Kameraposition

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    Vom Drehbuch zum Bild

    Dreharbeiten

    Dreharbeiten von Münchner Filmstudenten, betreut von Mathias Allary

    Theoretisch ist die Variationsbreite der Möglichkeiten, eine Szene zu erzählen, unendlich. Aufgabe der Regie und Kamera ist es, aus diesen Möglichkeiten jene herauszufinden, die für den Film und die Geschichte optimal sind.

     

    Dabei spielt die Gesamtkonzeption der Szene aber auch des ganzen Films eine wichtige Rolle. Schließlich sollte man als Zuschauer nachdem man den Film gesehen hat, das Gefühl haben, es sei aus einem Guss. Denn für die Zuschauer muss verborgen bleiben, dass eine vielleicht einminütige Szene über viele Stunden aus unterschiedlichen Kamerapositionen und verschiedenen Brennweiten gedreht wurde.

     

    Wie lernt man möglichst viel über Auflösung?

    Die hohe Schule ist natürlich die Analyse von herausragenden Spielfilmen der Filmgeschichte. Man kann sich einzelne Einstellungen auf Papier skizzieren und so ganze Szenenabläufe erfassen. Eine simplere Methode die Grundprinzipien zu begreifen sind, so seltsam es klingt, Comics und Fotoromane. Auch diese folgen meistens den Grundregeln der Bildsprache. Ein Achsensprung etwa würde auch im Fotoroman als Fehler auffallen!

     

    Eine einfache, aber bewährte Art, eine Szene zu erzählen, ist es, die eigene Wahrnehmung einer Situation als Mensch auf den Film zu übertragen. Nehmen wir zum Beispiel folgende Szene: Sie gehen eine Straße entlang, da bemerken Sie, dass sich in einem Straßencafé eine Eifersuchtsszene abspielt.

     

    1. Sie befinden sich zunächst einmal in einer gewissen Entfernung zu einer Situation. Wir sehen die Straße, Häuser, gewinnen einen Überblick, wo wir uns befinden. (Totale)

     

    1. Wenn sie etwas näher gekommen sind, können Sie die beteiligten Personen genauer erkennen. (Halbtotale)

     

    1. Während Sie das Streitgespräch verfolgen, konzentrieren Sie sich besonders auf den/die jenigen, die gerade sprechen, alles andere ist dann für Sie weniger wichtig. (Nahe)

     

    Schuss/Gegenschuss

    Ja, und wie beim Schnitt eines fertigen Filmes werden Ihre Augen zwischen den Streitenden mal hin, mal herschweifen (Schuss/Gegenschuss). Vielleicht werden Sie auch eine Impression außerhalb der Streitenden wahrnehmen, z. B. den staunenden Kellner oder die Eisschalen der Streitenden, die unaufhaltsam zusammen schmelzen (Detail). Eigentlich haben Sie damit bereits eine mögliche Auflösung für solch eine Szene verwirklicht.

     

    Vielleicht sollten wir an dieser Stelle auch erläutern, was man unter Schuss/Gegenschuss versteht: Bei einer Unterhaltung zweier Filmfiguren, die sich gegenübersitzen, zeigt man abwechselnd die beiden Partner, sprechend oder zuhörend. Die beiden Einstellungender Dialogpartner sollten von den Größen, der Kamerahöhe und den Winkeln her in etwa gleich sein. Und die Kamera sollte für beide Aufnahmerichtungen auf einer Seite der Bildachse bleiben. Auf diese Weise werden im Film die meisten Unterhaltungen aufgelöst.

     

    Als Variante dieser Auflösung kann man aber auch im Bild des Sprechenden, jeweils im Vordergrund, den anderen anschneiden. Man schaut ihm quasi über die Schulter, weshalb die Einstellungsart auch „Over-Shoulder“ genannt wird. Dabei ändert sich der Winkel zum jeweiligen Darsteller, man sieht ihn fast von vorne. Wie bei den meisten Gestaltungsmitteln im Film sollte auch hier darauf geachtet werden, dass in beiden Richtungen von Schuss/Gegenschuss dann eine „Over-Shoulder“ verwendet wird.

     

    Manchmal werden solche Gespräche auch mit Zwischenschnitten ergänzt, darin können weitere Personen, aber auch Gegenstände oder Räume abgebildet sein. Wichtig ist, dass die Zwischenschnitte dramaturgisch sinnvoll sind (Zeitung, Testament, Zifferblatt einer Uhr etc.) und nicht einfach nur entstanden aus der Not, eine fehlerhafte Auflösung zu kaschieren.

     

    Wichtig : Die Komplexität einer Szenenauflösung sagt nichts über die Qualität eines Films aus. Im Gegenteil, oft sind einfache aber bildhafte Lösungen viel überzeugender.

     

    Mehr zum Thema:

    Auflösung  Achsensprung  Anschlüsse Shotlist   Raum & Personen  Auf Schnitt drehen

     

  • Welche gestalterischen Bereiche werden betrachtet und wie finden wir heraus, wo wir ansetzen, was wir berücksichtigen müssen?

  • Kameraposition zum Motiv

    Die Position der Kamera in Bezug auf das Motiv, den Darsteller, hat großen Effekt auf die dramatische und psychologische Wertigkeit einer Einstellung.Hier ein paar Grundlagen über mögliche unterschiedliche Signale, die unbewusst durch die Kamerahöhe gegeben werden können.

     

    Vogelperspektive

    Die Vogelperspektive macht die Personen winzig, stellt sie stark in den räumlichen Kontext. Zudem können auch Konstellationen von Personen zueinander, etwa Verfolger und Verfolgte oder Gegner in einem Kampf durch die Vogelperspektive ähnlich wie in einem Strategiespiel analytisch aufgezeigt werden.

    In Bezug auf eine Szene oder einen ganzen Film kann man eine oder mehrere Filmfiguren quasi in der Welt finden und sich ihnen dann in den folgenden, näheren Einstellungen kennen lernen. Umgekehrt kann man sie auch gegen Ende einer Szene oder eines Filmes auch wieder an die Welt und die Zeit verlieren.

     

     

     

    Aufsicht oder Obersicht

     

    Die Aufsicht lässt die Kamera noch immer von oben, aber viel näher auf die Filmfigur schauen. Die Kameraposition liegt deutlich über der Filmfigur und schaut auf sie herab.

    Damit wird die Filmfigur kleiner gemacht, gedrückt. Gleichzeitig wird der Zuschauer oder die Filmfigur deren Subjektive das Bild darstellt, größer, stärker, mächtiger. Wie ein Riese, der auf einen Zwerg schaut, verringert die Aufsicht die Bedeutung der Filmfigur. Die Filmfigur muss zum Betrachter aufschauen.

     

     

    Augenhöhe

    Nun kommen wir zu der am häufigsten anzutreffenden Höhe: Der Augenhöhe. Man orientiert sich mit der Kameraposition an der Augenhöhe der Darsteller, ganz gleich ob diese stehen, sitzen, Erwachsene oder Kinder sind.

    Dadurch wird eine neutrale, die Ebene der Filmfigur einnehmende Wertigkeit erreicht. Es besteht Übereinstimmung mit der uns gewohnten Seherfahrung, die Darsteller werden psychologisch ausgewogen abgebildet. Auch bei der Montage von Schuss/Gegenschuss bekommen zwei oder mehrere Partner im Film optisch eine ähnliche Wertigkeit zugeteilt.

     

     

     

    Untersicht

    Die Untersicht positioniert die Kamera tiefer als die Filmfiguren. Wir schauen aus einer niedrigen Position hinauf zu den Figuren.

    Diese, den Zuschauer oder die Filmfigur, die subjektiv schaut verkleinernde Perspektive wird häufig in Thrillern oder Horrorfilmen verwendet, um die Spannung zu erhöhen. In Gerichtsfilmen schauen Richter gerne auf die Angeklagten herab.

     

    Man kann  die Gefährlichkeit und Macht der aufgenommenen Figur erhöhen. Ganz nebenbei kann diese Position etwa bei Außenaufnahmen den Hintergrund stark verändern. Statt einer realen Welt sieht man nur den Himmel, oder nur weiße Zimmerdecke als Hintergrund. Auch dies bedeutet Stilisierung, kann störende oder irritierende Hintergründe aussparen.

     

     

    Froschperspektive

    Wenn die Kamera direkt vom Boden unmittelbar vor dem Darsteller sehr steil hinauffilmt, sprechen wir von der Froschperspektive. Diese sehr extreme perspektivische Verfremdung wird gerne in Märchen oder Trickfilmen verwendet, wenn z. B. Mäuse oder „geschrumpfte“ Menschen zu „echten“ Menschen, sprich Riesen aufschauen.

     

    In Spionagefilmen wachen die durch Betäubungsmittel paralysierten Helden gerne am Boden liegend auf und sehen zunächst schemenhaft, wie ein feindliches Geheimdienstmitglied auf sie herabschaut.

     

     

    Gestaltung mit der Perspektive

    Natürlich kann man gegen alle hier erwähnten Bewertungen auch inhaltlich gegensteuern also kontrapunktisch arbeiten. Denn natürlich spielen auch andere gestalterische Elemente in die Bildaussage hinein.

     

    Wenn in einer Szene ein frisch verliebtes Paar gezeigt wird und er liegt im Gras und sie kommt zu ihm und spricht zu ihm, so wird die Untersicht von ihr gewiss keine Bedrohlichkeit, sondern eher Nähe und Zärtlichkeit ausdrücken.

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