Tonfilm

  • Nagra TonbandgerätDie Töne der allermeisten Filme der Filmgeschichte bis zum Jahrtausendwechsel wurden analog aufgenommen. Die Einflüsse sind bis heute spürbar

  • DigitalMikrofon500Welche Vorteile bieten digitale Mikrofone tatsächlich?

  •  Ursprünglich kam der Ton zum Tonfilm von einem Mono-Lautsprecher hinter der Leinwand. Erst später, mit Aufkommen des Breitwand-Films in den 50er Jahren, dachte man plötzlich auch über Stereo mit besserer Links-Rechts-Mitte-Ortung oder dann später über 5.1 oder 7.1 Surround nach.

  • Wer Filmgeschichte schreiben will, muss sich zuerst auch mit ihr beschäftigen. Hier werden die Anfänge des Films erläutert.

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    Alter Filmprojektor

    Alter Ernemann Tonfilmprojektor für 35 mm Film

     

    Das Wiedererstarken des deutschen Films nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges dauerte nur bis zur Einführung des Tonfilms - übrigens eine deutschen Erfindung, die bereits 1921 von Hans Vogt, Joseph Masolle und Dr. Engl gemacht und dann lange Jahre von der Industrie verhindert wurde. Wichtige Gründe für den Widerstand waren: Stummfilme waren international erfolgreich (man musste lediglich die Zwischentitel für andere Sprachräume austauschen), Tonfilme hätten den Siegeszug etwa des deutschen, französischen oder sowjetischen Films jäh abgebrochen.

     

    Zudem weigerten sich die Kinobesitzer und die Filmstudios, in die notwendige Technik zu investieren. Nicht zuletzt hatten auch diverse Stummfilmstars ungeeignete Stimmen und wären damit nicht mehr einsetzbar gewesen. Einige Stars konnten auch in anderen Sprachen nicht arbeiten - Emil Jannnings und Pola Negri etwa hatten in den USA keine Chance. Als der Tonfilm 1929 dann mit dem „Jazz Singer“ endlich auf dem Markt etabliert wurde, zerbrach die europäische Filmindustrie in lauter kleine Industrien, die jede für sich in der eigenen Landessprache drehen mussten. Im gleichen Jahre wurde erstmals in den USA von der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" der Oscar verliehen.

     

    Letzte Stummfilme

    Obwohl die neue Technik schon im Einsatz war, kamen noch eine ganze Reihe von Stummfilmen heraus. So drehte etwa Alfred Hitchcock seinen letzten Stummfilm "The Manxman" 1929 oder Leo Mittler brachte seinen Film "Jenseits der Straße" 1929 heraus. Der russische Regisseur Michail Romm brachte seinen Stummfilm "Pyschka" sogar erst 1934 in die Kinos. Und der größte Nachzügler war Charlie Chaplin, der noch 1936 mit "Modern Times" einen Stummfilm herausbrachte.

     

    Low-Tech

    Die technischen Möglichkeiten waren äußerst begrenzt. Die Mikrofone hatten keine starke Richtwirkung. So wurden die Schauspieler gezwungen, stets in Richtung des Mikrofons zu spielen, welches oft im Motiv versteckt wurde, etwa hinter einem Blumenstrauß. Aufnahmen „on location“ waren so gut wie unmöglich, weil die Außengeräusche zu laut waren. Man behalf sich mit gemalten Hintersetzern oder Rückprojektion.

     

    Tonfilmoperetten

    Wie beim "Jazz Singer", einem teilweise vertonten, teilweise noch stummen Filmwerk, stand in einigen der frühen deutschen Filme die Musik im Vordergrund. Musikalische Komödien, von Kritikern wie dem Filmtheoretiker Siegfried Krakauer als Tonfilmoperetten beschimpfte Unterhaltungsstreifen kamen in Mode. Beispiele hierfür waren: "Der Kongress tanzt" (Regie: Erik Charell), "Ein blonder Traum" (Regie: Paul Martin, Drehbuch: Billy Wilder & Walter Reisch). Ansätze, das Sprachproblem zu lösen, waren bereits bei der Einführung des Tonfilms Untertitel, Mehrsprachversionen oder auch eingesprochene Übersetzungen.

     

    Sprachfassungen/Versionenfilme

    Die damalige Technik machte es erforderlich, dass beim Einsprechen von Übersetzungen, diese vor Ort bei den Dreharbeiten direkt eingesprochen wurden. Beliebter waren dagegen Mehrsprachversionen, bei denen während der Dreharbeiten verschiedene Fassungen entstanden. Vor allem zu Beginn der Tonfilmära waren die überwältigende Mehrheit der Produktionen mehrsprachig gedreht. Dazu drehte man mit besonders sprachbegabten Schauspielern, die beispielsweise deutsch, englisch und französisch sprachen und drehte jede Einstellung mehrmals in den jeweiligen Sprachen. So existieren etwa Stan-Laurel-und-Oliver-Hardy-Filme, in denen die Komödianten deutsch sprachen. Alternativ drehte man mit verschiedenen Schauspielern gleichzeitig, so genannte Versionenfilme. Der Film „Die Drei von der Tankstelle“ (Wilhelm Thiele, 1930) wurde in der deutschen Fassung von Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis und Lilian Harvey gespielt. Für die französische Fassung spielten Henri Garat, René Lefèvre und George Peclet. Die weibliche Rolle spielte auch hier Lilian Harvey, die gutes Französisch sprach.

     

    Viele europäische Länder, wie etwa Frankreich, litten unter den hohen Lizenzzahlungen für das favorisierte amerikanische Tonsystem. Wirtschaftliche Probleme ließen in Frankreich einige Großproduktionen kollabieren - ein Umstand, den sich viele kleine Produktionen zunutze machten. Es entstehen realistischere, in den 30er Jahren auch pessimistische, sentimentale Filme (Beispiele: "L´atalante" (Regie: Jean Vigo, 1935), „Hafen im Nebel“, (Regie: Marcel Carné, 1938). Ab Mitte der 30er Jahre setzt sich die Sprachsynchronisation für die Herstellung von Fremdsprachenversionen durch.

     

    England in den 30ern

    Bereits mit "Nanuk, der Eskimo" hatte Flaherty im dokumentarischen Genre Zeichen gesetzt. Mitte der 30er Jahre präsentierte er „Die Männer von Aran“, den er zusammen mit Frances Flaherty realisierte. In England entstanden in den 30er Jahren eine Reihe von herausragenden Dokumentarfilmen, die, finanziert von der Regierung, zumeist den Arbeitsalltag von Menschen darstellten. Der Produzent und Filmemacher John Grierson produzierte mehr als 100 Filme, darunter auch den poetischen Klassiker „Nightmail“ (Basil Wright, 1936). Im Spielfilmbereich etablierte sich Alfred Hitchcock 1935 mit dem Film „Die 39 Stufen“ als Könner des Thrillers.

     

    USA 30er Jahre

    Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wanderten zahlreiche deutschsprachige Regisseure nach Amerika aus, darunter William Dieterle, Edgar Ulmer, Ernst Lubitsch oder Fritz Lang. In den USA fand eine ungeheure Kommerzialisierung und Standardisierung statt. Filme wurden nach immergleichem Muster und ähnlichsten Drehbuchstrukturen verfilmt. Gefragte Regisseure drehten bis zu fünf Filme im Jahr, die Studiobosse schrieben die Rezeptur vor, Genres wurden gefestigt, wenn nicht gemauert.

     

    1935 wird auch der erste Farbfilm im Technicolor-Verfahren gedreht, einer Technik, die gleichzeitig auf drei Schwarzweißfilme aufnahm, die jeweils einen der drei Farbauszüge aufnahmen. Davon wurden im Kopierwerk Matritzen erstellt, die auf die Kopien die jeweiligen Farben im Druckverfahren aufdruckten. Noch heute nennt man deshalb Filmkopien im englischsprachigen Raum „print“.

     

    1937 kommt Chaplins „Moderne Zeiten“ heraus, sein letzter Film, bei dem er sich dem Tonfilm verweigert.  Besonders beliebt waren zu diesem Zeitpunkt die so genannten Screwball-Comedys - erwähnt sei stellvertretend „Leoparden küsst man nicht“ (Regie: Howard Hawks, 1938). Eine der wichtigsten Großproduktionen des Hollywoodkinos dieser Jahre: "Gone with the Wind" (Regie: Victor Fleming, 1939).

     

    Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus

    In Deutschland war die gesamte Filmproduktion den Begehrlichkeiten der Nationalsozialisten unterworfen. Filme wurden grundsätzlich gemeinsam mit dem Propagandaministerium abgestimmt. Das kreative Filmschaffen kam weitgehend zum Erliegen, viele Filmschaffende und Autoren wurden mit Berufsverbot belegt. So schrieb etwa Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger später das Drehbuch zu "Münchhausen". Die verschiedenen existierenden Wochenschauen wurden alle zu einer einzigen, vom Propagandaministerium zentral gesteuerten deutschen Wochenschau zusammengefasst.

     

    Eine bedeutende Rolle im Dokumentarfilm spielte etwa Leni Riefenstahl, die durch filmische Überhöhung und kunstvolle Kamera- und Schnitttechnik den Nationalsozialismus besonders effektvoll in Szene setzte. Nach dem Krieg behauptete sie stets, unpolitische Filme gemacht zu haben, auch wenn ihre Filmästhetik der nationalsozialistischen Diktatur mehr als nützte.

     

  • Was Geräusche leisten können

     

    MenschenZiehenWagen2000

    Szenenbild aus "Franta", einem Film mit ausgeprägter Farb- und Geräuschdramaturgie

     

    Im Laufe der Filmgeschichte haben sich, in klarer Abhängigkeit von den technischen Möglichkeiten, unterschiedliche Theorien für den Einsatz des Tons im Film entwickelt. Gerade weil in der Anfangszeit des Tonfilms dieser vor allem aus Stimme und Musik bestand und eine überdeutliche Aussprache die Verständlichkeit sichern sollte, bildeten sich rasch die Gegenpole Parallelismus (Ton folgt sklavisch dem Bild) und Kontrapunktik (Ton hat ein Eigenleben). Doch davon wird im Movie-College an anderer Stelle berichtet.

     

    Forschung

    Geräusche haben Qualitäten, die ihren subtilen Einsatz geradezu aufdrängen. Die Medizin hat die Wirkung von Geräuschen bisher nur in geringem Umfang untersucht, ist aber zu der Erkenntnis gekommen, dass sie den sinnesphysiologischen Bereichdes Menschen stark beeinflussen. Die Wirkung auf das vegetative Nervensystem ist abhängig von der Lautstärke und der klanglichen Zusammensetzung der Geräusche. Die Stressforschung untersucht seit Jahrzehnten diese Zusammenhänge.

     

    So wie man das einzelne Geräusch im Tonfilm immer in Verbindung mit den betreffenden Bildern beurteilen muss, so ist auch seine Wirkung im Zusammenklang mit anderen Tonelementen (andere Geräusche, Atmos, Musik) von Bedeutung. Dennoch wollen wir das Geräusch einmal allein betrachten und seine Wirkung untersuchen.

     

    Zwei Ebenen der Wahrnehmung von Geräuschen

    Der Wahrnehmungsapparat des Menschen kann gleichzeitig eingehende Sinneseindrücke hierarchisch ordnen. Bei der bewussten Wahrnehmung eines Filmes stehen die Bilder an erster, Dialoge oder Texte an zweiter, Geräusche und Musik an dritter Stelle.

     

     

    Die Dominanz des Bildes wird immer dann deutlich, wenn man sich an Filme zurück erinnert. Was geschah auf der Tonebene in dem Film, den Sie zuletzt im Kino (oder Fernsehen) gesehen haben? An die akustische Erzählebene des gesehenen Filmes erinnert man sich am wenigsten. Die größere Macht hat das Geräusch eindeutig bei der gleichzeitig stattfindenden unbewussten Wahrnehmung. Ohne dass wir eine Möglichkeit hätten, uns dagegen zu wehren, steuern Geräusche unser vegetatives Nervensystem und nehmen so

     

     

    Einfluss auf Atmung, Blutdruck und Blutzuckerspiegel. Außerdem können Geräusche Emotionen verstärken. Wir kennen das von dem tiefen Donnergrollen der Subwoofer, wenn Erdbeben, Vulkanausbrüche oder simple Lkw in Dolby-Surround durchs Kino brummen. Aber auch subtilere, feinsinnigere Geräusche wie Möwenkreischen, Bienensummen, leise Meeresbrandung können dramaturgisch den Gehalt einer Szene mitgestalten.

     

    Assoziative Verarbeitung von Geräuschen

    Geräusche sind stets ambivalent. Das bedeutet, sie können im jeweiligen spezifischen Kontext zu anderer Bedeutung gelangen. Das Geräusch spielender Kinder kann in einem Liebesfilm eine duftige, heitere Stimmung verbreiten. In einem Thriller über einen Kindesentführer kann das gleiche Geräusch das Gefühl von Bedrohung und Gefahr erzeugen.

     

     

    Geräusche, deren Quelle wir aufgrund von Erfahrung kennen, weisen bei der Wahrnehmung auf ihren Ursprung hin. Wenn wir entferntes Hundegebell hören, wird eine ländliche Umgebung oder eine Nachtstimmung in der Großstadt assoziiert, ohne dass diese im Bild gezeigt würde. Dabei hängt es von dem Zusammenhang ab, in dem sich das betreffende Geräusch befindet, welche im Bild nicht vorhandene Realität es herstellt.

     

    Jedes vertraute Geräusch steht stellvertretend für seine Quelle. Mit Geräuschen kann man Dinge herbeizitieren, die im Bild nicht zu sehen sind, und trotzdem eine ähnliche Realität setzen wie die im Bild vorhandenen Phänomene. Man muss die Bomber im Kriegsfilm gar nicht zeigen, es genügt das Motorengeräusch und das Heulen der Sirenen, um zu erklären, warum die Filmfiguren flüchten.

     

    Geräusche als Träger symbolischer Bedeutungen

    In zahlreichen Filmen spiegelt der Zustand der Natur die seelische Verfassung der Filmfiguren wieder. Auch ohne die Natur im Bild zu zeigen kann das Geräusch z. B. eines tobenden Sturmes als symbolischer Parallelismus die Korrespondenz von Natur und dem Schicksal der Menschen ausdrücken. Grundsätzlich besteht leicht die Gefahr, dass Fantasie und Erlebnisse der Zuschauer aufgrund der Ambivalenz von Geräuschen zu Fehlinterpretationen des Symbolgehalts von Geräuschen führen können. Jemand, der in der Nähe von Bahngleisen aufgewachsen ist, wird das Quietschen der Güterwagen anders empfinden, als jemand, dem diese Geräusche fremd sind. Daher sollte man sich beim Einsatz der symbolischen Bedeutungen der Geräusche möglichst eindeutig verhalten und nicht allzu weit vom Bild entfernen.

     

    Geräusche und ihre innere Bewegung

    Dampflok

    Dampflokomotive

     

    Geräusche können, etwa bei Szenen aus der Arbeitswelt, der Industrie oder aber auch der Natur eine innige Verbindung mit der im Bild gezeigten Bewegung eingehen. Dabei kommt es gar nicht auf die Synchronität der Geräusche mit dem Bild an; es genügt, wenn die innere Bewegung im Geräusch mit der Bewegung im Bild ungefähr übereinstimmt. Die exakte Koordination von Bild und Geräusch übernimmt unser Gehirn.

     

    Die Geräuschgags in Slapstick- oder Animations-Filmen (z. B. Bugs Bunny) zeigen, wie man bei entsprechender Verfremdung unter Beibehaltung der Übereinstimmung von Bewegungsmustern auf der Bild- und Geräuschebene humoristische Effekte erzielen kann. Das Bremsenquietschen eines Wagens, die Geräusche beim Zersägen von Holz, grollender Donner sind Geräusche, die ihre Entsprechung im Verhalten, dem Seelenzustand oder der Bewegung von Darstellern haben können.

     

    Wegen der vielfältigen Möglichkeiten, einen Film durch Geräusche aufzuwerten, gehört neben den technischen Einrichtungen und dem Know-How der Tonmeister vor allem ein vielseitiges Tonarchiv zu den wirklichen Schätzen eines Tonstudios.

     

    (Die Tonbeispiele auf dieser Seite wurden zur Verkürzung der Ladezeiten stark komprimiert.)

     

     

  • Wer weiß schon, welches Tonaufnahmegerät vor mehr als 50 Jahren das Konzept heutiger Location-Rekorder vorweggenommen hat?

  • Die Geschichte des Tonfilms ist auch eine Geschichte der Fehleinschätzungen, der Verhinderer und egoistischer Geschäftsleute

  • Damals dienten Zwischentitel dazu, dass Stummfilme so auf kostengünstige Weise internationalisiert werden konnten. Mit dem Tonfilm entstand dann die Synchronisation und die Notwendigkeit, untertitelt zu werden.

Workshops 2019

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