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House of Fools

 

 

Regie: Andrej Kontschalovskij, Drama , Russland, Frankreich 2002

Ein Heim geistig behinderter Menschen - irgendwo zwischen den russischen und tschetschenischen Fronten - hierhin entführt Andrej Konschalovskij das Publikum seines auf wahren Begebenheiten beruhenden Dramas.

In dem dort herrschenden Tohuwabohu vermag man anfangs kaum zwischen Patient und Pflegepersonal zu unterscheiden. Befremdlich erscheint diese grotesk überzeichnete Welt für den Zuschauer. Doch schnell entdeckt man in dem chaotischen Trubel liebenswerte Persönlichkeiten. Wirklich befremdlich ist lediglich Popsänger Brian Adams. Die Anstaltsinsassin Janna flüchtet sich immer wieder in ihre Traumwelt, in der Brian Adams und sie ein Paar sind. Dieser ist in dem Film allerdings nicht nur durch seine Musik ständig präsent, sondern tritt auch physisch in Jannas Träumen in Erscheinung.

Nach 104 Minuten werden seine kitschigen Auftritte allerdings etwas anstrengend. Wenn sich Konflikte abzeichnen greift Janna zu ihren Akkordeon und aus den bläulich unterkühlten Bildern des Filmes wird eine hell-leuchtende heile Welt, in der die Menschen tanzen und fröhlich sind. Als der tschetschenische Krieg ausbricht und Arzt und Pflegepersonal verschwinden, sind die Heimbewohner auf sich gestellt. Doch angesichts von Bombenangriffen und Soldaten, die das Heim als Unterschlupf nutzen, ist es mit der scheinbar errungenen Freiheit schnell vorbei. Als der Soldat Ahmed Interesse an Janna zeigt und sie schließlich fragt, ob die ihn heiraten würde, stürzt Ahmeds Werben Janna in große Gewissenkonflikte gegenüber ihre Liebe zu Brian Adams. Nach reichlicher Überlegung entscheidet sie sich für Ahmed. Am Tag ihrer Abreise, der aus einer liebevollen Abschiedszeremonie zwischen den Bewohnern und ihr besteht, wird deutlich, wie sehr die Heimbewohner ihre Familie geworden sind. Doch dieses Zuhause erkennt Janna nicht, ihr Wunsch nach einem anderem Leben ist größer. Also macht sie sich auf den Weg zu Ahmed, dessen Freude über das Auftauchen seiner Zukünftigen eher gemäßigt ist. Der schüchterne Heimbewohner und Poet Ali, der seit längerem in Janna verliebt ist, macht sich schließlich auf dem Weg sie zurückzuholen.

Jannas Traurigkeit über Ahmeds gebrochenes Versprechen wird vom Einmarsch der russischen Soldaten überschattet. Für die Bewohner stehen Zusammenhalt und Fürsorge füreinander jetzt im Vordergrund. Als Janna eines Tages Ahmed im Heim entdeckt, kann sie ihren Augen kaum trauen. Er gibt sich als einer von ihnen aus, um nicht von den Russen in Gefangenschaft genommen zu werden. Konschalovskij verflechtet in seinem Film geschickt das Leben der für die Außenwelt verrückt erscheinenden Heimbewohner mit der Absurdität des Krieges. Doch das Behindertenheim, von den Soldaten (!) als "Nuthouse" betitelt, ist nicht der eigentliche Ort des Wahnsinns, dieser findet vielmehr auf den kriegerischen Schlachtfeldern statt.

Der Regisseur bewegt sich fortwährend auf der Grenze zwischen Tragik und Komik, so wie auch beim Krieg die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn fließend sind. Dieser Spagat gelingt ihm auch zu großen Teilen, zeitweise driftet er allerdings vom Absurden zu sehr ins Lächerliche ab, was zur Folge hat, dass auch die Ernsthaftigkeit seines Anliegens kurzerhand verschwindet. Trotz alledem ist "House of Fools" ein liebevoll inszenierter Film, der durch seine skurrilen Persönlichkeiten und deren Träume, Hoffnungen und Probleme besticht. Besonders hinreißend fand ich die überzeugende Darstellung der Akkordeonspielerin Janna und dem Poeten Ali. Sehenswert.

 

Gesehen am 28.06.03 von Birgit Bagdahn

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