Requisite

  • Das Drehen in Filmstudios bietet eine Menge Vorteile,- was muss man darüber wissen?

  • Der innere Fahrplan bei Schauspielern weist ihnen die Richtung für die richtigen Handlungsabläufen, die sich je nach Szene oder Einstellung verändern. Genauso wie die Handlung der Figur einem roten Faden folgt, muss die Position des Schauspielers im Verhältnis zum Raum stimmen; sowie zu anderen Personen und zur Kamera.

  • Schokolade, die auch unter dem heißesten Scheinwerferlicht nicht zum Schmelzen zu bringen ist?

    Flaschen, die sich der Hauptdarsteller sorglos auf dem Kopf zerschlagen lässt und Holzmöbel, so leicht, dass ein dreijähriges Kind sie tragen kann.

    Der Fachhandel bietet so manches Hilfsmittel an, womit die Dreharbeiten leichter von der Hand gehen.

    Hilfsmittelchen:

    Kunsteiskugeln, Kunstschokolade,
    Eisschnee, Eiszapfen

    Bierschaumstabilisator, Schwimmende Blasen,  Kaltes kochendes Wasser, Rauch ohne Feuer in versch. Farben, Feuer ohne Rauch

    Wasserlachen, Feuerwerk, Gläser und Flaschen aus Zucker, Spinnweben

     

    Tipps & Tricks

    Es ist merkwürdig beim Film. Manche Effekte oder Hilfsmittel, die ein Requisiteur oder Ausstatter einfach nur im Laden gekauft hat, lösen beim Team große Bewunderung aus:

    Die Schachtel voller Mücken, Fliegen oder Spinnen (kann sich jeder im Zoofachhandel für ein paar Euro selbst besorgen). Auch die anderen oben genannten Hilfsmittel – sie sind zwar etwas teurer, erfordern aber auch kein besonderes Know-how. Eigentlich muss man nur wissen, wo man sie kaufen kann.

     

    Künstlicher Regen

    Regenmachen 2000

    Straßenkreuzung wird für Dreharbeiten mit künstlichem Regen bewässert

     

    Dafür sind andere, scheinbar banalere, vom Team kaum beachtete Dinge, wie künstlicher Regen, viel schwieriger zu handhaben und erfordern tatsächlich eine Menge Erfahrung:

    Die Regentropfen müssen größer sein als bei „echtem Regen“, damit die Kamera diese überhaupt aufzeichnen kann. Das Wasser darf nicht zu hoch sprühen (Rohre mit Löchern oder Feuerwehrspritzen), sonst fallen die Tropfen zu schnell.

     

    Außerdem muss man beim Wechsel der Einstellungsgröße (Totale/Nahe) den Regen wieder neu anpassen, damit im geschnittenen Film der Eindruck einer einheitlichen Regensituation entsteht. Ein gutes Gefühl für den Eindruck von Tiefe, das Vorhandensein von Regen nicht nur im Vordergrund, sondern auch im Hintergrund ist ebenso wichtig. Ganz nebenbei muss auch noch darauf geachtet werden, dass das Regenwasser nicht mit der Lichtanlage in Berührung kommt.

     

    Besonders beeindruckend sind natürlich die Tricks der Pyrotechniker. Um etwa bei simulierten Sprengungen den Eindruck herumfliegender Teilchen zu erzeugen, werden Korkkrümel und Stücke in die geplanten Sprenglöcher gestopft.

    Wird dann die Detonation bei laufender Kamera gezündet, fliegen die (harmlos leichten) Korkteile nur so  durch die Gegend und lassen sich im Film von splitterndem Metall oder Steinbrocken nicht unterscheiden.

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    Bilderrahmen

    Bilderrahmen aus Styropor von vorne

    Requisiteure beim Film tragen nicht nur auffindbare oder entleihbare Gegenstände zusammen, mit denen sie die unterschiedlichen Drehorte glaubwürdig und lebendig wirken lassen, oft genug müssen sie auch Dinge selbst herstellen.

     

    Viele Gegenstände, die sich Regie oder Ausstattung vorstellen, existieren so in der Realität gar nicht. Insbesondere im Fantasy- und Sci-Fi-Bereich spielen die gebauten Requisiten eine große Rolle. Gespenstische Räume, Höhlen, Kommandozentralen oder Raumschiffe stehen nun mal nicht so einfach irgendwo herum. Sie müssen gebaut werden. Viele Räume stehen real gar nicht zur Verfügung und wären als naturgetreuer Nachbau einfach unbezahlbar.

     

     

    Alternatives Recycling

    Technik-Schrott, alte Steuerpulte und Metallabdeckungen haben bereits 1984 Roland Emmerich bei seinem im Raum Stuttgart verwirklichten Film „Das Arche-Noah-Prinzip“ geholfen, mit kleinem Budget für die „Europäisch/Amerikanische Raumstation FLORIDA ARKLAB“ das richtige Space-Gefühl aufkommen zu lassen.

    Bilderrahmen von hinten

    Bilderrahmen aus Styropor von hinten

    Da Requisiteure ständig die erforderlichen Gegenstände an die verschiedenen Sets transportieren müssen, spielt auch das Gewicht eine bedeutende Rolle. Ein Grabstein oder eine Statue aus mit Gips bezogenen Styropor kann die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes erleichtern. Marmor oder andere Steinarten, aber auch Holz oder Keramik lassen sich relativ einfach nachbilden.

     

    Manche Bilderrahmen, Uhren etc. sind zu schwer, um sie provisorisch und ohne Bohrlöcher an einer Zimmerwand anhängen zu können. Schließlich will man den Motivinhabern ja nicht die Räume ruinieren. Leichte Requisiten lassen sich einfach an die Wand kleben und spurlos wieder entfernen. In „Midsommar Stories“ wurde als Requisit in einem alten Bauernhaus ein präparierter Bilderrahmen eingesetzt, der nur wenige hundert Gramm auf die Wage bringt.

    Manche Objekte müssen präpariert sein, weil sie in der Szene zerbrechen sollen, ohne dass jemand ernsthaft verletzt wird. In einer Episode der „Midsommar Stories“ zertrümmert Bauernsohn Edmund mit der Faust einen Badezimmer-Spiegelschrank. Die Requisiteure haben für die Szene die echten Glasscheiben gegen Zuckerglas-Scheiben ausgetauscht.

    Die Unversehrtheit der Darsteller steht auch im Vordergrund bei allen Variationen von Nahrungsmitteln, die normal Sterbliche besser nicht essen sollten. Da werden vielerlei Insekten aus Gelatine, Marzipan, Eiweiß, Puderzucker und Lebensmittelfarbe nachgebildet.

     

    Kunststoffschaum und Latex

    Werden tote Tiere benötigt, so sind diese entweder präpariert (Tierpräparator) oder einfach nachgebaut. In „Liebe, Leben, Tod“ kam ein täuschend echter Nachbau eines toten Vogels zum Einsatz. In einer anderen Szene wurde eine Blumenwiese benötigt, doch statt Blumen hingen an kniehohen Blumenstielen Damenschuhe.

     

    Dabei greifen sie häufig beim Anfertigen auf leichtere Materialien zurück, die sich zudem besser bearbeiten lassen. Styropor, Kunststoffschaum, Latex, Balsaholz und diverse Modelliermassen gehören zu den wichtigsten Materialien beim Nachbau.

     

    Natürlich braucht man eine Menge Know-how, wenn man Materialien nachbilden, Gegenstände oder auch Lebendiges synthetisch erzeugen möchte. Verschiedene Spezialanbieter im Bereich Architektur- oder Kunst- und Bastelbedarf führen die wichtigsten Grundmaterialien. Das notwendige handwerkliche Geschick erwirbt man vor allem durch Praxis.

     

    Styropor lässt sich leicht mit einem elektrisch beheizten Draht zurechtschneiden, Kunststoff, Latex oder Schaumstoffe helfen, organische Objekte nachzuformen. Modelliermassen kann man oft mit leicht beölten oder mit Vaseline eingefetteten Fingern besser und glatter formen. Trocknungsprozesse werden durch Wärmezufuhr, etwa durch eine Lampe beschleunigt. Viele Naturmaterialien (Federn, Stroh, Bast, Leder etc.) und sensibel angemischte Farben können den Realitätseindruck verstärken helfen.

     

    Viele Baustoffe findet man auch deutlich billiger als im Spezialhandel, im Baumarkt. So ist Autokitt von Teroson zum Befestigen von Objekten aller Art ideal und deutlich billiger als die fast identischen Haftmaterialien aus dem Film- und Fotozubehör. Mit verschiedenen Grundstoffen (Sand, Sägemehl, Mehl, Keramikstaub) kann man sich Modelliermassen auch selbst zusammenmischen.

     

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18-01--2020 12:00 pm - 19-01--2020 16:00 pm

01-02--2020 12:00 pm - 02-02--2020 16:00 pm

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