar quadratischen Seitenverhältnis wurde über weite Strecken "Mommy" (Regie Xavier Dolan) gedreht.

     

    Academy-Standard

    Bei 35 mm sieht die Sache schon ganz anders aus. Nutzt man auch hier, wie oben erwähnt, die volle Bildfläche aus, so hat man es auch hier mit 1.33:1 zu tun. Dieses Seitenverhältnis wird auch Academy-Standard (1.375:1) genannt. Für reine Fernsehzwecke war dies lange der Standard. Das hat natürlich damit zu tun, dass sich die frühen Fernsehgeräte am Kinostandard damals orientierten und der war in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts eben 1.375:1.

    Doch seit High-Definition oder 16:9-Fernsehern (PAL Plus etc.) sind andere Seitenverhältnisse gefragt. Diese liegen mit 1.77:1 recht nahe am Kinostandard.

     

     

     

    Kino

    Im Kino sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Hier gibt es hin und wieder das Breitbildformat 1.66:1. Die Situation eines Kinosaales und der Wunsch reiche, weite Bilder zu erzeugen, haben das Seitenverhältnis 1.85:1 aber zum Standard werden lassen. Die meisten Kinofilme kommen in 1.85:1. Dieses weicht eindeutig von der Bildfläche, die ein 35mm-Filmbild hat, ab. Es nutzt weniger von der Höhe. Um also in 1.85:1 zu drehen, wird in der Kamera (ist nicht zwingend, kann auch im Kopierwerk geschehen) ein entsprechendes Bildfenster eingesetzt, bei dem etwas vom oberen und unteren Teil des Filmbildes abgeschnitten wird. Entsprechend wird auch eine Mattscheibe im Sucher verwendet, bei dem der Bildausschnitt in 1.85:1 eingezeichnet ist.

     

    Schade dabei ist, wie viel Filmmaterial auf diese Weise ungenutzt verschwendet wird. Deshalb gab es schon früher Bemühungen, mit einem „Techniscope“ genannten Verfahren, die 35mm-Norm dahingehend zu verändern, das nicht vier, sondern nur drei Perforationslöcher Filmmaterial bei jedem Bild weiterbewegt werden. Auf diese Weise spart man jede Menge Rohfilm. Der letzte Anlauf in dieser Richtung nannte sich 3Perf. Später im Kino wird dann ebenfalls ein 1.85:1-Bildfenster verwendet.

     

    Breitwand

    Breitwandverfahren wie Cinemascope verbreitern das Bild nochmals und erreichen so 2.35:1. Jedes, von der Fernsehgröße (4:3) abweichende Format erzeugt auf dem Bildschirm die berühmten schwarzen Balken (Letterbox). Breitbildfernseher umgehen dies durch ein entsprechend verbreitertes Format (siehe HDTV). Dort erzeugen dann nur noch Cinemascope-Filme schwarze Balken auf dem Bildschirm.

    Erdacht wurde das Format in den 50er Jahren des letzten Jahrhundert, um gegen die Konkurrenz des Fernsehens neue visuelle Attraktionen bieten zu können.

     

     

     

    Mattscheibe der Kamera

    Bei Filmkameras, oder Videokameras, die einen Spiegelreflexsucher besitzen und mit denen man verschiedene Bildformate verwirklichen kann, lassen sich, wie oben erwähnt, neben den Bildfenstern auch die Mattscheiben auswechseln. Es gibt jedoch auch Mattscheiben, in denen fast alle wichtigen Bildseitenverhältnisse zugleich eingezeichnet sind. Die Mattscheibe sieht dann etwa so aus wie im Bild rechts. Die Arbeit damit ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, man muss sich etwas mehr auf den Bildausschnitt konzentrieren. Deshalb bevorzugen es viele Kameraleute, für das jeweils verwendete Bildseitenverhältnis auch eine eigene Mattscheibe in den Sucher einzusetzen.

     

    Die kombinierten Mattscheiben fanden vor allem Verwendung, wenn in den 90er Jahren ein von den TV-Sendern propagiertes, von den Kameraleuten aber oft als Zumutung empfundenes Denken mit dem fortschrittlichen Namen „Shoot and Protect“ zur Anwendung kam. Dies bedeutete nichts anderes, als dass man die Bildgestaltung für zwei Bildformate gleichzeitig vornehmen sollte. Einerseits für die damals überall gängigen TV-Geräte in 4:3 und andererseits auch für künftige Wiederholungen des gleichen Filmes auf 16:9 (HDTV). Wie das wirklich gehen sollte, für beide Bildformate gleichzeitig eine optimale Gestaltung des Bildausschnitts zu erzielen, hat damals allerdings niemand überzeugend beantworten können.

     

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