Fernsehprogramm

  • Fernsehen

    Welche Form, welche Länge, Genre etc. muss ein Programminhalt eigentlich haben, um gesendet zu werden?

  • GEZ

    Kosten

    Bürogebäude

    Wo landen eigentlich die Gelder, welche die GEZ oder wie sie sich neuerdings nennt, der Gebührenservice, einsammelt?

    Wer schon einmal die Funkhäuser der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten besichtigt und die zahllosen Büros und noch zahlloseren Mitarbeiter in Augenschein genommen hat, dem wird schnell klar, dass derartige Apparate, die weltweit ohne Beispiel sind, enorme Kosten verursachen.

    Interessanterweise gehört der weitaus größte Teil der Mitarbeiter zur Verwaltung, nur etwa 10-15 % der Mitarbeiter sind direkt mit der Herstellung von Programminhalten beschäftigt.

     

    Hasen und Igel

    Bereits mit der Einführung der Privatsender in Deutschland, die zunächst nur über Satellit zu empfangen waren, begann ein seltsames Wettrennen um die Legitimation von gesetzlich verbrieften Fernsehgebühren.

    Damals argumentierten diverse Privatsender, dass Fernsehzuschauer, die keinen Antennenanschluss hätten, und über Satellit ja nur gebührenfreie Privatsender empfingen, eigentlich keine Gebühren für öffentlich-rechtliche Sender zahlen müssten, die sie ja gar nicht empfangen könnten.

    Binnen kürzester Frist mieteten die öffentlich rechtlichen Sender Kanäle auf Astra und anderen Satelliten und entzogen den Privatsendern damit die Argumente.

     

    Qualitätsfernsehen

    An dem sicheren Ast, auf dem sich die Argumentationskette für gesicherte Fernsehgebühren befindet, der Informations- und Qualitäts- Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Sender sägen diese selbst am stärksten.

    Durch Reduzierung kritischer Magazine und Dokumentationen sowie geschmacklicher Orientierung der fiktiven Programme am niedrigen Niveau der Privatsender berauben sie sich selbst der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

     

    Igel und Computer

    Einen scheinbar genialen Coup landeten die Rundfunkanstalten mit der Durchsetzung der Gebührenpflicht für Handys, Navigationsgeräte und vor allem Computer am Januar 2007. Plötzlich wurde jeder Computer mit Internetzugang automatisch zum Fernsehgerät erklärt, auch wenn damit gar kein Fernsehen geschaut wird. Vor allem für Firmen, die heutzutage kaum ohne Computer arbeiten können, entstanden damit Gebührenzwänge, die durch nichts nachvollziehbar sind. So müssen nach der seltsamen Definition selbst für Kassen mit Update-Internetanschluss oder etwa Geldautomaten in Banken Rundfunkgebühren entrichtet werden.

     

    Der finale Coup

    Ab 2013, so will es das Gesetz, ist schließlich jeder Bundesbürger, ganz gleich ob er Fernsehen schaut, schauen kann oder will, verpflichtet, Fernsehgebühren zu bezahlen. Damit haben die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten endgültig den Status einer Steuer erreicht. Wer aber nun glaubt, dass die GEZ damit wenigstens abgeschafft werden kann, und das eingesparte Geld könne in Programminhalte investiert werden, der irrt. Man will sogar Personal aufstocken und natürlich muss auch der Name geändert werden. Aus der Einzugszentrale wird eine Service-Firma. So sind nun einmal Behörden,- sie rationalisieren alles Mögliche, aber nie sich selbst.

     

    Durch unglückliche Umstände (um das Wort Unverschämtheit nicht zu verwenden) schafft es der Gebührenservice seitdem immer wieder, unschöne Emotionen auf sich zu ziehen. Sei es, wenn Flüchtlinge aus Syrien mit Gebührenaufforderungen überzogen werden, oder blinde und taube Rentnerinnen trotz ärtztlicher Befreiung von der Gebührenpflicht Mahnbescheide erhalten. 2016 markiert ein besonderes Jahr, ging doch die erste Zahlungsverweigerin für mehrere Monate ins Gefängnis.

     

    Wie lange die ganze Gebühren-Konstruktion, die nicht Wenige als Steuer bezeichnen, noch von der Verfassung abgedeckt sein wird, ist fraglich, es gibt Verfassungsrechtler, die da ihre Zweifel haben.

  • HDTV

    HD Kamera

    HD-Kamera

     

    Auch, wenn die Abkürzung TV es erwarten lässt: Zumindest hierzulande wird High-Definition, das Synonym für hochauflösendes, besseres Fernsehen, zumindest in der nächsten Zeit gerade im Fernsehen noch in der Minderheit zu sehen sein.

     

    HD. Was man genau darunter versteht, darüber diskutierten diverse Kommissionen fieberhaft. Fest steht, dass es mit 1080 Zeilen, also etwa doppelt so vielen wie das bisherige PAL oder SECAM, arbeitet. Auch das Höhen-Seitenverhältnis des HD-Bildes ist gegenüber SD, Standard-Definition (=bisheriges Fernsehformat 4:3), verändert, es beträgt 16:9.

     

    Die erste echte HDTV-Empfangsmöglichkeit in Europa bot der belgische Sender Euro 1080 über Satellit (Astra) und sendete in 1080i, also mit Halbbildern. Seit Mai 2006 sendete auch von Deutschland aus ein reiner HD-Fernsehsender über Satellit: ANIXE HD, ein privater Free-TV-Anbieter, der über Astra zu empfangen ist und vornehmlich Spielfilme in HD ausstrahlte. Ab Ende des Jahrzehnts haben dann immer mehr TV Sender in Deutschland begonnen, parallel zu SD auch HD in Kabelnetze oder auf Transpondern anzubieten.

     

    Länder wie Japan, die USA, Südkorea, Brasilien, Mexico, Australien oder China hatten, was die Verbreitung von HDTV angeht, die Nase vorn. Dort gibt es zahlreiche Programme, die in HD gesendet werden. In Japan gibt es schon viele Jahre HDTV-Sendungen, vor allem im Auftrag der NHK, und immerhin über acht Millionen HDTV-Geräte. In den USA ist das Standard-Fernsehen NTSC sichtbar schlechter als unser hiesiges PAL, also das Zuschauerinteresse an besseren Bildern viel höher. Bereits jetzt gibt es in den USA 40 HDTV-Kanäle.

     

    Normen

     

    PAL

    720p

    1080i

    Art des Bildaufbaus: interlaced progressive interlaced
    Anzahl Bildpunkte: 414720 Pixel 921000 Pixel 2073600 Pixel
    Horizontale Auflösung: 576 Zeilen 720 Zeilen 1080 Zeilen
    Vertikale Auflösung: 720 Linien 1280 Linien 1920 Linien

    Um zu erläutern, worin die qualitativen Unterschiede der neuen TV-Systeme bestehen, betrachten wir zunächst unser bisheriges Fernsehen. Wir haben es bei PAL mit 576 sichtbaren Zeilen (Bildhöhe) und ca. 720 sichtbaren Linien (Bildbreite) zu tun. Ob es sich wieder wie bisher um ein Halbzeilen-Verfahren handeln soll, das wäre dann in HD 1080 Zeilen interlaced (1080/50i), oder aber um Vollbilder, das wäre dann 720 Zeilen progressiv (720/50p), ist noch nicht entschieden. Die Sender und Empfänger sind so ausgelegt, dass man beide Formate wahlweise ausstrahlen bzw. empfangen kann.

     

    Eigentlich wäre ein Vollbild-Verfahren, also 720p, für das menschliche Auge besser, andererseits bietet 1080i deutlich höhere Auflösung. Durch den Trick, jeweils nur ein halbes Bild zu übertragen, spart man bei 1080i Bandbreite. Tests haben aber ergeben, dass 720p subjektiv als genauso detailgenau empfunden wird wie 1080i, bei dem man letztlich ja immer nur 540 Zeilen (pro Halbbild) gleichzeitig sieht. Um die Normendiskussion noch komplizierter zu machen, arbeiten zum Beispiel die meisten Flachbildschirme nach dem Computer-Standard (XGA) und 768 Zeilen. Projektoren wiederum arbeiten in der neuesten Generation wahlweise in 720x1280 oder in 1080x1920, das werden auch die Werte der HDTV-Fernsehgeräte sein.

     

    Produktion

    Auch, wenn die Produkte noch nicht in HD beim Zuschauer ankommen, so haben fast alle TV-Sender hierzulande bereits Produktionen in HD zur Pflicht gemacht. Gemeint sind damit nicht auf Film gedrehte, denn der bot diese Auflösung ab Super 16 aufwärts schon immer, sondern mit digitalen Videokameras aufgezeichnete Projekte. Hier sind DVCPRO HD und HDCAM zu nennen.

     

    Wer jedoch meinen sollte, dass zu Beginn besonders aufwändige, hochwertige Themen in HD gedreht wurden, der täuscht sich: Es waren vermehrt Sitcoms oder Reality-Formate, die mit der neuen Technik aufgenommen werden. Die olympischen Spiele in Athen boten teilweise Bilder in HD an, um den Weltmarkt bedienen zu können. Die Fußball WM 2006 wurde komplett in HDTV produziert. Ob aber die Zuschauer hierzulande diese Qualität auch im Wohnzimmer betrachten konnten, ist fraglich. Dafür hätten Millionen Zuschauer ihre noch funktionierenden Fernseher wegschmeißen und sich teure neue Geräte kaufen müssen, von denen niemand wußte, ob sie einer damals noch festzulegenden Norm entsprechen würden.

     

    Aus der Sicht von Produzenten, die ihre Produkte auch international anbieten wollen, führt nichts an HDTV vorbei. Sie mussten auf HD produzieren, um international auch in Zukunft ihre Produkte verkaufen zu können. Keine Fernsehanstalt kauft mehr neue Produktionen, die in Standard Definition hergestellt wurden. Hier wieder scheinen 24 Bilder/Sek (also 24p)oder innerhalb Europas 25 Bilder/Sek für den internationalen Programmaustausch am geeignetsten zu sein. Von 24 Bildern kann man relativ problemlos auf den US-Standard von 30 TV-Bildern in der Sekunde konvertieren.

     

    Distribution

    Lange Zeit war es ein Spiel zwischen Fernsheveranstaltern und Industrie. Solange es nur wenige Fernsehgeräte am Markt gab, die HDTV abbilden konnten, weigern sich die TV-Sender weitgehend, darüber nachzudenken, HD an die Zuschauer weiterzuleiten. Zudem hatte sich die Industrie lange Zeit nicht geeinigt, in welcher Weise denn die Signale an die Zuschauer weitergeleitet werden sollen. Die Verbreitung von Fernsehgeräten für HD war auch abhängig davon, für welche Norm sich nun die europäischen Länder entscheiden werden. Ungeklärt war auch, ob es, wie in den USA, ein radikaler Wandel zu HDTV würde oder ob, wie es sich viele TV-Veranstalter wünschten, ein Übergang mit Zwischenschritt wird, über ein nochmals verbessertes PAL.

     

    In Zusammenhang mit einem solch gravierenden Schritt an Umstellung gab es besonders in Europa einige Empfindlichkeiten. Schon einmal, Ende der 80er Jahre, hatte Europa versucht, mit D2Mac hochauflösendes Fernsehen in die Wohnzimmer zu bringen und ist grandios gescheitert. Milliarden wurden investiert, bis man erkannte, dass dieses Verfahren nicht am Markt durchsetzbar war. Das lag vor allem an der analogen Technik, die enorme Bandbreite für die Übertragung brauchte, und den fehlenden Flachbildschirmen. Entsprechende Fernseher wären schwer, mit relativ kleiner Diagonale und extrem teuer gewesen.

     

    Senderperspektive

    HD Kamera

    HD-Kamera

    Für die Programmveranstalter ist HD inzwischen etabliert. Sie mussten in neue, teurere Geräte investieren, ohne, dass sie dafür vom Zuschauer mehr Geld erhalten würden. Deshalb haben sie anfangs eher zögerlich in HD investiert. Viele Sender haben einfach die normalen Erneuerungszyklen ihres Equipments abgewartet, um dann beim Neukauf von Kameras, Bildmischern etc. in eine HD-Generation zu investieren.

     

    Aufnahmemöglichkeit

    Für den Heimgebrauch existiert neben dem Computer momentan nur ein einziger Standard, um HDTV aufzuzeichnen: der Harddisk-Rekorder. Hier wurde durch erneute Programmrestriktionen auf Seiten der privaten Anbieter ein Verfahren durchgesetzt, welches es verhindert, Werbeblöcke zu überspulen oder zu schneiden. Hier setzen deshalb viele Anwender weiterhin auf Standard Definition, weil sie so wenigstens in der Lage sind, die Filme von lästiger Werbung zu befreien und Filme archivieren zu können..

     

    Alternative Computer

    Auch, wenn es die Fernsehindustrie gar nicht so gerne hört: Praktisch jeder aktuelle Computerbildschirm kann längst HD darstellen und das in einer Brillanz, die manchen Fernseher alt aussehen lässt. So könnte es über digitale Satelliten-Empfänger-Karten oder auch über HD-DVDs noch vor den Fernsehsendern zu einer weiten Verbreitung von HD-Inhalten auch bei uns kommen. Bereits das Bild von einer Standard-DVD ist besser als das normale Fernsehbild. Eine BluRay vergrößert den Qualitätsabstand noch weiter. So existiert bereits der MS-Media-Player Standard WMV-HD (Windows Media High Definition Video), mit dem eine Auflösung von 720p oder 1080p auf dem Computer (so der Prozessor leistungsfähig und der Arbeitspeicher groß genug ist) abspielbar ist. Quicktime von Apple ist ebenfalls in der Lage, mit HD umzugehen. Ein dritter Codec stammt vom Joint Video Team (JVT), basiert auf MPEG4 und nennt sich H264. Stand-Alone-DVD-Player beherrschen diesen Standard nicht zwingend, erste Geräte kamen Ende 2004 auf den Markt.

     

    Woher auch die HD-Signale stammen, in der näheren Zukunft wird sich das Fernsehprogramm in Richtung HD verschieben.

     

  • Programmqualität

    Warum Fernsehen so ist, wie es ist

     

    Erklärungsversuche

    Privatfernsehen

    Nachmittags-Highlights des Privatfernsehens

     

    Jahrelang haben sie tatenlos zugeschaut, wie die Qualität eines der einstmals besten Fernsehprogramme der Welt immer mehr abstürzte, man konnte es förmlich spüren, weil man immer öfter wegsehen, abschalten musste, um nicht daran zu verzweifeln. Immer weniger Menschen wollen den "Mist", "Schrott", "Trash" oder wie sonst das so genannte Programm betitelt wird, noch gerne sehen, viele schauen nur noch aus Gewohnheit Fernsehen an.

     

    Vielfach läuft der Apparat auch nur zur akustischen Untermalung, als Placebo gegen die Einsamkeit der vielen Singles oder jener, die sich nichts mehr zu sagen haben. Längst hat zudem eine Bewegung das Land erfasst, derer, die selbst bestimmen, wann und was sie anschauen. Eine Generation, die sich weder von der so genannten Grundversorgung, noch den angeblich so jungen, frischen Privatsendern berücksichtigt fühlt.

     

    Free TV als Verkaufsargument

    Das Schwächeln der TV-Sender macht den Siegeszug von DVD, Internet und von Pay-TV-Angeboten überhaupt erst möglich. Lange Jahre wurde dem Pay-TV in einem Land mit so vielen frei zugänglichen, qualitativ hochwertigen Sendern keine profitable Zukunft vorausgesagt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Längst sind auch die Öffentlich-Rechtlichen im Strudel belangloser Formate angekommen und machen damit Pay-TV attraktiv. Zudem wechseln die Privatsender ihre Programmverantwortlichen beinahe genau so oft wie ihre missglückten Programmformate. Eine Linie oder gar ein Konzept jenseits dem der Gewinnmaximierung kann so gar nicht erst entstehen.

     

    Information, Emotion, Sensation

    Statt erzählter, durchdachter und dramaturgisch optimierter Geschichten werden uns Programme in Gestalt von "Reality"-Formaten vorgesetzt, deren einzige Dramaturgie aus Wettkampfvariationen, Ekelfaktor oder Denunziation besteht. Ganz gleich ob "Hire or Fire", "Kämpf um Deine Frau" oder "Juda's Game", das Kindergeburtstags-Topfschlagen ist längst in der Primetime angekommen. Ewig jung gebliebene, permanent gebräunte TV-Manager durchwandern einen Schleudersitz-Posten nach dem anderen, wechseln beliebig die Produzenten- oder Programmeinkäufer Seite und produzieren an all ihren Wirkungsstätten ein inhaltliches Vakuum. Ab und an lächeln sie einem aus Fachzeitschriften entgegen, wenn wieder ein angeblich völlig neues innovatives Format aus den Bereichen "Doku-Soap", "Reality Magazine" oder "People Watching" gelauncht wird, und erklären wenig später nach dem grandiosen Scheitern, dass der enorme Kostendruck zu mangelnder Qualität geführt habe.

     

    Gleichzeitig findet ein völlige Vermischung von Authentischem und Fiktivem statt, werden Nachrichten und Magazine gefällig aufgepeppt, und inszenierte Inhalte pseudodokumentarisch präsentiert. Die Glaubwürdigkeit wird dem kurzzeitigen Aufmerksamkeitskitzel geopfert.

     

    Inszenierte Banalität zur Prime Time

    Nein, es gibt keine höhere Gerechtigkeit, keinen Oberaufseher der Fernsehkultur, der sagt, diese oder jene Produktion war von hoher Qualität. Es gibt nur die hilflos Balken und Diagramme produzierenden Auswertungen von Vergleichsgruppen, sowie die faktisch ungehörte Film- und Fernsehkritik. Doch es gibt handfeste Gründe für den Niedergang der heimischen Fernsehkultur, bekannte, aber auch überraschende. Eine Trendwende kann von passiven, alles ertragenden Zuschauern jedenfalls nicht eingeleitet werden. Anders als bei Kino, Konzert oder Theater, gibt es beim Fernsehen keinen direkten Zusammenhang zwischen der Bezahlung der Programminhalte und der Zufriedenheit der Zuschauer. Die Fernsehgebühren werden immer eingezogen, ganz gleich, ob Zuschauer fernsieht oder nicht, und die Werbeindustrie investiert für den gesehenen Spot, nicht dafür, dass die Qualität des Rahmenprogramms gut war oder nicht. Entscheidend ist lediglich, wie viele Zuschauer den Kanal eingeschaltet haben, ganz gleich, ob sie die Qualität oder nacktes Entsetzen, was alles über den Sender geht, dazu bewegen.

     

    Mechanismen

    Viele Fernseher

    Programmvielfalt?

    Bei den Privatsendern, die Fernsehen nicht etwa zur Erbauung der Zuschauer ausstrahlen, sondern einzig und allein zur Generierung von Werbeeinnahmen, ist der Zusammenhang zwischen Ursache und der bekannten dramatisch reduzierten Programmgüte am einfachsten zu erklären. Aufsichtsräte geben den Druck, dass der Sender die geplante Rendite abwirft, an ihre Abteilungsleiter und diese an ihre Redakteure weiter. Gesunkene Werbebudgets ziehen sinkende Werbepreise nach sich, wodurch letztlich die nach Tausender-Kontakt berechneten Werbepreise die Aufmerksamkeit der Zuseher generieren, ist von absolut untergeordneter Bedeutung. Hauptsache, die Quote stimmt und die Herstellungskosten des Programms sind niedrig.

     

    Niedrige Herstellungskosten sind heutzutage nur ein anderes Wort für Reality-TV, für Sendungen, die im Zweifelsfall mit Mini-DV gedreht und auf einem Heimcomputer geschnitten werden können. Verkürzte Optimierung und Preproduktion sind weitere elementare Sparmaßnahmen am falschen Punkt. Ein zweifelhafter Weg für Produzenten, auf den Kostendruck zu reagieren. Wo keine Zeit und keine Schonfrist für neue Sendungen existiert, wird gerne auf Sicheres zurückgegriffen. Was liegt da näher, als erfolgreiche Produkte der Konkurrenz zu kopieren? Dass damit aber zugleich eine Übersättigung der Zuschauer an immergleichen Sujets einher geht, will keiner der Plagiateure wahrhaben. Da gibt es dann eben viele Superstar-Sucher, außerhalb der Zivilisation-Überleber oder Rollentauscher.

     

    Quotensklaverei

    Auch die öffentlich-rechtlichen Sender fügen sich ohne Not (schließlich werden sie weitgehend durch Fernsehgebühren finanziert) dem Diktat der Einschaltquoten. Selbst Redakteure relativ anspruchsvoller Programminhalte, wie etwa des Kleinen Fernsehspiels im ZDF, werfen selbstverständlich morgens, wenn sie ihren Bürocomputer einschalten, erst einmal einen Blick auf die Einschaltquoten. Die Erkenntnis, dass man Zuschauer auch an schlechte Programmqualität gewöhnen könnte, oder dass Film- und TV-Kultur genau wie eine Lesekultur entwickelt und vermittelt werden muss, wird beinahe gänzlich den Balkendiagrammen der einschlägigen Monitoring-Verfahren geopfert. Ob es Anpassung, Feigheit, Beziehungsgeflechte mit Produktionsfirmen, mangelndes Qualitätsbewusstsein oder simpler Druck der Vorgesetzten sind, die viele Redakteure allzu anspruchslos haben werden lassen, kann dem Zuschauer einerlei sein.

     

    Einzig Arte oder 3Sat erlauben sich und vor allem den Zuschauern noch ab und an den Luxus, die angebliche Unabhängigkeit und den Kulturauftrag eines öffentlich-rechtlichen Programms auch in Form von qualitativ hochwertiger Programmgestaltung erleben zu können. Bei ARD und ZDF nimmt die Zahl hochwertiger Eigen- und Koproduktionen stetig ab, Lichtblicke sind bestenfalls einige starke Kinofilme, von denen die Besten vorzugsweise nach Mitternacht gesendet werden.

     

    Senderfamilien, Produzentenfamilien

    Die Familie ist ein dehnbarer Begriff, wie einem aus den Filmen über das organisierte Verbrechen bekannt ist. Nun als Familie verstehen sich auch die vielen Tochter-, Schwester- und Enkelfirmen der Fernsehsender, die welch zufälliges Zusammentreffen, mit höchster Kontinuität Produktionsaufträge von ihren Mutter-Fernsehsendern erhalten. Diese freundliche Auftragssicherheit, die in anderen Branchen längst das Kartellamt auf den Plan gerufen hätte, führt dazu, dass die Produktionsfirmen in einem konkurrenzfreien Raum ihre TV-Movies abspulen können. Sie müssen keine hohe Qualität oder Kreativität beweisen - der nächste Auftrag kommt, selbst wenn man Mittelmaß oder Schlimmeres abliefert, mit Sicherheit. Wem fällt noch auf, wenn manche Redakteure aus Produktionsfirmen kommen und nach ihrer oft kurzen Umlaufbahn in den Sendern wieder in die Produktionsfirmen zurückwechseln? Nicht die besten Filme, sondern die besten Beziehungen bestimmen einen großen Teil der vergebenen Aufträge. Die neuen Technologien, die DVD und das Internet, werden den Zuschauern Instrumente an die Hand geben, zumindest, wenn sie es wollen, der Programmeinfalt zu entfliehen und sich selbst zum Programmveranstalter zu machen.

     

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