Direkt an der Ostsee, in der estischen Hauptstadt Tallinn lockt das alljährliche Filmfestival Filmschaffende aus aller Welt zu einer über zwei Wochen andauernden Feier des Kinos.

 

Reist man mit dem Flugzeug an und steigt um 14 Uhr in Frankfurt ein, so wird es auf dem Flug schon nach einer Stunde Flugzeit dunkel und wenn man dann knapp zwei Stunden später in Tallinn landet, wird einem klar, warum das Festival "Black Nights Film Festival" genannt wurde.

 

2017 erlebt das Festival seinen 21sten Geburtstag und ist damit quasi volljährig geworden. Es ist ein A-Festival, eines der wenigen, die es weltweit gibt und erfüllt für diesen Status eine ganze Reihe von Vorgaben, darunter auch einen internationalen Filmmarkt zu organisieren.

 

 

Das Festival legt großen Wert auf Autorenfilme, nicht nur abendfüllend sondern auch als Kurzfilm. Die Reihen sind teilweise auch für uns verständlich und heißen "Foorum", "Panoraam", "DOC@PÖFF", andere bedürfen der Übersetzung, wie "Ölised Värinad" (Mitternachts-Schrecken),  "Eritinastused" (Spezial-Vorführungen), "Pöhjusega mässajad" (Rebellen aus gutem Grund) sowie "Pöhlivöistlusprogramm", was nichts anderes ist, als der Wettbewerb.

 

Die Veranstalter begegnen ihren Gästen übrigens mit großer Herzlichkeit, die Begeisterung für das Kino ist allerorts spürbar. Zwischen den Filmen kann man sich die zauberhafte Altstadt und den Weihnachtsmarkt anschauen, die vielen Leuchtelemente und der geschmückte Tannenbaum lassen einen die lange Dunkelheit sofort vergessen.

 

Premiere "Vakuum"

Barbara Auer (Rolle der Meredith), Christine Repond (Regie) und Robert Hunger-Bühler (Rolle André)

 

Einer der 18 Wettbewerbsfilme, die auf dem Festival ihre Uraufführung erleben, ist Christine Reponds "Vakkum", die Geschichte einer Frau, die völlig überraschend die Diagnose erhält, HIV Positiv zu sein und der einzig mögliche Ansteckungsweg muss über ihren Mann gegangen sein, mit dem sie seit Jahrzehnten verheiratet ist. Als sie ihm mit dem Auto folgt, findet sie heraus, dass er Bordelle besucht.

 

Barbara Auer und Robert Hunger-Bühler spielen in dieser fast dokumentarisch entblößenden Geschichte rund um den Verlust von für gesichert erachteten Grundvertrauens, ein Ehepaar aus besten Verhältnissen. Ihr Ringen darum, ob man trotz dieses massiven Vertrauensbruchs zusammen bleiben kann, steht im Mittelpunkt des Filmes.

 

Zur Weltpremiere, die im Tallinner IMAX Kino stattfand, waren neben den Hauptdarstellern auch die Regisseurin Christine Repond sowie ihre Produzentin Karin Koch von Dchoint Ventschr, Zürich, angereist. Während der Vorführung ging das Publikum im IMAX sichtlich berührt mit dem Schicksal den Ehepaaren mit und applaudierte im Anschluss begeistert. Nach dem Film stellten sie sich den Fragen von Programmer Christoph Gröner sowie den Zuschauern.

 

 

Für ihre Leistung in der Rolle der Meredith wurde Schauspielerin Barbara Auer mit dem Preis für die beste weibliche Hauptrolle im Wettbewerb des Black Nights Film Festivals ausgezeichnet, eine Anerkennung, die zugleich den Film und alle, die daran mitgewirkt haben, würdigt.