
Was machen die eigentlich und welche Unterschiede gibt es in der Regel. Produzenten sind die Heads of ... der jeweiligen Filmproduktionen, doch was sie genau machen, darüber herrschen höchst unterschiedliche Vorstellungen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Herangehensweise und Aufgabenverteilung bei Filmproduktionen ebenfalls sehr unterschiedlich sein können. Das Wort wird nahezu inflationär verwendet und meint unterschiedlichste Jobs.
Es gibt beim Film nicht einen einfach zu beschreibenden Typ Produzent, sondern verschiedene, höchst unterschiedliche Rollen, die je nach Projektgröße, Land und Produktionsweise ganz anders ausfallen können. Jede Produzentenvariante hat eigene Aufgabenbereiche, Verantwortungen und entsprechend mehr oder weniger Einfluss auf den Film. Also schauen wir uns das doch mal etwas genauer an.
Was genau macht ein Produzent eigentlich? Man kann zu Recht sagen, dass der Beruf des Produzenten einer der am meisten missverstandenen Jobs in der Filmbranche ist. Einfach ausgedrückt könnte man sagen, dass der Produzent alles lenkt und leitet, was sich hinter der Kamera abspielt, während die Regie für alles zuständig ist, was sich vor der Kamera abspielt. Doch das vereinfacht die unterschiedlichen Herangehensweisen und Aufgabenbereicht sehr, man muss genauer hinschauen.
Während in den USA die verschiedenen Jobprofile zumeist als "Producer" benannt werden, gibt es hierzulande weitere, eigene Berufsbezeichnungen, die eine Differenzierung leichter machen.
Line Producer
(Herstellungsleiter, Produktionsleiter)
Manche Produzenten sind so etwas wie Bauleiter auf einer Großbaustelle die sich darum kümmern müssen, dass alle Arbeiter an den richtigen Stellen arbeiten, dass alle notwendigen Materialien rechtzeitig bestellt und geliefert sind und zur Verfügung stehen, dass die notwendigen Baumaschinen vorhanden sind, die Arbeiter verpflegt werden usw. Man könnte sie als "Line-Producer" bezeichnen.
Sie sind direkt verantwortlich für die ganz konkrete, praktische Umsetzung der Dreharbeiten, sie erstellen Produktionspläne (bis hin zur Fertigstellung und Endabnahme), Drehpläne, Budget, Kostenstand, stellen den technischen Stab zusammen, kümmern sich um Genehmigungen und Drehorte, verhandeln und vereinbaren Verträge. Sie überwachen den reibungslosen Produktionsablauf und kümmern sich darum, dass alles im kalkulierten Budgetrahmen bleibt. Sie sind so etwas wie die Verbindung zwischen dem Team, der Regie und der Produktionsfirma.
Kreative Producer
Andere Produzenten sind zusätzlich ein kreativer Ausgangspunkt, sie finden eine Geschichte, die sie erzählen möchten (vielleicht ein Zeitungsartikel oder ein Buch). Sie kennen ein Buch, das sie lieben, oder ein Computerspiel, Musical oder Comic das sie lieben, und dann beginnen sie mit den ersten Schritten, daraus einen Film werden zu lassen. Man nennt das Projektentwicklung und eine der ersten Aufgaben ist es, Drehbuchautoren zu finden, die zu der Idee passen.
Sie kümmern sich darum, dass daraus ein Drehbuch wird, stellen eine Gruppe von Menschen zusammen, die helfen, diese als Film zu erzählen, und versuchen dann jemanden zu finden, der das finanziert und Wirklichkeit werden lassen will. Sie sind damit verantwortlich für die kreative Entwicklung eines Films, beginnend bei der Stoffwahl, über die Drehbuchentwicklung, Tonalität, Besetzung bis hin zur Auswahl der Regie. Kreative Produzenten arbeiten eng mit Drehbuchautoren und Regisseuren zusammen und sind so etwas wie der Motor insbesondere in den frühen Phasen eines Filmprojektes.
Sie begleiten das Projekt also auch künstlerisch von Anfang bis zum Ende. Das schließt nicht aus, dass sie auch an Pitches und der Finanzierung des Projektes beteiligt sind.
Ausführende Produzenten
(Executive Producer)
Wieder andere Produzenten konzentrieren sich darauf, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, sie sind Spezialisten darin, Projekte finanziell aufzugleisen. Leider ist es gar nicht einfach, Filme finanziert zu bekommen. Dafür braucht es Leidenschaft, Beharrlichkeit, Geduld und Ausdauer und was am wichtigsten ist, man muss in der Lage sein, unbeschadet, Ablehnungen zu akzeptieren ohne aufzugeben.
Man kann sie auf der obersten Finanzierungsebene antreffen, sie bringen in ein Projekt Geld, Vereinbarungen oder auch Rechte mit ein, haben oft gute Verbindungen zu Fernsehsendern, Filmvertrieben, Filmverleihern, Investoren, Streaminganbietern etc. Dafür sind sie in die tatsächliche Umsetzung der Dreharbeiten, in die inhaltlich gestalterische Form weniger bis gar nicht eingebunden.
Hauptproduzent
Producer
Insbesondere in Deutschland, Östereich und der Schweiz liegt die Gesamtverantwortung für ein Projekt häufig bei einer Person. Diese ist für die Entwicklung, Finanzierung, Herstellung und Vermarktung gleichermaßen verantwortlich. Das ist im Grunde genommen eine Zusammenführung des kreativen und des organisatorisch tätigen Produzenten.
Ko-Produzenten
Je höher die Kosten eines Filmes sind, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch noch Produzenten aus anderen Ländern (oder Bundeländern) als Ko-Produzenten mit eingebunden sind. Auf diese Weise kann auf weitere Fördertöpfe aus anderen Ländern oder auf europäischer Ebene (Eurimages, Creative Europe) sowie auf internationale Fernsehsender zugegriffen werden. Dies bedingt aber häufig auch, dass die Ko-Produzenten für ihren Finanzierungsbeitrag, den sie aus ihrem Land mit einbringen, eine gewisse Mitsprache bei dem Projekt bekommen. Dies kann auch bedeuten, dass sie Teile der Besetzung, des Teams, der Technik oder auch Drehorte im eigenen Land mit einbringen.
TV-Producer
Insbesondere bei Auftragsproduktionen verstehen sich viele Redakteure ein Stück weit auch als überwachende Produzenten. Sie achten auf die Einhaltung von ihren individuellen Sendeplatz‑Anforderungen, überwachen die Konsistenz des Formats, die Einhaltungs von Jugendschutz, Erfüllung von Zuschauererwartungen, der Länge und der Inhalte. Nicht selten sind sie es, welche Drehbuchautoren beauftragen und die Entwicklung begleiten.
Assoziierte Produzenten
Associate Producer
Dies sind häufig Personen, die auf irgendeine Weise dem Projekt weitergeholfen haben, etwa durch ihre Kontakte und Beziehungen, vielleicht haben sie ermöglicht, mit bestimmten Stars arbeiten zu können oder an schwer zu bekommenden Drehorten drehen zu dürfen. Sie werden im Abspann eines Filmes genannt, nicht zuletzt um ihnen damit zu danken und ihre Leistung zu würdigen.
Kapitäne und Zirkusdirektoren
Wenn Filmteams so etwas wie ein Wanderzirkus sind, dann sind Produzenten so etwas wie Zirkusdirektoren. Und so wie man sich bei richtigen Zirkusdirketoren beklagen, ausheulen, ermutigen lassen kann, ist es auch bei Produzenten. Man muss stets das, was für die Vision, was für eine emotionale Wirkung des Films optimal ist, im Auge behalten. Manchmal kann das zu Konflikten mit verschiedenen Teammitgliedern führen, oder mit der Regie oder mit der Fernsehredaktion. Stets muss man wie ein Kapitän auf Kurs bleiben, muss man die Vorstellung die man von dem fertigen Film in sich trägt, verteidigen.


