Filmkameras

  • Die Sache mit der Belichtung

    Kameramann Immo Rentz bei Dreharbeiten zu 'Franta'

    Es ist nicht ganz einfach, den Kontrastumfang, den unser Auge erfassen kann, aufzuzeichnen. Sie können nur einen begrenzten Spielraum zwischen hellen und dunklen Stellen des Bildmotivs abbilden.

    Filmmaterialien und Videosysteme sind bedauerlicherweise nicht so grandios ausgestattet, wie das menschliche Auge. Sie haben so ihre Probleme mit den realen Kontrasten in der Welt.

     

    Filmmaterialien übersetzen die in der Realität vorhandenen Licht- und Schattenwerte in unterschiedliche Schwärzungsgrade im Filmnegativ. Die Gradationskurve eines Filmnegativs gibt Auskunft darüber, in welchem Bereich man das Bild optimal umsetzen kann (gerader Teil der Kurve). Die Ermittlung der für die Empfindlichkeit des Filmmaterials richtigen Belichtung dient dem Zweck, die Gradationskurve möglichst optimal nutzen zu können. Die Empfindlichkeitsangabe des Filmmaterials besagt, wie viel Licht erforderlich ist, um eine bestimmte Schwärzung im Negativ (oder Positiv) zu erzielen. In der heutigen digitalen Aufnahmetechnik haben wir es zwar nicht mehr mit Schwärzungskurven eines Negativs sondern mit innerhalb der Sensoren und nachgeschalteten Prozessoren verarbeitbaren Bandbreite an Werten zu tun, doch die Prinzipien damit umzugehen, sind in weiten Teilen die gleichen wie beim Film.

     

    In frühen Zeiten des Filmes, als es noch keine Belichtungsmesser gab, arbeiteten Kameraleute mit Katzen. Je nachdem, wie weit die Pupillen der Katzen geöffnet oder geschlossen waren, wurde die Blende an den Kameraobjektiven eingestellt. Dass diese Methode recht gewöhnungsbedürftig und ungenau war, ist naheliegend. Die technischen Fortschritte ließen Messinstrumente für das Erfassen von Helligkeit möglich werden. Doch was sollte man ausmessen, um die Blende für die Belichtung zu ermitteln? Den hellen Himmel, oder die dunkle Erde?

     

    Spotmesser und Graukarte

    Spotmesser und Graukarte

    Was immer man misst, alles ergibt unterschiedliche Werte. Man kann das auch für sich selber testen und ein digitales Foto aufnehmen und die verschiedenen Objekte im Bild ausmessen und später auf den Print von dem Foto eintragten. Da kriegt man einen hervorragenden Überblick über die im Motiv vorkommenden unterschiedlichen Helligkeiten.

     

    Belichtungsmesser bilden Mittelwerte

    Um allgemeingültige Normen für die Ermittlung der richtigen Belichtung zu erhalten, haben die Entwickler zunächst die Natur sowie typische Innenräume daraufhin untersucht, wie viel Licht von den verschiedensten Materialien reflektiert wird. Weiße Wände oder Spiegel reflektieren viel, dunkle Stoffe, Böden, Schattenpartien, wenig Licht. Man fand heraus, dass in unterschiedlichen Umgebungen der Mittelwert gebildet aus verschiedenen Reflektionsgraden ungefähr einer Reflektion von 18% entspricht. Dieser Wert wurde als Norm festgelegt bei der Entwicklung von Belichtungsmessern.

     

    Das Prinzip der Mittelwertbildung findet auch bei automatischer Belichtung (Videokameras, dokumentarische Filmkameras, Fotoapparate etc.) Anwendung. Eine Vielzahl von Messpunkten innerhalb des Bildausschnitts wird herangezogen, um automatisch einen Mittelwert zu bilden.

     

    Je mehr man jedoch mit Licht gestaltet, desto wichtiger wird es, festlegen zu können, welcher Bereich des Bildes richtig belichtet werden soll, und welche Bereiche getrost im Schatten absaufen dürfen. Eine Mittelwertbildung durch die Kameraautomatik kann vielfach die gewünschte Wirkung genau geplanter Lichtführung aufheben. Deshalb wird beim Film die Belichtung grundsätzlich manuell mit Belichtungsmesser, Luxmeter oder Spotmeter ermittelt.

    Dreharbeiten zu 'Franta'

    Dreharbeiten zu 'Franta'

    Beim Belichtungsmesser übernimmt ein Plastik- oder Glasvorsatz vor den lichtempfindlichen Messzellen die Aufgabe der Mittelwertbildung. Durch ihre Halbkugelform oder durch bestimmte Strukturen werden Helligkeitswerte aus unterschiedlichen Richtungen so gestreut, dass die Messzellen einen mittleren Wert erhalten. Mit dem Belichtungsmesser misst man vom Motiv aus in Richtung Kamera.

     

    Beim Spotmeter, einer Art Messsucher mit engem Messbereich, wird die Streuung so erzielt, dass man im Motiv, dort wo etwa der Darsteller steht, eine Graukarte in Richtung Kamera hält. Man misst aus Richtung der Kamera die Graukarte, welche einen Grauwert hat, der etwa bei 18% Reflektion liegt. Auf diese Weise wird aus den verschiedenen, auf diese Graukarte einwirkenden Lichtquellen ein Mittelwert gebildet: die Blende für die richtige Belichtung.

     

    Mehrere Lichtquellen gleichzeitig

    Beim Film kommen viele Lichtquellen gleichzeitig zum Einsatz. Der Schauspieler wird mit Führung, Aufhellung und Kante, das Set mit Raumlicht beleuchtet. Effektlichter, Augenlichter etc. kommen hinzu. Mit einem Belichtungsmesser misst man in der Regel (sie können auch anders) das auf das Objekt oder den Schauspieler auftreffende Licht in Richtung Kamera.

     

    Die eiförmige Kalotte am Sekonik ermöglicht es, mit einem Messvorgang gleichzeitig mehrere Lichtquellen aus verschiedenen Richtungen zu messen. Man hält den Sekonik vor das Objekt (z. B Gesicht des Schauspielers) und hält ihn in Richtung Kamera. Wenn man nun die einzelnen Lichtquellen mit der Hand abschattet, kann man sie einzeln ausmessen; das ist wichtig für das Kontrast-Verhältnis, sonst erhält man den Durchschnittswert aus allen, wenn man Dreiviertel-Profil eines Schauspieler ausleuchtet.

     

    Mit einem Spotmeter und der Graukarte misst man das reflektierte Licht an dem Punkt, an dem das Objekt oder der Schauspieler sich befindet, aus Richtung der Kamera. Das Licht kann dabei ebenfalls von verschiedenen Lichtquellen gleichzeitig stammen, die Graukarte reflektiert die Gesamtheit des an diesem Punkt auftreffenden Lichts und erlaubt damit die Ermittlung der richtigen Belichtung.

    Stefan Spreer bei Dreharbeiten zu 'Midsommar Stories'

    Stefan Spreer bei Dreharbeiten zu 'Midsommar Stories'

    Damit unsere Messgeräte ein korrektes Ergebnis abliefern können, benötigen sie einige Informationen. Für die Belichtung mit einer Kamera sind mindestens zwei der drei Werte besonders wichtig:

     

    Die Empfindlichkeit des Filmmaterials oder der Videokamera. Diese muss man manuell beim Belichtungsmesser oder Spotmeter einstellen.

    Die Belichtungszeit (Filmgeschwindigkeit, Bildfrequenz). Diese ist beim Film standardmäßig 24 Bilder/Sekunde, beim PAL- oder SECAM-Fernsehen 25 Bilder/Sekunde, beim amerikanischen NTSC 30 Bilder/Sekunde (genau: 29,97 Bilder/Sekunde).

    Die Blende (oder ein so genannter Lichtwert) ist der Wert, den man meistens vom Belichtungsmesser geliefert bekommt und dann manuell am Kameraobjektiv einstellt.

     

    Mehr als nur Belichtungsmessung

    Besonders wichtig sind Belichtungsmesser und Spotmeter aber für die Lichtgestaltung. Das richtige Kontrastverhältnis einzelner Lichtquellen zueinander kann man mit diesen Instrumenten festlegen. Deshalb messen die Kameraleute oft einzelne Lichtquellen (z. B. Aufhellung oder Kante) aus und weisen die Beleuchter an, die Intensität der Lichtquelle zu erhöhen oder zu verringern, bis das gewünschte Kontrastverhältnis (meistens in bezug auf das Führungslicht) erreicht ist.

    Auch wenn erfahrene Kameraleute ein gutes Gespür für das richtige Kontrastverhältnis haben, so bieten letztlich nur die Belichtungsmesser wirkliche Kontrolle über die Gestaltung.

     

  • Dollies, die ersten Hilfsmittel für ruhige Kamerafahrten, sind heute noch genauso begehrt.

  • EBU und der Rest der Welt

    Panasonic Kamera

    Panasonic AG-HPX 500 Kamera, die aufgrund der hohen Datenrate und des größeren Kamerachips (2/3 Zoll) die Anforderungen der BBC erfüllt

    Produzenten sind darauf angewiesen, Ihre Filme möglichst vielfältig und in unterschiedlichste Regionen der Welt verkaufen zu können. Leider spielt ihnen gerade was die Austauschbarkeit angeht, die Industrie regelmäßig unerfreuliche Streiche.

    Gerade erst hat die Fachwelt ordentlich gestaunt über die Festlegung der EBU (European Broadcasting Union), als Standard für das künftige hochauflösenden Fernsehen in Europa 720p 50p festzulegen.

    Eine Vorgabe, die in den Fernsehanstalten in Form von Investitionsentscheidungen langsam durchgesetzt wird und die es den Sendern ermöglicht, einheitlich europaweit hochauflösende Programminhalte auszutauschen.

    Filmhändler, die sich auf den internationalen Fernseh- und Filmmessen darum bemühen, hiesige Produkte in die Welt zu verkaufen, konnten bei der Veröffentlichung dieser Entscheidung nur mit dem Kopf schütteln.

    Einkäufer aus den USA, Australien, Japan etc. betrachten 720p 50p gar nicht erst als HD. HD hat in diesen Ländern 1920 X 1080 Pixel und daran gibt es nichts zu rütteln. Und da man zukunftsorientiert Filme einkauft, lässt man die 720p Produktionen ganz einfach links liegen.

     

    Ohrfeigen aus Great Britain

    Die gute alte BBC, die ja bekanntermaßen ebenfalls die EBU Richtlinien kennt und sich an diese halten sollte, löst diesen Grundkonflikt relativ einfach. Sie hat im Frühjahr 2008 eine Normierung festgelegt, welche Art von Material als HD akzeptiert wird, und welches nicht. Die Festlegungen sind von ergreifender Klarheit und sollten alle Produzenten auch in den deutschsprachigen Ländern wachrütteln: 720p wird von der BBC nicht als HD akzeptiert!

    Die Kriterien der BBC sind sogar so restriktiv, dass folgende, von der Industrie gerne als HD oder HD-ready gefeierte Formate, bei der BBC gänzlich durchfallen und eindeutig als Standard Definition bezeichnet werden:

    • Alle HDV-Formate gelten als SD
    • Alle Kameras mit Sensoren, die kleiner sind als 1/2 Zoll
    • Alle Einzelbild-Formate (Interframe) mit Datenraten unter 100 Mbs
    • Alle GOP-Formate (Intra-Frame) mit Datenraten unter 50 Mbs

    Gänzlich radikal verhält sich die Ausgrenzung auch dem Film gegenüber. Hier wird Super 16 auch wenn es auf High-Definition Formate abgetastet wird, als nicht HD bezeichnet.

    Als High Definition akzeptiert die BBC lediglich:

    • 1920X1080 interlaced (=1080i25) mit 25 Bildern / Sekunde
    • 1920X1080 progressive (=1080p25) mit 25 Bilder / Sekunde

     

    Weite Welt

    HVX

    Die HVX 200 erfüllt die BBC Richtlinien auf Grund des kleinen Kamerachips streng genommen nicht, man benötigt also zwingend Kameras mit größeren Chips und ausreichender Farbtiefe.

    Wer also nicht nur für den heimischen Fernsehmarkt produzieren will, sondern sich auch Verkaufsoptionen ins Ausland offen halten möchte, sollte sich sehr genau überlegen, in welchem Format die nächste Produktion hergestellt werden soll.

    Die BBC akzeptiert in ihren HD-Produktionen maximal 25 % Material, das zu den oben genannten, nicht HD-Formaten gehört, also etwa HDV, welches dann aber mit Hardware-Konvertern umgewandelt sein muss. Die Umwandlung per Software in Schnittprogrammen lehnt die BBC als "not acceptable", ebenfalls ab.

    Als Speichermedium für die hochaufgelösten Filme zeigt sich die BBC übrigens ebenso unflexibel. Bis auf weiteres akzeptiert man lediglich HDCam Videokassetten. Eine Forderung die angesichts File-basierten Drehens ebenfalls gestrig erscheint.

     

    Konsequenzen und Perspektiven

    Folgt man der BBC-Vorgabe, so fallen schon mal alle HDV - Kameras wegen des schlechteren Codecs und der geringeren Datenrate  durch das Raster. Hier haben die Kamerahersteller teilweise nachgebessert, doch es gibt noch diverse semiprofessionelle Kameras denen der Weg in die Sender versperrt bleibt. Arris Alexa, die Red, die Blackmagic und viele andere Kameramodelle erlauben es inzwischen, den neuen Normen entsprechend zu produzieren. Man darf gespannt sein, wann die EBU ihre Normen wieder hochschraubt und 4 oder 8 K zur Pflicht machen will, auch wenn niemand den Qualitätssprung sehen wird.

    Am kritischsten darf man wohl der Ausgrenzung von Super 16 gegenüberstehen, denn dieses bietet dank der neuesten Materialien durchaus HD Auflösung an. Inwieweit man einer Produktion, die in 1080i aber mit kleineren Kamerachips gedreht wurde, dies auch wirklich ansehen kann, ist fraglich, es gibt zahlreiche herausragende Produktionen, die in den letzten Jahren auf 1/3 Zoll Chip Kameras gedreht wurden.

    Dennoch ist die Vorgabe der BBC, einem der größten Fernsehsender Europas, richtungweisend. Produzenten, die ein wenig in die Zukunft hinein arbeiten wollen, sollten möglichst versuchen, diese Richtlinien auch heute schon zu treffen.

  • KameradrohneSie gehören zu den neuen Geräten am Filmerhimmel, Überflieger im besten Sinne.

  • Die meisten Kamerafahrten an Filmsets werden nach wie vor mit Dollies und Schienen verwirklicht. Was muss man über die Schienen wissen?

  • Der Weg von einfachen Holzkameras zu Spiegelreflexsystemen wurde vor allem durch eine Firma geprägt: Arri. Sie wird im September 100 Jahre alt.

  • Kernkosten

    Besonders interessant bei einer Kalkulation ist stets der Bereich Kamera und Zubehör. Hier einige Beispielpositionen einer Spielfilmproduktion, die auf Super 16 gedreht wird. Drehzeit: 34 Tage. Auch wenn inzwischen fast ausschließlich digital gedreht wird, ist das Prinzp das Gleiche wie bei einer klassischen Filmkamera.

     

    Meist besteht das Equipment aus weit mehr Bestandteilen, als jene, die man in der Kalkulation auflisten kann. Da kommen ganz leicht 50 Positionen zusammen, denn auch der Bereich Kamera hat sich zu einem High-Tech Unternehmen entwickelt. Doch da es niemand zuzumuten ist, innerhalb einer Kalkulation unzählige Einzelpositionen zu lesen, werden nur die wichtigsten und teuersten Bestandteile aufgeführt und Kleinteile summiert. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie jeden Zoomhebel, jedes Schräubchen in die Kalkulation hineinschreiben. So listet man beispielsweise nicht alle Standardfilter für die Kamera (82er, 85er, ND, Fog etc.) einzeln auf, sondern schreibt einfach fünf Filter in die entsprechende Zeile. Genauso kann man natürlich auch Optiken etc. aufsummieren.

     

    Die Positionen in CineCalc erklären sich von selbst. Die Zahl der Drehtage muss eingegeben werden und auch der Tagespreis entsprechend der Preisliste des Verleihers. Unterhalb jeder Kalkulationsposition befindet sich ein Feld zur Eingabe von Rabatten. Hier kann der Prozentsatz eingegeben werden, den einem der Geräteverleih als Nachlass einräumt. Nur die rabattierte Summe wird dann in die Zusammenfassung der Kosten automatisch übernommen.

     

     

    Die Tongeräte werden natürlich ähnlich wie die Kameraseite behandelt. Das bedeutet, auch hier gibt es weitere Positionen für Zubehör wie Mikrofone, Korbwindschutz, Funkmikros, Angeln etc. Und diese werden natürlich in gleicher Weise rabattiert. Eigentlich lassen viele Verleiher über gewisse Preisnachlässe mit sich reden. Kaum jemand zahlt den vollen Mietpreis.

     

    Sehr deutlich kann man erkennen, welch hohen Kostenfaktor gute Objektive darstellen. Und auch die Video-Ausspiegelung (video assist) im Bereich zusätzliche Kameraausrüstung ist sehr teuer. Die fällt glücklicherweise bei heutigen Digitalkameras weg. Natürlich gehen davon auch wieder Rabatte ab, aber dennoch sind es relativ hohe Kosten. Deshalb kann es in manchen Bereichen sogar sinnvoller sein, Equipment selbst zu kaufen, statt es zu mieten.

     

     

  • Statt riesiger Kräne für die Schwenker-innen erledigen heute ferngesteuerte Schwenkköpfe den Job in schwindelnder Höhe...

  • An professionellen Filmsets wird die Schärfe mit der Hand gezogen. Warum ist das so und wie wird es gemacht?

  • Schwenkkopf

    Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie die ersten Kamerabewegungen im Film gemacht wurden. Natürlich hatte man schon relativ früh Holzstative und primitive Schwenkköpfe, aber die technischen Möglichkeiten, einen ruhigen, sauberen Schwenk herzustellen, waren denkbar ungünstig. Um so erstaunlicher die damaligen Ergebnisse.

     

    Dabei hat ein Schwenkkopf bedeutende Aufgaben zu meistern. Er muss die bewegte Bildgestaltung, insbesondere das Schwenken mit unterschiedlichsten Geschwindigkeiten und Schwenkebenen ermöglichen. Mit den modernen Hydroköpfen, die unterschiedlichste Dämpfungsgrade in horizontaler und vertikaler Richtung ermöglichen, ist das Schwenken viel komfortabler und sicherer geworden.

     

    Friktionsköpfe

    Noch bis in die Siebziger Jahre (des vergangenen Jahrhunderts) hinein wurde vereinzelt mit so genannten Friktionsköpfen geschwenkt, bei denen durch bloße mechanische Reibung von Metall auf Metall und mechanische Bremsung die Hauptverantwortung für ruhige Bewegungsabläufe im wahrsten Sinne des Wortes allein in der Hand des Kameramannes (Schwenkers) lag.

     

    Kreiselköpfe

    Diese sorgten mit Hilfe der Fliehkraft für eine gleichmäßige Schwenkbewegung. Problematisch war aber jeweils abruptes Abbremsen, denn die Fliehkraft arbeitete weiter in die eingeschlagene Schwenkrichtung.

     

    Hydroköpfe

    Die ersten Hydroköpfe (1967) kamen noch mit nur einer festen Dämpfung daher und nicht selten konnte es vorkommen, dass die aus der Hydraulik entliehene innere Fettdämpfung undicht wurde und der Schwenkkopf leckte. Außerdem waren die ersten Hydroköpfe sehr temperaturempfindlich. Hitze oder Kälte veränderten die Dämpfung spürbar. Diese Zeiten sind schon lange Geschichte. Heutige Hydroköpfe sind permanent dicht und vom Gewicht her deutlich leichter als ihre Vorgänger. Mittels einer metallenen Bodenplatte (Keilplatte), die man unter die Kamera schraubt, und einer Schnellverriegelung am Schwenkkopf, in die diese Platte genau hineinpasst, lässt sich die Kamera ganz schnell an- und abbauen. Sie erlauben bis zu neun konstante, unterschiedliche Dämpfungsstufen in horizontaler und vertikaler Richtung, die sich aber auch abschalten lassen, falls einmal ein extrem schneller Schwenk (Reißschwenk) erforderlich wird. Da Kameras von Ihrer Gewichtsverteilung selten ausgewogen sind, bieten die modernen Köpfe zudem durch verschiebbare Bodenplatte und verstellbare Federn im Schwenkkopf die Möglichkeit einer optimalen Balance.

     

    Dämpfung

    Schwenkkopf

    Die Dämpfung wird in der Regel mit einem in den einzelnen Positionen rastenden Rad eingestellt, auf dem sich eine Skala befindet. Rechts kann man die horizontale Skala erkennen, nebenstehender Schwenkkopf hat sieben Dämpfungsgrade. Damit man am Ende eines Schwenks auch einen sicheren Stand der Kamera verwirklichen kann, ohne fürchten zu müssen, dass sich das Bild noch minimal verändert, gibt es Bremsen. Diese werden durch zwei kleine Hebel jeweils für die horizontale und vertikale Ebene festgestellt oder freigegeben. Sie sind nebenstehend in Rot gekennzeichnet.

     

    Wenn man den Schwenkkopf am Stativ befestigt hat und dieses am Motiv aufstellt, muss man mit Hilfe einer Wasserwaage am Schwenkkopf diesen so ausrichten, dass er absolut waagerecht ist. Die Befestigung, mit welcher der Kopf in der Schale des Stativs befestigt ist, lässt sich mit einer Schraube lösen. Dann kann man den Kopf mit der Wasserwaage ausrichten, und wieder festschrauben. Dieser Vorgang ist zwingend, sonst würden bei horizontalen Schwenks die Bilder kippen.

     

    Professionelle Schwenkköpfe

    Professionelle Schwenkköpfe für Filmkameras und große Videokameras sind in aller Regel nicht billig. Da geht es meistens erst bei 2500 Euro los. Es gibt aber für den semiprofessionellen Bereich bereits Stativ-Schwenkkopf-Kombinationen ab 750 Euro. Wer die Investition scheut, kann sich Köpfe und Stative auch bei diversen Verleihfirmen mieten. Auf jeden Fall sollte man für professionelle Filme oder Videos mit hochwertigen Schwenkköpfen arbeiten, die Qualität der Schwenks steigt dadurch beträchtlich.

     

    Eine grundlegende Anleitung für den Umgang mit Kamerastativen und Hydroköpfen finden Sie im folgenden Kapitel.

     

  • Gerade DSLR Filmer sind häufiger mit Slidern anzutreffen. Wo machen diese Sinn und wo bringen sie nur Frust?

  • Zu den am meisten verbreiteten Standard-Hilfsmitteln an Filmsets gehören die Sative mit Schwenkköpfen. Was sind die Bestandteile, worauf muss man achten?

  • Trügerische Sicherheit

    Während die Kamera zurückfährt, 'fährt' die Zoom-Optik scheinbar vor. Die Gegenläufigkeit sprengt optische Gesetze

    Während die Kamera zurückfährt, 'fährt' die Zoom-Optik scheinbar vor. Die Gegenläufigkeit sprengt optische Gesetze.

    Unser Umgang mit der wirklichen Welt, unsere Sicherheit bei unseren Bewegungen, beim Einschätzen von Situationen, wird geprägt durch jahrelange Erfahrungen, durch das intuitive Erlernen physikalischer Gegebenheiten. Wie einst die Jahrmarktsbuden mit ihren Zerrspiegeln, versucht auch das Kino ab und an, uns dieser Erfahrungswerte für kurze Zeit zu berauben.

     

    Viele Blockbuster-Filme wie "Matrix", "Terminator", "Harry Potter", "Der Herr der Ringe" etc. überbieten sich gegenseitig mit aufwändigen Trickeffekten, die ohne High-Tech-Workstations niemals realisierbar wären. Manche Tricks aber entstehen tatsächlich noch immer am Drehortselbst und erfordern hohe Präzision. Zu diesen gehört die gleichzeitige Kamerafahrtverbunden mit gegenläufiger Zoomfahrt, nach einem ihrer ersten Kinoeinsätze auch "Vertigo-Effekt" genannt. Die Reihe der verschiedenen Benennungen des gleichen Effekts ist lang: "Travelling back-zooming in", "Contra zoom", "Schärfentiefefahrt" oder "Gegenläufige Zoom-/Kamerafahrt" lauten weitere Varianten.

     

    Vertigo

    In diesem Hitchcock-Klassiker vermittelt der Kameratrick ein schwindelerregenden Eindruck, lässt den Zuschauer förmlich den Boden unter den Füßen verlieren. In der Rolle als ehemaliger Polizist mit Höhenangst verliebt sich James Stewart (als John Ferguson) in Kim Novak (Madeleine), die sich, getrieben von Suizidgedanken, von einem Kirchturm stürzt. Seine Höhenangst verhindert, dass er sie retten kann, was dem Zuschauer visuell spektakulär vermittelt wird.

     

    Um eine entsprechende Schienenfahrt verwirklichen zu können, wurde das Treppenhaus in "Vertigo" übrigens liegend aufgebaut. Brian de Palma hat in seiner Hommage an Hitchcock, dem Film "Obsession" (ein Remake), ebenfalls mit diesem Kameratrick gearbeitet. Um den Eindruck zu intensivieren, beschäftigte de Palma übrigens auch den gleichen Komponisten, Bernard Hermann.

     

    Widerspruch

    Die Größe der Person bleibt gleich, obwohl die Kamera sich immer weiter entfernt. Das Zoomobjektiv gleicht die Größenveränderung aus

    Die Größe der Person in der nebenstehenden Abbildung bleibt gleich, obwohl die Kamera sich immer weiter entfernt. Das Zoomobjektiv gleicht die Größenveränderung aus. Für den Zuschauer wird ein optischer Widerspruch aufgebaut, der einerseits aus einem "sich nähern, zufahren, auf etwas zufallen oder stürzen" (Zoom fährt voraus) und andererseits aus einem "zurückweichen, nach hinten gehen oder fahren" (Kamera fährt auf Schienen zurück) besteht. Damit trifft der Effekt genau die Situation der Hauptfigur mit ihrer unüberwindlichen Höhenangst. Die Sehnsucht, sich in die Tiefe zu stürzen, trifft auf die Angst vor dem Fall.

     

    Umsetzung

    Technisch gesehen, wird die Zoom-Optik verwendet, um den Bildwinkel in dem Maße entgegengesetzt zu verändern, wie er sich durch die Kamerafahrt ändert. Fahre ich mit der Kamera von einer Person zurück (Perspektive ändert sich), so müsste diese eigentlich immer kleiner werden. Wenn ich aber gleichzeitig im selben Maße die Person mit dem Zoomobjektiv näher heranhole, sodass sich deren Größe im Bild nicht ändert, entsteht ein perspektivische Störung.

     

    Am Drehort selbst bedeutet die Umsetzung dieses Effektes höchste Genauigkeit in der Koordination von Kameraassistent und Kamera-Bühne. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Dolly-Fahrer die Kamera vor- oder zurückfährt, und jene, mit welcher der Kameraassi die Zoomfahrt ausführt, müssen absolut gleichmäßig und präzise sein. Ganz nebenbei will auch die Schärfe während der Distanzveränderung zum Darsteller nachkorrigiert sein. Daran sind schon manche Profis gescheitert, auch wenn die technischen Hilfsmittel wie Motorzoom und Fernschärfe komfortabler sind als zu Hitchcocks Zeiten. Der menschliche Faktor und zahlreiche Unwägbarkeiten machen diesen Trick auch heute noch zu einer großen Herausforderung. Für eine perfekte Koordination sorgt heutzutage (wenn das Budget groß genug ist) die Motion-Control, denn hier können die verschiedenen Parameter vollständig vom Computer koordiniert und gesteuert werden. Filme wie "Road to Perdition", "Bang Boom Bang", "Spy Game", "Heat", "Der Herr der Ringe", "Pollock" sind dafür Beispiele.

     

    Tilt & Shift

    Eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Effekt haben sogenannte "Tilt & Shift"-Objektive. Bei diesen ist eine der Linsen (meist die Frontlinse) beweglich angeordnet und kann in einem gewissen Umfang (bis ca. 180 Grad) gedreht werden. Man kann damit z. B. für Architekturaufnahmen stürzende Linien (etwa bei Straßenaufnahmen an hohen Häusern hinauf) korrigieren. Oder es gelingt, Objekte im Vordergrund gleichzeitig mit dem Mittel und Hintergrund scharf abzubilden, ohne dass man eine kleine Blende einstellen muss. Damit werden physikalische Gesetze etwa der Schärfentiefe ad absurdum geführt. Man kann das ganze Bild förmlich drehen. Verstellt man die Linse(n) bei laufender Kamera, so stellt sich ebenfalls ein den Zuschauer verwirrender Effekt ein.

     

    Physiologische Erklärung

    Die menschliche Wahrnehmung arbeitet bei der unbewussten Beurteilung von Größenverhältnissen sowohl mit der Größe (Größe des Darstellers im Bild), als auch mit Verhältniswerten (Abstand des Betrachters vom Vordergrund und Hintergrund). Der Vertigo-Effekt konfrontiert den Zuschauer mit dem in der Wirklichkeit nicht vorkommenden Veränderung der Perspektive ohne Veränderung von Größenverhältnissen. Ein wichtiger Teil unserer Seherfahrung wird plötzlich ad absurdum geführt. Was liegt näher, als wenn man Veränderungen in der Psyche von Filmfiguren oder in deren Wahrnehmung anderer Filmfiguren oder der Sicht des Zuschauers mit diesem Effekt zu verstärken? In "GoodFellas" von Martin Scorsese etwa taucht der Effekt am Höhepunkt des Films auf: Henry Hill (Ray Liotta) und Jimmy Conway (Robert de Niro), die alten Freunde, sitzen sich im Restaurant gegenüber. Als Henry erkennt, dass Jimmy ihre Freundschaft verraten hat, ändert sich die Perspektive ganz langsam, doch die Größe der Personen bleibt konstant.

     

    Schärfenveränderung

    Die Person im Vordergrund bleibt durchgehend scharf, während der Hintergrund zunehmend Unschärfe annimmt

    Die Person im Vordergrund bleibt durchgehend scharf, während der Hintergrund zunehmend Unschärfe annimmt.

     

    Je nach Arbeitsblende und Brennweite geht dieser Kameratrick einher mit einer Veränderung der Schärfentiefe. Damit kann eine Filmfigur aus einer Menschenmenge, in der man gerade noch viele andere Personen gesehen hat, so weit optisch isoliert werden, dass die Menschenmenge nur noch in absoluter Unschärfe liegt. Nur unsere Filmfigur wird dann noch wahrgenommen. Leider wird der Effekt auch oft unnötig eingesetzt und sollte eigentlich nur extrem selten und nur für wirklich sinnvolle, der Filmstory angemessene Momente eingesetzt werden.

     

     

     

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen. Am 27. und 28 Juli findet der nächste Workshop Kamera statt.  Jetzt Anmelden!