Drehvorbereitung

  • Die kleinen Dinge

    Es sind die Details, die kleinen Dinge am Set, welche die Arbeit erleichtern, das Teamgefühl stärken. Erfahrene Produzenten wissen das und legen auch auf die Kleinigkeiten Wert, die vielleicht nicht direkt im Bild zu sehen sind – indirekt aber dafür umso mehr die Qualität des Produktes heben. Schließlich organisieren und leiten sie den Dreh nicht nur, manchmal sind auch Vater, Mutter und der gute Geist des Teams.

    Beginnen wir mit dem Naheliegendsten: Der Verpflegung. Während der Drehzeit befindet sich ein Filmteam im Ausnahmezustand. Seine Mitglieder kommen so gut wie nicht zum Einkaufen, die Läden haben nach Drehschluss meist geschlossen, man ist also auf Ihre Verpflegung angewiesen.

     

    Verpflegung am Set

     

    Gutes Essen zu allen Mahlzeiten, welche auch auf individuelle Ernährungswünsche (Vegetarisch) eingeht, trägt deutlich zur Zufriedenheit des Teams bei.

     

    Für die Nebenverpflegung (belegte Brötchen, Kuchen, Getränke) keine Billigprodukte, sondern hochwertige Waren günstig einkaufen (Gewerbe-Großmärkte).

     

    Verpflegung in Restaurants in unmittelbarer Nähe des Drehorts, mit denen man z.B.  für 3 oder 4 Auswahlgerichte feste Preise aushandelt, wird meist als willkommene Alternative zum Catering am Set empfunden. Sinnvoll: Vorherige klare Ansage, dass neben dem Essen nur ein alkoholfreies Getränk pro Teammitglied übernommen wird.

     

    Um Zeit zu sparen, sollte ein Blatt auf dem die Auswahlgerichte gelistet sind, bereits Vormittags am Drehort herumgereicht werden, auf dem jeder seinen Wunsch einträgt. Dann kann man die Liste mit Vorlaufzeit dem Restaurant übergeben, damit alle Gerichte möglichst schon fertig sind, wenn das Team eintrifft.

     

    Lassen sich an Motiven keine Restaurants erreichen, ist es wichtig für das mobile Catering vernünftige Essgelegenheiten einzurichten. Niemand isst gerne mit dem Pappteller auf den Knien. Bierbänke und Tische sind sehr zu empfehlen. Für Buffets kann man leichte Alu-Tapeziertische verwenden. Die wiegen fast nichts und sind schnell auf-, und abgebaut. Bei Sonnenhitze sind auch diese Pavillons aus dem Gartencenter sehr gute Schattenspender.

     

    Die Widrigkeiten am Drehort sind oft vielfältig. Meistens kennt nur die Produktion vorab das Motiv und kann etwa in der Dispo auf mögliche Besonderheiten (rutschiges, feuchtes Gelände, kalte Räume etc.) hinweisen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, wenn die Set-Aufnahmeleitung dem Team auch bei diesen Gegebenheiten hilft.

     

    Nützliche Helfer

     

    Bei nächtlichen Dreharbeiten im Sommer an stehenden Gewässern wirken die Filmscheinwerfer wie Magnete auf sämtliche Insekten, vor allem natürlich auf Mücken. Kluge Aufnahmeleiter verteilen an das Team Insektenschutz-Mittel zum Einreiben.

     

    Dreharbeiten unter Sonnenhitze auf offener Fläche ohne rettenden Schatten kann man mit Sonnenschutz-Mittel besser überstehen.

     

    Bei Dreharbeiten in kälteren Jahreszeiten sind Heizstrahler und noch mehr warme Getränke sehr wichtig. Aufwärmräume oder mehrere Wohnmobile mit Standheizung können auch bei bitterer Kälte weiterhelfen.

    So banal es auch klingt, auch die Frage von Toiletten sollte für jedes Motiv vorab geklärt und organisiert sein. Finden sich vor Ort keine Lösungen, so lassen sich mobile Toiletten anmieten.

    Die Organisation eines Drehs ist stets auf präzise Vorhersagen des lokalen Wetters angewiesen. Infos darüber können auch in der Dispo sinnvoll sein, damit sich das Team sinnvoll kleidet. An Regentagen sind ein paar zusätzliche Schirme oder Regenkleidung hilfreich.

    So ein Filmteam ist meistens bunt zusammengewürfelt. Einige kennen sich, die meisten begegnen sich jedoch zum ersten Mal und müssen während der kommenden Drehzeit oft auf engstem Raum, manchmal unter erschwerten Bedingungen und zugleich sehr stark als Team zusammenarbeiten. Man darf auch nicht vergessen, dass einige Teammitglieder auch ihre persönlichen Konflikte mit in die Arbeit hineintragen.

     

    Teamgeist

    • Kurz vor Drehbeginn kann ein kleines „Warm-Up“ helfen, dass sich das Team kennenlernt. Wichtig für alle Festivitäten ist ein sinnvolles Timing. Besser vor freien Tagen einplanen und nicht vor Drehtagen. Falls das Fest länger dauert, hat das Team sonst vielleicht zu wenig Schlaf bekommen, so etwas kann einen Drehtag stark beeinträchtigen.
    • Die Produktion kann z. B. aus den Lohnsteuerkarten der Mitarbeiter erkennen, wer während der Drehzeit Geburtstag hat. Eine kleine Überraschungstorte am Drehort ist eine freundliche Geste, die von allen positiv bewertet wird.
    • Nach der Hälfte der Drehzeit kann ein kleines „Bergfest“ bei der Motivation eines vielleicht schon stark beanspruchten Teams helfen. Ebenso wichtig ist das Abschlussfest, welches man sinnvollerweise ein paar Tage hinter den Drehschluss legt.
    • Eine etwas seltsame Angewohnheit mancher Teams, die so genannte Schnapsklappe, geschlagen, immer wenn sich bestimmte Klappennummern wiederholen (z. B. 3-3-3), sollte nicht kategorisch abgelehnt, aber auch nicht allzu intensiv „begangen“ werden. Schnapsklappe auf die Regie bedeutet, der/die Regisseur/-in gibt eine Runde Sekt aus. Es hat schon Filmteams gegeben, die mehrmals täglich Schnapsklappen auf Produktion, Ausstattung, Kostüm, den Nikolaus... schlugen, dazu Sekt aus Plastikbechern tranken und folglich den Dreh in einer Art Dämmerzustand abgewickelt haben.
  • Das Risiko des Filmens

    Wer sich auf das Abenteuer des Produzierens einlässt, sollte über die Naivität und die Fähigkeit des Hoffens, zugleich aber auch über genügend Erfahrung verfügen, die möglichen Risiken einschätzen zu können. Das Produzieren von Filmen ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Die Komplexität eines aufwändigen Projektes, menschliche Faktoren und unvorhersehbare Zufälle können ein hoffnungsfroh begonnenes Vorhaben zu einem Desaster werden lassen.

     

    Dabei stellt das Überschreiten des Budgets eine der häufigsten Naturkatastrophen im Filmbusiness dar. Je nach Größe der Produktionsfirma können die Überziehungen mehr oder weniger gut verkraftet werden. Wenn Martin Scorsese bei „Gangs of New York“ mal eben 20 Millionen Dollar mehr verbraucht, werden auch in den USA Studiobosse und Investoren (darunter auch deutsches Fonds-Kapital) nervös. Doch der Film wurde fertiggestellt und war der Abschlussfilm der Berlinale 2003. Doch die Filmgeschichte ist reich an Beispielen, bei denen es nicht so gut ausging.

     

    Nicht fertiggestellte Produktionsdesaster

    Don Quixote

    Spektakulärstes Beispiel der letzten Zeit war das komplett mit europäischem Kapital finanzierte Epos „The Man who killed Don Quixote“ von Terry Gilliam ("12 Monkeys", "Münchhausen", "Brazil"). Das Budget von 32 Millionen Dollar, ein erstklassiger Cast (Jean Rochefort, Johnny Depp) und höchste Hollywood-Ansprüche des Regisseurs sollten die europäische Koproduktion auf höchstes Niveau hieven. Tatsächlich aber waren bereits die Drehvorbereitungen in Spanien mangelhaft und vom ersten Drehtag an schwebten dunkle Wolken über dem Projekt. Ob es der Flugverkehr war, der Originalton unmöglich machte, untrainierte Pferde, die durchgingen oder Komparsen, mit denen niemand geprobt hatte, jeder Drehtag übertraf den vorangegangenen noch an Schwierigkeiten. Platzregen verwandelte das Wüstenset in eine Schlammlandschaft und spülte die Filmausrüstung mit sich. Schließlich erkrankte Hauptdarsteller Jean Rochefort (Der Mann der Friseuse) und konnte nicht mehr weiterdrehen, der Todesstoß für das Vorhaben.

     

    Nick Knatterton

    Doch auch hierzulande gibt es Filme, die mit großem PR-Aufwand durch die Medien gingen und die auf Grund widriger Umstände nicht oder vorerst nicht fertiggestellt wurden. Da wäre etwa die Verfilmung von "Nick Knatterton" mit Niki List als Regisseur. Die 8 Millionen Euro schwere, hochgeförderte Produktion (Filmstiftung NW: 1 Million Euro). wurde von Helkon-Pictures produziert und prominent besetzt. Jens Schäfer, Jeanette Hain, Kordula Kohlschmitt, Axel Milberg und Wolfram Berger sollten die Krimi-Comicfigur der 50er Jahre ins Kino transportieren. Der Film wurde abgedreht, doch dann verunglückte der Produzent, Werner König, im November 2000 während der Motivsuche für den Film „The Extremists“ über risikofreudige Skifahrer in der Nähe des Wintersportorts Verbier tödlich. Der „Motor des Projektes“ fällt auf tragische Weise aus, von dem Film hört man nichts mehr. Die Mutterfirma, Helkon Media AG, die wie manch andere im New Media Hipe zu viele Risiken mit Aktionärskapital eingegangen ist, wird zahlungsunfähig. Am 1. 10. 2002 wird am Münchner Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnet, das gedrehte Knatterton Material wird vorerst Konkursmasse.

     

    Zürich Transit

    Ein in Vergessenheit geratenes Projekt war "Zürich Transit" in den sechziger Jahren, eine ambitionierte Max-Frisch-Verfilmung des Romans „Sein Name sei Gantenbein“. Die Atlas-Film produzierte, die Besetzung war erstklassig (Ernst Schröder, Richard Münch, Agnes Fink) und mit dem Regisseur Erwin Leiser schien das Vorhaben auf dem besten Wege. Doch bereits nach einer Woche Dreh erkrankte Leiser schwer und konnte nicht mehr weiterdrehen. Ein Nachfolger wird in Bernhard Wicki gefunden, doch auch der erkrankte nach einer Woche schwer und konnte nicht mehr weiterdrehen. Es scheint, als liege ein Fluch der Pharaonen über dem Projekt, so wird die Produktion schließlich zum Versicherungsfall. So existiert lediglich eine etwa fünfminütige Szene von dem Film im Filmarchiv Düsseldorf.

     

    Der Atem Gottes

    So hieß eine Produktion der Kölner Cat Features GmbH, Tochter einer Firma die sich anfänglich mit Mitternachtsfilmen unbekleideter Menschen für die TV-Privatsender beschäftigte. Bei dem ambitionierten Kinofilmprojekt war nur hochkarätiger internationaler Cast eingebunden. Ob Donald Sutherland oder Klaus Maria Brandauer, alles was gut und teuer war, sollte mitspielen. Den Produzenten gelang es, beachtliche Fördergelder an Land zu ziehen, die sie durch großzügige Reisen und Marketingmaßnahmen rasch dezimierten. Mit den Zusagen hatten es die Darsteller wohl nicht so ernst gemeint und für den eigentlichen Drehbeginn war dann schließlich gar kein Geld mehr vorhanden. Der Film wurde nie gedreht, die Firma dicht gemacht.

     

    Napoleon

    Es sollte 1970 Stanley Kubriks größter Film werden, präzise vorbereitet, sein jahrzehntelanger Traum. Kubrik hatte das Projekt zusammen mit Producer Jan Harlan sehr weit vorangetrieben. Tausende Komparsen standen in Rumänien bereit, die unzähligen Uniformen waren bereits aus Papier, diverse Requisiten gefertigt worden. Da trat etwas ein, was in den hart umkämpften Kinomärkten der Welt schon so manchen Produzenten ruiniert hat: Ein anderer Film ähnlichen Napoleon-Sujets kam in die Kinos: „Waterloo“ (R: Sergei Bondarchuk), ebenfalls hochkarätig besetzt. Die Themenübereinstimmung hat Kubrik in keiner Weise beeindruckt, doch da „Waterloo“ an der Kinokasse durchfiel und nicht mal ein Zehntel seiner Herstellungskosten einspielte, zogen sich die Finanziers von Kubrik zurück und der Film wurde nie gedreht.

     

    Fertiggestellte Produktionsdesaster

    Cleopatra

    Zu den fertiggestellten Filmkatastrophen gehörte auch „Cleopatra“ (MGM) in den sechziger Jahren. Zuerst wurden die altägyptischen Studiobauten in England von einem Orkan davon gepustet, dann wurde Hauptdarstellerin Liz Taylor so schwer krank, dass ihr Leben nur durch einen Kehlkopfschnitt gerettet werden konnte. Lange nach ihrer Genesung wurde dann in Rom am Film weitergedreht.

     

    Münchhausen

    Auch ein anderes Gilliam-Epos, der "Münchhausen"-Film, stürzte seinen Produzenten Thomas Schühly ("Der Name der Rose", "Der Totmacher") ins Unglück. Wegen übergroßer Hitze konnte in Cinecitta in Rom nicht tagsüber gedreht werden. Umzug der Crewnach Almeria in Spanien. Die Kostüme bleiben am Flughafen Rom liegen, der Dreh verzögert sich weiter. Schwere organisatorische Fehler, etwa die Verwendung realer Kanonen statt Attrappen, verlängerten die Drehtage wegen aufwändiger Transportlogistik der tonnenschweren Originale ins Unendliche. Der Completion-Bond „Film Finances“ entsandte eigene Producer, um das explodierende Budget unter Kontrolle zu bringen. Ein vorläufiger Drehschluss wurde für den 7. November 1987 angesetzt, danach der Dreh abgebrochen und aufwändige Restszenen vereinfacht oder einfach gestrichen. Sean Connery, der die Rolle des Mondkönigs spielen sollte,  wurde durch den damals preisgünstigeren Robin Williams ersetzt. Am 23. November 1987 wurde mit einem „verbilligten“ Drehbuch weitergedreht.

     

    Fitzcarraldo

    1982 wäre "Fitzcarraldo" für Werner Herzog beinahe ein Desaster geworden. Der authentische Landtransport eines großen Schiffes per Manpower statt Filmtrick ließ die Kosten explodieren. Das Werk wurde dennoch fertiggestellt und kam erfolgreich in die Kinos.

     

    Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel

    "Heaven's Gate" oder "Das Tor zum Himmel" wurde von Michael Camino mit einem Wahnsinns-Budget verfilmt und war ein solcher Flop, das die Firma MGM bankrott ging. Das amerikanische Kinopublikum hatte wohl kein Interesse an ihrer wahren Vorgeschichte, die Sache mit den Indianern.

     

    Die Dunkelziffer

    Fast alle Dienstleister und Mitarbeiter in der Filmbranche wissen von Produktionen zu berichten, bei denen Gagen und Rechnungen schlicht und einfach nicht mehr bezahlt wurden. Sie kennen Filme, die nie fertiggestellt wurden oder trotz Endfertigung nie ein Mensch zu sehen bekommen hat. Dennoch findet man nur wenige Veröffentlichungen zu dem Thema. Niemand möchte gerne an seine Fehlschläge erinnert, in seiner Kompetenz in Frage gestellt werden. Fest steht, dass jeder Film Risiken und Unwägbarkeiten in sich birgt und dass solide Planung und Risikobegrenzung allemal besser sind, als Glücksrittertum und blinder Glaube. Selbst wenn die Produktion fertiggestellt werden konnte, kann der Kinoeinsatz mangels Zuschauerinteresse noch zum Desaster werden.

     

    Ein Hoffnungsschimmer für jene Filme, die an ihrer mangelnden Qualität gescheitert sind, zeigen die Videotheken auf. Speziell in den USA zeigt sich, dass der „Kuriositätsfaktor“ dazu führt, dass auch Filme, die im Kino absolut abgestürzt sind, zu heimlichen Rennern werden können. Während man sich nicht wagt im Kino als „schlecht“ identifizierte Werke anzuschauen, und womöglich dabei gesehen zu werden, eröffnet die Videothek die Chance sich jeden noch so schlechten Film heimlich und unerkannt anzuschauen.

     

    Die Aufzählung in diesem Kapitel ist unvollständig und sollte kontinuierlich erweitert werden. Sachdienliche Hinweise bitte per Mail ans Movie-College.

     

  • StoryboardStoryboards sind cool. Die kostenlose Open Source Software "Storyboarder" ist professionell und bedient alle wichtigen Programme, auch für Animatics

  • Mobilität am Set

    Vor, bei und nach Dreharbeiten werden in der Regel viele Fahrzeuge benötigt, weit mehr, als der oder die regulären Firmenwagen einer Filmproduktion. Diese müssen selbstverständlich kalkuliert und auch von den Versicherungen und vom Benzin,- oder Dieselverbrauch her möglichst genau vorab eingeschätzt werden.

     

    Diese Beispielseite des Kalkulationsprogramms Cinecalc ist eine aus der Vielzahl von Anlagen und Unterseiten zum Bereich Technik. Abgesehen von Fahrzeugen im Bild entstehen allein für Transportmittel einige Kosten:

     

     

  • „Klein“-Darsteller

    Kinderdarsteller bei Dreharbeiten zu

    Raban Bieling und Tiffany Ischinger bei Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories

    Keine Familienserie, kein großes Kinoepos kommt ohne sie aus. Sie bereichern nicht nur die Welt, sie sind auch oft genug wunderbare, unverstellte Darsteller im Film. Die Einbindung von Kindern in Filmszenen oder ganze Filme erfordert nicht nur viel Umdenken für die Regie, sondern auch für den Planungsstab. Denn die sicherlich nicht ohne Grund gültigen Regelungen für Dreharbeiten mit Kindern bedeuten für die gesamte Organisation der Dreharbeit erschwerte Bedingungen.

     

    Regie und Regieassistenz haben in diversen Castings in Schulen oder den Produktionsräumen endlich die idealen Kinderdarsteller gefunden und der Produktion eine Liste mit Namen und Anschriften überreicht. Bevor man nun überhaupt für ein Projekt die erforderlichen Anträge beim Gewerbeaufsichtsamt der Stadt, an dem die Dreharbeiten stattfinden, stellen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

    • Kind und Eltern müssen über den Umfang der Dreharbeit informiert und einverstanden sein. Ihr Einverständnis müssen die Eltern oder Erziehungsberechtigten des Kindes der Produktion schriftlich bestätigen.
    • Die Schulleitung der zuständigen Schule des Kindes muss der Mitarbeit des Kindes zustimmen, auch wenn die Drehzeit nur an den Wochenenden oder an Nachmittagen liegt. Auch dies muss der Produktion schriftlich vorliegen.
    • Der Kinderarzt des Kindes muss eine Unbedenklichkeitsbescheinigung abgeben, das dritte Schriftstück, welches der Produktion vorliegen muss.
    • Das Jugendamt muss bestätigen, dass keine Bedenken gegen die geplante Beschäftigung des Kindes/Jugendlichen bestehen.

     

    Zeitplanung!

    Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

    Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass der Drehplan, den Sie für das Projekt aufstellen, berücksichtigt, dass ein Kind am Tag maximal 3 Stunden Dreharbeit, ausreichende Pausen bei maximal 5 Stunden Anwesenheit am Drehort haben darf. Ein Zeitplan für das Kind könnte so aussehen:

    Arbeitszeit

    von   9:30 bis 10:30
    von 11:00 bis 12:00
    von 12:30 bis 13:30

    Ruhepausen

    von 10:30 bis 11:00
    von 12:00 bis 12:30

    Anwesenheit

    von 9:00 bis 14:00

     

    Betreuung

    Kameramann Stephan Spreer mit Kinderdarstellern bei Dreharbeiten zu

    Kameramann Stephan Spreer mit Kinderdarstellern bei Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories

     

    Ferner muss ein vorzugsweise pädagogisch geschulter Kinderbetreuer, oder aber ein Elternteil des Kindes bei der Dreharbeit dabei sein und das Kind auch von Zuhause zum Drehort und zurück begleiten.

     

    Ein Ruheraum, abseits vom Drehort muss für das Kind zur Verfügung gestellt werden. Wenn man all diese Dinge eingeplant hat, kann man beim Gewerbeaufsichtsamt Anträge für die „Beschäftigung Minderjähriger bei Filmaufnahmen“ stellen. Diese Anträge sollten mit längerer Vorlaufzeit gestellt werden. Je nach Stadt kann die Bearbeitung schon mal  3 Wochen dauern. Wichtig: Änderungen des Drehplans dem GAA (Gewerbeaufsichtsamt) stets sofort mitteilen!

     

    Und... Bitte

    Pro Bescheid fällt eine Gebühr an, die Höhe hängt von der Stadt ab, in München sind incl. Auslagen 25,- Euro üblich. Diesen Bescheid sollte der Set-Aufnahmeleiter am Drehtag und Ort unbedingt dabei haben. Die Gewerbeaufsichtsämter und auch die Polizei prüft stichprobenartig die Einhaltung der Auflagen des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

     

    Download

     

    Kindergenehmigung
    für MS Word

    ZIP 4 KByte
    Ungepackt 22 KByte

    Das klingt alles ein wenig nach „harter Kinderarbeit“, ist aber natürlich zum Schutz der Kinder gedacht. In der Realität fühlen sich die Kinder am Set sehr wohl und haben Freude an den Dreharbeiten. Dass diese Genehmigung auch für Nebendarsteller und Komparsen erforderlich ist, versteht sich von selbst.

    Formulare für die Genehmigung durch Eltern, Schule und Kinderarzt gibt es hier als Download

     

     

  • Tuchfühlung

    Drehzeit – für einige Wochen oder Monate werden sehr viele Menschen, die sich vielleicht vorher nicht kannten, und die alle ihre ureigene Biographie mitbringen, sehr intensiv zusammenarbeiten und ein kleines Stück Lebenszeit miteinander verbringen. Kommt es zu schwerwiegenden Störungen in diesem Mikrokosmos, der sich Team nennt, sind Produktionsleiter und Produzent gefordert, mit Menschenkenntnis, Sachverstand und Feingefühl Schaden vom Filmprojekt abzuwenden.

     

    Alleskönner

     

    Auch wenn Sie sich nicht auf Ton, Bild, Schnitt, Licht oder Kamera spezialisieren wollen und diese Themen Sie wenig interessieren: Als Produzent sollten Sie versuchen, Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen. Ihr Wissen benötigen Sie nicht nur in direkt kreativen Aufgaben, sondern auch in der Organisation. Es hilft Ihnen einzuschätzen, wie Zeitaufwand, Kosten und Qualität zusammenhängen aber auch dabei, die Ursachen für mögliche Fehler konkret herausfinden zu können.

     

    Sie müssen lernen, Ihre eigene und die Arbeit des ganzen Teams von der Beobachtung am Drehort, ganz besonders aber von den Filmmustern her beurteilen zu können. Sie haben nicht die Zeit, bis zum fertig geschnittenen Film zu warten, um zu wissen, was gut, was schlecht gemacht wurde. Wenn das Material abgedreht ist, interessiert sich niemand für Ihre logischen Erklärungen, warum bestimmte Bestandteile des Filmes nicht so gut gelungen sind.

     

    Suboptimale Ergebnisse

    Selten wird es gelingen, in allen Arbeitsbereichen die absolut besten Mitarbeiter zu verpflichten. Und Sie werden auch damit leben müssen, wenn beim Dreh Teilbereiche nicht absolut optimal ausfallen. Womit Sie aber nicht leben sollten, sind eindeutige Unfähigkeiten, welche sogar die Dreharbeiten oder die Verwendbarkeit des gedrehten Materials in Frage stellen:

     

    • Scheuen Sie sich nicht, so schwer es auch fällt, Teammitglieder auszuwechseln, wenn diese die hochwertige Arbeit des ganzen Teams durch Nachlässigkeit oder Unfähigkeit gefährden.

     

    Wir hatten in einer Produktion einmal einen Kameraassistenten, der die Entfernung von der Kamera (Bildebene) bis zu den Schauspielern nicht mit dem üblichen Maßband maß, sondern seine Arme in die Luft streckte und mit „geschultem Auge“ schätzte. All dies mit einer Mimik unantastbarer Professionalität. Auf Nachfragen meinte er, er wisse, was er tue und verbat sich jede Einmischung. Die ersten Unschärfen in den Filmmustern schob er den Optiken zu. Wir ließen sie überprüfen, sie waren in Ordnung. Vermutlich sei die Kamera, genauer deren Auflagemaß, nicht in Ordnung. Wir wechselten die Kamera. Die neue Kamera änderte an gelegentlichen Unschärfen trotzdem nichts. Sie können sich denken, was bzw. wen wir als nächstes auswechselten... Von da an waren sämtliche Aufnahmen gestochen scharf.

     

    Dunkle Aura

    • Es kann auch vorkommen, dass Mitarbeiter sich in einer persönlichen Krise befinden und durch extrem negative Kommentare und Äußerungen ein ganzes Team in Lähmung versetzen können. Damit sind nicht Situationen gemeint, in denen jemand etwa einen Trauerfall zu beklagen hat. Das kann im wirklichen Leben und bei Dreharbeiten immer auftreten. Ein Filmteam kann damit umgehen und auch für die Betroffenen ist die Arbeit am Projekt unter Umständen hilfreich, den Schmerz zu überwinden.

     

    Eine Regieassistentin brachte, aus welchen persönlichen Gründen auch immer, in den Vorbereitungen zu einem Spielfilmprojekt durch Äußerungen wie „Das kann man nicht schaffen...“ und „Den Dreh muss man doch abbrechen...“ eine so negative Grundstimmung auf, dass auch andere Mitarbeiter an dem Projekt zu zweifeln begannen. Dass die Regieassistentin auch in ihren Vorbereitungen auf der Stelle trat, versteht sich von selbst. Der Drehbeginn schien unter diesen Umständen gefährdet. Man trennte sich im gegenseitigem Einvernehmen. Die neue Regieassistentin machte ihren Job vorbildlich und die Dreharbeiten verliefen einwandfrei.

     

    In einem solchen Fall sollte der Produktionsleiter oder Produzent möglichst bald das Gespräch mit dem oder der Betreffenden suchen und versuchen herauszufinden, wie man helfen kann und wie man einen Weg aus der Krise findet. Manchmal muss man sich aber auch trennen.

     

    Spannungen

    • So wie bei Dreharbeiten häufig Freundschaften entstehen können, so sind auch Animositäten einzelner Mitarbeiter untereinander möglich. Spätestens wenn ein großer Teil der Energien in gegenseitige Beschimpfungen und Aggressionen gegeneinander investiert werden, sollten Sie die Notbremse ziehen und das Gespräch zwischen den Parteien suchen. Wenn Ihre mündliche (Zeugen) oder schriftliche Abmahnung keine Besserung erbringt, ist eine Trennung wie immer nicht auszuschließen.

     

    Diese Beispiele sind nicht gedacht, Sie zu erschrecken. Aber obwohl die Atmosphäre bei Dreharbeiten in aller Regel freundlich ist, so können auch hier  Problemsituationen entstehen. Siehe auch: Problememacher.

     

  • Storyboards sind einfach toll anzuschauen und helfen einem, seine visuellen Ideen auch Anderen zu vermitteln...

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