Filmkonflikt

  • Die kleinen Dinge

    Es sind die Details, die kleinen Dinge am Set, welche die Arbeit erleichtern, das Teamgefühl stärken. Erfahrene Produzenten wissen das und legen auch auf die Kleinigkeiten Wert, die vielleicht nicht direkt im Bild zu sehen sind – indirekt aber dafür umso mehr die Qualität des Produktes heben. Schließlich organisieren und leiten sie den Dreh nicht nur, manchmal sind auch Vater, Mutter und der gute Geist des Teams.

    Beginnen wir mit dem Naheliegendsten: Der Verpflegung. Während der Drehzeit befindet sich ein Filmteam im Ausnahmezustand. Seine Mitglieder kommen so gut wie nicht zum Einkaufen, die Läden haben nach Drehschluss meist geschlossen, man ist also auf Ihre Verpflegung angewiesen.

     

    Verpflegung am Set

     

    Gutes Essen zu allen Mahlzeiten, welche auch auf individuelle Ernährungswünsche (Vegetarisch) eingeht, trägt deutlich zur Zufriedenheit des Teams bei.

     

    Für die Nebenverpflegung (belegte Brötchen, Kuchen, Getränke) keine Billigprodukte, sondern hochwertige Waren günstig einkaufen (Gewerbe-Großmärkte).

     

    Verpflegung in Restaurants in unmittelbarer Nähe des Drehorts, mit denen man z.B.  für 3 oder 4 Auswahlgerichte feste Preise aushandelt, wird meist als willkommene Alternative zum Catering am Set empfunden. Sinnvoll: Vorherige klare Ansage, dass neben dem Essen nur ein alkoholfreies Getränk pro Teammitglied übernommen wird.

     

    Um Zeit zu sparen, sollte ein Blatt auf dem die Auswahlgerichte gelistet sind, bereits Vormittags am Drehort herumgereicht werden, auf dem jeder seinen Wunsch einträgt. Dann kann man die Liste mit Vorlaufzeit dem Restaurant übergeben, damit alle Gerichte möglichst schon fertig sind, wenn das Team eintrifft.

     

    Lassen sich an Motiven keine Restaurants erreichen, ist es wichtig für das mobile Catering vernünftige Essgelegenheiten einzurichten. Niemand isst gerne mit dem Pappteller auf den Knien. Bierbänke und Tische sind sehr zu empfehlen. Für Buffets kann man leichte Alu-Tapeziertische verwenden. Die wiegen fast nichts und sind schnell auf-, und abgebaut. Bei Sonnenhitze sind auch diese Pavillons aus dem Gartencenter sehr gute Schattenspender.

     

    Die Widrigkeiten am Drehort sind oft vielfältig. Meistens kennt nur die Produktion vorab das Motiv und kann etwa in der Dispo auf mögliche Besonderheiten (rutschiges, feuchtes Gelände, kalte Räume etc.) hinweisen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, wenn die Set-Aufnahmeleitung dem Team auch bei diesen Gegebenheiten hilft.

     

    Nützliche Helfer

     

    Bei nächtlichen Dreharbeiten im Sommer an stehenden Gewässern wirken die Filmscheinwerfer wie Magnete auf sämtliche Insekten, vor allem natürlich auf Mücken. Kluge Aufnahmeleiter verteilen an das Team Insektenschutz-Mittel zum Einreiben.

     

    Dreharbeiten unter Sonnenhitze auf offener Fläche ohne rettenden Schatten kann man mit Sonnenschutz-Mittel besser überstehen.

     

    Bei Dreharbeiten in kälteren Jahreszeiten sind Heizstrahler und noch mehr warme Getränke sehr wichtig. Aufwärmräume oder mehrere Wohnmobile mit Standheizung können auch bei bitterer Kälte weiterhelfen.

    So banal es auch klingt, auch die Frage von Toiletten sollte für jedes Motiv vorab geklärt und organisiert sein. Finden sich vor Ort keine Lösungen, so lassen sich mobile Toiletten anmieten.

    Die Organisation eines Drehs ist stets auf präzise Vorhersagen des lokalen Wetters angewiesen. Infos darüber können auch in der Dispo sinnvoll sein, damit sich das Team sinnvoll kleidet. An Regentagen sind ein paar zusätzliche Schirme oder Regenkleidung hilfreich.

    So ein Filmteam ist meistens bunt zusammengewürfelt. Einige kennen sich, die meisten begegnen sich jedoch zum ersten Mal und müssen während der kommenden Drehzeit oft auf engstem Raum, manchmal unter erschwerten Bedingungen und zugleich sehr stark als Team zusammenarbeiten. Man darf auch nicht vergessen, dass einige Teammitglieder auch ihre persönlichen Konflikte mit in die Arbeit hineintragen.

     

    Teamgeist

    • Kurz vor Drehbeginn kann ein kleines „Warm-Up“ helfen, dass sich das Team kennenlernt. Wichtig für alle Festivitäten ist ein sinnvolles Timing. Besser vor freien Tagen einplanen und nicht vor Drehtagen. Falls das Fest länger dauert, hat das Team sonst vielleicht zu wenig Schlaf bekommen, so etwas kann einen Drehtag stark beeinträchtigen.
    • Die Produktion kann z. B. aus den Lohnsteuerkarten der Mitarbeiter erkennen, wer während der Drehzeit Geburtstag hat. Eine kleine Überraschungstorte am Drehort ist eine freundliche Geste, die von allen positiv bewertet wird.
    • Nach der Hälfte der Drehzeit kann ein kleines „Bergfest“ bei der Motivation eines vielleicht schon stark beanspruchten Teams helfen. Ebenso wichtig ist das Abschlussfest, welches man sinnvollerweise ein paar Tage hinter den Drehschluss legt.
    • Eine etwas seltsame Angewohnheit mancher Teams, die so genannte Schnapsklappe, geschlagen, immer wenn sich bestimmte Klappennummern wiederholen (z. B. 3-3-3), sollte nicht kategorisch abgelehnt, aber auch nicht allzu intensiv „begangen“ werden. Schnapsklappe auf die Regie bedeutet, der/die Regisseur/-in gibt eine Runde Sekt aus. Es hat schon Filmteams gegeben, die mehrmals täglich Schnapsklappen auf Produktion, Ausstattung, Kostüm, den Nikolaus... schlugen, dazu Sekt aus Plastikbechern tranken und folglich den Dreh in einer Art Dämmerzustand abgewickelt haben.
  • Tuchfühlung

    Drehzeit – für einige Wochen oder Monate werden sehr viele Menschen, die sich vielleicht vorher nicht kannten, und die alle ihre ureigene Biographie mitbringen, sehr intensiv zusammenarbeiten und ein kleines Stück Lebenszeit miteinander verbringen. Kommt es zu schwerwiegenden Störungen in diesem Mikrokosmos, der sich Team nennt, sind Produktionsleiter und Produzent gefordert, mit Menschenkenntnis, Sachverstand und Feingefühl Schaden vom Filmprojekt abzuwenden.

     

    Alleskönner

     

    Auch wenn Sie sich nicht auf Ton, Bild, Schnitt, Licht oder Kamera spezialisieren wollen und diese Themen Sie wenig interessieren: Als Produzent sollten Sie versuchen, Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen. Ihr Wissen benötigen Sie nicht nur in direkt kreativen Aufgaben, sondern auch in der Organisation. Es hilft Ihnen einzuschätzen, wie Zeitaufwand, Kosten und Qualität zusammenhängen aber auch dabei, die Ursachen für mögliche Fehler konkret herausfinden zu können.

     

    Sie müssen lernen, Ihre eigene und die Arbeit des ganzen Teams von der Beobachtung am Drehort, ganz besonders aber von den Filmmustern her beurteilen zu können. Sie haben nicht die Zeit, bis zum fertig geschnittenen Film zu warten, um zu wissen, was gut, was schlecht gemacht wurde. Wenn das Material abgedreht ist, interessiert sich niemand für Ihre logischen Erklärungen, warum bestimmte Bestandteile des Filmes nicht so gut gelungen sind.

     

    Suboptimale Ergebnisse

    Selten wird es gelingen, in allen Arbeitsbereichen die absolut besten Mitarbeiter zu verpflichten. Und Sie werden auch damit leben müssen, wenn beim Dreh Teilbereiche nicht absolut optimal ausfallen. Womit Sie aber nicht leben sollten, sind eindeutige Unfähigkeiten, welche sogar die Dreharbeiten oder die Verwendbarkeit des gedrehten Materials in Frage stellen:

     

    • Scheuen Sie sich nicht, so schwer es auch fällt, Teammitglieder auszuwechseln, wenn diese die hochwertige Arbeit des ganzen Teams durch Nachlässigkeit oder Unfähigkeit gefährden.

     

    Wir hatten in einer Produktion einmal einen Kameraassistenten, der die Entfernung von der Kamera (Bildebene) bis zu den Schauspielern nicht mit dem üblichen Maßband maß, sondern seine Arme in die Luft streckte und mit „geschultem Auge“ schätzte. All dies mit einer Mimik unantastbarer Professionalität. Auf Nachfragen meinte er, er wisse, was er tue und verbat sich jede Einmischung. Die ersten Unschärfen in den Filmmustern schob er den Optiken zu. Wir ließen sie überprüfen, sie waren in Ordnung. Vermutlich sei die Kamera, genauer deren Auflagemaß, nicht in Ordnung. Wir wechselten die Kamera. Die neue Kamera änderte an gelegentlichen Unschärfen trotzdem nichts. Sie können sich denken, was bzw. wen wir als nächstes auswechselten... Von da an waren sämtliche Aufnahmen gestochen scharf.

     

    Dunkle Aura

    • Es kann auch vorkommen, dass Mitarbeiter sich in einer persönlichen Krise befinden und durch extrem negative Kommentare und Äußerungen ein ganzes Team in Lähmung versetzen können. Damit sind nicht Situationen gemeint, in denen jemand etwa einen Trauerfall zu beklagen hat. Das kann im wirklichen Leben und bei Dreharbeiten immer auftreten. Ein Filmteam kann damit umgehen und auch für die Betroffenen ist die Arbeit am Projekt unter Umständen hilfreich, den Schmerz zu überwinden.

     

    Eine Regieassistentin brachte, aus welchen persönlichen Gründen auch immer, in den Vorbereitungen zu einem Spielfilmprojekt durch Äußerungen wie „Das kann man nicht schaffen...“ und „Den Dreh muss man doch abbrechen...“ eine so negative Grundstimmung auf, dass auch andere Mitarbeiter an dem Projekt zu zweifeln begannen. Dass die Regieassistentin auch in ihren Vorbereitungen auf der Stelle trat, versteht sich von selbst. Der Drehbeginn schien unter diesen Umständen gefährdet. Man trennte sich im gegenseitigem Einvernehmen. Die neue Regieassistentin machte ihren Job vorbildlich und die Dreharbeiten verliefen einwandfrei.

     

    In einem solchen Fall sollte der Produktionsleiter oder Produzent möglichst bald das Gespräch mit dem oder der Betreffenden suchen und versuchen herauszufinden, wie man helfen kann und wie man einen Weg aus der Krise findet. Manchmal muss man sich aber auch trennen.

     

    Spannungen

    • So wie bei Dreharbeiten häufig Freundschaften entstehen können, so sind auch Animositäten einzelner Mitarbeiter untereinander möglich. Spätestens wenn ein großer Teil der Energien in gegenseitige Beschimpfungen und Aggressionen gegeneinander investiert werden, sollten Sie die Notbremse ziehen und das Gespräch zwischen den Parteien suchen. Wenn Ihre mündliche (Zeugen) oder schriftliche Abmahnung keine Besserung erbringt, ist eine Trennung wie immer nicht auszuschließen.

     

    Diese Beispiele sind nicht gedacht, Sie zu erschrecken. Aber obwohl die Atmosphäre bei Dreharbeiten in aller Regel freundlich ist, so können auch hier  Problemsituationen entstehen. Siehe auch: Problememacher.

     

Banner Virtual Reality Buch Schmal 2000

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

 

18-01--2020 12:00 pm - 19-01--2020 16:00 pm

01-02--2020 12:00 pm - 02-02--2020 16:00 pm

15-02--2020 12:00 pm - 16-02--2020 16:00 pm