Filmgenres

  • In den Sechziger Jahren machte sich im Kino eine neue Art von Filmen breit, die wie eine Welle über die hauptsächlich amerikanische Landschaft brach, und dann mit dem Ende des Kalten Kriegs auch ein leises Ende fand. Exploitation. Ausbeutung. Der Name war zwar nicht Programm, aber dennoch zeichnend für diese Art von Unterhaltung.

     

    B-Movies

    Exploitationfilme waren oft B-Movies. Unter B-Filmen versteht man eine Gattung mit ihren Wurzeln ab 1920. Früher gab es in den Kinos noch die sogenannten "Double Features". Man ging ins Kino und sah an einem Abend zwei Filme. Einen A- und einen B-Movie. Der Letzterer war stets eine Low-Budget Produktion (d.h. mit wenig Geld und Aufwand produziert) und hat sich auch oft inhaltlich von den anderen, bekannteren Filmen unterschieden.

     

    Gerade Tabuthemen wie z.B. Ed Woods Travestiedrama "Glenn oder Glenda" wurden aufgegriffen, auch wenn diese heute eher harmlos erscheinen. Stars wie Jack Nicholson und John Wayne hatten ihre Anfänge in B-Movies. Zu nennende Klassiker wären "El Topo"(Alejandro Jodorowsky) oder "The Blob" (Irvin S. Yeaworth Jr.).

     

    Action, Sex & Drogen

    Exploitationfilme waren Mitschwimmer. Mitläufer, die hofften auf die kommerzielle Welle aufspringen zu können, auch wenn viele diese Filme den Kommerz subversiv unterliefen. Nur wenige schafften es mit zu schwimmen und nur vereinzelte Werke wie "Shaft" sind der Masse (auch aufgrund von Remakes) heute noch bekannt. Als in den Siebziger Jahren das private Kabelfernsehen (in den USA) aufkam, war der Bedarf an Filmen groß. Um dem Zuschauer ein 24 Stunden Programm bieten zu können, wurden schnell massenweise, billige Filme produziert.

     

    Da die Bemühungen die Handlung zu rechtfertigen oft scheiterten, ergaben sich meist skurrile Handlungen. Doch oft ging es den Filmemachern bewusst um die Zerstörung von Vorbildern, sodass die Helden meist so verkommen wie ihre Gegenspieler waren und auch Drogen nur selten den gewünschten Abschreckungseffekt erhielten. Die Action wurde extrem übersteigert nach dem Motto: Quantität statt Qualität.

     

    Exploitationfilme wurden, auch schon damals, in Gattungen unterteilt wie Blaxploitation, Whitesploitation, Sexploitation,… Die bekannteste Gattung waren die Blaxploitation Filme wie "Superfly", "The diamond brothers", "Blacula" und "Dolemite", aber auch unbekannte Werke wie "Cleopatra Jones" oder "The legend of Nigger Charlie". Symptomatisch für diese Filme war, passend zum den ungleichmäßigen Verhältnissen in der Gesellschaft, dass der schwarze Hauptdarsteller mit oder auch ohne legale Mittel Kontrolle oder Macht erhalten hat. Im Whitesploitation war genau das Gegenteil, der Kontrollverlust, das gängige Bild der Hauptdarsteller.

     

    Generell war Sex sehr explizit, Bösewichte waren Nazis oder Zombies und es wurde viel getötet. Auch in Italien war der Exploitation Output mit "Spaghettiwestern" enorm. Charakteristisch waren die Werbemaßnahmen mit Untertiteln auf den Plakaten, um die Zuschauer von der Originalität und Qualität des Streifens zu überzeugen: "You don´t have to go to Texas to have a massacre. PIECES! It´s exactly what you think it is."

     

    Erbe

    Heute sind die meisten Filme der damaligen Zeit verstaubt oder gar verschollen, und der Exploitationfilm findet nur bei eingefleischten Cineasten Anklang. Doch Regisseure wie Quentin Tarantino lassen in ihren Filme Klassiker der damaligen Zeit wieder aufleben.

     

    Die Zitatspeilerei in seinem Werk "Jackie Brown" fängt bei der Besetzung von Pam Grier ("Coffy", "Foxy Brown", u.a.) an und geht sogar bis in den Soundtrack: der Titelsong "Across the 110th street" ist auch der Titelsong zu einem gleichnamigen Film von 1972. Manche Filme wie "Shaft" oder "The great white hype" wurden gar neu verfilmt und sorgen dafür, dass diese Gattung von Film nicht in Vergessenheit gerät.

     

  • Auch, wenn die Welt komplizierter geworden ist und Erzählweisen und Inhalte sehr vielschichtig, es gibt sie dennoch, die Erzählmuster, nach denen man Drehbücher und Filme kategorisiert.

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    Wenn wir ins Kino gehen, möchten wir vor allem eines: bewegt werden. Wir wollen mit dem Protagonisten erfahren, wie es ist, von seiner ewigen Liebe verlassen zu werden, wir wollen die Freude fühlen, wenn sie wieder zu ihm zurückkommt. Wir wollen uns aber mit wahrscheinlich ähnlicher Intensität vor dem bleichgesichtigen, kahlköpfigen Frauenmörder fürchten und mit der obligatorischen Gruppe Opfer, mit denen wir uns identifizieren können, um deren Leben rennen. Angst ist, wie Hass oder Liebe, eine gewichtige Emotion, die das menschliche Bewusstsein entscheidend prägt. Und weil Angst eine Emotion ist, die in der realen Welt einen durchaus berechtigten, in der Regel unangenehmen Grund haben kann, genießen wir es, im Kino zu sitzen, um dort in einer anderen Welt gemütlich und folgenfrei Angst haben zu dürfen.

     

    Stumme Monster

     

     

    Über die Lust am Angsthaben wurde man sich schon in der Pionierzeit des Mediums Film bewusst. Und zwar in Deutschland. 1920 kam Robert Wienes Stummfilm „Das Kabinett des Dr. Caligari“ in die Kinos und konfrontierte sein Publikum mit Visionen des Verlusts der Kontrolle und des Wahnsinns. Thematik wie Machart des Films stehen ganz im Sinne des Expressionismus, der nun sein künstlerisches Wirkungsfeld auch auf die Kinoleinwand projizierte. Besonders erwähnenswert sind die Bauten Hermann Warms, die perspektivisch verzerrt wesentlich zu der surrealen Stimmung des Films beitragen.

     

    Das Genre des Vampirfilms etablierte sich nur zwei Jahre später ebenfalls in Deutschland mit dem Film „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ (1922) von F. W. Murnau. Dieser Stummfilm ist eine nicht autorisierte Adaption des Romans "Dracula" von Bram Stoker. Die schauspielerische Präsenz des Hauptdarstellers Max Schreck verstörte das Publikum der Zwanziger Jahre derart, dass es annahm, der Schauspieler sei tatsächlich ein Vampir. Mit diesem Gedanken spielt im Übrigen die gelungene Horrorkomödie „Shadow of the Vampire“ (2000), in der John Malkovich Murnau und Willam Dafoe Max Schreck darstellt.

     

    Monster en masse

    Weitere Meilensteine des Horrorfilms wurden dann jenseits des großen Teichs in der Goldenen Ära Hollywoods, den Dreißiger Jahren, gesetzt. Den Start machte 1931 Tod Brownings Tonfilm "Dracula" mit Bela Lugosi in der Titelrolle. Allein dessen extrem starker ungarischer Akzent verbreitete Angst und Schrecken in den Kinosälen seiner Zeit. Nach diesem kommerziell sehr erfolgreichen Gruselschocker leckte Universal Pictures Blut und startete eine Serie von Monsterfilmen, wie zum Beispiel „Frankenstein“ (1931) mit Boris Karloff in der Rolle des erweckten Monsters, „The Mummy“, ebenfalls mit Boris Karloff in der Rolle eines weiteren erweckten Monsters, und etwas später „The Wolf Man“ (1941) mit Lon Chaney, Jr. Die Kinoleinwand war bis zum Rand gefüllt mit unsichtbaren Männern, ungelenken Riesenaffen, durchgeknallten Wissenschaftlern und untoten Aristokraten. In den Vierziger Jahren schreckten die Studios nicht einmal davor zurück, Monsterkombinationsfilme wie „Frankenstein Meets The Wolf Man“ (1943) zu produzieren. In „The House of Frankenstein“(1944) und „The House of Dracula“(1945) gesellte sich gar zusätzlich Graf Dracula zu dem konkurrierenden Zweiergespann.

     

    Diese klassisch gestrickten Horrorthemen fanden in den späten fünfziger und den sechziger Jahren ihre Fortsetzung in einer aufgepeppten Fassung: Die britische Filmproduktionsfirma HAMMER FILMS landete 1957 mit „The Curse of Frankenstein“ einen Welthit und machte die Schauspieler Peter Cushing (Frankenstein) und Christopher Lee (Die Kreatur) über Nacht zu Stars. In den Folgejahren lief die Produktion von B-Horror-Filmen in den Hammer-Studios auf Hochtouren. Von den Kritikern verachtet und von Publikum geliebt etablierten sich die Hammer Filme als Garant für Schock und Schauer.

     

    Was die Hammer-Studios in England waren, repräsentierte Roger Corman zu dieser Zeit in den USA. Auch er produzierte kostengünstig Gruselfilme am laufenden Band, weshalb er verdientermaßen als „King of the Bs“ (König der B-Filme) in die Filmgeschichte eingegangen ist. Nach dem kommerziellen Erfolg von „House of Usher“ (1960) produzierte Corman eine Reihe weiterer Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen, durch die z. B. Vincent Price und Jack Nicholson zu Stars wurden.

     

    Monster im Kopf

    1960 ist für die Geschichte des Horrorfilms ein äußerst wichtiges Datum: Alfred Hitchcocks „Psycho“ erblickte das Licht der Kinoleinwand und alles veränderte sich. War man es davor gewohnt, sich vor klassisch-fantastischen Gestalten wie Vampiren, Werwölfen und Konsorten zu gruseln, wurde auf einmal die menschliche Psyche die Quelle der Angst. Nach und nach verschwanden also die tapsigen Monster und machten Platz für messerschwingende Ideal-Schwiegersöhne. Im gleichen Jahr lief auch Michael Powells „Peeping Tom“ an, in dem die subjektive Kamera dafür sorgt, dass der Zuschauer aus der Sicht eines jungen Serienkillers zum Voyeur wird. Neben Hitchcock verstand es besonders der polnische Regisseur Roman Polanski, sein Publikum mit Filmen wie „Repulsion“ (1965) und „Rosemary's Baby“ (1968) mit dem zu schockieren, was es nicht sieht, sondern sich vorstellen muss.

     

    Schlitzende Monster

    In den Siebziger Jahren wurde diese filmideologische Formel einfach herumgedreht: Schocken durch möglichst detaillierte Darstellung von Gewalt. Der diesem Credo folgende Film „The Texas Chainsaw Massacre“ schuf 1974 das Genre des Splatterfilms, welches dann 1978 mit John Carpenters „Halloween“ um das Sub-Genre „Teenie-Splatterfilm“ (oder auch „Teenie-Schlitzer“) erweitert wurde. Im Grunde besann man sich hier zurück auf die einfache Formel der frühen Monsterfilme; lediglich die im Nachtwind wehenden Röcke der Opfer wurden kürzer, die Opfer an sich jünger und die Monster Psychopathen. Dieses Gerüst erwies sich als derart ertragreich, dass man in den Achziger Jahren dem Fortsetzungskult bewehrter Konzepte bis ins Unendliche frönte: Neben Fortsetzungsreihen wie „Friday the 13th“ und „Nightmare on Elm Street“ von Wes Craven existieren allein acht Halloween-Filme. Mitte der Neunziger Jahre erlebte der Teenie-Schlitzer mit dem Film „Scream“ (1996) eine Renaissance, indem er seine einfache Struktur entlarvte und somit die ohnehin von vorn herein gegebene unfreiwillige Komik bewusst einsetzte.

     

    Ein weiteres wichtiges Element im Horrorfilm ist der Glaube. William Friedkins „The Exorcist“ (1973) lies z. B. den Teufel höchstpersönlich in den Körper eines unschuldigen Mädchens schlüpfen und „The Omen“ (1976) spielte mit dem Gedanken, Luzifer den apokalyptischen Weltuntergang auf wirtschaftlichem Wege erreichen zu lassen. Besonders diese beiden Filme zeigen, dass es in der Welt der Horrorfilme eben doch nichts Böseres gibt, als das Böse an sich.

     

    Man sieht also, dass der Horrorfilm eine Geschichte hat, die bis an den Ursprung des Filmemachens zurückreicht. Schon lange ist der Horrorfilm nicht mehr aus den Kinos wegzudenken. Erfolge wie „The Sixth Sense“ (1999) und „The Others“ (2001) oder auch die Persiflagen in der "Scary Movie"-Reihe zeigen, dass das Geschäft mit dem Gruseln nach wie vor bestand hat. Denn im Kino Angst haben macht einfach Spaß.

    Daniel Vogelmann

     

  • Die Kassenknüller

    Mark Hintzen, Elisabeth Ulrich und Walter Spieske in 'Claudio'

    Mark Hintzen, Elisabeth Ulrich und Walter Spieske in 'Claudio'

    Werfen wir einen Blick auf die all time favorites der hiesigen Lichtspielhäuser; ganz hoch oben auf der Liste: der Kassenknüller „American Pie 2, 3, 4“, gefolgt von einem weiteren Nachfolger – „Scary Movie 2, 3, 4“ – außerdem „Zickenterror – Der Teufel ist eine Frau“, die ambitionierte Comicverfilmung „Ghost World“, der Kirsten Dunst-Hit „Verrückt/Schön“, die deutschen Produktionen „Engel + Joe“ und „Nichts bereuen“ sowie die Blondinen-Farce „Natürlich blond!“ mit Reese Witherspoon usw. All diese Filme haben etwas gemeinsam: Keiner ihrer Protagonisten hat die magische 20 überschritten, somit fallen sie alle in eine folgenschwere Kategorie: Teenager.

     

    Teen-Terror

    Viele Eltern fragen sich, was sie eigentlich falsch gemacht haben, wenn ihre Tochter urplötzlich eine heiße Leidenschaft für Hard-Rock-Musik oder ältere Männer entdeckt; ebenso machen sie sich Vorwürfe, wenn sie im Zimmer ihrer Prinzessin eine Packung Zigaretten oder schlimmer noch einen angerauchten Joint entdecken. Was tun, wenn der Sohn sich mit schmutzigen Pornoheftchen unter der Matratze Befriedigung verschafft oder eines Nachts im Vollrausch zur Tür hereintorkelt und sich später nicht wie üblich auf der Toilette sondern im eigenen Bett des überschüssigen Alkohols entledigt? Wie können Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn die Tochter sich zwischen Basketballstar und Klassenlehrer entscheiden muss? Wie helfen sie ihrem Sohn dabei, das gerade bei Beate Uhse frisch bestellte Zubehör zu bedienen? Fragen über Fragen und die einzige Antwort muss lauten: „Eltern, solange eure Kinder nicht zu euch kommen, haltet euch raus!“ Das gilt selbstverständlich nicht für schwerwiegendere Angelegenheiten wie sexueller Missbrauch, Drogenkonsum, kriminelle Anwandlungen etc.

     

    „Als ich noch jung war..."

    Junge Leute an Brunnen

    Zwischen Eltern und Jugendlichen scheinen manchmal Welten zu liegen.

    Obwohl jeder Erwachsene die Schreckensphasen der Pubertät mehr schlecht als recht hinter sich gebracht zu haben meint, fällt es ihm häufig schwer, sich in die Jugend hineinzuversetzen: Sprüche wie „Früher war alles ganz anders“ oder „Wir hatten damals gar nicht die Möglichkeiten...“ rufen bei Jugendlichen Brechreiz hervor. Doch auch, wenn Eltern übertriebenes Verständnis für ihre Zöglinge aufbringen, stößt das bei denen meist auf Ablehnung; welcher Teenager möchte sich schon ernsthaft vorstellen, wie die Nacht seiner Schöpfung zum Höhepunkt gefunden hat?

     

    Damit Eltern nicht vollends an ihrer Hilflosigkeit verzweifeln, sei ihnen geraten, Unterstützung von außen nicht bloß zu akzeptieren, sondern auch willkommen zu heißen. So ist die in Verruf geratene Zeitschrift „Bravo“ über Generationen hinweg zum Ratgeber der Jugend avanciert und ist aus der heutigen Pop-Kultur nicht mehr wegzudenken. Ebenso sind literarische Ergüsse wie z. B. Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ ein absolutes Pflichtprogramm für Heranwachsende. Da sich aber nicht jeder Sprössling für Literatur begeistern lässt, hat es ein anderes Medium geschafft, wie kein zweites der Generation X-Y-Z aus dem Herzen zu sprechen: der Film.

     

    Pickel, Partys, Pornoheftchen – die Probleme Heranwachsender als Publikumsmagnet

    Szenenbild

    Szenenbild aus "Claudio"

    Nicht erst seit dem enormen Erfolg der College-Klamotte „American Pie“ (USA 1999) hat die Filmwelt entdeckt, dass der so genannte Reifungsprozess nicht nur viel Stoff, sondern auch viel Kasse verspricht. Die Hauptzielgruppe von Kinofilmen sind junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren; demnach ist es nicht überraschend, dass der Teenager-Film längst kein Sub-Genre mehr ist.

     

    Genres

    Im Gegenteil: Die Kategorisierung von Teen-Movies ist endlos. Wir hätten da die College-Comedy („American Pie“), den Teen-Horror („Scream“, USA 1996), den Teen-Thriller („Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“, USA 1997), das Generationsportrait („Nowhere“, USA 1997), das Heranwachsenden-Drama („Stand By Me“, USA 1986), die romantische Teen-Comedy („Eine wie keine“, USA 1999), die tragische Teen-Love-Story („Eiskalte Engel“, USA 1999), den Independent-Teen-Film („Welcome to the Dollhouse“, USA 1995), den Teenager-machen-Musik-und-tanzen-Film („Dirty Dancing“, USA 1987; „Fame“, USA 1980), nicht inbegriffen generationsübergreifende Filme wie „American Beauty“ (USA 1999) oder gar die Verpflanzung von historischen Stoffen ins Teenagermilieu („10 Dinge, die ich an dir hasse“, USA 1999), die auf Motiven von Shakespeares „Der Widerspänstigen Zähmung“ beruht.

     

    Wie alles begann...

    So besitzt die Jugend nicht nur ihr eigenes Kinopanoptikum, sondern auch seine eigenen Stars: Die Liste reicht von Neve Campbell über Ryan Phillipe bis zu Julia Stiles. Denen blüht eine rosige Zukunft, wenn man bedenkt, dass selbst Stars wie Jodie Foster („Jeanies Clique“, USA 1980), Michelle Pfeiffer („Grease 2“, USA 1982), John Travolta („Saturday Night Fever“, USA 1977) und Tom Cruise („Lockere Geschäfte“, USA 1983) in Teen-Movies ihrem frühzeitigen Ruhm entgegentraten. Der Siegeszug über die Leinwände dieser Welt begann schon Anfang der 50er-Jahre mit Filmen wie „... denn sie wissen nicht, was sie tun“, in dem Teenager-Idol James Dean als „Rebel Without a Cause“ (Originaltitel) Weltruhm erlangte.

     

    Standen damals noch Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos als rebellischer Auswuchs gegen die Moralität der Schranken auferlegenden Erwachsenenwelt, so haben die Jungspunde der 80er und 90er Jahre sowie des neuen Jahrtausends mehr mit den eigenen Schwächen und Konventionen ihrer Generation zu kämpfen. Die strengen Lehrer und unterdrückenden Eltern sind der intriganten Highschool-Zicke und dem prügelnden Football-Spieler gewichen. Die Autorennen wurden zu hemmungslosen Saufpartys, und das heute als spießig geltende Autokino-Knutschen findet eine neue Verkörperung in jeglichen (Ab-)Arten des Sexualverkehrs (Motto: egal wo, egal wie, egal womit).

     

    Alles Pie

    Bei der Freizügigkeit, mit der heutzutage ehemalige Tabuthemen behandelt werden, bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken. Nicht selten driftet die flotte Teen-Comedy in brachialen Klamauk ab; als frühes Beispiel dient hier die israelische „Eis am Stiel“-Reihe, die es schaffte, sich nach dem großen Erfolg des noch recht unterhaltsamen ersten Teils von Fortsetzung zu Fortsetzung an Kalauern, peinlichen Dialogen und erbärmlicher Handlung zu übertreffen. So wurde aus der peppigen Jungs-suchen-Mädels-am-Strand-Comedy ein öder Jungs-poppen-Mädels-am-Strand-Softporno.

     

    Dennoch: Ohne „Eis am Stiel“ hätte wohl die erfolgreichste Teenager-Komödie der 90er Jahre nie das Licht der Leinwand erblickt: „American Pie“ war ein weltweiter Überraschungshit. Allein in Deutschland lockte der Film mehr als 6,5 Millionen Zuschauer in die Kinos. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass auch nur einer von ihnen die 40 überschritten hat. Dabei bietet „American Pie“ nichts wirklich Neues; keiner kann ernsthaft behaupten, dass die Handlung (eine Gruppe pubertierender Highschool-Bubis will endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren) in irgendeiner Art und Weise innovativ und nicht (von besagtem „Eis am Stiel“) abgekupfert sei. Zugegeben: Der Film ist in einigen wenigen Szenen zum Brüllen komisch – man denke da nicht nur an die Apfelkuchen-Szene (Hauptdarsteller Jason Biggs taucht ein in die Welt des „American Pie“), inzwischen wohl ein moderner Klassiker, sondern auch an „Damals im Ferienlager...“. Zum Schreien...

     

    Derber Humor

    Aber auch diese Art des derben Humors, der das Überraschungsmoment perfekt nutzt, fand bereits in dem Farrely-Klamauk „Verrückt nach Mary“ seinen Höhepunkt. Was ist es also, das Teenager aus aller Welt an diesem Film so begeistert? Vermutlich sind es genau jene Szenen, in denen die Jugend mit entwaffnender Ehrlichkeit bloßgestellt wird. Der Film tut das ohne erhobenen Zeigefinger, ohne falsche moralinsaure Botschaft; er macht einfach nur Spaß und besitzt durchaus eine versöhnliche Wirkung. So werden z. B. Horrorvorstellungen von Teenagern (Eltern überraschen ihren Sohn dabei, wie er sich selbst befriedigt) in brillanten Slapstick-Einlagen zu dem degradiert, was sie in Wirklichkeit sind: nichts als dermaßen peinliche und dennoch ungemein komische Situationen. Kein Drama. Keine Tragödie. Keine Katastrophe. „American Pie“ ist alles andere als ein „Problemfilm“ und hebt sich somit angenehm vom amerikanischen TV- und Kinoeinerlei, das „die Jugend und ihre Gefühle und Probleme [vielleicht etwas zu] ernst nimmt“ ab.

     

    Dennoch hätte man sich eine etwas konsequentere Umsetzung gewünscht, denn die seichten Liebesgeschichtchen, von denen der Zuschauer leider auch in „American Pie“ nicht verschont bleibt, versprühen wenig des makabren Esprits, der einem in besagten Szenen vor Lachen die Tränen in die Augen steigen lässt.

     

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    Den eingefleischten Kinofans ist diese Szene nicht fremd. John Waters´ "Pink Flamingos" reiht sich wie seine weiteren Werke "Desperate living" und "Female trouble" in die Reihe der klassischen Trashfilme, neben Werken von Russ Meyer ("Vixen" u.a.), Ed Wood ("Plan 9 from outer space") und Paul Morrissey ("Heat").

     

    Anfänge

    Doch wie der Name und die gängige Bezeichnung für TV- und Kinoschrott darauf schließen lassen, geht es bei Trashfilmen und deren Ästhetik nicht darum, schlechte Filme in einen Mülleimer der Bezeichnung zu werfen, sondern lassen sich hier viel mehr zwei Grundströmungen dieser Stilrichtungen ausmachen, die miteinander sehr verwandt und optisch erst auch nicht unterscheidbar sind.

     

    Bei Ed Wood, dem "schlechtesten Regisseur aller Zeiten", geht es bei den geschichtlichen Anfängen des Trash um ungewollten Dilettantismus, Low-Budget, abgefahrene Geschichten und ebenso die Intention der Schaffung eines "guten" Films. Zwei Darsteller für eine Rolle, eine Wechsel zwischen Tag und Nacht in einer Szene und die Taufe der gesamten Crew, um von der evangelischen Kirche ein Budget zu bekommen, sind nur wenige der von ihm verwendeten "Stilmittel", und küren somit sein Werk "Plan 9 from outer space" zum "schlechtesten Film aller Zeiten".

     

    Den Spannungsbogen nicht über den ganzen Film verteilt aufzubauen, sondern nach einer Minute schon mitten in Horror und Splatter zu sein, war George Andrew Romeros Devise in "Night of the living dead". Russ Meyer spezialisierte sich auf große Oberweiten seiner Darstellerinnen und löste mit seinen Filmen die Welle des "Sexploitation" (siehe Exploitation) los. Sein berühmtestes Zitat spricht für seine Vorliebe und steht für seine Filme: "Wenn ich mich nicht so sehr für Busen interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher werden können."

     

    Neue Welle

    Im Zuge der sexuellen Revolution und den Vorläufern der 68er, kam eine neue Welle ins Medium Film. Im Gegensatz zu den Nachkriegsjahren, kam Ende der 60er eine enorme Flut von A-, aber verstärkt auch B-Movies (Low-Budget Produktionen, die zur damaligen Zeit als Vorfilm der eigentlichen Kinovorstellung, den A-Movies, gezeigt wurden), mit neuen Inhalten und Zielrichtungen.

     

    Filme wie "The Hustler Squad" (Cesar Gallardo), "Foxy Brown" (Jack Hill) oder "Blackenstein"(William A. Levey) sind Beispiele für den Output der Siebziger und deren Ästhetik, zusammengefasst im Genre "Exploitation". Rabiatere Gewalt, offener Sex und Endzeitvisionen wurden dem Zuschauer näher gebracht, während der Gang ins Kino (manchmal auch versehrt mit sog. Gimicks, wie z.B. dem Abschluss einer Lebensversicherung vor einem Horrorfilm) zum Happening wurde.

     

    Abseits dieser Ausschlachtung kam Anfang der 70er ein junger Mann aus Baltimore Namens John Waters mit neuen Vorstellungen von guter Unterhaltung und gab dem Begriff "Bad Taste" bis dato eine neue Bedeutung. Vielleicht nicht als der Erste, aber definitiv als einer der Pioniere, war es Waters der sich die Merkmale des ungewollten Trash als Maxime setzte: wenig Budget, skurrile Story und das freizügige Ignorieren jeglichen Talents. So war für ihn die Frage, ob seine Darsteller in Wirklichkeit so sind, wie sie in den Filmen dargestellt werden, das größte Kompliment.

     

    Auch große Künstler wie z.B. Andy Warhol widmeten sich zeitweise dem Trash. Paul Morrissey führte in den von Warhol produzierten Filmen "Blood for Dracula" (mit Udo Kier) und "Trash" Regie. Viele der damaligen Filme sind heute Kult, doch gemessen an der Vielzahl der damals gedrehten Filme, sind es nur wenige unter extrem Vielen, die heute noch bekannt und nicht in Vergessenheit geraten sind.

     

    Gegenwart

    In den Achtziger und Neunziger Jahren wurde aus diesen Mitteln mehr und mehr eine Stilrichtung, und viele heute bekannte Regisseure fingen mit "anspruchsvollem" Trash ihre Karrieren an, oder haben sich diesem gar ganz verschrieben. Gegen den Mainstream und der Bruch mit sozialen und handwerklichen Konventionen war die Devise.

     

    Die Liste geht von Christoph Schlingensief über Peter Jackson bis hin zu Quentin Tarantino. Während sich Schlingensief in seinen Werken "100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker" und "Das deutsche Kettensägenmassaker" aus den Mitteln einen Zweck machte und zum ersten mal mit Trash politisierte, ging es in Tarantinos "Jackie Brown", dem für viele so enttäuschenden Nachfolger von "Pulp Fiction", um eine Ode an den Exploitationfilm der Siebziger, mit Pam Grier in der Hauptrolle, der Queen des "Blaxploitation".

     

    Bis vor Jahren noch als Pseudo-Kunst verschrien, wird der Trashfilm heutzutage Salonfähiger, und erreicht nun schlussendlich seine Anerkennung. Sogar Filmhochschulen produzieren ab und an Trashfilme, wie der Film von einem Münchner HFF-Studenten "Der Goldene Nazivampir von Absam 2" zeigt. Auch wenn viele den Trash als einen Möchtegern Versuch in der Kinokultur sehen, bleibt es jedoch immer noch eine Kunst die Unkunst gut und unterhaltsam zur Schau zu stellen.

     

  • Am Anfang war die Nacht

    Wer einem Vampir begegnen will, der sollte nicht vor Einbruch der Dunkelheit sein trautes Heim verlassen, denn das ist seit jeher ein unumstößliches Gesetz: Der Vampir ist ein Nachtschattengewächs. Dunkle schlecht-ausgeleuchtete Gassen in Großstädten („Interview mit einem Vampir“, „Die Zärtlichkeit der Wölfe“), verlassene, öde Wüstenlandschaften („Near Dark“, „From Dusk Till Dawn“, „John Carpenter’s Vampire$“), undurchdringbare, einsame Wälder (sämtliche Hammer-Filme) bis hin zu düster-majestätischen Schlössern („Bram Stoker’s Dracula“) und fiebrig-bebenden Nachtclubs („Begierde“, „Blade“), der Vampir fühlt sich überall dort wohl, wo sich der Mensch nie freiwillig, sondern nur in seinen Albtraumschreckensszenarien hinbegibt. Hierbei bestätigen natürlich auch wieder Ausnahmen die Regel, wer verbindet nicht die romantische Vollmondnacht oder das wohlig-warme Karminfeuer mit den dunklen Gefährten der Nacht?

     

    Am Tag schlafen Vampire doch...

    Dennoch gibt es einige Beispiele, in denen die Vampire auch bei Tage für Unruhe sorgen. Erwähnenswert wären hier folgende Fälle: Eher unfreiwillig wandeln in Carl Theodor Dreyers expressionistischem Meisterwerk „Vampyr - Der Traum des Allan Gray“(F 1932) die Untoten durch gleißendes Tageslicht. In wahnwitzigen Kameraeinstellungen begleitet von dumpfen Klavierklängen und sehr wenigen Dialogzeilen orientiert sich der Film frei an Sheridan Le Fanus Vampirklassiker „Carmilla“, sozusagen der weiblichen Komponente zu Dracula.

     

    Kuerbisse

    Die harmlosen Kürbisgewächse hat Regisseur John Carpenter mit Horror in Verbindung gebracht.

    Da die Untoten in der ersten Hälfte des Films nur als Schatten sichtbar durch Häuser, Wälder und über Wiesen huschen, war ein großer Lichteinfall nötig. Bei sämtlichen Außenaufnahmen war es hellichter Tag, obwohl der Film in schwarz-weiß gedreht wurde, ist es an einigen Stellen unübersehbar, dass die Sonne gerade hoch am Himmel steht, wobei es der Handlung nach tief in der Nacht sein soll. Dennoch ist Dreyers märchenhafte Träumerei gerade künstlerisch betrachtet ein absolutes Meisterwerk und sollte den Vergleich zu Murnaus „Nosferatu“ nicht scheuen.

     

    „Blade“

    Ein weiteres Beispiel wäre der moderne Actionkracher „Blade“ (USA 1998) von Stephen Norrington, hier dürstet es den Bösewicht Deacon Frost (bravourös gespielt von Stephen Dorff) nach der Herrschaft der Vampire über die Menschheit, die lässt sich allerdings nur verwirklichen, wenn die Nachtschwärmer auch bei Tage auf Beutefang gehen können (Sunblocker und verdunkelte Motoradhelme erfahren hier eine ganz neue Bedeutung). Blade (Wesley Snipes) selbst ist ein Zwitterwesen zwischen Mensch und Vampir und somit befähigt auch bei Tage in Erscheinung zu treten, allerdings hat er sich den Diensten der Menschheit verschrieben und macht mit Stahlpflöcken und Karatekampftechniken Hatz auf seine machtgierigen Halbbrüder und Halbschwestern. Tricktechnisch ist „Blade“ brilliant in Szene gesetzt, und auch die Action-Sequenzen überzeugen durch ein irrsinniges, atemloses Tempo, inhaltlich gerät der Film aber leider hier und da ins Staucheln. Dennoch erfährt der Vampir in diesem Film seine Auferstehung als kompromissloser, düsterer Comicheld, der das Kinopublikum begeisterte. Die Fortsetzung „Blade II“ wird hoffentlich im nächsten Jahr an diesen Erfolg anknüpfen können.

     

    „From Dusk Till Dawn“

    Der Kultfilm von Regisseur Robert Rodriguez aus dem Jahr 1996 hauchte dem bereits angestaubten Vampirgenre wieder neues Leben ein. Mit Quentin Tarantino als Drehbuchautor und diversen Hollywoodgrößen in wirklich ungewöhnlichen Rollen schuf man einen Film, der in der Beliebtheitsscala unzähliger Freunde des Vampir- und Horrorfilms noch immer unter den ersten Plätzen rangiert.

     

    Die Brüder Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino), zwei skrupellose Verbrecher versuchen nach einem spektakulären Bankraub nach Mexiko zu fliehen. Dabei nehmen sie einen ehemaligen Pfarrer (Harvey Keitel) und dessen Kinder (Juliette Lewis & Ernest Liu) als Geiseln um unbemerkt über die Grenze zu kommen, was ihnen auch tatsächlich gelingt. Doch dann nimmt ihre Flucht ein unerwartetes Ende, als sie sich mitten in der Wüste eine Nacht imTitty Twister um die Ohren schlagen müssen. Denn die zwielichtige Spelunke, in der Ströme von Alkohol fließen und halbnackte Schönheiten auf den Tischen tanzen, ist der Wohnsitz einer hungrigen Vampirsippe, die ihr Etablissement benutzt um unvorsichtige Biker und Trucker abzuschlachten. In die Falle gelaufen, kämpfen nun die Geiseln mit den Gecko Brüdern und einigen anderen Gästen zusammen ums nackte Überleben.

     

    Ein Film der definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Wird zu Anfang des Films "nur" ein wenig geschossen und hie und da mal ein Fausthieb ausgeteilt, fliegen gegen Ende richtig die Fetzen. Wenn die höllische Vampirbrut ihre Maskerade aufgibt und ihre ahnungslosen Opfer regelrecht zerreißt, spritzt das Blut in alle Ecken und die abgetrennten Gliedmaßen fliegen nur so durch die Lüfte. Was ihn allerdings stilistisch interessant macht, ist die Tatsache, das der Film bis zur Hälfte keine einziges Wort über Vampire verliert, ja nicht einmal eine kleine Andeutung auf das Übernatürliche macht. Für den Zuschauer kommen die Blutsauger quasi ebenso überraschend wie für die Protagonisten. Ein brutales Vampirspektakel, das unter Horrorfilmen noch immer seinesgleichen sucht. Die beiden Prequels "Texas Blood Money" (1999) und "The Hangmans's Daughter" (2000) konnten ihrem Vorgänger nicht mehr das Wasser reichen.

     

    „The Reflecting Skin“

    Das letzte Beispiel, auf das hier eingegangen werden soll, ist Philip Ridleys „Schrei in der Stille – Reflecting Skin“ (USA 1990). Der Junge Seth Dove (Jeremy Cooper) lauscht voller Spannung den Vampirgeschichten seines Vaters. Schon bald beginnt er die junge Witwe Dolphin Blue (traurig-schön: Lindsay Duncan) zu verdächtigen, ihrem Mann das Leben entzogen zu haben. Er findet in ihrem Haus eine Schatulle mit Haaren und ein Fläschchen mit Schweiß des Verstorbenen. Als sein Bruder Cameron (Viggo Mortensen) aus dem Krieg zurückkommt und der tragischen Schönen mit Haut und Haar verfällt, beschließt Seth ihrem Treiben ein Ende zu setzen...

     

    Wenn man beim Anblick von wogenden Roggenfeldern in strahlendem Sonnenschein den Hauch des Todes spürt, so liegt das an Ridleys bedrückender und doch unsagbar schönen Bilderflut. Das Grauen geschieht wirklich, findet seine Manifestation in krassen Bildern, so wird ein riesiger Ochsenfrosch von Seth mit einem Strohhalm aufgeblasen und zerplatzt, oder Seths Vater, Besitzer einer Tankstelle, übergießt sich mit Benzin, trinkt es sogar literweise und setzt sich schließlich vor den Augen seines fassungslosen Sohnes in Brand, allerdings kommen die Vampire nur in Seths verzweifelter Phantasie zum Vorschein.

     

    Das  Motiv der ländlichen Idylle, des Nicht-Eingestehen-Wollens der Protagonisten, dass sie sich auf einen Abgrund zu bewegen, wird jedoch gerade in den altmodischen Vampirfilmen häufig aufgegriffen. Ridleys schonungsloses Psychodrama sei all jenen ans Herz gelegt, die die Schönheit der Grausamkeit ertragen können.

    (Zeichnungen: Mark Zaschka)

     

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    Am Anfang war die Verführung

    Kasch

     

    Can't touch this !

    Wenn man sich die Nosferatu-Darsteller Max Schreck und Klaus Kinski in Erinnerung ruft, so dürfte es einem schwer fallen, sie mit erotischen Sehnsüchten in Verbindung zu bringen. Ganz anders hingegen die namhafte Riege der Dracula-Darsteller von Bela Lugosi über Christopher Lee bis hin zu Gary Oldman:

     

    Dracula war schon immer ein Frauenschwarm. Obwohl der Graf sich zumeist zugeknöpft und wenig nackte Haut zeigt, verfallen ihm die Frauen scharenweise. Seine mächtige, männliche und aggressive Ausstrahlung, sowie seine unbändige Körpersprache erlauben es ihm, jeden Morgen bei Anbruch der Dämmerung blut- und lustgestärkt in sein Versteck zurückzukehren. Eigentlich seltsam, denn der eigentliche Sexualverkehr findet nicht statt. Der Vampir begattet seine Opfer nicht mit dem Geschlecht, sondern mit dem Mund, in dem seine langen Zähne nach Blut lechzen.

     

    Der Biss

     

    Der Biss des Vampirs hat auf sein Opfer meist exstatische Wirkungen, die an einen Orgasmus erinnern lassen. So schreibt Horrorpapst Stephen King über eine Szene in Stokers Roman: „[...] Stoker deutet an, dass Lucy einen Orgasmus hat, der ihr das Gehirn wegpustet.“ Dass King mit dieser Annahme nicht allein dasteht, zeigt Coppola in seinem Film in folgender Sequenz: Lucy wacht in einer Gewitternacht auf, sie räkelt sich lustvoll in ihrem Bett. Plötzlich springen die Fenstertüren auf, und ein Windstoß erfasst das durch Kerzen erhellte Zimmer. Durch wehende Gardinen sucht Lucy, nur mit einem seidenen Nachthemd bekleidet, den Weg ins Freie, ins tosende Unwetter. In einem majestätischen Irrgarten streift sie lustvoll lachend umher, bis sie schließlich auf einer Empore völlig nackt von einem wolfsähnlichen, riesigen Monstrum vergewaltigt wird. Völlig von jeglicher Vernunft verlassen, gibt sich Lucy dem Werwolf hin und bezahlt es mit dem Leben.

     

    Stilisierte Vampire

    Filmische Stilmittel, die hier verwendet werden, um den Koitus zu verbildlichen, wären einmal die eher altmodische Wahl von Blitz und Donner, der stetig bedrohlich anschwellende Score von Wojciech Kilar und zu guter letzt massive Blutfontänen, die das Bild und den dargestellten Moment in sich zu ertränken scheinen. Eine atemberaubende Szene, die ihresgleichen sucht! Seine Verkörperung als erotisches, sexuelle Konventionen durchbrechendes Geschöpf fand der Vampir allerdings häufiger in seiner weiblichen Darstellung.

     

    So wurden schon in den britischen Filmen der Hammer-Studios die vampirischen Gefährtinnen des potenten Dracula als laszive, sexhungrige Nymphen verheizt. Bis auf einige gewichtige Ausnahmen ist das leider bis in die heutigen Tage so geblieben, man denke an die Sexhäschen von Deacon Frost in „Blade“, an die drei Vampirluder in dem enttäuschenden „Dracula 2000“ oder auch an den erotischen Höhepunkt von „From Dusk Till Dawn“, Salma Hayeks wilden Schlangentanz. Als lesbische Verführerinnen hingegen konnten auch die weiblichen Vampire im männerdominierten Genre Fuß fassen. Dieses Anfang der 70er Jahre aufkommende Subgenre des Vampirfilms beschränkte sich zu Beginn auf blutige Softpornos und bedarf keiner besonderen Erwähnung; allerdings gibt es auch hier wenige Ausnahmen. Eine davon ist Jesus Franco Maneras „Vampyros Lesbos“ (Deutschland/Spanien 1970), wie der Titel schon erahnen lässt, nicht gerade inhaltlich ein Meilenstein auf dem Friedhof der Vampire, jedoch ein durchaus prickelnder Erotik-Cocktail mit hübschen Darstellerinnen, schrägen Kamerafahrten und einem scharfen, swingenden Soundtrack.

     

    Grufties

    Einer der wohl einzigartigsten Vampirfilme überhaupt rückte den weiblichen Vampir Anfang der 80er Jahre in ein völlig neues Licht: Tony Scotts 80er-Schocker „Begierde – The Hunger“ (USA 1983). Mit einer qualitativ hochwertigen Besetzung (Catherine Deneuve, David Bowie und Susan Sarandon) schuf Scott eine bitterböse Abrechnung auf die 80er Jahre und auf die Überheblichkeit der Untoten. Die weibliche Verführerin Deneuve treibt mit ihrem Partner Bowie ihr Unwesen in heruntergekommenen Grufti-Nachtclubs; wie wilde Tiere fallen sie über ahnungslose Twens her. Scott verstärkt diesen Eindruck, indem er zeitgleich den brutalen Todeskampf zwischen zwei Affen zwischenschaltet.

     

    In grellen Farben und mit einem abgefuckten 80er-Soundtrack inszeniert er die erste Stunde des Films, die den Zuschauer zugleich ekelt und fasziniert. Susan Sarandon spielt eine junge Wissenschaftlerin, die an Affen ein Serum testet, welches den Alterungsprozess verzögern soll. Sie ist fasziniert von der eleganten, undurchschaubaren Deneuve, welche die ahnungslose Wissenschaftlerin bezirzt, um sie sich zur neuen Gefährtin zu machen, denn ihr bisheriger Wegbegleiter Bowie scheint auf rapide Weise zu altern und verwest zusehends... Nicht nur inhaltlich sondern auch stilistisch ein außergewöhnlicher Film, denn wenn „Begierde“ in der ersten Hälfte von kalten, apokalyptischen Bildern gepeitscht durch düstere Großstadtlandschaften hetzt, so wird er in der zweiten Hälfte von warmen, pastellfarbenen Bildern und einem Klavierscore weich aufgefangen. Der Sturz ins Verderben bleibt allerdings unausweichlich.

     

    Action-Vampire

    Wenn wir schon mal bei den 80er Jahren angelangt sind, wäre noch zu erwähnen, dass dies die Zeit des effekt- und actionreichen Prollvampir-Movies war. Das wohl bekannteste Beispiel ist Joel Schumachers „The Lost Boys“ (USA 1987), ein, trotz seiner schwachen Handlung und nicht immer gut getimeten Effekte enormer Box-Office-Hit weltweit. Zuvor beglückte uns Tom Holland mit seiner wirklich „rabenschwarzen“ Vampirkomödie „Fright Night“ (USA 1985), welche drei Jahre später eine Fortsetzung nach sich zog, die weniger gelungen war. Ebenfalls einen interessanten Ausflug in die Welt des neuzeitlichen Vampirmythos wagte Skandalfilmer Ken Russell („China Blue – Bei Tag und Nacht“, „Die Hure“) 1986 mit seinem Spukschloss-Schocker „Gothic“, in dem die menschliche Psyche außer Kontrolle gerät, jedoch lassen sich auch in den Verhaltensmustern der Protagonisten vampirische Züge erkennen.

     

    Ein absolutes Highlight des 80er Jahre-Proll-Vampir-Horrors ist Kathryn Bigelows düstere Actionromanze „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“ (USA 1987), die deutlich die starken Bindungen der Vampire untereinander beleuchtet. Hier spielt der weibliche Vampir eine wichtige Rolle, wie auch in „The Queen of the Damned“ (USA 2002), einem Horrofilm, der lose auf den Romanen der Bestsellerautorin Anne Rice basiert. In der Hauptrolle ist hier die leider viel zu früh bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommene R’n’B-Sirene und Schauspielerin Aaliyah zu sehen, die eigentlich auch für einen Part in der Fortsetzung von „Matrix“ vorgesehen war.

     

    Romantische Vampire

    Anne Rice lieferte bereits 1994 die Vorlage für einen modernen Klassiker des romantischen Vampirfilms: „Interview mit einem Vampir“ überzeugte mit einer erlesenen Besetzung (Tom Cruise, Brad Pitt, Antonio Banderas, Stephen Rea, Christian Slater und der grandiosen Kirsten Dunst), die in samtig-weichen Bildern und einem unheimlichen Score von Elliot Goldenthal unter ihrer Existenz als leidend-liebende Untote zugrunde gehen. Ein weiterer Aspekt des brillant melancholischen Opus von Neil Jordan (Oscar für sein Drehbuch zu „The Crying Game“) sind die homoerotischen Untertöne zwischen den männlichen Vampiren. Obwohl die Frauenschwärme Pitt, Cruise und Banderas vielmehr das weibliche als das männliche Publikum verzückten, schienen sie in ihren Filmcharakteren keinerlei Interesse am anderen Geschlecht zu haben.

     

    Auch hier bleiben die Frauen mit Ausnahme von Kirsten Dunst, eine nicht-alternde Vampirgöre, als willige Opfer mit üppiger Oberweite weitgehend unbeachtet. Das Beziehungsgeflecht unter den Vampiren scheint in diesem Film nicht von sexuellen Konventionen, vielmehr von Freundschaft und physischer sowie psychischer Anziehungskraft bestimmt. Die Homosexualität fand schon in der Gestalt des hübschen Sohnes des Graf Dracula-Doubles in Polanskis neckischem „Tanz der Vampire“ ihren Vorreiter, der sich natürlich prompt in einen der Vampirjäger verknallt. Die Verführung im Reich der Vampire kennt also viele Facetten.Verführung

     

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