H264

  • Sonnenblume art 500In der Trickkiste der Datenreduzierung schlummert so manches Werkzeug. 4:4:4, 4:2:2 oder 4:2:0 sind Beispiele wie man an den Farben spart.

  • Cooler Codec, uncoole Rechtslage

    Codec

    Die Kamerahersteller haben die Lizenzproblematik ganz einfach ins Kleingedruckte der Handbücher verschoben und lassen die professionellen Anwender im Regen stehen.

    Noch wird nur an wenigen Stellen darüber nachgedacht, ein Skandal von noch nicht absehbaren Ausmaßen droht die Verwendung des allseits beliebten Codecs zu werden. Wer mit HD arbeitet, kommt kaum um diesen Codec herum, H.264 heißt er, oder auch gerne MPEG-4 AVC oder Quicktime (ab Version 7) genannt. Er kann die umfangreichen Datenmengen, die bei digitaler Aufzeichnung in HD anfallen, sehr effizient zusammenschrumpfen, ohne dass einem die herben Verluste allzu sehr auffallen. Ganz gleich, ob man mit hochwertigen Videokameras in HD dreht oder mit den beliebten SLR-Fotoapparaten mit Videofunktion: Die meisten benutzen H.264 zum Aufzeichnen der Videodateien. Und alle User, ganz gleich, ob Amateure, Semiprofis oder professionell, arbeiten reichlich mit dem Codec, schließlich sind nicht HD-Produktionen bei den Fernsehsendern inzwischen so gut wie unverkäuflich geworden.

     

    Was uns aber die Hersteller von Soft- und Hardware verschwiegen oder zumindest in den Bereich des Kleingedruckten verschoben haben, ist der Umstand, dass man für die Nutzung dieses Codecs Nutzungsrechte besitzen muss, welche die Hersteller oft gar nicht eingeholt haben.

     

    Spielregeln einseitig verändert

    Canon D7

    Videofähiger Fotoapparat (Canon D7) mit Codec von ungeklärter Rechtssituation

    Ende 2010 endet die sogenannte Einführungsphase von H.264. Nur in diesem "first term of the License" ist die Verwendung des Codecs für alle Anwender kostenlos. Das ändert sich ab Januar 2011. Im Fall von Blue-Ray-Playern ist die Lage relativ einfach, da entrichten die Gerätehersteller für jeden Player 20 US Cent pro Gerät und die Sache ist erledigt. Videoportale, welche Videos mit dem Codec anbieten und mehr als 100.000 User haben, zahlen pauschal 10.000 USD.

     

    Deutlich komplizierter gestaltet es sich aber bei der Aufnahmeseite, wo diverse Kamerahersteller einen rechtsunsicheren Raum geschaffen haben, indem sie die kommerzielle Nutzung des Codecs mal eben ausschließen. So wird in den AGB zu Sonys NEX-3, NEX-5, HXR-NX5E oder auch zu FinalCut Pro lediglich eine private Nutzung dieses Codecs gestattet. Doch auch bei den anderen Kameraherstellern wie Panasonic finden sich ähnliche Passagen, in denen ausschließlich private Nutzung lizensiert wird. Theoretisch ist damit für jede kommerzielle Nutzung von AVC, sei es zum Aufzeichnen oder zum Bearbeiten, Schneiden etc. der lizenzrechtlichen Genehmigung durch den Lizenzgeber, im Fall von H264, die MPEG LA, erforderlich. Auch wenn diese derzeit unter bestimmten Umständen (z. B. kostenfreier Zugang für Zuschauer) vielleicht noch gebührenfrei erteilt wird, so kann sich die Situation jederzeit ändern.

     

    Monopoli

    Besonders fragwürdig an dieser ganzen Rechtslage ist, dass diverse Kameras ja gar keinen alternativen Codec anbieten und man gezwungen ist, bei kommerzieller Verwendung die Lizenz zu erwerben. Da haben sich die Hersteller der Geräte das Leben sehr einfach gemacht. Einerseits bewerben und verkaufen sie die Kameras mit bzw. wegen der professionellen Arbeitsmöglichkeiten, andererseits tun sie so, als würden die Anwender locker viele Tausender für solche Kameras hinlegen, um lediglich private Homevideos zu drehen! Man darf gespannt sein, wann erste Prozesse auf Produktionsfirmen und Freelancer zukommen.

     

    Bezogen auf die Filmgeschichte müsste man sich mal vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn man jahrelang Filme auf chemisch analogem Filmmaterial gedreht hätte und plötzlich kämen Firmen wie Agfa (die den einstreifigen Farbfilm erfunden haben) oder Kodak (die ihn verbessert und massentauglich gemacht haben) und würden Lizenzzahlungen von den Filmherstellern einfordern, die damit Filmwerke produziert haben. Oder die Hersteller von Objektiven verlangten im Nachhinein Gebühren für die Durchleitung von Licht durch ihre Linsen für professionelle Zwecke. Ein Unding! Bis zu einer Klärung dieser ungelösten Fragen sollten professionelle Anwender mindestens in den Produkten, die sie ausliefern, den Codec vermeiden (z. B. Quicktime oder MPEG 4). Inwieweit man rekonstruieren kann, mit welchem Codec die Aufnahmen entstanden, steht auf einem anderen Blatt.

     

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    So klein wie nur irgend möglich!

    Hand zerknüllt Videoband

    Die umfangreichen Daten eines Videobandes müssen reduziert werden, um sie verbreiten zu können. Leider ist das komplexer, als gedacht.

    Das Problem ist bekannt: Videos im Computer sind gewaltig große Datenbrocken. Nur eine Stunde Videomaterial in DV-Qualität braucht ca. 10 bis 12 GB (GigaByte). Hat man nur ein Filmprojekt mit wenigen Stunden Schnittmaterial ist schon die Festplatte randvoll und man findet kaum noch Restplatz, um am Ende des Schnitts die Effekte zu rendern, einen Video/Audio-Mixdown zu machen oder ein Image für eine DVD-Erstellung anzulegen. Schnell denken viele unerfahrene Videokünstler an MPEG, DivX, Codecs, Kompression... Eine DVD hat doch eigentlich eine Top-Video-Qualität und immerhin passen da 120 Minuten auf einen 4,7 GigaByte Rohling. Warum also nicht das Videomaterial auf der Festplatte genauso verkleinern? Machen wir es doch so klein wie möglich! Aber Vorsicht! So einfach geht es nicht!

     

    Bringen wir Ordnung in das Gewirr der Fachbegriffe, Techniken und Möglichkeiten.

     

    Kompression und Reduktion

    Klar, hier geht es nur um digital vorliegendes Video- und Audio-Material, sprich das was wir etwa nach einer Digitalisierung im Computer haben. Ein Video besteht aus Einzelbildern (25 Vollbilder = 50 Halbbilder bei PAL, 30(29,9) / 60 bei NTSC pro Sekunde). Dabei ist ein Video auf der Festplatte nichts anderes als eine Datei in der hintereinander alle 25 bzw. 30 Vollbilder pro Sekunde abgespeichert werden. Will man das Video in seiner Speichergröße verringern muss man die Einzelbilder in ihren Bits und Bytes verkleinern. Allgemein spricht man hierbei von Kompression, wobei man fälschlicherweise eigentlich zwei Vorgänge unter diesen Begriff vermengt und dabei "Kompression" falsch erklärt.

     

    Wird ein Video in seiner Speichergröße verkleinert, wird meist eine Kompression und(!) eine Reduktion durchgeführt. Dabei bedingt die Kompression keine Verminderung der Qualität. Durch Mathematische Berechnungen und Umwandlungen werden die Informationen kleiner gepackt. Nach einer Dekompression stehen die ursprünglichen Informationen exakt wieder zur Verfügung. Die einzelnen Techniken die bei Kompressionen zur Verwendung kommen sind die selben wie man sie allgemein in der PC-Welt anwendet, z.B. mit den ZIP, RAR, ACE oder CAB-Packern. Leider führt Kompression aber bei Video im Gegensatz etwa zu einfachen Testdateien oder Tabellen zunächst nur zu sehr geringen Verminderungen der Dateigrößen.

     

    In der Reduktion wird die Kompression erweitert um verschiedene Techniken bei denen definitiv Bildinformationen verloren gehen. Die einfachste Reduktion wäre die Verkleinerung der Auflösung. Die Einzelbilder des Videos werden kleiner und die Datengröße schrumpft entsprechend. Daneben gibt es zahlreiche weitere Techniken. Solche Reduktionen bedeuten unwiderrufbaren Verlust und somit eine Verschlechterung der Qualität des Videos. Bis zu gewissen Grenzen kann man hier gehen, ohne das das menschliche Auge den Verlust bemerkt. Weitere Reduktionen können je nach Zuschauer noch akzeptiert werden oder nicht.

     

    Die einzelnen Techniken und Verfahren werden im ersten Teil dieser Artikelreihe näher dargestellt. Da es sich schon zu sehr eingebürgert hat, wird auch im Folgenden nur von "Kompression" gesprochen.

     

    Codecs, AVIs und MOVs

    Kompression und Reduktion erfolgt durch Programme, entweder der Schnittsoftware, der in diesen enthaltenen Tools oder einer speziellen zusätzlichen Software. Verwendete Techniken, Verfahrensweisen, Formate und sonstigen Details (z.B. Kompressionsmatrixen) werden als sogenannter "Codec" zusammengefasst. Sie müssen auf den Rechnern installiert sein (=Encoder) und können dann z.B. von der Schnittsoftware dazu verwendet werden, Video und/oder Audio-Material zu komprimieren. In die verkleinerte Datei wird der Hinweis auf den Codec und alle nötigen Informationen zur angewandten Codierung abgespeichert. Ein Decoder wird dann auf jedem System benötigt, auf dem das Video/Audio später wiedergegeben werden soll.

     

    Häufig werden AVIs und MOVs als Codecs bezeichnet, was allerdings nicht ganz richtig ist. Genau genommen sind es eigentlich Dateiformate, bzw. Container für Video/Audio-Material in bestimmten Codecs. AVI steht für Audio-Video-Interlaced und wurde Anfang der 90er von Microsoft eingeführt. Als "Video für Windows" sollte es eine Art Rahmen für verschiedene Video-Formate bieten, die auf Windows abgespielt werden konnten. Naben dem Windows Media Player von Microsoft können auch viele andere Programme AVIs verwenden. Das Format gibt grundsätzlich einen Rahmen mit z.B. zulässigen Auflösungen und Bildfrequenzen vor. Damit stellt es einen Standard dar. Erfüllen Codecs diesen und sind sie im System installiert, können diese zu AVI gewählt werden.

     

    Ähnlich verhält es sich bei MOV. Dies ist ein Format das Apple ebenfalls Anfang der 90er herausgebracht hat. Es ist das Standard-Format des Apple-Quicktime-Players und war bis Ende des Jahrhunderts dem AVI noch überlegen. Inzwischen liegen die beiden Formate gleichermaßen auf, wobei AVI mit dem Siegeszug des MPEG-Codecs eigentlich die Apple-Formate in der Gunst der Consumer überholt hat. Auch MOV stellt einen Container für Audio- und Video-Material in verschiedenen Codecs und stellt einen Standard dar.

     

    AVIs und MOVs lassen sich an den Dateinamenerweiterungen *.avi und *.mov erkennen. Neben diesen beiden Container-Formaten gibt es verschiedene weitere, die aber nicht so stark verwendet werden und daher hier nicht behandelt werden können.

     

    Mehr und mehr Bedeutung werden in Zukunft die neuen Microsoft-Formate WMV und WMA bekommen. Sie sind zwar Nachfolger von AVI aber genau genommen Codecs. Allein durch die Macht von Microsoft - die Marktbeherrschung und die finanziellen wie fachlichen Mittel des Konzern - werden bald auch die großen Hersteller von Video-Schnittprogrammen und -Systemen die neuen Windows-Media-Formate zunehmend einsetzen und integrieren. Noch ist im professionellen Video-Schnitt MOV der führende Standard.

     

    Autor: Tankred Tumpach
  • NYC Codecs1 500Es kommt darauf an, für welchen Zweck ein Videoprojekt nach erfolgreichem Schnitt exportiert werden soll. Worauf müsst Ihr achten?

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