Dokfest Publikum 2000 

Seit 2020 konnte das Münchner DOK.Fest auf Grund der Corona-Beschränkungen nur Online stattfinden. 2022 gibt es vom DOK.Fest eine Hybrid-Ausgabe...

Nachdem im ersten Corona Jahr nicht ausreichend Zeit vorhanden war, eine aufwändige, echte Online-Version als Webseite zu programmieren und die entsprechenden Inhalte aufzubereiten, konnten Daniel Sponsel und sein Team 2021 die zweite digitale Ausgabe länger planen.

Nun also die dritte Edition, kombiniert mit physischen Kinoaufführungen und echten Begegnungen, ganz so, wie wir es eigentlich gewohnt waren.

 

DOKfest 01 PORNFLUENCER c Salzgeber 4000

PORNFLUENCER, Deutschland 2022 – Regie: Joscha Bongard - der Film läuft in der Reihe "DOK.focus BRAVE NEW WORK"

 

Das Programmangebot ist wieder sehr breit gefächert und viele spannende Filme warten darauf, vom 4. bis 15. Mai in den Kinos und parallel vom 9. bis 22. Mai auch Online entdeckt zu werden. Wie man all das am Besten findet, zeigen wir Euch an dieser Stelle.

Der Film "NAWALNY" von Daniel Roher (Kanada) eröffnet am 4. Mai das DOK.fest

 

Opening Montage 2000

 

Es lohnt sich auf jeden Fall! Über diese Buttons könnt Ihr die verschiedenen DOK-Themenbereiche öffnen und schließen:

Das Programm

Dokfest Preise 2000

 

124 Filme aus der ganzen Welt mit einer Auswahl der besten gesellschaftlich-relevanten und künstlerisch herausragenden Dokumentarfilme des Jahres. Ab sofort kann man Online-Tickets erwerben. Für das Anschauen der Filme werden etwas höhere Preise aufgerufen, als im vergangenen Jahr.

 

Ein einfaches Ticket für einen Film, ganz gleich ob im Kino oder online kostet 7,50 €

Die Filme werden, so wie es aussieht, über die ganze Dauer des Festivals abrufbar sein. Mit dem Erwerb eines Tickets hat man 48 Stunden lang Zugriff auf den jeweiligen Film.

Man kann aber auch eine Flatrate für alle Filme erwerben, den Festival-Pass für 75,00 €.

Wer sowohl im Kino, als auch Online Festivalfilme anschauen will: Dual Festival Pass: 90,00 €

 

Einen Überblick über die Filme des Festivals gibt es hier: https://www.dokfest-muenchen.de/Filme

 

Hier Hinweise auf besondere Reihen, die es neben dem internationalen Wettbewerb, den deutschen Dokumentarfilmen, den Reihen DOK.horizonte, DOK.focus BRAVE NEW WORK, DOK.panorama, Best of Fests, sowie den Studentenfilmen auch noch gibt:

 

DOK.guest Spanien

DOKfest 06 SEDIMENTOS 4000

SEDIMENTOS, Spanien 2021 – Regie: Adrián Silvestre

 

918 NIGHTS, Spanien 2021 – Regie: Arantza Santesteban

ALTSASU (THAT NIGHT), Spanien 2021 – Regie: Marc Parramon Bori, Amets Arzallus Antia

EL CÍRCULO, Spanien 2021 – Regie: Iván Roiz, Álvaro Priante

MAGALUF GHOST TOWN, Spanien 2021 – Regie: Miguel Angel Blanca

SEDIMENTOS, Spanien 2021 – Regie: Adrián Silvestre

 

 

DOK.network Africa

DOKfest 04 HOME AGAIN 4000

HOME AGAIN, Gambia, Südafrika 2022 – Regie: Babucarr Manka

 

Die Reihe lädt zu einer anderen, differenzierteren Sichtweise auf den afrikanischen Kontinent ein. Drei Filme aus und über Afrika werden im Programm zu sehen sein.

 

AFRICAN MOOT, Finnland, Südafrika 2022 – Regie: Shameela Seedat

Aus ganz Afrika treffen sich jedes Jahr über hundert der besten Jurastudent.innen, um in einer simulierten Gerichtsverhandlung vor dem Afrikanischen Gerichtshof für Menschenrechte einen fiktiven Fall zu verhandeln. Diesmal geht es um die Rechte von Flüchtlingen auf dem Kontinent.

 

HOME AGAIN, Gambia, Südafrika 2022 – Regie: Babucarr Manka

Im Auftrag der Europäischen Union organisiert die Internationale Organisation für Migration die Rückführung von Flüchtlingen in ihre Heimatländer und deren Reintegration vor Ort. Unter strengen Auflagen sollen sich die jungen Männer eine Existenz aufbauen. Paabi ist einer von ihnen. Doch das ausgezahlte Startkapital ist bald weg. Ausgegeben für Klamotten und verteilt an Freunde und Familie.

 

LEND ME YOUR VOICE, Rwanda, Südafrika 2021 – Regie: Claudine Ndimbira

„Geh eine Meile oder mehr in meinen Schuhen“, lautet die Aufforderung. Wir sollen uns in die Rolle der gebürtigen Kongolesin Akili Nadege versetzen. Sie musste ihr Leben lang flüchten. Zuletzt wird sie 2015 in Burundi fälschlicherweise gefangen genommen und gefoltert. Und kann am Ende doch nach Ruanda entkommen.

 

 

Close Up: Polen

HFF Screenings des Bereich Fernsehjournalismus – In 5 Nahaufnahmen zeigen wir polnische Realitäten, vom Kampf um Meinungsfreiheit und Frauenrechte über die Lage im oberschlesischen Kohlerevier bis hin zur Flüchtlingspolitik und dem Wiederaufleben des Judentums.

 

75€!, Deutschland 2022 – Regie: Luigjina Shkupa

Der Schutz des Lebens ist die oberste Priorität jener Menschen, die sich gegen Abtreibungen einsetzen. Und doch hat eine restriktive Gesetzgebung genau das Gegenteil zur Folge, wie das Beispiel Polen zeigt.

 

BORDERS, Deutschland 2022 – Regie: Nicole Humiński

Während Polen für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen internationalen Zuspruch erhält, rückt die umstrittene Situation an der Grenze zu Belarus in den Hintergrund. BORDERS begleitet Privatpersonen, die Flüchtenden helfen – vor und nach Beginn des Krieges.

 

ENERGIA, Deutschland 2022 – Regie: Jona Salcher

Schuftende Hände tief unten im Dunkel der Mine, fremdartig hallende Klänge aus dem Bauch der Erde; eine zerfurchte Industrielandschaft – die Steinkohle ernährt mit ihrer Energie die Region um das schlesische Kattowice. "Energia" tastet sich heran an ein Gefühl einer ungewissen Zukunft. Hat die Energie bereits die Kontrolle über das Leben der Menschen gewonnen?

 

MEDIEN OHNE WAHL?, Deutschland 2022 – Regie: Hanna Stock

Momentan liegt Polen im Weltindex für Pressefreiheit auf Platz 64, 2015 war es noch auf Platz 12. Was ist passiert? Der Weg einer frisch gedruckten “Gazeta Wyborcza” zum Zeitungskiosk gibt einen Einblick in die Problematik der Medienlandschaft in Polen.

 

UFLEB, Deutschland 2022 – Regie: Hilarija Ločmele

Wie geht man damit um, wenn man plötzlich erfährt, dass man jüdische Vorfahren hat? Die Protagonisten im Film UFLEB sind genau mit dieser Frage konfrontiert worden. Sie erzählen, was es für sie bedeutet, die Last des Judentums auf den Schultern zu tragen und geben zugleich einen Einblick ins Jüdisch-sein im heutigen Polen.

 

Um auch das Gespräch rund um die Filme aufrecht zu erhalten, wird es zu fast allen Filmen aus dem Programm Gespräche mit den FilmemacherInnen aus dem Programm geben. Je nach Möglichkeit physisch oder online.

 

Hommage Heidi Specogna

DOKfest 01 CARTE BLANCHE 4000

CARTE BLANCHE, Deutschland, Schweiz 2011 – Regie: Heidi Specogna

 

CAHIER AFRICAIN, Deutschland, Schweiz 2016 – Regie: Heidi Specogna

CARTE BLANCHE, Deutschland, Schweiz 2011 – Regie: Heidi Specogna

DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ, Deutschland, Schweiz 2006 – Regie: Heidi Specogna

STAND UP MY BEAUTY, Deutschland, Schweiz 2021 – Regie: Heidi Specogna

TUPAMAROS, Deutschland, Schweiz 1996 – Regie: Heidi Specogna, Rainer Hoffmann

DAS SCHIFF DES TORJÄGERS, Deutschland, Schweiz 2010 – Regie: Heidi Specogna

 

 

 

Preise

Dokfest Preise 2000

 

Die Organisatoren des DOK.Festes haben es geschafft, für die Online-Ausgabe die Vergabe der meisten ausgelobten Preise aufrecht zu erhalten. Das ist angesichts dieser gänzlich anderen Festival-Präsentation nicht selbstverständlich und für die FilmemacherInnen, denen aktuell so viele Arbeitsmöglichkeiten versperrt sind, eine wertvolle Hilfe.

 

DOKfest 01 SOLDAT AHMET c Jakob Fuhr 4000

SOLDAT AHMET, Österreich 2021 – Regie: Jannis Lenz läuft in der Reihe DOK.international

 

Im Internationalen Wettbewerb laufen folgende Filme:

1970, Polen 2021 – Regie: Tomasz Wolski

A HOUSE MADE OF SPLINTERS, Dänemark, Finnland, Schweden, Ukraine 2022

EINE FRAU, Deutschland 2021 – Regie: Jeanine Meerapfel

FIRE OF LOVE, Kanada, USA 2022 – Regie: Sara Dosa

FOUR JOURNEYS, Niederlande 2021 – Regie: Louis Hothothot

HOW TO SAVE A DEAD FRIEND, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Schweden 2022 – Regie: Marusya Syroechkovskaya

GREEN JAIL, Frankreich, Japan, Taiwan 2021 – Regie: Yin-yu Huang

NAWALNY, USA 2022 – Regie: Daniel Roher

KAPR CODE, Slowakei, Tschechische Republik 2022 – Regie: Lucie Králová

SOLDAT AHMET, Österreich 2021 – Regie: Jannis Lenz

RENÉ: THE PRISONER OF FREEDOM, Tschechische Republik 2021 – Regie: Helena Třeštíková

TRENCHES, Frankreich 2021 – Regie: Loup Bureau

ULTRAVIOLETTE AND THE BLOOD-SPITTERS GANG, Frankreich 2021 – Regie: Robin Hunzinger

 

DOKfest 06 ILL WAIT UNTIL THEY CALL MY NAME 4000

SCHWARZARBEIT, Schweiz 2022 – Regie: Ulrich Grossenbacher, der Film läuft in der Reihe DOK.deutsch

 

Die Preise und die GewinnerInnen

In den drei Wettbewerbsreihen konkurrieren Filme um den VIKTOR Main Competition, DOK.international (gestiftet vom Bayerischen Rundfunk), den VIKTOR DOK.deutsch und den VIKTOR DOK.horizonte (gestiftet von der Petra-Kelly-Stiftung). Insgesamt werden 17 Preise verliehen, mehr als je zuvor. Neu kommt der Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts hinzu. Er zeichnet seit 2003 einen herausragenden deutschen Dokumentarfilm des laufenden Jahres aus. Ab diesem Jahr wird der Preis jeweils abwechselnd in München, Leipzig, Duisburg und Kassel vergeben. Beim DOK.fest München wird der Preis am 14. Mai im Deutschen Theater verliehen.

 

Die Preisträger*Innen

 

VIKTOR Main Competition DOK.international

TRENCHES, Regie: Loup Bureau

 

VIKTOR DOK.deutsch

ZUSAMMENLEBEN, Regie: Thomas Fürhapter

VIKTOR DOK.horizonte

NO SIMPLE WAY HOME, Regie: Akuol de Mabior

FFF-Förderpreis Dokumentarfilm

HOAMWEH LUNG, Regie: Felix Klee

megaherz Student Award

PUSHING BOUNDARIES, Regie: Lesia Kordonets
 

DOK.edit Award – presented by Adobe

DAUGHTERS, Regie: Åsa Mossberg und Line Schou

Der VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis 2022 geht an: "THE OTHER SIDE OF THE RIVER"

Stefan Tolz, Thomas Riedelsheimer und Sarvnaz Alambeigi mit 1001 NIGHTS APART
 

Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis

Alva Noto für die Musik zu MEIN GESTOHLENES LAND 

 

DOK.fest-Preis der SOS-Kinderdörfer

Diem Ha Le / CHILDREN OF THE MIST 
 
Wir gratulieren!
 

Dokumentarfilm Lernen

Dokfest Preise 2000

 

Auch in diesem Jahr wird es unter dem Label "DOK.education" ein pädagogisches Angebot geben, welches einerseits aus einer Auswahl von drei kurzen Dokumentarfilmen für unterschiedliche Altersklassen, als auch aus begleitenden Videos in denen die Filme diskutiert werden, besteht.

Das Angebot will helfen, Medienkompetenz im Dokumentarischen zu schulen, ein Verständnis für die Erzählsprache von Dokumentarfilmen zu entwickeln. Filmbildung im Kino und online: Die „Schule des Sehens“ von DOK.education wird in diesem Jahr erstmals dual angeboten. In diesen Seminaren lernen Schüler.innen, wie dokumentarische Filmerzählungen eine eigene Wirklichkeit konstruieren. Lehrkräfte können das Online-Programm samt begleitenden Arbeitsmaterialien von Mai bis Juli im Unterricht einsetzen – und das deutschlandweit. Außerdem lädt das Team von DOK.education Schulklassen vom 09. bis 13. Mai zu Seminaren in Münchner Kinos ein.
 
Zu den weiteren Highlights von DOK.education gehören in diesem Jahr ein Workshop für Kinder und Jugendliche zum Thema „Sprechen vor der Kamera“ mit Julian Janssen – auch bekannt als „Checker Julian“ – sowie ein Kamera-Workshop mit Profi-Kameramann Martin Noweck. In der Münchner Stadtbibliothek im Motorama findet die Ausstellung „Triff dein Vorurteil“ statt. Und am 15. Mai feiert „Tanz im Museum“ Premiere: Das Tanz- und Film- Projekt entstand in Kooperation zwischen dem Kreisjugendring München-Stadt, dem Bayerischen Staatsballett, der Alten Pinakothek und DOK.education.
 

Ihre Schulklasse sieht unter Anleitung einen altersgerecht ausgewählten Film und begegnet der.m Filmemacher.in im Online-Gespräch. Für nachhaltige Aufbereitung sorgt unser schulisches Begleitmaterial. Das Angebot findet vom 09. bis 13. Mai in Münchner Kinos statt. Lehrkräfte, die mit ihren Klassen nicht vor Ort teilnehmen, können von Mai bis Juli das Online-Programm der „Schule des Sehens“ buchen. Dieses funktioniert nach einem Baukastensystem mit einem altersgerecht kuratierten Dokumentarfilm, einem vorproduzierten Videoseminar, Arbeitsblättern und einer Online-Begegnung mit den Filmemacher.innen. Die Lehrkräfte können selbst entscheiden, welche Elemente sie einsetzen.

Die drei Filme für die verschiedenen Altersgruppen in diesem Jahr:

Für Acht- bis Zwölfjährige:

MAXIM – DER GRÖSSTE
(Regie: Katja Fedulova / Deutschland 2020 / 24 Minuten)
Auch ohne Beine meistert der 10-jährige Skateboarder Maxim seinen Alltag mit Bravour und ansteckender Lebensfreude.
 
Für Zwölf - bis 16-Jährige:
JULES UND ICH
(Regie: Anne Ballon / Belgien 2021 / 15 Minuten)
Roos hat eine Schwester, die mal ihr Bruder war: Jules. Die Zuschauenden tauchen mitten in das Auf und Ab der neuen Geschwisterbeziehung ein.
 
Für 14- bis 19-Jährige:
SEEPFERDCHEN
(Regie: Nele Dehnenkamp / Deutschland 2020 / 16 Minuten)
Auf der Flucht über das Mittelmeer hatte die jugendliche Hanan Todesangst vor dem Wasser. Heute bringt sie ihrem kleinen Bruder das Schwimmen bei

 

PädagogInnen können sich per email beim DOK.Fest melden und erhalten dann einen Zugang zu dem Angebot für ihre SchülerInnen.

Alle Infos dazu: www.dokfest-muenchen.de/DOK_education

 

Filmkritik "Navalny"

DOKfest 01 NAVALNY 4000

 

Regie: Daniel Roher, USA 2022, Dauer: 98 Min
Kinostart in Deutschland: 05.05.2022 

Dass Regisseur Daniel Roher diesen Film gedreht hat, war ein wenig auch dem Zufall zu verdanken, sein Kontaktmann, der ihm bei einem Film über Giftangriffe auf Exilrussen half, bot ihm einen Kontakt zu dem Oppositionellen Alexej Nawalny an.
So begleitete der Filmemacher monatelang nach dem Mordversuch mit Nowitschok, jenem Nervengift welches Russland angeblich gar nicht besitzt (der Film zeigt sogar die Produktionsstätten des Nervengifts in Russland), über die Behandlung und Rettung in Berlin, seine Genesung zusammen mit seiner Familie (seiner Frau und zwei Kindern) im Schwarzwald und seinem Entschluss trotz der akuten Bedrohung wieder zurück nach Russland zu reisen. Den Schlusspunkt bildet die Festnahme Nawalnys bereits am Flughafen.

Der Film war Eröffnungsfilm beim DOK.fest 2022 in München,- keine Weltpremiere,- schließlich hat der Film bereits den Publikumspreis in Sundance gewonnen. Er erzeugt Spannung, nicht zuletzt weil wir hautnah dabei sind, wie Jemand sein Leben als politisches Mittel einsetzt und riskiert. Dazu gehört schon jede Menge Mut, dem russischen Diktator die Stirn zu bieten. Man möchte es kaum glauben, aber der Film ist nicht nur spannend, sondern stellenweise sogar komisch,- Navalny verfügt über jede Menge Ironie.

Der Film zeigt collagehaft vor allem Aufnahmen, von denen Nawalny möchte, dass sie gesehen werden, der Protagonist bestimmt maßgeblich, welche Tiefe der Film bekommen kann. Navalny ist Medienprofi durch und durch,- selbst die dunkelsten Momente, die Rettung von dem beinahe tödlichen Anschlag, zeigen einen Menschen, der mit seiner Botschaft eins geworden ist. Allzu viele kritische Fragen von Seiten des Regisseurs oder gar einen relativierenden Kommentar gibt es nicht.

Das mit Nawalny von Roher gedrehte Material wird unterschnitten mit Archivfotos, und Nachrichten, älteren Interviews mit Nawalny, seiner Frau Julia sowie mit Christo Grosew vom investigativen Recherchenetzwerk Bellingcat.

 

DOKfest 04 NAVALNY 4000


Jenes Recherchenetzwerk machte durch seine Recherchen denn auch eine Schlüsselszene des Films möglich, in welcher Nawalny mit anderem Namen einen der Anschlagstäter anruft und mit ihm über den missglückten Mordversuch redet. Nawalny macht seinem Beinahe-Mörder darin groteskerweise Vorwürfe, ob denn die Dosis falsch bemessen gewesen sei oder weshalb das schief gegangen sei.

Abstrus auch Montagen von Originalmaterial von Putin, in dem er krampfhaft versucht, zwar über Nawalny zu sprechen, seinen Namen aber bewusst zu vermeiden. So ist der Film vor allem ein Zeitdokument, welches das von Navalny selbst gewünschte Bild von ihm, aber auch von Putins Russland zeigt. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine verleiht dem Film natürlich zusätzlich eine unfassbare Aktualität. Das erzeugt mehr als nur Gänsehaut, wie das System Putins mit Regimekritikern umgeht.

Ein spannender, sehenswerter Film. Dem mutigen, schillernden, durchaus auch umstrittenen Oppositionellen Navalny setzt der Film ein Denkmal, dem Privatmenschen Alexej kommt man kaum nahe.

 

Gesehen von Mathias Allary

Bilder: DOK.fest München

 

Filmkritik "We Met In Virtual Reality"

DOKfest 01 WE MET IN VIRTUAL REALITY 4000

 

Großbritannien 2022 – Regie: Joe Hunting

Es gibt viele Vorstellungen von Zukunft, auch darüber, wie Menschen sich kennenlernen, sich mögen, sich verlieben sollen. Manche glauben fest daran, dass Menschen dies auf virtuellen Plattformen mit mäßig gelungenen Comic-Avataren und künstlichen Welten bewerkstelligen werden.  VR-Chat heißt die Plattform um die es in dem Film geht und zu Beginn wird man ohne irgendeine real sichtbare Identifikationsfigur erst einmal in die virtuellen Räume, etwa eine Einführungsveranstaltung die Avatare mit Infos zum Agieren in der virtuellen Welt hineingeworfen.

Regisseur Joe Hunting hat über ein Jahr lang seine unterschiedlichsten virtuellen Begegnungen mitgeschnitten und der Zuschauer ist in unterschiedlichsten Räumen mit diversen Avataren dabei.Zu viele Erklärungen gibt es nicht, man erwartet von den Zuschauern, dass sie durch Games und mehr bereits an die neuen Visualisierungsmöglichkeiten gewohnt sind.

Es gibt diverse Unterrichtssituationen, in denen man Dinge wie Gebärdensprache, aber auch Tanzen erlernen kann. Es gibt aber auch Freizeit-Bereiche und in denen, so kann man der Kommentarstimme des Regisseurs entnehmen, entstehen Beziehungen. So schaut er sich schon nach relativ kurzer Zeit jeweils nach einer virtuellen Frauenfigur um, mit der er Zeit auf einem Rummelplatz verbracht hat. Sein eigener Avatar und der Avatar der anderen Faru erzählen, wie im realen Leben Paare das auch tun, wann sie sich zum ersten Mal begegnet sind,- nur eben virtuell.

Viele Dinge, die Joe Hunting sagt, sind persönliche Erklärungen,- etwa das ein Vorteil seiner virtuellen Repräsentation ist, dass er dort nicht nach seinem realen Leben, nach dem, wie reale Menschen ihn kennen, bewertet wird, sondern nur danach, wie man dort als Avatar sich gibt, mit anderen spricht, sie behandelt. Nicht wirklich erläutert werden die verschiedenen Ebenen an Privilegien oder Möglichkeiten, die man innerhalb der Plattform erreichen kann.

Der Film erzählt Geschichten von verschiedenen Paaren, von ihren Schwierigkeiten, ihren Freuden. Sie berichten von der großen Freiheit, die ihnen die virtuelle Ersatzwelt gibt, manche konnten dort persönliche Tragödien besser überwinden. Einige wollen ihre virtuellen Beziehungen auch auf die wirkliche Welt ausdehnen.  Es gibt Nightclubs, Bars, Funparks und mehr, wo sich die Avatare begenen können und wie in der richtigen Welt gab es scheinbar recht bald auch Idioten in Form von Trollen, Kränkungen und unmoralischem Verhalten. Das nahm teilweise ein Ausmaß an, dass die Plattform einen virtuellen Panikknopf integrieren musste.

Vermutlich hat das Wegfallen realer Begegnungorte wegen der Pandemie den Erfolg dieser und anderer Plattformen begünstigt. Ansteckungsfreie Begegnungen,- für Menschen, die die Künstlichkeit der angebotenen Welten mögen, offenbar ein akzeptabler Ersatz. Doch es fühlt sich auch immer wieder recht schal an, riecht nach EInsamkeit, nach Rückzug aus dem wirklichen Leben. Leider begegnet man in dem Film nie den realen Menschen, die hinter den Fantasiefiguren stecken. Damit fehlen einem wichtige Bezugspunkte und man wird als Zuschauer letztlich mit einer Grenze konfrontiert, welche die Künstlichkeit der animierten Welt nie überwindet.

Man muss das mögen,- ohne selbst agieren zu können, seltsamen, nur mäßig animierten Fantasie-Avataren zuzusehen und vor allem Menschen, die real dort vielleicht einen Ausweg aus ihrem vorübergehend oder dauerhaft ungenügenden wirklichen Leben entfliehen, zuzuhören. Man fühlt sich die 90 Minuten des Films über streckenweise ein wenig, als wenn man den Mitschnitten von Game-Sessions zusieht, die andere gespielt haben. Während Gesichter, denen man zuschaut, ganze Landschaften der Emotionalität sein können, bleiben die Oberflächen der Avatare dahinter weit zurück, hier bleibt der Film dem Zuschauer vieles schuldig. Ja,- Stimmen sind auch Ausdrucksmittel, aber eben nur ein Teil. Der Behauptung im Teasertext des DOK.fests, die Zukunft des Kinos sei virtuell, darf man getrost und sehr entschieden widersprechen.

Bilder: DOK.fest München

 

Filmkritik „If You Are A Man“

 DOKfest 03 IF YOU ARE A MAN 4000 

 

Regie: Simon Panay,

Burkina Faso/ Frankreich 2022, Dauer: 90 Min


Burkina Faso, ein Land das rund 4500 km von Deutschland entfernt liegt zeigt Facetten, die den der Deutschen nicht unterschiedlicher sein könnten. Der 13-jährige Opio, ein sehr eigener doch ruhiger und bedachter Junge, wird von seiner Familie als die einzige Hoffnung für ein besseres Leben gesehen. Anstelle sich mit den anderen Kindern zu vergnügen, zerbricht er sich den Kopf darüber, wie er Geld verdienen kann. Denn er verfolgt nur den einen Traum - zur Schule gehen zu können. Um auf die Schule aufgenommen werden zu können, braucht es aber eine Summe an Geld.

Beim Gespräch mit dem Schulleiter über die Aufnahme von Opio hilft sein Vater ihm und verspricht, dass das Geld in wenigen Tagen da sein würde. Der Vater verkauft seine besten Hühner und spart für die Zukunft von Opio. Der Junge Opio arbeitet schon lange an der Oberfläche des Untertagebaus, er kurbelt die anderen Mitarbeitenden, die bis zu 200 Meter in der Tiefe Steine mit nach oben bringen, wie an einem Brunnen hoch. Zum Verdienst wird ihm ein Sack Steine gegeben, die er im Anschluss mit großer körperlicher Anstrengung und Mühe weiterverarbeiten darf, um auf minimales Stück Gold zu hoffen, welches er wiederrum verkauft. Die Erschöpfung ist ihm im Gesicht geschrieben doch im Bewusstsein seiner Situation und in Hoffnung auf eine gute Bildung entscheidet er, sich selbst in die dunklen Schächte unter die Erde zu begeben.

Opio’ s Mutter will ihn aus Angst nicht gehen lassen, sind zuvor schon andere dort umgekommen. „If You Are A Man“ – zu Deutsch: „Wenn Du ein Mann bist“.

 

DOKfest 01 IF YOU ARE A MAN 4000

 

Opio nimmt all seinen Mut zusammen und begibt sich gegen den Willen seiner Mutter in die Tiefen. Er singt und lacht, um das Herablassen von der Oberfläche hinunter in die Erde angenehmer zu machen und sich die Angst zu nehmen. Unten angekommen spaltet er Steine aus der Wand aus, die er mit anderen im Anschluss wieder zurück an die Oberfläche bringt. Von den anderen Jungen wird er nicht mehr als kleiner Junge betrachtet, denn er ist jetzt „ein Mann“. Er verhält sich nicht mehr wie Kinder und hat mit seinen Taten Ansehen gewonnen.

Durch seine Arbeit im Untertagebau hat er sich mehrere Säcke Steine verdient. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch mehr Arbeit. Auf Nachfrage des Vaters an den Schuldirektor, ob das restliche Geld nicht nachträglich gezahlt werden könne, damit Opio den Einstieg nicht verpasst, gelingt es Opio für kurze Zeit die Schule zu besuchen.

Die schwerwiegende Arbeit in der Mine nimmt kein Ende, kostet immens viel Kraft und scheint dennoch nicht ausreichend für den Schulbesuch zu sein, sodass der kleine Junge Opio die Schulroutine verlässt und wieder zurück kehrt zu seiner alten Tätigkeit für die Gold Minen Arbeit unter der Erde. Ein Film der die kontrastierenden Parallelen der Welt aufzeigt und uns an die Bodenständigkeit erinnert.

Gesehen von Fatbardhë Hakaj
Bilder: DOK.fest München

 

Branchenplattform des DOK.fest München

Dokfest Preise 2000

 

Interessierte Filmschaffende können sich für Workshops, Pitchings und Diskussionsrunden anmelden. Die Teilnahme am öffentlichen Programm des DOK.forum ist kostenlos und wird real und im digitalen Raum stattfinden.

DOK.forum Marktplatz

Beim DOK.forum Marktplatz erhalten in diesem Jahr 45 Dokumentarfilmteams die Möglichkeit, Branchenexpert.innen ihre Projekte in verschiedenen Stadien der Entwicklung vorzustellen: In Roundtable-Sessions und One-to-One-Meetings erhalten sie wertvolles Feedback – und finden im Idealfall Partner.innen für ihre Vorhaben. Neben den dotierten Pitching-Wettbewerben findet der Master’s Pitch statt – erstmals in hybrider Form im Silbersaal des Deutschen Theaters: In Kooperation mit Documentary Campus stellen neun ausgewählte Teams ihre aktuellen Filmprojekte vor. Zum diesjährigen Thema „Tell Us What You Need – What You Really Really Need“ werden einige der acht Jurymitglieder kurze Keynotes halten, außerdem äußern sie sich zu den Projekten. Feedback gibt aber nicht nur die Jury, sondern auch das Fachpublikum mit Regisseur.innen, Produzent.innen und Vertreter.innen von Sendern. Daneben bietet der DOK.forum Marktplatz bei mehreren Empfängen die Möglichkeit, sich zu vernetzen.

 

DOK.forum Perspektiven


Das Programm der DOK.forum Perspektiven lenkt den Blick in die Zukunft: In vier Fokusreihen werden die Trends des dokumentarischen Erzählens diskutiert. Die
Programmreihe New Media stellt innovative Projekte vor, die sich neuen Formen des Erzählens widmen: Interaktive AR- und VR-Formate und crossmediale Online-Formate werden vor Jury und Publikum präsentiert. Die Fokusreihe Re:arranging Reality richtet ein besonderes Augenmerk auf die Postproduktion von Dokumentarfilmen. In der „Masterclass: Editing Series – präsentiert von Adobe“ geben Produzent Georg Tschurtschenthaler (Gebrueder Beetz) und Editor André Nier Einblicke in ihre Schnittprozesse am Beispiel der erfolgreichen Netflix-Serie ROHWEDDER – EINIGKEIT UND MORD UND FREIHEIT (Gebrueder Beetz, 2020). Die Fokusreihe Film und Politik diskutiert medienpolitische Themen

 

Festivalnetzwerk Doc Around Europe


Mit dem Festivalnetzwerk Doc Around Europe lotet das DOK.fest München die Rolle der Filmfestivals für die Zukunft der Branche aus. Zu dem vom DOK.fest München initiierten Netzwerk gehören DocsBarcelona (Spanien), MakeDox (Nordmazedonien) und FIPADOC (Frankreich). In diesem Jahr wird das Netzwerk sogar um ein weiteres Festival erweitert: Zum ersten Mal ist Verzió dabei, ein Human Rights Film Festival aus Ungarn

 

Preise beim DOK.forum


Beim DOK.forum werden sechs Preise verliehen: Der DOK.series Award, gestiftet von TELLUX-film und megaherz, widmet sich seriellen dokumentarischen Formaten und greift somit einen hochaktuellen Trend des Erzählens auf. Er wird zum zweiten Mal verliehen. Der von Sonoton Music gestiftete DOK.composition Award fördert herausragende musikalische Kompositionen im Dokumentarfilm. Der DOK.archive Award, gestiftet von British Pathé, honoriert und unterstützt die künstlerische dokumentarische Arbeit mit wertvollem Archivmaterial. Der DOK.talent Award des Hauses des Dokumentarfilms fördert junge Filmtalente: Er würdigt das beste studentische Filmkonzept. DOK.digital – der Preis für neue Erzählformate zeichnet innovative Projekte aus, die unter Einbezug von neuen technischen Möglichkeiten dokumentarische Erzählformen entwickeln. Der Preis wird bereits zum dritten Mal verliehen und wird gestiftet von der Bayerischen Landeszentrale für neue
Medien. All diese Preise sind jeweils mit 2.500 Euro dotiert. Der mit 5.000 Euro dotierte DOK.edit Award, gestiftet von Adobe, würdigt die besondere Arbeit von Editor.innen und wird zum zweiten Mal verliehen.


Mehr Infos: www.dokfest-muenchen.de/DOK_forum

 

Foto: DOK.fest München

Dokumentarfilm-Themen

Dokfest Preise 2000

 

Der Dokumentarfilm hat sich trotz einer übermächtigen Spielfilm-Industrie in den letzen Jahren mehr denn je behaupten können. Die Sehnsucht der Menschen nach Wahrhaftigkeit, nach Authentizität ist ungestillt.

Der neue Grundkurs Dokumentarfilm des Movie-College ist in Produktion gegangen und wird nach Fertigstellung im Akademiebereich des Movie-College angeboten.

Hier die verschiedenen Kapitel zum Dokumentarischen innerhalb des Movie-College:

 

Artikel zu Dokumentarfilm

            
 
 
               
               
 

 

Risiko Dokfilm

Dreh und Desinfektion

 

 

Tödliche Selfies

   Filme über Milch    Dokumentarfilm: "Cow"