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Sonatine

 

Sonatine

 

Regie: Takeshi Kitano, Japan 1993

 

Ein Dasein als Yakuza bedeutet auch viel Gewalt

Auch das Leben eines Yakuzas kann schnell eintönig werden: Bandenkriege, Schießereien und Morde. Selbst der Besuch eines dienstleistungsorientierten Etablissements oder das genussvolle Foltern eines zahlungsunwilligen Spielhallenbesitzers (an einem Kran über einem Gewässer hängend) bringen nicht die nötige Abwechslung. Folglich kommt auch bei Yakuza Murakawa (Takeshi Kitano) keine rechte Freude mehr an seinem Beruf auf. Sein Boss Kitajima schickt ihn und seine Gefolgschaft schließlich nach Okinawa um dort den Streit zwischen zwei verfeindeten Clans zu schlichten. Kaum angekommen und einen Mordanschlag später, bemerken sie, dass sie in eine Falle getappt sind. In stark reduzierter Anzahl taucht die Gruppe erst einmal in einem abgelegenen Strandhaus unter. Langeweile macht sich breit, der die Männer durch zunehmend absurdere Spiele zu entgehen versuchen: russisches Roulette, Sumo-Ringkampf und - als Frauen verkleidet - durch Tanzeinlagen. Eines nachts rettet Murakawa eine Frau vor einer Vergewaltigung. Eine zarte Liebe entwickelt sich zwischen den beiden und die Frau schließt sich der Gruppe an. Als schließlich ein Killer auftaucht, beschließt Murakawa die Drahtzieher zu stellen.

"Sonatine" gehört zu den frühen Filmen des japanischen Filmemachers Takeshi Kitano. Kitano führte bei diesem Film nicht nur Regie, schrieb das Drehbuch und übernahm den Schnitt, sondern spielte zudem die Hauptrolle des von seinem Leben gelangweilten Yakuzas Murakawa. Der Tod ist allgegenwärtig, aber er bereitet Murakawa keine Angst. Er betrachtet ihn viel mehr als Erlösung seines eintönigen Lebens. Das Warten auf den Tod steht im Zentrum des Films. Der Tod ist das unausweichliche Schicksal eines Yakuzas, was Kitano in erster Line durch die Liebesbeziehung zu Miyuki verdeutlicht. Besonders im mittleren Teil des Films, der sich deutlich durch seine friedliche und kindliche Atmosphäre vom Anfang und vom Ende des Films abgrenzt, eröffnet Kitano eine Perspektive auf ein anderes Leben. Obwohl Murakawa den Showdown mit den Drahtziehern der Intrige überlebt und er die Chance hat, ein neues Leben zu beginnen, verlässt Regisseur Kitano mit der Figur des Murakawa nicht den Schicksalsweg eines Yakuzas: Auf dem Weg zu seiner Geliebten, jagt sich Murakawa eine Kugel in den Kopf. Kitano entscheidet sich bewusst gegen eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive - das einzig sinnvolle Ende um nicht in ein plattes Happy End abzudriften. "Sonatine" ist zwar auch ein Gangsterfilm, aber in erster Linie eine tragisch-komische Reflexion des japanischen Yakuza-Daseins samt dem dazugehörigen Filmgenre. Wichtigstes Stilmittel Kitanos ist neben dem minimalistischen Einsatz von Handlung, Mimik (auffällig ist der gleichgültige Blick einer Gruppe von Yakuzas in die Kamera), Dialogen und Musik, die kontrastive Gegenüberstellung von ruhigen, stillen Momenten, in die schonungslos und explosionsartig die Gewalt einbricht, während weiterhin die Musik leise vor sich hin spielt, wodurch unweigerlich ein grotesk-komischer Unterton erzeugt wird. Ein sehenswerter, aber eigenwilliger Film.

 

Gesehen von Birgit Bagdahn

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