Journalismus

  • Presseausweis

     

    Off Limits

     

    Wer dokumentarisch arbeitet, kommt immer wieder in Situationen, wo der Zugang zu bestimmten Örtlichkeiten, Veranstaltungen, Ereignissen für normal "sterbliche" Menschen versperrt bleibt. Eine Arbeitserleichterung sind in solchen und anderen Situationen Presseausweise. Darüber hinaus gewähren viele Firmen sogenannte Presserabatte, dies kann beim Auto- oder PC-Kauf bares Geld wert sein. Allerdings gibt es zahlreiche Vereinigungen und Verbände, die hübsch gelayoutete Ausweise gegen Gebühren vergeben, deren Anerkennung jedoch längst nicht überall gewährleistet ist.

     

    Nicht überall, wo Presseausweis draufsteht ist auch...

     

    Es gibt auf diese Weise Presseausweise wie Sand am Meer, allerdings nur einen bundeseinheitlichen Presseausweis für hauptberufliche Journalisten. Auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Innenministerkonferenz gibt es diesen nur über die beiden Vereinigungen für hauptberufliche Journalisten (DJV, DAG und verdi) sowie die beiden Verlegerverbände (Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V. und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V.). Seit 2005 wird auch der Jugendpresseausweis der Jugendpresse Deutschland e.V. akzeptiert.

     

    Dies ist vor allem eine Schutzmaßnahme, um den Missbrauch des Presseausweises als Gratis-Zugang für Privatpersonen etwa zu Konzerten etc. zu verhindern. Nur beruflich tätige Journalisten, die ihre Tätigkeit nachweisen können, sind berechtigt, überhaupt bundeseinheitliche Presseausweise zu beantragen. Auch Studenten journalistischer Studiengänge sind berechtigt, einen solchen Ausweis zu beantragen. Auf den "offiziellen" Ausweisen ist ein Vermerk des Innenministeriums angebracht, den Inhaber des Ausweises bei seiner Tätigkeit zu unterstützen.

     

    Personen, die nur ab und an mal etwas schreiben und veröffentlichen, ansonsten aber einem ganz anderen Beruf nachgehen, haben es etwas schwerer, an einen Presseausweis zu gelangen. Sporadische Veröffentlichungen werden gerne als "Liebhaberei" abgetan. Alle anderen, als die bundeseinheitlichen Presseausweise, müssen einen (möglichst nicht kleingedruckten) Zusatz tragen, dass es sich dabei nicht um den Ausweis der hauptberuflichen Verbände handelt.

     

    Nachweis journalistischer Tätigkeit

     

    Als Nachweis für die hauptberufliche journalistische Tätigkeit gelten etwa Veröffentlichungen, Bestätigungen eines Verlages, Nachweise des Finanzamtes über Einnahmen aus journalistischer Tätigkeit, Verdienstnachweise, etc. Darüber hinaus kann man auch einen internationalen Presseausweis (IPA) beantragen. Verdi und der DJV versuchen, Journalisten, die einen Presseausweis benötigen, gleichzeitig zu einer Mitgliedschaft zu bewegen. Die Kosten für einen Presseausweis sind etwa bei Verdi bereits im Mitgliedbeitrag enthalten, die Mitgliedschaft ist aber nicht Pflicht. Auch der DJV weist darauf hin, dass auch Journalistinnen und Journalisten, die nicht Mitglied im DJV sind, beim DJV-NRW einen Presseausweis beantragen können. Im Fall der Nichtmitgliedschaft kostet der Ausweis ca. 100 Euro.

     

    Darüber, wer einen Presseausweis erhält, entscheiden nicht die Verbände, sondern offizielle Richtlinien. Denn der Presseausweis gilt als amtliches Dokument, das Journalisten bei ihrer Tätigkeit als Legitimation dient.

     

    Der bundeseinheitliche Presseausweis

     

    Über die Gewerkschaft Verdi: Bei Mitgliedschaft ist der Presseausweis nach Nachweis der Tätigkeit kostenlos, Nichtmitglieder zahlen 100 Euro Gebühr. www.verdi.de/bw/fb8/presseausweis

     

    Über den deutschen Journalisten-Verband: Für Mitglieder ist der Ausweis kostenlos, Nichtmitgliederzahlen 100 Euro Gebühr. www.djv.de

     

    Bundesverband deutscher Zeitungsverleger: www.bdzv.de

     

    Verband deutscher Zeitschriftenverleger: www.vdz.de

     

    Jugendpresse Deutschland e.V.: www.jugendpresse.de

     

    Neuregelung 2006

     

    Wie schnell und wie absolut er sich durchsetzen wird ist noch nicht absehbar, doch ab 2006 gibt es einen bundeseinheitlichen Presseausweis, der von den verschiedenen Presseorganisationen sowie der Innenministerkonferenz der Länder ausgestellt wird. Der Ausweis wird durch Hologramm und fälschungssichere Drucktechniken vor Missbrauch geschützt sein. Den Ausweis kann man nicht verlängern, er muss jährlich erneuert werden. Infos gibt es unter: www.presseausweis.org

     

    Sonstige, nicht überall anerkannte Presseausweise

     

    Wer hauptberuflich journalistisch tätig ist, muss sich darauf verlassen können, dass sein Presseausweis möglichst überall anerkannt wird. Deshalb ist der bundeseinheitliche Ausweis zu bevorzugen. Darüber hinaus bieten aber diverse andere Verbände, von denen es etwa 30 allein in Deutschland gibt, eigene Ausweise an. Hier einige Beispiele:

     

    Mitgliedschaft im deutschen Presse-Verband. Als Mitglied kann man, bei Nachweis entsprechender Tätigkeit einen Presseausweis beantragen. Mitgliedschaft: 68 Euro, Ausweis: 20 Euro (www.dpv.org)

     

    Bildungs- und Förderverein Deutscher Jugendmedien e.V.: www.bvdj-online.de

     

    Deutscher Fachjournalisten-Verband: www.dfjv.de

     

    Presseausweise: Österreich, Schweiz

     

    Verbände in Österreich

    http://www.oejc.or.at/

    http://www.jugendpresse.org/

    Verbände in der Schweiz

    http://www.schweizerpresse.ch/de/index.shtml

     

    http://www.jugendpresse.ch/d/index.php?2005

     

    http://www.comedia.ch/de/1-Service/Journi-Service/presseausweis.php

     

  • #metoo Vorwürfe beim WDR

    Beim WDR sind Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch einen Korrespondenten untersucht worden

  • Dokfest 2014

    Dokfest 14 500Das DOK.Fest 2014 ist wieder ein wenig gewachsen und präsentiert ein breiteres Programm

  • Handy Livestream

    Immer öfter stammen aktuelle Videos von Gewalttaten nicht mehr von Reportern sondern von Handybesitzern

  • Interviews drehen

    Interview Aufbau 500Eigentlich denkt man, es sei total einfach, aber ganz so easy geht es eben doch nicht. 10 handfeste Tipps fürs perfekte Interview

  • Medienpädagogik

    Obwohl sie so eine enorm wichtige Rolle in unserem Leben spielen, wird der Umgang mit ihnen viel zu wenig gelehrt...

  • Murdoch fordert Geld für echte News

    Medienmogul Rupert Murdoch fordert von Facebook & Co Gebühren für die Nutzung seriöser Nachrichten seiner Publikationen

  • Pressefreiheit 2018?

    Der Journalist Deniz Yücel wurde am 14.2 2017 in der Türkei festgenommen und befindet sich ohne Anklage in Untersuchungshaft. Am 16.2 wurde seine Entlassung bekannt gegeben.

  • Presserat rügt "Bild"

    Bild 500Für die Veröffentlichung von Ausschnitten des Videos vom Christchurch-Attentäter wurde die Bild-Zeitung gerügt

  • Stoffentwicklung

    Erzählende Formen. Dokumentarische Formen

    Biergarten

    Nichts ist spannender als die Wirklichkeit...

     

    Auch wenn Drehbücher im Allgemeinen aus der Feder von Autoren stammen und die Geschichten ausgedacht sind, so haben viele dieser Drehbücher einen hohen Anteil an Realität.

    Wirklichkeit ist das, woraus die meisten Filmgeschichten entstehen. Sei es vergangene, gehörte, erlebte, recherchierte oder auch fantasierte Wirklichkeit. Menschen interessieren sich für die Welt in der sie leben, wollen mehr erfahren über Problemstellungen, die sie aus eigener Erfahrung kennen oder die ihnen irgendwie interessant und wichtig erscheinen.

    Es mag mit unseren Traditionen zusammenhängen, unserer Kultur, unserem Wahrnehmungsapparat, dass Menschen Informationen am liebsten in Form von Geschichten wahrnehmen. Geschichten vermischen Fakten und Emotionen. Die Lust am Geschichtenerzählen sollte also im Vordergrund stehen, wenn wir uns einem bestimmten Thema widmen.

     

    Im Grunde genommen hat bereits die Anfangszeit des Kinos gezeigt, was Menschen interessiert, was sie bewegt. Die ersten Filme waren dokumentarisch gedreht. Die Zuschauer wollten an ungewöhnlichen Ereignissen teilhaben, interessante Persönlichkeiten sehen, an fremden Orten dabei sein, wollten miterleben, miterfahren.

     

    Aufbereiten

    Natürlich kann man Informationen und Fakten nicht einfach 1:1 dem Zuschauer nahe bringen. Niemand will zwei Stunden lang sehen, wie Fabrikarbeiter Glühbirnen herstellen und verpacken. Man muss sie auswählen, komprimieren, muss sie in eine andere Ordnung bringen, dramaturgisch aufbereiten. Man bekommt also die Informationen nicht so dargebracht, wie sie entstehen, wie sie sich ereignen, sondern meistens so, wie sie optimal und dramatisch wirken.

     

    Jede Art von Information kann unterschiedlich dargestellt werden. Am naheliegendsten sind sicherlich die journalistischen Formen, die eher Nachrichtencharakter haben. Oder die faktisch und bis hin zu essayistischen Formen, wie man sie im Dokumentarfilm vorfindet. Übliche Formen sind: Die Reportage, der Bericht, das Feature, die Dokumentation, der Dokumentarfilm, das Porträt.

     

    Wie faktisch ist das Faktische?

    Eis

    Fernsehveranstalter neigen dazu, beinahe alles, was ohne Drehbuch entsteht, als dokumentarisch zu bezeichnen...

     

    Puristen betrachten das Dokumentarische gerne als unbeeinflusste, objektive Darstellung von Wirklichkeit. Tatsächlich aber ist ja bereits ein Film eine massive Veränderung von Wirklichkeit. Die Entscheidung, wann die Kamera eingeschaltet wird oder welche gedrehte Einstellung wie lange und an welcher Stelle verwendet wird, ist ein gestaltender Eingriff, eine Veränderung. Und dennoch werden dem dokumentarischen Bereich Formate zugeordnet, die deutlich weiter von der Wirklichkeit entfernt sind als ein gestalteter Dokumentarfilm.

     

    Wer heute Fernsehzeitungen aufschlägt oder sich in online-Programmplanern die Auswahl an dokumentarischen Filmen anzeigen lässt, der stößt auf eine riesige Auswahl an Sendungen. Wie kommt es, gibt es plötzlich so viel mehr Dokumentarfilme oder was ist der Grund?

     

    Wenn man genauer hinschaut, fallen einem Sendungen auf, die eigentlich einen gänzlich anderen Charakter haben, als Dokumentarfilme. Da werden Leute auf einsamen Inseln, im Urwald oder einfach in Container gesetzt und mit Kameras bei ihrem Tun beobachtet. Oder man begleitet Fahrschüler bei ihren Stunden, deutsche Auswanderer ohne Sprachkenntnisse im Ausland und nennt das dokumentarisch. Die Selbstinszenierung Einzelner hat aber mit dem Dokumentarischen ganz und gar nichts zu tun. Traditionelle Dokumentaristen meiden Protagonisten, die sich in den Vordergrund drängen. Als Quelle zur Recherche taugen all die Reality-Formate vor allem der Privatsender wegen der verfälschten, angelegten und gewollt hergestellten Befindlichkeit der Protagonisten nur in geringem Umfang.

     

    Auf welche Weise gelangt Realität in szenische Formen?

    Realität in szenischen Filmen verschafft diesen Glaubwürdigkeit. Und das erhöht die Aufmerksamkeit beim Zuschauer. Figuren und Dialoge, die künstlich wirken, akzeptiert man viel schwerer als glaubwürdige, nachvollziehbare Charaktere. Und auch das Setting, die örtliche und zeitliche Grundlage der Geschichte, das Milieu etc. helfen entscheidend mit, ein starkes Drehbuch und einen intensiven Film herzustellen.

     

    Das Werkzeug zum Abgleich Ihrer Filmgeschichten mit der Wirklichkeit ist die Recherche. Diese kann alle bekannten Medien einschließen, sollte aber vor allem die persönliche Wahrnehmung vor Ort einschließen. Recherche in den Medien birgt immer die Gefahren von Informationen aus zweiter Hand in sich. Einfärbungen, Wiederholungen von Klischees, Vereinfachungen. Grundsätzlich sollten auch bei der Recherche für Spielfilmdrehbücher journalistische Grundlagen beachtet werden. So wie man sich als Journalist nie auf nur eine Quelle verlassen darf, so sollte auch die persönliche Recherche breit gefächert sein.

     

    Selbst hingehen und schauen, fragen, das sollte der Weg sein, auf dem Sie den Anteil an Wahrhaftigkeit sichern, der für einen starken Film notwendig ist.

     

    Wenn Sie erleben, wie Menschen in anderen Verhältnissen, anderen Situationen, an anderen Orten, in anderem Alter als Sie selbst, leben, dann bereichert dies ihre Filme ungemein. Es sind die kleinen Details, die allgemeinen Umstände und das individuelle Gefühl, welche zusammen helfen dem Film Bodenhaftung zu geben.

     

    Das gilt im Übrigen auch für Regisseure. Wenn Bewegungen, Gesten, Abläufe einfach nicht mit der Realität übereinstimmen, atmet der inszenierte Film einfach nicht. Er bleibt oberflächlich und künstlich. Es sind die kleinen, nebensächlichen Beobachtungen, die man in der Realität macht, welche dann bei der Inszenierung helfen, Glaubwürdigkeit herzustellen.

     

     

     

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